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Die Welt · 1899-08-18 · 33 (18.8.1899) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
33 (18.8.1899)
Article
Rechenschafts-Bericht des Actions-Comités über seine Thätigkeit im Jahre 1898/99
Date
1899-08-18
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 33 „Die Welt“ Seite 9 als treue Unterthanen Sr. Majestät des Sultans infolge solcher Ausstreuungen sich uns zu nähern fürchteten. Wir sehen daher in der Gründung des spaniolischen Blattes ein Mittel zur Bekämpfung und zur Zerstreuung dieser Intriguen und Verleumdungen, und wir hoffen, dass es uns gelingen wird, unsere Volksgenossen in der Türkei davon zu überzeugen, dass unsere Bewegung eler Türkei gegenüber nicht nur eine vollkommen loyale, sondern direct eine tüi kenfreundliche ist, und sie darüber aufzuklären, welche enorm wirtschaftliche und politische Erstarkung das türkische Reich durch die Realisierung des zionistischen Gedankens erfahren müsste. Eine Umfrage bei den Vertrauensmännern im Oriente über die Lebensfähigkeit einer spaniolischen Zeitung fiel günstig aus, und so Hessen wir am 1. Juni d. J. den „ El Progreso“ erscheinen, welches Journal nicht bloss dem Zionismus dient, sondern mit allen das Judenthum des Orients angehenden Fragen sich beschäftigt. Am heutigen Tage begrüssen wir das Erscheinen des zionistischen Journals „L'Echo sioniste“, welches in Paris herausgegeben wird. Als wichtigstes Mittel der zionistischen Propaganda hat sich die persönliche Agitation erwiesen, und wenn es in einem vortrefflichen Berichte unseres Freundes Dr. Silber ström in Lodz heisst, „wo kein Wanderredner gewesen ist, da entsteht kein Verein“, so entspricht dies auch zumeist unseren Erfahrungen. Es wurde daher auch von diesem Mittel der ausgedehnteste Gebrauch gemacht. Es vergieng kein Tag, an dem nicht auf dem so weiten Gebiete unserer Bewegung mehrere Agitations-Versammlungen stattgefunden hätten. Am meisten wird in dieser Richtung selbstverständlich in östlichen Ländern, Russland, Rumänien und Galizien, geleistet. Sie kennen ja zur Genüge die unermüdliche Thätigkeit der Freunde und Führer in diesen Ländern, welche alle ausnahmslos der Idee sich mit vollster Hingabe widmeten. Aber auch in anderen Ländern, wo Juden wohnen, wurden viele Agitations-Versammlungen abgehalten, und es sei nur an dieser Stelle Erwähnung gethan der Reden Nord aus in Wien, Berlin, Köln, Paris und Amsterdam; Dr. Herzls in Berlin, London, Wien; der Agitations- Touren der „English Zionist Federation“ in den grösseren englischen Städten unter Führung Dr. Gasters, Sir Francis Montefiores und de Haas'; der Thätigkeit der „American Zionist Federation“ unter Leitung des Herrn Professors Gottheil und der ebenso unermüdlichen Frau Professor Gottheil, sowie des vortrefflichen Reverend W i s e, den wir hier leider vermissen müssen, weil er in diesem Augenblicke an den Ufern des Stillen Oceans die Juden Californiens durch seine feurigen Reden für den Zionismus begeistert. Wir müssen ferner gedenken der Agitations-Reisen des Dr. Leopold Kahn-Wien, des Herrn York Steiner, der Brüder M a r more lc sowie des Herrn Dr. Boden hei m e r, welcher innerhalb und ausserhalb des Deutschen Reiches thätig war, endlich des „Bar- C o li e b a“ in Cairo, wobei wir uns bewusst sind, viele, viele andere übergangen zu haben, die sich selbstlos in den Dienst der Volkssache stellten. Die Erfolge blieben auch nicht aus. Fast überall nahmen die bereits existierenden zionistischen Gruppen an Stärke zu. Vielfach sind neue Gruppen entstanden, überall herrscht reges Leben. Die Zahl der Vereine ist in Russland gegen das Vorjahr um 30% gewachsen; in den anderen Ländern beträgt, diese Zunahme fast durchweg 25%- Die Zahl der Schekelzahler betrug im vergangenen Jahre mehr als 120.000, wobei von den Vertrauensmännern, denjenigen in Russland vor allem, aber auch in den anderen Ländern, darauf aufmerksam gemacht wird, dass durch die Bank-SubscriptJon die Einsammlung des Schekels erst sehr spät an die Reihe kam und thatsächlich nur bei einem Theile der Zionisten der Schekel eingehoben wurde. Ueber den Stand und die Verhältnisse des Zionismus in Russland hat unser ausgezeichneter Freund Dr. Koh an- Bernstein einen äusserst interessanten Bericht abgetanst, der leider zu umfangreich ist, um hier angeführt zu werden. In Rumänien entfalteten unsere Gesinnungsgenossen nach dem Berichte des A. C.