Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1897-09-03 · 14 (3.9.1897) · p. 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
14 (3.9.1897)
Article
Organisationsbericht
Date
1897-09-03
Page
17 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3315710-3315724-3380544--01499-3380616
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 14. Leite 17. Gründe, die mich dazu veranlassen, waren: außer den anderen Fonds muß auch ein Territorialfond geschaffen werden. Dieser Fond darf zu anderen Zwecken nicht benützt und auch niemals erschöpft werden. Ich empfehle Ihnen diese Vorschläge mit der gleichzeitigen Mittheilung, daß größere Summen bereits von einigen Anwesenden gezeichnet wurden." (Lebhafter Beifall.) Dr. Boden heimer beantragt vor Allem das Projekt der Gründung einer jüdischen Bank näher ins Auge zu fassen. Die Resolution Boden h ei m er mit dem Zusatzantrage wird angenomnien. Das Resultat der engeren Wahl ist: Dr. M i n tz erscheint mit >03 Stimmen gewählt. Hierauf gelangt der vierte Punkt des Arbeitsprogrammes „Colonisation Palästinas" zur Berathung. Dr. S ch n i r e r erstattet sein Referat, das wir in der nächsten Nummer nachtragen werden. Reicher Beifall lohnte seine Ausführungen. Das Referat des Dr. K a m i n k a tragen wir ebenfalls in der nächsten Nunimer nach. Dr. Kaminka gedenkt am Schluffe seiner Rede der unvergeßlichen Vorkämpfer des Zionismus: Tr. P i n s k e r, Alexander Z e d e r b a u m, Samuel Joses F i n n, Wassili B e e r m a n n und des großen S m o l e n s k y, die im Gedüchtniß des jüdischen Volkes ewig sortleben werden. Die Versanimlung erhebt sich von den Sitzen und bricht in laute Hochrufe ans. Dr. K a m i n k a stellt den Antrag, es möge zur Wahrnehmung der Colonisalions-Jnteressen ein fünfgliedriges Comite in Westeuropa eingesetzt werden, das mit den anderen bereits bestehenden Comites in Fühlung tritt. (Großer Beifall.) Dieser Antrag wird im Laufe der Verhandlung einstimmig angenomnien. Rechtsanwalt R o s e n b e r g (Amerika) gibt ein Bild Palästinas aus eigener Anschauung. Er schildert zunächst die Flora des Landes. Ueber die Cultursälngkeit berichtet der Redner, daß sich das Hauptgebiet Palästinas zrun Ackerbau eignet. Weinbau gedeiht insbesonders in Galiläa und Judäa, Oliven wachsen in ganz Palästina, Orangen und ähnliche Früchte in Jaffa und in der Nähe des alten Sidon. Palästina ist im Großen und Ganzen dasselbe Land geblieben, seiner Fruchtbarkeit nach, wie zu Zeiten Mosis. Redner bespricht dann den Gehalt Palästinas an Mineralien. Er erwähnt die bestehende Eisenbahnverbindung zwischen Jaffa und Jerusalem, zwischen Hauran und Damaskus und endlich von Okon nach Damaskus, deren Bau vorläufig unterbrochen ist, hoffentlich aber bald weitergeführt wird, Uebergehend aus das Colonisationswesen erklärt der Redner, daß eine z e i t m e i s e U n t e r b r e ch u n g d e r C olonisation z u m Z w e ck e d e r S ch a f s n n g eine s R e ch t s z u st a n d e s e i n t r e t e n m ü s s e. Insbesondere müsse der jüdischen Jugend Jerusalems zur Arbeit verholfen werden. (Stürmischer Beifall) In den Colonien hat sich leider sehr der französische Geist emgemjtet, der den wahren Zionismus sicher nicht fördert. «Bravo.) Auch sind die Bauern zinspslichtig und repräsentiren also gewiß nicht das Ideal eines freien Bauernstandes. Die Colonisationsbestrebnngen der philantropischen Zionisten bemängelt der Redner 1. ivegen der Zusammensetzung der Vertreter, 2. weil der Einfluß des Pariser Vertreters kein freies Handeln ermöglicht, 3. weil drei bis vier Herren in Paris imd ebensoviele in Jaffa autokrarisch über die Verwendung der Gelder entscheiden und den Massen, die das Geld hergeben, keinen oder einen wenig vollständigen generalisirenden Bericht übergeben. Da die Mitglieder des Central-Conntös in Paris, London und Berlin sitzen