Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 25 (21.6.1901)
- Article
- Die Verhandlungen
- Date
- 1901-06-21
- Page
- 5 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 25 „Die # Welt" Seite 5 Weisungen seitens des Districts-Comites im Einverständnisse mit dem Landes-Comite. III. Die Oonferenz der galizisclimi Zionisten beschliesst: Es ist die Aufgabe des Landes- und des Districts-Comites sowie der zu dem nächsten Cöngresse zu entsendenden Delegierten dahin zu wirken, dass die zu wählende Vertretung des Actions-Comitös in Galizien mit dem Vorstände des Districts-Comites identisch sei, damit unliebsame Reibungen vermieden und die Landesorganisation nicht zersplittert werde. IV. Die Oonferenz erklärt, dass es wünschenswert erseheint, zur Anbahnung einer wirtschaftlichen Thätigkeit zugunsten der Juden in Galizien eine besondere Organisation in wirtschaftlichein Rahmen zu schaffen. V. Die Oonferenz erklärt, dass es zur Begründung einer nationalen jüdischen Erziehung wünschenswert ist, eine besondere Organisation für die Hebung des jüdischen Erziehungswesens in culturellem Rahmen zu bilden. VI. Die Versammlung erklärt die Gründung von Vorschüsse a s s e n für wünschenswert und beauftragt das Districts-Comite, die nöthigen Schritte zu unternehmen. VII. Als Ergänzung hierzu wird der Antrag Friedländer zum Beschlüsse erhoben: Die Gründung von Vorschusscassen darf nur im Einvernehmen mit den Landes- und Districts-Comites in Bezug auf Statuten und Leitung erfolgen. * Zu Punkt: Organisationen muss noch hervorgehoben werden, dass Dr. W a h r h a f t i g ein Statut für das galizische Distriets- Conrite vorgelegt hat. Dasselbe wurde, da es sich mit dem vorher gefassten Beschlüssen nicht vollständig deckte, zur Ueberpriifung an das österreichische Landes-Comite überwiesen. * Im Anschlüsse an die Debatte über „Organisation" Avurden die Wahlen ins Districts-Comite vorgenommen. Gewählt: wurden Dr. Korkis, Adolf Stand, D. Schreiber, Dr. Malz, Dr. S. R a p a port und J. L. L i p s c h i t z. Zu Obmännern der Kreisorganisation wurden gewählt: Krakau: Dr. Gold w a s s e r, Przemysl: Dr. Margel, Lemberg: Dr. Gabel, Kolomea: Doctor Rosenhec k, Tarnopol: Frl. Rosa P o m e r a n z, Stanislau: Di B r a u d e, Drohobycz: Dr. Z e i 1 e r. * Die nachfolgenden Debatten hatten „P r e s s e", t „A g i t at i o n". „1> i e Lage der Colo nisten und Arbeiter in Palästina" und „Hebräische Sprache" zum Gegenstände. Als Referenten fungierten zu Punkt „Presse"': D. S c Ii r e ij bei" (Lemberg) imdMartin B u b e r (Wien), zu „Agitation": Dr. IL Jonas (Stanislau) und Dr. A. Kernhäuser (Jaslo). Leber die Lage der Colonisten und Arbeiter in Palästina referierte Dr. vS. Kapsiport (Lemberg), über hebräische Sprache L. T a ub e s (Kolomea). Aus Raummangel müssen wir darauf verzichten, den Verlauf der Debatte ausführlich wiederzugeben, und begnügen uns im Nachfolgenden, die wichtigsten Beschlüsse zu registrieren. * Thesen zu Punkt: Presse. (Referent: David Schreiber.) I. Der Parteitag erklärt es als die vornehmste Pflicht eines jeden Zionisten, die Partei presse nach Kräften zu unterstützen und zu verbreiten. iL Die zionistische Presse verfolgt den Zweck, jüdisches Denken und Fühlen zu fördern, jüdisches Wissen zu verbreiten, den zionistischen Gedanken wissenschaftlich zu begründen und zu vertiefen, endlich neue Anhänger für den Zionismus zu werben. JI1. In Anbetracht dieser Ziele soll die zionistische Pre ise sich nicht aussehlies lieh mit Partei- und Agitations-Angelegenheiten beschäftigen. Sie soll im Oegentheil ihre Aufmerksamkeit sämmtüehen Erscheinungen des jüdischen Lebens widmen. Sie soll in ]) o ]> u 1 ä v e r F o r m die Kenntnis jüdischer Wisse n - s c h a f t, j ü d ischcr Geschichte und Literat u r ver breit e n. insbesondere sollen die Erzeugnisse der m o - d e i' n e n h e b r ii i s c h e n L i t e r a t u r dem zionistischen Lesepublieum näiier gebracht werden. IV. Um neue Anhänger zu gewinnen, braucht die zionistische Presse nicht, speeielle Abhandlungen agitatorischen Inhaltes zu veröffentlichen. Es ist angezeigter und dem angestrebten Zwecke viel entsprechender, wenn sie alle Vorkommnisse des politischen, wirtschaftlichen und geistigen Lebens der Juden von zionistischen Gesichtspunkten behandelt und so das Eindringen zionistischer Anschauungen in weite Kreise fördert. V. Die zionistische Presse Galiziens soll