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Die Welt · 1901-07-05 · 27 (5.7.1901) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
27 (5.7.1901)
Article
Die vierte Jahresversammlung der amerikanischen Zionisten
Date
1901-07-05
Page
7 (sequence 5)
Language
German
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Nr, 27 „Die # Welt* Seite 7 sehen Bewegung noch schuldig geblieben. Das muss anders werden. Freunde, Brüder, raffet Euch auf! Wir brauchen Eure Mithilfe, nicht nur Eure Begeisterung, die in Massenversammlungen aufraucht, um dann wieder zu verschwanden. Organisiert Euch! Gründet Ortsgruppen, Zweigvereine aller Art, neben den Vereinigungen der Männer auch Frauen- und Mädchenvereine, Turnvereine, Gesangvereine, schaffet neben Bethäusern, ökonomischen und wohlthätigen Vereinen, auch gesellige Gruppen, alles im Zeichen Zions. Stück um Stück des jüdischen Lebens muss unter die Fahne der Nation gebracht werden» Der Mögen Dovid soll wieder leuchten als das Zeichen der Vereinigung der Stämme Israels. Das ist aber keine Spielerei und Unterhaltung, es hat einen sehr ernsten, sehr praktischen HintergTund. Wie sollen Eure Vertreter mit den Regierungen unterhandeln, wenn sie nicht auf das schon heute in der Zerstreuung unter dem Zeichen Zions geeinigte Volk hinweisen können! Es genügt nicht, dass Ihr enthusiastische Versammlungen veranstaltet. Aus den Versammlungen müssen auch organisierte Mitglieder des grossen, den Erdkreis umspannenden Zionsbundes hervorgehen. Dann wird auch die Arbeit Eurer Central Vertretung rasch und herrlich werden und mit Gottes Hilfe ans Ziel führen. Wenn die ersehnte, die heilige Stunde kommt, wo der Ruf an Euch ergeht, dann müsst Ihr vorbereitet sein für die künftigen gemeinschaftlichen Volksschicksale. Organisieret Euch! Die Federation der amerikanischen Zionisten könnte zehn- oder zwanzigmal so stark sein, als sie gegenwärtig ist, wenn alle unsere Gesinnungsgenossen in den Vereinigten Staaten beigetreten wären. Es genügt nicht, innerlich ein Zionist zu sein und in Privatgesprächen zu erklären, dass man dasselbe finde, was alle edeldenkenden Christen finden: dass es eine schöne, gerechte, hohe Sache sei. Bekennt es offen, schliesst Euch offen an, tretet dem Bunde Zions bei. Das erwarten Eure Brüder von Euch. Und wenn Ihr das gethan habt, dann könnt Ihr auch von Euren Führern etwas erwarten. Theodor Herzl. Die deutschen zionistischen Studenteu. Die zionistischen Studenten, insbesondere Oesterreichs, sind in ausgesprochen zionistischen Verbindungen vereinigt und bethätigen innerhalb ihren Verbindungen und aus diesen heraus die zionistische Gesinnung. Eine solche Organisation fehlt noch in Deutschland, ein Mangel, der sich immer fühlbarer macht,. Den jüdischen Studenten Deutschlands, die ihr Judenthum nicht verleugnen wollen, stehen zwei grössere Verbände zum Anschlüsse zur Wahl. Der eine Verband ist der sogenannte K. C; hierin haben sich die Verbindungen geeinigt, die von der ehemaligen Breslauer Verbindung „Viadrina" ins Leben gerufen wurden. Ihr Standpunkt ist der des „Trutzjudenthums". Sie haben sich nur zusammengeschlossen, weil die alten Verbände, wie Burschenschaften, Corps, Turnvereine, Landsmannschaften etc., sie als Juden nicht aufnehmen wollen. Sollte es dazu doch wieder einmal kommen, so verliert damit der K. C. eigentlich seine Existenzberechtigung, was auch von den meisten seiner Mitglieder offen zugegeben wird. Dem Zionismus gegenüber verhalten sie sich neutral, die Mitglieder können auch Zionisten sein, indess dürfen sie öffentlich weder für noch gegen den Zionismus sich aussprechen oder agieren. Damit ist die Bethätigung zionistischer Gesinnung unterbunden, und in ihren Reihen befinden sich auch nur vereinzelt Zionisten. Der andere Verband jüdischer Studenten in Deutschland ist der B. J. C. „Bund jüdischer Corporationen", der die „Vereine jüdischer Studenten" umfasst. Die Vereine jüdischer Studenten sind von Zionisten ins Leben gerufen worden. Ihr statutarischer Zweck ist, „Pflege des jüdischen Selbstgefühles und VolksbewTusstseins". In Wirklichkeit führte zu der Gründung dieser Vereine, der Gedanke, in ihnen Propaganda statten für die zionistische Idee zu schaffen. Man wollte dies nicht offen zugeben, da man befürchtete, dann von vorneherein viele fernzuhalten, die noch nichts vom Zionismus wussten, oder ihn nur entstellt kannten. Und nirgends wurden je so viel Märlein über den vaterlandsverrätherischen