Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 33 (18.8.1899)
- Article
- Rechenschafts-Bericht des Actions-Comités über seine Thätigkeit im Jahre 1898/99
- Date
- 1899-08-18
- Page
- 11 (sequence 4)
- Language
- German
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„Die Welt“ Seite 11 Nr. 33 rathes nicht unternommen werden können. Ausserdem wurde dem Aufsichtsrathe nicht allein die Oberaufsicht über alle Geschäfte und Angelegenheiten der Gesellschaft Vorbehalten, sondern ihm auch erforderlichen Falles selbsttätiges Eingreifen ein geräumt. Es wurde bestimmt, dass die Anzahl der Mitglieder des Aufsichtsrath es 20-100 betragen könne. Als erster Aufsichtsrath wurden 20 Mitglieder des vom Congresse eingesetzten Actionscomites ins Statut aufgenommen und zwischen jedem einzelnen Mitgliede dieses Aufsichtsrath es einerseits und dem ganzen Aufsichtsrathe andererseits ein Vertrag geschlossen, in welchem sich die einzelnen Aufsichtsrätlie verpflichten, falls sie nicht in das Actionscomie des (Kongresses wiedergewählt werden, über Aufforderung des Aufsichtsrath es ihr Amt niederzulegen, worauf dann der Aufsichtsrath ein Mitglied des Actionscomites an dessen Stelle ernennt. Hierdurch ist dem Congresse bezw. dem von demselben jeweils einzusetzenden Actionscomite die Oberaufsicht über die Bank für immer gesichert. Um zu verhüten, dass Antisemiten die Actien aufkaufen und durch den Beschluss einer Generalversammlung der Bank eine andere Richtung geben, wurde das Institut der Gründershares ein ge führt. Es wurden dem Aufsichtsrathe 100 Gründersliares zugetheilt und bestimmt, dass die Inhaber derselben in der Generalversammlung genau so viel Stimmen haben, als alle anderen anwesenden Actionäre zusammen. Eine Ausnahme wird nur gemacht bei der Abstimmung über die Verwendung des Gewinnes, wo die Grundershares-Inliaber keine Stimme haben, weil es sich nur darum handelt, den zionistischen Charakter der Bank sicherzustellen. Nach dem oben edierten Vertrage verliert ein Aufsichtsrath, der nicht a. c. wiedergewählt wird, auch den Mitbesitz an den Gründershares und ist als weitere Vorsicht festgesetzt worden,dass auchNichtmitgliodern des A.C., jedoch höchstens 20, welche sich um den Zionismus oder die Bank hervorragend verdient gemacht haben, über Beschluss des Aufsichtsratlies auf Lebensdauer der Mitbesitz der Gründersliares verliehen werden kann. Ueberdies wurde in § VA des Memorandums ausdrücklich bestimmt, dass alle ertheilten Vollmachten auf eine solche Weise ausgeübt werden, die nach der Ansicht des Aufsichtsrath es in erster Linie dazu beiträgt, ein gesetzlich geschütztes Heim für das jüdische Volk in Palästina zu sichern. Die englischen Rechtsanwälte waren der Ansicht, dass es gefährlich sei, Palästina allein als Colonisationsterrain zu bezeichnen, weil einerseits jede mit Colonisation verwandte Thätigkeit, welche vielleicht gerade im Interesse der Colonisation Palästinas in der Zukunft in anderen Landstrichen vorgenommenwerdenjmüsste, ausgeschlossen wäre; andererseits durch die getroffenen oder angeführten Massregeln die wirkliche Colonisation eines anderen Landes durch die Bank nicht zu befürchten war. Da jedoch viele Gesinnungsgenossen daran Anstoss nehmen, haben wir für die nach Basel einberufene a. o. Generalversammlung eine bezügliche Statutenänderung vorgesehlagen. So glauben wir, so weit menschliche Voraussicht reicht, den zionistischen Charakter der Bank, sowie den Einfluss des Congresses auf dieselbe gesichert zu haben. In dieser Bank hoffen wir eines der Mittel zur rechtlichen Sicherung des Bauplatzes und zur Beschaffung. der Baumaterialien zu haben, und sei hiermit dem vom Congresse eingesetzten Bankcomite, dem