Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 37 (15.9.1899)
- Date
- 1899-09-15
- Page
- None (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3315709-3315796-3315834--14764-3390628- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6 Was Wunder, wenn dann der französische Geist sich mit hineinschleicht und wenn man Ihnen hier am Gongresse im vorigen Jahre und vor 2 Jahren geklagt hat, dass in unseren Golonien sich französischer Geist und, sagen wir nur offene französische. Sitte breit macht. Meine Herren! Wenn Sie das verhindern wollen, dann müssen Sie fordern, dass man den Kindern auch die allgemeinen Wissenschaften, die nothwendig jeder kennen. muss, in hebräischer Sprache beibringen soll. Das Kind soll nicht das, Gefühl haben, dass seine Mutter arm ist, dass die hebräische Sprache nicht dasselbe bieten könne, was eine andere Sprache. Dafür müssen Sie sorgen und da können Sie von Gongress weg en etwa s t h u n, weil das der Mittelpunkt ist, wo sie gleich darauf schauen müssen, dass der jüdische Geist nicht verschwinden, dass nicht fremder Geist, sondern echt jüdischer Geist sich entwickeln soll. Ich komme zu einem ganz concreten Anträge. Meine Herren! Ich , habe mich mit der Lehrerschaft in Palästina ins Einvernehmen gesetzt und diese Lehrerschaft hat geklagt, dass sie nicht in der Lage ist, hebräisch die Wissenschaft vorzutragen, weil sie jedesr mal sich für jede Stunde vorbereiten muss, und wenn ein Lehrer das so gethan hat, hat der andere Lehrer es anders gethan und der Schüler schreibt ab und schreibt oft mit Fehlern ab. Man braucht Lehrmitte1, die sowohl dem Lehrer als dem Schüler Hilfskräfte seien, dass der letztere zuhause dasselbe wiederholen kann in hebräischer Sprache. Meine Herren! Nur so wird es möglich sein, dass man die allgemeine Wissenschaft in jüdischer Beleuchtung, im nfT!Tn tVH den Kinder tradiert, und .dass dann die grossen jüdischen Geister, die jetzt auf fremdem Gebiete arbeiten, in der Zukunft im eigenen Gebiete, im eigenen Garten werden verwendet werden können, damit man nicht sagen muss TfltDJ 'Sttf OT (Lebhafter, langandauernder Beifall und Händeklatschen.) Meine Bitte an Sie alle lautet dahin: Ihr habt beschlossen, den .allgemeinen hebräischen Sprachverein zu gründen, Ihr höret, welche Ziele er sich gesetzt hat. Es ist Euere Pflicht, ihn zu unterstützen, es ist Euere Pflicht, das eigene Kind nicht verhungern zu lassen, es ist Euere Pflicht, sich seiner warm anzunehmen und diejenigen unter Euch, die bisher noch nicht beigetreten sind, sollen sich diesem allgemeinen hebräischen Sprachvereine anschliessen, ihn fördern und in die Lage setzen, dass er etwas Erspriessliches leisten kann. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Das wäre das erste. Und nun das zweite: Der Verein hat so viele Aufgaben, dass er noch immer nicht in der Lage ist, aus eigenen Mitteln schon jetzt das zweite seiner Ziele zu pflegen. Ich bitte also, fassen Sie eine Resolution, worin Sie das Äctions-Comite auffordern, dass es speciell zum Zwecke der Schaffung wissenschaftlicher Schulbücher in Palästina die erforderlichen — für den hebräischen Sprachverein grossen und unerreichbaren — im allgemeinen aber ziemlich kleinen Mittel von einigen 1000. Francs (die genaue Summe kann ich nicht angeben) beistelle. Und, hochverehrte Damen und Herren, ich lege Gewicht darauf, dass Sie diese Aufforderung in Form einer Resolution an das Actions- Comite richten, damit der Gongress von sich selbst documentieren soll, dass er da, wo er etwas für die jüdische Cultur thun kann, es auch thun will. (Beifall.) Ich will Ihnen