Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 33 (18.8.1899)
- Article
- Rechenschafts-Bericht des Actions-Comités über seine Thätigkeit im Jahre 1898/99
- Date
- 1899-08-18
- Page
- 10 (sequence 3)
- Language
- German
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Seite 10 „Die H Welt“ Nr, 33 zielen, auch bei den jüdischen Colonisten jenseits des Oceans 'Verständnis und Anklang finden. ist es nach all dem zweifellos, dass die Verbreitung des Zionismus auch im vergangenen .fahre grosse Fortschritte gemacht hat, so ist das ideale Ziel der Veremiguiig des ganzen jüdischen Volkes unter dem jüdischen Banner noch lange nicht erreicht. Nach dem Berichte Dr. Silberstroms gibt es selbst in Russland, besonders in den polnischen Provinzen, noch viele Orte, wo der Zionismus leider kaum dem Namen nach bekannt ist. Die Situation ist sehr treffend in dem Schlusssätze des ausgezeichneten Berichtes unseres Dr. Kolian-Bernstein gekennzeichnet, welcher lautet: „Man darf mit Sicherheit behaupten, dass unsere Bewegung an Extensität und Intensität zugenommen hat, aber es bleibt noch sehr viel Arbeit, um eine plan massige Organisation aus einem Gusse zu bilden. Neben der inneren, auf die Gewinnung unserer eigenen Volksgenossen gerichteten Agitation lief parallel die ä ussore P r o p a g a n d a, dahingehend, die nicht jüdischen Nationen mit unseren Bestrebungen bekannt zu machen und sie für dieselben zu interessieren. Von der Ansicht ausgehend, dass für die Erreichung unseres Zieles das Wohlwollen des Volkes, unter dem wir leben, nicht nur förderlich, sondern nothwendig ist, suchten wir durch Veröffentlichungen in den grossen Tagesldältern und Revuen ihre Aufmerksamkeit auf unsere Bewegung zu lenken. Als das beste Mittel hiefiir he trachten wir aber den Gongress selbst, auf dem wir öffentlich vor aller Welt, die für die. Dauer nicht mehr zu ertragende Lage der Juden schildern und über das Mittel der Abhilfe berathen, ein Mittel, welches nicht allein unserem Volke radical zu helfen geeignet ist, sondern auch die anderen Nationen von der brennenden Judenfrage und dem entsittlichenden Antisemitismus und von einem physischen und geistigen Proletariat befreien wild. — Hoffen wir. die öffentliche Meinung der civiüsierten Welt lur unsere Bestrebungen günstig zu stimmen. Durch die Erstarkung des Zionismus konnten die Zionisten mit der Verwirklichung des von unserem Präsidenten auf dem vorigen Gongresse ausgegebenen Losungswortes von der Gewinnung der Gemeindest üben beginnen, ln verschiedenen Orten haben bereits Candidaturen für die Oiemeimle Vorstand schaff auf zionistischem Programm slattgefunden und sind von Erfolg begleitet gewesen. An anderen Orten haben sieh einzelne Gemeindeälteste und ganze Yorstaiulschaffen zum zionistische« Programme bekannt, was uns nicht minder freut, nachdem es uns um nichts anderes, als um die Ausbreitung unserer Idee zu thun ist. Wir sind überzeugt, dass mit dem Fortschreiten der zionistischen Propaganda die Gemeindest üben naturgemäss zionistisch werden. Die zionistische Bewegung war auch in ctiUureiler Hinsicht von grosser Bedeutung für unser Volk. Die zionistischen Vereine sind zugleich Bildungsvereine, von welchen Belehrung und Wissen ausgehen. Sie haben die Errichtung von Volksbibliotheken, die Arrangierung von volkstümlichen Vorträgen, die Gründung von Turn- und Bportsvereinen, von Gesangs- und Lese vereinen im Gefolge. Mit grösster Freude begrüssen wir es, dass die akademische jüdische Jugend sich ihrer Pflichten gegen das Volk immer mehr bewusst wird und die selbsterworbene Bildung in das Volk trägt, in den jüngsten Tagen erst hatte in Lemberg die Tagung der jüdisch-nationalen Akademiker Galiziens