-Mitgliedes Herrn Pineies eine ungemein rege Thätigkeit. Es bestehen dort 4 zionistische Blätter, 2 im Jargon und 2 in rumänischer Sprache, und ausserdem erliess das Landes-Comite über wichtige Angelegenheiten Circulare und Aufklärungs-Schriften in tausenden von Exemplaren. Als das bedeutsamste Moment hat der Zionismus in diesem Lande die erfreuliche Thatsache der Vereinigung der Chowewe-Zion mit den Congrcss-Zionisten zu verzeichnen, so dass es in Rumänien nur Zionisten einer Kategorie gibt. Leider ist die Nothlage der Juden in diesem Lande heuer grösser als je, da die Ernte in einem grossen Theile des Landes eine schlechte war, und indem dies alle Schichten der Bevölkerung in Mitleidenschaft zieht, ist es nicht zum geringsten bei der ohnehin so armen jüdischen Bevölkerung der Fall. In Bulgarien hat der Zionismus nach dem Reib rat des A. C.-Mitgliedes H e r b s t grosse Fortschritte gemacht. Es gelang den Zionisten, die von den dem Zionismus abholden Reichen auf gestellte Gand i datu r eines enragierten Antizionisten für die höchste Würde der Juden in Bulgarien, des Grossrabinats, auf legalem Wege zu hintertreiben und dieser Sieg führte zum Abschluss eines Compromisses, laut welchem den vorderhand noch in der Minorität befindlichen Zionisten für alle jüdischen Repräsentanzen im Lande die gleiche Vertretung wie den Nichtzionisten eingeräumt wurde. Ein weiterer Fortschritt ist auch darin zu verzeichnen, dass die in manchen Ländern bestehenden losen Gruppen sich zu Verbänden vereinigten und in diesen Vereinigungen die Mittel für ein intensiveres und extensiveres Wirken schu fen. So entstand die „English Zionist Federation“, das Muster eines demokratischen Verbandes; die „American Zionist Federation“, deren Delegierten hier in Basel die erfreuliche Mittheilung zugekommen ist, dass sich in den Tagen nach ihrer Abreise eine grosse verwandte Gruppe der Federation angeschlossen hat. Die „South Africa Zionist Federation“ entfaltete in diesen fernen Ländern, wo trotz der Jugend der Staaten die Juden doch schon viele Zurücksetzungen erfahren, eine rege Thätigkeit. Der alte österreichische Verband „Zion“ passte seine Statuten dem Baseler Programme an, gab ein Musterstatut für die Einzelnvereine heraus und vervielfachte die Zahl der zugehörigen Vereine und Mitglieder. ln Deutschland und der Schweiz sowie im fernen Canada breitet sich der Zionismus in erfreulichster Weise aus, in Belgien, Holland, Italien und Griechenland hat er Fürs gefasst, Als Sw . ' für die Macht und die Verbreitung der zionistischen Idee mag angeführt sein, dass aus weit entfernten Gegenden, wohin unsere Propaganda noch nicht gedrungen ist, sich Anhänger unserer Idee melden, die das Bedürfnis fühlen, nach ihren Kräften mitzuwirken bei der Erlösung unseres Volkes, so in Chitah am Baikalsee, in Bokhara und Turkestan und in Wellington auf Neu-Seeland. Wir haben auch die besondere Freude, einen Vertreter der tscherkcssischen Berg-Juden in unserer Mitte begrüssen zu können. Erwähnt sei ferner, dass last alle argentinischen Colonien sehekelzahlende zionistische Ortsgruppen bilden, so die Colonien Clara, Karmel, Casares, (luanaro, Maiiricio, La Plata-Calle, Rosch-Pinah, San Antonio, Sonnenfeld, Sp and eiberg, wohl ein schlagender Beweis dafür, ebns unsere Colonisations - Bestrebungen, die - nach P.-dä. ti r.a 1589

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