und der russische Vertreter in Paris sich immer erst in Odessa Rath holen muß, entstehe» große Schwierigkeiten. Auch sind die gegenwärtigen Mitglieder privat viel beschäftigt. Redner beantragt die Einsetzung einer Centralleitung im Interesse der Colonisation, die auf demokratischer Basis aufgebaut, deren Mitglieder eventuell für ihre Leistung honorirt werden. Herr Rosenberg bespricht hierauf die Uebelstände der Chalukah und stellt Besserungsanträge ausführlicher Natur. (Stürmischer Beifall). Bambus-Berlin vertheidigt die „philantropischen" Zionisten und leugnet, daß in kurzer Zeit größere Colonisationen möglich sind. Er wünscht, daß das vom Zionisten- Congreß gewählte Centräl-Comitö mit den philantropischen Zionisten in Paris in Fühlung trete. Er und seine Genossen seien gerne bereit, die Hand dazu zu geben (Beifall). Er betonte die Wichtigkeit von Handel und Industrie und empfiehlt dem Central-Comitö das Studium jener Handels¬ und Industriezweige, die in Palästina lebensfähig sind. Redner verspricht, daß der nächste Congreß von einer bereits gegründeten und zum Theil fundierten Handelsbank in Jerusalem hören werde. Er schließt mit der Hoffnung, daß sich durch das Einvernehmen aller Comite's bereits in Kürze viel für die Handels-Colonisation in Palästina wird thun lassen. Dr. Löwe aus Jaffa (stürmisch begrüßt) dankt den zwei alten Vorkämpfern Lippe und Pineles (großer Beifall). Er versichert bcn Congreß der Sympathien der Colonisten Palästinas. Sollte der Congreß den Colonisten vielleicht kleine Schwierigkeiten bringen, was ja nicht zu erwarten sei, so würden sie sie gerne tragen, wenn es dem ganzen Volke zu stutzen sei (Tosender Beifall). Er betont die Nothwendigkeit der Rechtssichernng der Colonien und empfiehlt ebenfalls eine Handels-Colonisation. Er stellt die Zahl von ca. 73.000 jüdischen Einwohnern Palästinas fest, deren Anwesenheit bei der künftigen Colonisation berücksichtigt werden müsse. Die Chäluka, erklärt der Redner, sei nicht abzuschaffen, sondern zu verbessern und auszngestalten zur Erzielung und Heranbildung productiver Kräfte. * * * Y. Punkt. Hebräi s ch e Literatur. Referent ist Tr. M. Ehrenpreis. Tie meisten Sätze seiner vorzüglichen Rede, die von der Nothwendigkeit der Wiederbelebung der jüdischen Sprache handelt, werden von. lebhaften Beifall begleitet. Wir werden wohl diefe Rede noch zu lesen bekommen. Er stellt folgenden Antrag: „Ter Congreß beschließt die Gründung eines hebräischen Schulvereines zur Ertheilung unentgeltlichen Unterrichtes in der hebräischen Sprache" Dieser Antrag wird begründet.' Redner kommt sodann auf den "Antrag S ch a p i r a zn sprechen, eine Universität in I e r u s a l e nt z ti g r ü n d e n «T o s e n d e r B e i s a j l i II! S a a l u n d aus d e n G a! e r i e n). Leider sei der Plan noch nicht reif. Es find zunächst jüdische Volksschulen und insbesondere ein Gymnasium in Jaffa zu gründen (Aberinals stürmischer Beifall). Rechtsanwalt R o s e n b e r g stellt mehrere aus die hebräische Sprache bezügliche Anträge. Pros. S ch a p i r a kommt ans seinen "Antrag, die Gründung einer Hochschule (nicht Universität) in Jerusalem betreffend, zu sprechen. Er gibt der Commission den Rath, Leute zu gewinnen, die Werte verschiedener Wissenschaften iirs Hebräische übersetzen. Er selbst werde gerne Auskuifft ertheilen. lGroßer Beifall.) Dr. E h r e n p r e i s stellt mm folgende zwei "Anträge : I. Der Congreß beschließt die Gründung eines allgemeinen hebräischen Schulvereines, der dafür zu sorge» hat, daß der Unterricht in hebräischer Sprache in zu errichtenden hebräische» Lehranstalten unentgeltlich ertheilt werde' II. Der Congreß setzt eine Literatur-Commission ein mit folgenden "Aufgaben' 1. Periodische hebräische Zeitschriften zu gründen oder zu subvenlioniren.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.