bestrebt sein, die Verhältnisse in den jüdischen Oulturgenieinde-Vertretungen dieses Landes allseitig zu beleuchten und den Weg zur Sanierung des bisherigen Znstandes zu zeigen. VI. Der Parteitag beschliesst die W i e d e r h e r a usgabe der „J ü d j s c h e n V o 1 k s b i b 1 i o t h e k'£, um weiten Schichten unseres Volkes die Kenntnis unserer Vergangenheit, unsere Lagt; in der Gegenwart und unserer Hoffnungen für die Zukunft beizubringen. Ueberdies sollen im »Jargon populär-wissenschaftliche Werke verbleitet werden. VII. Der Parteitag erklärt den „W scho d" im Einverständnisse mit seinen bisherigen Herausgebern als Parteiorga n und stellt ihn unter die Controle des zu wählenden Districts- C o m i t e s. VIII. Der Parteitag erklärt den „J ü d i s c h e n Volksk a 1 e n d e r" und das „J ü d i s c h e J a h r b u c h" als Parteiunternehmung. IX. Der Parteitag beauftragt das Districts-Comite, mit den Herausgebern der in Krakau erscheinenden Zeitschrift „Der Jude" in Verhandinngen zu treten, um eine ausführliche Besprechung galizischer Angelegenheiten im genannten Blatte zu erlangen. Die Gesinnungsgenossen hätten sodann die Pflicht., für die Verbreitung des „Juden" zu sorgen. X. Der Parteitag fordert das Districts-Comite auf, mindestens einmal im Monate, als Beilage zum „Wschod" oder gesondert, Mittheilungen über den Stand der zionistischen Bewegung allen zur Organisation gehörigen Körperschaften zukommen zu lassen. * Resolutionen zu Punkt: .,P r e s s e'\ I. Es wird ein Redactions-Comite gewählt, das dem Districts- Comite untersteht und von ihm zur Verantwortung gezogen werden kann. Die Wahl der Redactionsmitglieder wird dem Districts- Comite im Lemberg überlassen. IL Das Redactions-Comite „des Wschod" ernennt die Redaction des ,,Rocznik Zydovski" °) und des „Jüdischen Volkskalenders". III. Der Verein für jüdische Publicationen soll der Parteileitung unterstellt werden und allen zionistischen Organisationen in Galizien wird ans Herz gelegt, denselben durch Ankauf von Anteilscheinen zu unterstützen; die diesbezüglichen Unterhandlungen mit der Direction des Vereines werden dem Districts-Comite überlassen. IV. Es wird dem Districts-Comite vorgeschlagen, die Herausgabe populärer Brochüren im Jargon (nach Muster der Krakauer „Latarnia"'*), welche auch wirtschaftliche Fragen behandeln sollten, in Erwägung zu ziehen. Die Zeit des Erscheinens und der Preis wird dem Districts-Comite überlassen. * Thesen zu Punkt: Agitation. I. Jeder Verein hat die Pflicht, sich in wirtschaftlichen culturellen und öffentlichen jüdischen Angelegenheiten zu bestätigen. IL AVenn an eiuem Orte zwei oder mehrere Vereine existieren, so sollen sie behufs gemeinsamen Vorgehens in jeder agitatorischen Angelegenheit ein Executivcomite bilden. Iii. Womöglich sollen alle jüdischen nicht-zionistischen Vereine durch Zionisten infiltriert und zionistisch gemacht werden. Wo das nicht gelingt, soll an dem Orte ein gleiche Tendenzen verfolgender zionistischer Concurrenzverein gebildet werden. IV. Das gesellschaftliehe Leben soll in den Vereinen behufs Agitation gepflegt werden. V. Jeder Verein soll eine Niederlage zionistischer Flugschriften, Brochüren etc. haben. VI. Der Verein soll so oft als möglich, mindestens aber einmal im Monate einen öffentlichen ein jüdisches Thema behandelndelnden Vortrag halten lassen. Vlll. Im übrigen werden die am Olmützer Zionistentage angenommenen Agitationsthesen den Vereinen zur Durchführung empfohlen. Vlll. Der Agitator oder der Agitier-Verein soll sich in seiner Agitation an die localen Verhältnisse anpassen, und die religiösen Verhältnisse in Rücksicht ziehen. * Resolution e n z u P unkt: A g i t a t i o n. I. In Erwägung dessen, dass die bereits bestehende Broehüren- Commission der beste. Agitator ist, constatieren doch ihre Berichte, dass sie jährlich 3000 Brochüren agitatorischen Inhaltes verkauft. in Erwägung dessen ferner, dass die Brochüren-Commission viel grössere Leistungen als bisher übernehmen könnte, wird beschlossen: Das Districts-Comite wählt eine Commission aus drei Mitgliedern zur Vergrösserung der Brochuren-Commission. iL Das Districts-Comite möge dahin wirken, dass von nun ab bei allen freudigen Anlässen anstatt der bisher üblichen Telegramme Parteitelegram in e verwendet werden, um die Agitationsmittel und Einkünfte auf diese zweckdienliche Weise zu vergrössern. * *) „Jüdiches Jahrbuch."