Bankdirectorium und allen aufopferungsvollen Mitarbeitern an dem nationalen Werke herzlich gedankt. Das ist in grossen Zügen der Bericht über die Resultate unserer Thätigkeit. Gälte es, unsere Personen jn den Vordergrund zu stellen, wir würden Ihnen erzählen, wie die Erzielung dieser Resultate gar nicht leicht war, wie viele Sitzungen wir abhalten und wie viele tausende von Schriftstücken wir erledigen mussten, wir würden Ihnen berichten, wie viele hunderte von Meilen die Mitglieder des Actionscomites in diesem Jahre im Dienste der Volkssache auf Reisen waren; insbesondere aber könnten wir Ihnen berichten, dass ausser den Actionen, welche von Erfolg begleitet waren, wir sowohl, über Anregungen aus eigener Mitte, als auch aus den Reihen unserer Gesinnungsgenossen, lins noch mit vielen, vielen anderen Fragen und Angelegenheiten unseres Volkes beschäftigt haben, die zum Theile noch zu keinem positiven Ergebnisse geführt haben, oder überhaupt noch nicht spruch- und bericht reif sind. In jedem Falle aber dürfen wir Ihnen sagen, dass wir alle Erscheinungen im Lehen unseres Volkes mit schärfster Aufmerksamkeit verfolgen und — unsere grossen Ziele nicht einen Augenblick aus dem Auge lassend — dennoch auch allen actueilen Vorgängen unsere Aufmerksamkeit gewidmet haben. Wir halten es der Grösse des Augenblicks, da die einzige Vertretung des gesammten jüdischen Volkes zu kurzer Sitzung versammelt ist, für nicht entsprechend, auf Details einzugehen, aber wir können es doch nicht unterlassen, ja wir halten uns geradezu für verpflichtet, eine Angelegenheit noch zu erwähnen: Wir können nicht, umhin, hier vor den Vertretern des jüdischen Volkes Klage zu führen über die Art. und Weise, wie gegen uns Mitglieder des Actionscomites gekämpft wird. Man mag mit unseren eingeschlagenen Wegen vielleicht nicht einverstanden sein, aber niemand — wer er auch sei — hat das Recht, unseren guten Willen und die Ehrlichkeit unserer Absichten in Zweifel zu ziehen. In der Liebe zu unserem Volke und in der Selbstlosigkeit unserer Bestrebungen sind wir uns bewusst, hinter keinem unserer Volksgenossen zurüekzusteben. ln diesem Bewusstsein konnten wir alle Angriffe -- und sie waren manchmal gar perfid — ignorieren, soweit sie uns persönlich angiengen. Aber wir dürfen nicht schweigen in diesem Augenblicke, denn wir fürchten, dass sie unserer theueren Volkssache Schaden bringen könnten. Denn indem sie von Personen ausgiengon, welche sich den Ehrennamen von Zionisten beilegen und ihre Angriffe mit korybantischein Lärm begleiten, um den Schein zu erwecken, als seien sie die Wortführer grosser Gruppen im Zionismus, unterstützen sie am wirksamsten das Streben der Zionsegner lind rufen den Eindruck hervor, als ob auch die zionistische Partei trotz ihrer Tugend bereits in den Fehler verfallen sei, an welchem das Judenthum seit Jahrtausenden krankt, der Uneinigkeit. Wir sind der Hoffnung, dass das nicht der Fall sei. Wir glauben sicher zu sein, dass dieses hcrostratische Treiben nicht die Zustimmung des zionistisch gesinnten Judenthums findet, sondern von allen verurtheilt wird, welchen die Volkssache und das grosse Ziel höher stehen als persönliche Eitelkeit und Streit. So legen wir denn das uns von dem 2. Congresse übertragene Mandat in Ihre Hände zurück in dem Bewusstsein, nach bestem Wissen und Gewissen bestrebt gewesen zu sein, die übernommene Pflicht zu erfüllen, die uns selbst Herzenssache ist. Inwieweit uns dies gelungen ist, möge die höchste Instanz, der Congress seihst beurtheilen. Der Vortrag des Herrn Architekten M a r m o r c k wird mit allseitigem Beifall aufgenommen. Vor der Erstattung des Rechenschaftsberichtes übergibt Dr. H e r z 1 Herrn Dr. G aste r den Vorsitz.