nur ein einziges dieser Schulbücher da vorweisen. Sie wissen sehr gut, wie die Kinder in der Schule bei allen anderen Völkern rücksichtlich der Wissenschaften mit Mitteln ausgestattet sind — da, meine Herren, schauen Sie sich das an (Redner weist ein Blatt vor) das ist ein hebräischer Atlas: schlechtes Papier, verwischter Druck und die einzelnen Worte kaum lesbar. Das müssen die armen Kinder dort als kärgliche geistige Nahrung aufnehmen und verdauen, wenn sie Geographie lernen wollen. Sie werden einsehen, dass es unserer unwürdig ist, eine solche Stätte der Wissenschaften nicht zu unterstützen und ich ersuche Sie daher: Schliessen Sie sich alle dem hebräischen Sprachverein an! Dadurch documentieren Sie Ihre Arbeitswilligkeit für die jüdische Cultur. Fassen Sie auch den anderen Beschluss, dass man die Schulen in den Golonien von Palästina in die Lage setze, Schulbücher für allgemeine Wissenschaften, dem kindlichen Geiste angepasst, in hebräischer Sprache zu verfassen, die bereits vorhandenen drucken und herausgeben zu lassen und damit thatsächlich auch einen Ansatz, einen kleinen Anfang für die jüdische Cultur zu schaffen und dort den Faden wieder anzuknüpfen, wo wir ihn vor Jahrhunderten leider durchschneiden mussten. Meine hochverehrten Herren! Ich hätte wohl noch hübsch viel auf dem Herzen, Ihnen zu sagen. Aber ich glaube, Ihr werdet mir alle dankbar sein, wenn ich jetzt gleich aufhöre. (Lebhafter Widerspruch.) Ich will mir Eure Dankbarkeit verdienen; denn wir haben noch viel zu berathen. Wenn Sie etwas für die Cultur im allgemeinen und insbesondere für jüdische Cultur thun. wollen, so votieren Sie das, worum ich Sie gebeten habe, und schliessen Sie sich nicht nur alle dem hebräischen Sprachvereine an, sondern propagieren Sie die Idee des Anschlusses an den Verein überall, trachten Sie, Ihre Freunde, Bekannten und auch die Reichen, die ja gern einmal etwas hergeben, wenn es sich um Ideale handelt, zu dem Verein heranzuziehen. Sie werden gewiss nie Anlass haben, es zu bedauern. Sie werden aber auch den Vorwurf ablehnen können, dass Sie für die Cultur nichts gethan haben; denn wenn Sie für die jüdische Cultur arbeiten, so arbeiten Sie auch für die allgemeine Cultur der Menschheit überhaupt! (Tosender, langanhaltender Beifall und Händeklatschen.) Mein Antrag also lautet : „Der Congress fordert das Actions-Comite auf, den vom zweiten Congresse beschlossenen und nunmehr activierten allgemeinen hebräischen Sprachverein durch Zuwendung der erforderlichen Subventionen in die Lage zu setzen, für die in Palästina bestehenden Schulen mit hebräischer Vortragssprache die nothwendigen Schulbücher zur Erlernung der allgemeinen Wissenschaften herauszugeben.w Das ist der Antrag, formuliert in juristischer Weise. In Ihrem Herzen werden Sie ihn schon früher wohl weiterreichend formuliert haben. (Tosender Beifall u. Händeklatschen. Redner wird von allen Seiten beglückwünscht.) GENERAL-RESOLUTION. (Gefasst am I.j üdischen Handlungsgehilfentag in Brünn, 7. August [1. Club] 1899.) In Erwägung, dass die Ursache der Judennoth nur die Minorität der Juden unter Völkern ist; in weiterer Erwägung, dass der jüdische Handlungsgehilfe — wie der jüdische Arbeiter überhaupt — weit mehr unter dem Drucke der Judennoth als der wirtschaftlichen Noth leidet, erklärt der Handlungsgehilfentag: I. Dass es keine andere Erlösung aus der Judennoth gibt, als die Verwirklichung des politischen Zionismus, d. h. die Gründung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte im Lande unserer Ahnen, wo es den Juden ermöglicht ist, eine Majorität bilden zu können. .