und antireligiösen Zionismus verbreitet wie gerade in Deutschland. In der That entwickelte sich auch in der ersten Zeit eine rege rein zionistische Thätigkeit in dem V. J. St., speciell dem Berliner. Allmählich kamen aber immer mehr nichtzionistische Elemente hinein, die im V. J. St. wohl zionistenfreundlich, aber nicht zionistisch wurden. Die Idee des V. J. St., wie sie im Statut stand, wurde alleiniger Zweck. Dagegen könnte man schliesslich auch nichts einwenden. Aber die V. J. St. begannen nun auch nach Möglichkeit zu verhüten, dass sie in den Geruch kämen, zionistisch zu sein. So gab ein V. J. S. gelegentlich einer studentischen Wahl an, nicht jüdisch-national zu sein. Ein anderer verbot seinen Mitgliedern, ein Amt in irgendwelchen Vereinen — in Betracht kommen nur zionistische — anzunehmen. Man sah aus den V. J. St, keine neuen Zionisten hervorgehen. Die früher Zionisten waren, zahlten ja theilweise noch ihren Schekel. Damit war aber ihre zionistische Thätigkeit erschöpft, denn der V. J. St. nahm ihre ganze ireie Z«it in Anspruch. Diese Missstände wurden auch am Delegiei tentage der deutschen Zionisten, der im Mai in Berlin stattfand, eingehend erörtert. Das Ergebnis war die Annahme einer Resolution, in der die zionistischen Studenten aufgefordert wurden, zionistische Studentenvereine zu gründen oder aber, falls sie bereits in nicht ausgesprochen zionistischen Vereinen sind, die zionistische Idee jederzeit höher zu stellen als das Verbindungsinteresse. Wie nothwendig eine solche Ermahnung war, wie wenig sie aber auch beachtet wurde, bewies die nächste Folge in Berlin. In der Versammlung der dortigen zionistischen Vereinigung, in der über den Delegiertentag Bericht erstattet wurde, erschienen die zionistischen Mitglieder des V. J. St. ebensowenig wie zu x anderen Versammlungen. Dadurch wurde die Debatte, die sich an jene Resolution des Delegiertentages knüpfte, vielleicht noch etwas verschärft. Jedenfalls wurde die zionistische Unthätigkeit der Mitglieder des V. J. St., die sich Zionisten nannten, hier scharf gegeisselt. Die Folge war, dass der gesammte V. J. St., der sich getroffen fühlte, die Herren, die gewagt, an ihrem Verhalten Kritik zu üben, mit schweren Säbelfordrungen bedachte. Die Möglichkeit, die Angelegenheit nun einem jüdischen Ehrengerichte zu unterbreiten und durch dieses eventuell beilegen zu lassen, Hessen die Herren vom V. J. St. nicht in Frage kommen, sondern sie zogen es vor, sich von einem christlichen Ehrengerichte — zum Gaudium natürlich der christlichen Commilitonen — belehren zu lassen, dass man politische Differenzen nicht mit der Waffe austrage. Und die zionistischen Mitglieder des V. J. St. erklärten, dass, sobald das Verbindungsinteresse in Frage käme, dieses ihnen über alles gehen müsse. Demgemäss handelten sie auch. Damit zeigen sie aber, dass es niemals mit ihrer zionistischen Gesinnung weit her gewesen sein könne, wenn sie das Interesse des Zionismus, der doch Lebensanschauung ist und Ausdruck einer Volksbewegung, nicht einmal so hoch bewerten wir das einer studentischen Verbindung. Die jungen. Akademiker sind aber ein notwendiger Factor in der zionistischen Propaganda. Und wir können nicht ruhig mitansehen, wie sie uns verloren gehen. Das geschieht aber, wenn sie einem der heute bestehenden jüdischen Studentenvereine Deutschlands beitreten. Nun hat ja doch der junge Akademiker meist das Bedürfnis, an eine intimere Organisation wTie die einer studentischen Verbindung sich anzuschliessen. So wird es zur Notwendigkeit, neue akademische zionistische Organisationen in Deutschland zu schaffen. Eine solche ist auch schon in Berlin begründet worden. Es wird sich vielleicht nur darum handeln, dass diese „akademische Gruppe" der zionistischen Vereinigung etwas straffer organisiert wird, und wir haben das, was uns so noththut. Wenn dann an den anderen Universitäten gleiche Gruppen gegründet würden und sich diese zusammenschlössen so wäre das ein sehr wertvolles Glied in den zionistischen Organisationen. Ob sich diese dann mit dem nach den Berichten der „Welt" in München ins Leben gerufenen Verband jüdischer Studierender vereinen könnte, wird sich späterhin zeigen. Wir hoffen es, obwohl jetzt verlautet, dass dieser Verband nur russische Studierende umfassen wolle und das Russische die Verhandlungssprache in ihm sei. Aus den Berichten der „Welt" geht das ja nicht hervor,

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