stattgefunden, deren edlen Bestrebungen wir den besten Erfolg wünschen. Mit ganz besonderer Genugtuung theilen wir Ihnen die Gründung dos „Allgemeinen hebräischen Sprach Vereines44 mit, dessen unermüdliches Vorstandsmitglied Dr. Leopold Kahn noch Gelegenheit nehmen wird, Ihnen über die Ziele und Thätigkeit des genannten Vereines Bericht zu erstatten. Ebenso verweisen wir hier in Bezug auf die Thätigkeit der vom letzten Gongress eingesetzten permanenten Commissionen für Cultur und Colonisa.tion auf die von diesen Commissionen dem Gongresse zu erstattenden Berichte. Ein weiterer Auftrag, den das Actions-Comite vom II. Gongresse erhalten hat, betraf die Gründung der jüdischen Colonialbank, und wir sind stolz, Ihnen den Vollzug dieses Auftrages melden zu können. Geber die geschäftliche Seite wird Ihnen der Präsident des Directoriums der Jüdischen Colonialbank, Herr Wolfsolm, berichten Wir glauben uns auf die moralische Seite und auf den Bericht über die Art, wie die Aufsicht des Gongresses gesichert wurde, beschränken zu sollen. Die ■Banksubscription war eine Kraftprobe ersten Ranges. Die Pessimisten und Cunctatoren erklärten die Subscription für verfrüht, sie verlangten mehr Vorbereitung und fürchteten vom Misslingen einen tödlichen Rückschlag auf unsere Bewegung. Sie blieben im Unrecht. Wir waren der Ansicht, dass Stillstandt ein Rückschritt ist, und [dass unsere Bewegung stagnieren wird, wenn wir nicht einen Schritt, weiter zur Erreichung unseres Zieles machen. Zudem hatten wir im Verlaute der Jahre einen so hohen Begriff von der Begeisterung unserer Gesinnungsgenossen, von dem Eiter der Aufopferungsfähigkeit unserer Mitarbeiter erhalten, dass wir an einen Misserfolg nicht glauben konnten — und wir haben Recht behalten. Trotz der Machenschaften unserer offenen und geheimen Gegner, trotz der Unterstellungen und Entstellungen, Lügen und Anfeindungen der jüdischen Anti-Zion:sten- Presse, —von der nichtjüdischen Presse blieben wir unbehelligt, — und selbst trotz der offenen und versteckten (Quertreibereien von Leuten, die sich den Namen von „ZionLion" beilegen, ist das Resultat als ein glänzendes zu bezeichnen. Die massenhafte Betheiligung an der Subscription in allen Gegenden der Welt hat gezeigt, dass unsere Sache im Volke wurzelt. Wenn sich bei allen oberwähnten Hindernissen auf den Ruf eines Aufsichtsrathes von Akademikern, die sich nie im Leben mit Bankgeschäften befassten, 100.000 Subscribenten meldeten, wenn die an Erfahrung reichen Londoner Auditoren verwundert den Ausspruch thaten, dies sei einzig dastehend in der Geschichte der Bankgründ ungen; wenn Personen, die bona lide die Einleitung der Subscription als lächerlich bekämpften, sich jetzt zur Mitwirkung meiden, dürfen wir wohl mit Recht die Kraftprobe als glänzend gelungen bezeichnen. Gestärkt durch diesen Erfolg, hoffen wir mit Zuversicht, dass das übrige Capital zwar nicht mehr im Wege der Subscription, aber durch den Verkauf von Inhabershares in nicht zu langer Zeit aufgebracht werden wird. Ein schwer zu lösendes Problem war es, wie die Aufsicht des Gongresses über die Bank zu sichern sei, da weder der Gongress, noch das von demselben eingesetzte A. C. eine juristische Körperschaft im Sinne der englischen Gesetze sind. Nachdem alle Factoren und insbesondere das grosse A. C. in seiner Sitzung im Jänner d, J. die Frage reiflich erwogen haben, wurden zwei Auskunftsmittel hierfür gefunden. 1. Es wurde im Statut bestimmt, dass das Directorium die Geschäfte im Sinne der vom Aufsichisrathe erhaltenen Instructionen führen müsse, und von bestimmten, die zionistischen Ziele tangierenden Geschäften festgesetzt, dass sie ohne vorherige besondere Zustimmung des Aufsichts-