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Die Welt · 1901-06-21 · 25 (21.6.1901) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
25 (21.6.1901)
Article
Die Verhandlungen
Date
1901-06-21
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Seite 4 „Die # Welt" Nr. 25 Ein eintönig dunkles Bild, das kaum von einigen matten hellen Strichen durchzogen ist. Helle Striche — ja es gibt solche. Es gibt helle Punkte, die uns zur Hoffnung berechtigen, dass es doch einmal hell in Israel wird. An erster Stelle müssen wir der Schöpfung jenes grossartigen Mannes gedenken, dessen Opferwilligkeit und Liebe wohl in später Zeit gewürdigt sein wird. In 50 galizischen Städten kämpfen einige hundert Lehrer der Baron Hirsch'schen Stiftung gegen die Entartung und den Niedergang. Es ist ein bescheidener, aber grosser Heldenkampf, ein siegreicher Kampf. Wenn der Satz: „Wissen ist Macht" noch seine Geltung hat, so schaffen diese stillen Helden die Colonnen der jüdischen Macht. Sie erziehen die Jugend im jüdischen Geiste zu modernen Juden., die im Judenthum fussen. Die Baron Hirschsche Stiftung sucht im edlen Bemühen ihre Zöglinge vom unseligen Kleinhandel loszureissen; langsam aber stetig wird die Jugend den produetiven Berufen, dem Handwerk, der Industrie, einzelne dem Gartenbau, der Landwirtschaft zugeführt. Eine neue gesunde productive Rasse der Juden wird in diesen Schulen erzogen, von patriotisch, zum grosseh Theile gut zionistisch gesinnten Lehrern. Und noch ein heller Punkt. Der neue nationale Geist, der das Judenthum beseelt, hat die alte jüdische Liebe erweckt. Der Verband jüdischer Humanitätsvereine hat sein Augenmerk auf Galizien gerichtet, auf die gefährliche Lage der Juden, und sinnt auf Hilfe. Mögen die „Bnei Brith" gute Berather haben, möge ihre Hilfe eine schnelle und grosse sein. In dem Mitgefühl und Interesse unserer auswärtigen Brüder sehen wir schon viel Hoffnungsreiches, Helles. Es ist vielleicht nicht meines Amtes, Schlüsse aus dieser traurigen Lage der Juden zu ziehen. Der Sehluss ist schon gezogen worden und die grosse Idee, die uns hier vereinigt, der Zionism u s, ist das letzte Glied dieser Abstraction. Für uns Zionisten gibt es nur einen massgebenden Antrag: „d a s freie Palästina!'* Aber liier im Golus dürfen wir natürlich unserer Degenerierung nicht gleichgiltig zusehen. Wir beginnen die Thätigkeit für „d a s J u d e n t h u m u n - t e r w e g s", wie die Parole auf dem Olmützer Zionistentag ausgegeben wurde. Jn den dort gefassten Resolutionen finden wir Richtpunkte genug, auch für unsere Arbeit in Galizien. Trachten wir nur, sie bald zur Ausführung zu bringen. (Lebhafter Beifall.) * Als zweiter Referent ergreift das Wort Dr. Rosen heck aus Kolomea, welcher den Bericht über den Stand der zionistischen Bewegung erstattet. Auf Anregung des Comites wurden über 50 Volksversammlungen abgehalten. Infolge der Bemühungen der Zionisten wurden sämmtliche jüdische Nationalfeste feierlich begangen. Es wurden Agitationsbroschüren verbreitet und die Vereine über den Stand der Bewegung vermittelst der durch das Bureau in Kolomea herausgegebenen sogenannten „Nachrichten" auf dem Laufenden gehalten. Nachdem die beiden Referate vorgetragen worden waren, wurde die Detaildiscussion über das Referat des Dr. Malz aungenommen. I Tut er vielen anderen zeichnet sich die Ansprache des Delegierten aus Drohobyez, Herrn L. Reich, aus. Redner möchte die Thätigkeit der galizischen Zionisten auf alle die Juden betreffenden wirtschaftlichen und politischen Landesangelegenheiten lenken. In Betreff der wirtschaftliehen und culturellen Thätigkeit der galizischen Zionisten wurde folgende Resolution einstimmig angenommen : „ü i e Conferenz erklärt sich mit den auf dem 01 m ützer Zionistentage aufgestellten Programm-Thesen einverstanden und versichert, an ihrer Durchführung in Galizien mit allen Kräften arbeiten zu wollen. (Sehluss der Vormittagssitzung 1 Uhr.) * I. Nachmittags-Sitzung. Die Sitzung fand diesmal ausnahmsweise im Saale des Vereines „Dorsche Sehlom Zion" statt. Der Verein hatte den Saal festlich geschmückt. Vom Vereinshause wehten zionistische Flaggen. Die Sitzung wurde um 4 Uhr nachmittags eröffnet. Der Einlauf wird verlesen, unter anderen Telegramme vom Actions-Comite und vielen galizischen Vereinen und Ortsgruppen. Die Conferenz entsendet Begriissungs-Telegramme an Dr. Herzl und an die gleichzeitig tagende Conferenz der Bukowinaer Zionisten in Suczawa. lieber O r g a n i s a t i o n referieren die Herren Dr. B r a u d e (Stanislau) und Dr. Wahrhaftig (Krakau). Ersterer anerkennt die Notwendigkeit der Organisation der bestehenden Zions-. vereine, und zwar auf Grund des in Basel beschlossenen Statutes, hebt aber hervor, dass das für die galizischen Verhältnisse nicht ausreiche. Man müsse, um die Möglichkeit einer Antheilnahme an allen Fragen des öffentlichen Lebens zu haben, nicht nur sich politisch bethätigen, sondern auch eine feste politische Organisation zu diesem Zwecke schaffen. Realpolitik müsse betrieben werden. Er schlägt zu diesem Zwecke Schaffung von wirtschaftlichen und culturellen Organisationen vor. Die formvollendeten Ausführungen des Referenten wurden von einer Seite mit Beifall aufgenommen, blieben jedoch nicht ohne Widerspruch. Der (Korreferent Dr. Wahrhaftig (Krakau) beschränkte sich auf die Vorlage einiger Thesen, die später zur Annahme gelangten. An die Ausführungen Dr. Braudes knüpfte sich eine lebhafte, stellenweise sogar stürmische Dicussion. Mit grosser Entschiedenheit wendete sich in einer langen Rede Herr A. H. Reich (Vertreter des österr. Landes-Comites) gegen die Anschauungen des Herrn Dr. Brande. Unsere nächste Aufgabe sei, die galizischen Zionsvereine als s o 1 c h e zu organisieren und dann im Rahmen dieser Organisation an die Ausführung der vom Olmützer Zionistentag beschlossenen Actionen zu schreiten. Vor einer officiellen politischen Bethätigung könne er nicht genug warnen, gar, solange die Organisation noch auf so schwachen Grundlagen ruhe. Gegen Organisation auf wirtschaftlicher oder cultureller Basis sei principiell nichts einzuwenden, doch seien diese Organisationen zur Zeit verfrüht und müssten sich erst von unten herauf, zugleich mit wirtschaftlichen und culturellen Institutionen entwickeln. Hierauf erklärte er den Delegierten genau das Wesen des Olmützer Organisations-Statuts und begründete, warum Galizien seine „Autonomie" als zionistische Körperschaft aufgeben und sich organisch in die österreichischen Landes-Organisation einfügen müsste. Martin Bub er (Wien) weist auf das Princip der Kraftersparnis hin; erst die alten Organisationen stärken, bevor neue geschaffen werden! Er empfiehlt, vor irgendweicher äusseren politischen Thätigkeit an t die politische Erziehung der Masse zu schreiten und die Politik zunächst auf die jüdischen Institutionen zu beschränken. Für die Thesen Brandes sprechen S. Schiller (Lemberg), der aber eine Vertagung der Frage für richtig hält, Leo Reich (Drohobyez) und H. L ü w e n herz (Lemberg); gegen dieselben u. A. D. - Schreibe r, der die Möglichkeit eines einheitlichen politischen Programmes beschreitet, das an dem Antagonismus zwischen den wirtschaftlichen ('lassen im Judenthum scheitern müsste. Dr. A. K o r k i s (Lemberg), der den diesbezüglichen Beschluss der deutschen Zionistenconferenz zur Annahme empfiehlt und die Notwendigkeit einer einheitlichen Leitung des galizischen Zionismus betont, H o c h f e 1 d , Dr. B i e r e r , Maibl um, D. S. Rapaport u. A. Die Beschlussfassung wird auf den 17. verschoben und die Sitzung um 8y2 LThr abends geschlossen. * II. Verhandlungstag. Die Sitzung wird um 10 Uhr mit der Verlesung des Ein- 1 auf es eröffnet. Ks wird sofort an die Abstimmung über die seitens der Referenten und der Delegierten vorgebrachten Anträge zum Punkte: „Organisation" geschritten. Folgende Anträge und Resolutionen gelangten zur Annahme: Thesen zu Puukt: Organisation. I. Sämmtliche auf dem Boden d es Baseler Programmes stehenden Zionsvereine in Galizien sind verpflichtet, der zionistischen Landesorganisation für Oesterreich, d. i. dem „V e rbände Z i o n" a 1 s Mitglieder beizutreten und sich an das für d i e s e l*b e geschaffene Organisationsstatut zu halten. IL Die galizischen Zionsvereine bilden zusammen das galizische Districts-Comite mit dem Sitze in L e mb e r g. III. Behufs intensiver Agitation wird der District in Kreise eingetheilt. Als Sitz der Kreisorganisationen wird bestimmt: Lemberg, Krakau, Przemysl, Droh ob y c z,S t a n i s 1 a u, Kolomea und Tamopol. Die terrtoriale Begrenzung der Kreisorganisation wird dem District-Comite überlassen. IV. Die Kreisorganisation vermittelt die Verbindung der Vereine mit dem Districts-Comite. Die Kreisorganisationen haben aber völlige Autonomie bezüglich der ökonomischen und culturellen Thätigkeit, doch müssen die diesbezüglichen. Beschlüsse dem Districts-Comite zur Genehmigung vorgelegt werden. Pv esolntionen zu Punkt: Organisatio n. "** I. Das galizische Districts-Comite wird beauftragt, im Einvernehmen mit dem österreichischen Landes-Coinite Directiven für Wahlen in jüdische Institutionen auszuarbeiten. II, Die Conferenz der galizischen Zionisten beschliesst: So oft die Umstünde es erheischen, dass Zionisten zu politischen Fragen öffentlich Stellung nehmen, ist dahin zu streben, dass jede Gegensätzlichkeit der Meinungen vermieden werde. Vor jeder solcher Stellungnahme sind daher nothwendig: ein Einvernehmen mit den Gesinnungsgenossen des betreffenden' Ortes sowie pricipielle

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