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Die Welt · 1900-03-01 · 1 (3.1900) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
1 (3.1900)
Article
Die zionistische Abordnung in Palästina
Date
1900-03-01
Page
8 (sequence 3)
Language
German
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Seite*« „Die # Weit" Collegen nichi erhalten. Die verschiedenen von dun Laien angeführten Schädlichkeiten können nur als Reizmoniente angesehen werden, die den Boden zur Ansiedlung und Entwicklung der Krankheitserreger präparieren. Ein wichtiger Factor in der Verbreitung der Augenkrankheiten in Palästina scheint mir die dort allgemein herrschende Unsauberkeit zu sein. F.: Herrscht die auch in den Colonien? A.: im Gegentheil, die Colonien bilden in Bezug auf Heiiilichkeit einen wohlthuenden Contrast zu den Städten. Allein in Bezug auf hygienische Reinlichkeit kann man mit einer kleinen Variante des bekannten Dichterwortes sagen : „Es kann der Reinste nicht gesund bleiben, wenn es dem schmutzigen Nachbar nicht gefällt." Ich meine nicht nur die individuelle, sondern allgemeine Reinlichkeit. Im Kampfe gegen die kleinsten Lebewesen, diese grössten Feinde des Menschengeschlechtes, ist jene absolute peinliehe Sauberkeit erforderlich, welcher z. B. die moderne Chirurgie ihre glänzenden Erfolge verdankt. Wenn der heutige Chirurg bei seinen Operationen nur gründlich ausgekochte Instrumente benützt, die von ihm gesetzten Wunden mit gekochtem Wasser reichlich bespült, ja sogar seine sorgfältig gesäuberten Hände mit frisch gewaschenen Zwirnhandschuhen Dedeckt, so thut er nichts anderes, als das Princip der absoluten Sauberkeit in die Praxis umsetzen. Die Sache scheint ausserordentlich einfach, und doch hat es vieler Jahrhunderte bedurft, um dahin zu gelangen, und die moderne Medicin ist erst auf dem Umwege durch die Bakteriologie und durch die aus dieser hervorgegangene Antisepsis zu diesem herrlichen Talisman gekommen. Das ist es, was wir in Palästina dringend brauchen. Sauberkeit. Reinlichkeit in Stadt und Land, in Haus und Hof, ober- und unterirdisch. Die Mittel hierzu sind Wasserversorgung, Canalisation, Strassenpflasterung etc. etc. F.: Das sind aber ziemlich kostspielige Dinge, die für unsere Colonien nicht erreichbar sind? — A.: Gewiss. Damit sprechen Sie aber das Urtheil gegen das bisherige System der Infiltration der Juden in Palästina. Hygienische Einrichtungen grösseren Stiles» die allein imstande sind, den dort herrschenden sanitären Uebelständen abzuhelfen, lassen sich eben in kleinen Colonien nicht durchführen. Derlei ziemlich kostspielige, aber ausserordentlich wichtige Arbeiten kann man nur dann unternehmen, wenn man des Bodens, den man assanieren will, auch sicher ist. Damit ist aber wieder nur gesagt, dass die «Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte* allein geeignet ist, nicht nur die nationale Wiedergeburt, sondern auch die physische Erstarkung unseres Volkes herbeizuführen. Ingenieur Josef Seidener. „Wasser und Schatten fehlen diesem Lande," sagte uns der deutsche Kaiser. Und das trifft den Nagel auf den Kopf. An dem Tage, wo sich Se. Majestät von Jaffa nach Jerusalem begeben hatte, war es besonders heiss. Das Thermometer zeigte 310 C. im Schatten und das war am i!7. i).•tober. An diesem Tage war der Mangel an Wasser und Schatten sehr empfindlich. Ja, die Sonne von Erez Israel, die auf den Wanderer und Arbeiter im offenen Felde während des grössten Theiles des.Tages glühende Strahlen herunterschickt und ihn vergebens nach kühlem Schatten oder nach einem erfrischenden Wassertrunk schmachten lässt, dieselbe Sonne zeugt in den Gärten die schönsten Trauben, Mandeln, Orangen, Citronen, Oliven, und unter derselben Sonne gedeihen die besten Gemüse und (las herrlichste Obst. Aber die Strahlen allein, trotz ihrer Energie, vermögen nichts ohne Wasser. Ueberall, wo man nur den kleinsten Spuren menschlicher Thäügkeit begegnet, findet man, dass sich die glühenden Strahlen mit Hilfe des Wassers bändigen und zum Wohle der Menschen ausnützen lassen. Man betrachte nur die Colonien. Wie Oasen in einer Wüste wirken sie aut den Reisenden im Heiligen Lande. Man fährt oder reist im Staube auf kalkigen oder sandigen, schlecht oder gar nicht gepflegten Wegen, und sieht in der Ferne einen saftig grünen Garten, aus welchem in der Sonne schimmernde weisse Mauern und röthliche Dächer herausragen. Das ist eine Colonie, und kaum dass man den Boden derselben berührt hat, weht einem schon ein kühler Wind entgegen aus den Gärten und Alleen; hier gibt es Wasser und Schatten, liier regt sich Arbeit und Geist, Hier sieht man einen grossen Brunnen, der die ganze Colonie mit reinem Trink- und Spritzwasser versorgt; das Wasser wird mit einem Schöpfwerk von einem Maulthiere zutage gefördert und in gemauerten Canälen oder in Fässern transportiert. Draussen aber bei den Arabern und Fellachen kommt einem ein unter der Last der gefüllten Eselshaut zu Boden gedrückter Mann entgegen, der ein Wasser bringt, welches aus einem nie gereinigten und Jahrhunderte alten Brunnen stammt. Man denke sich nur, wie so ein Wasser schmeckt. Leider sind noch in den Colonien Windmotoren, Pumpen und Wasserleitungen wenig in Verwendung, was wohl nur auf das gänzliche Fehlen von landwirtschaftlichen Maschinenfabriken zurückzuführen ist. Speciell für die Einführung der Windmotoren sind in Palästina die Windverhältnisse sehr günstig. Hier sieht man moderne Geräthe, einen Dampfpflug,' eine Mähmaschine, die von Dampf oder starken Maulthieren gezogen werden, und dort draussen — den noch vor Jahrtausenden in Gebrauch gewesenen, aus einem Holzast hergestellten Pflug, dem ein Kameel und ein Esel vorgespannt sind, beide Wahrzeichen aller orientalischen Völker, die Bedürfnislosigkeit und die Trägheit. Hier sehen Sie in jedem Hofe einen Wagen, dort werden die schwersten Lasten unter Gejohl und Geschrei auf den Kücken der Menschen und Thiere transportiert. Wo man keinen Wagen verwendet, dort legt man auch keine fahrbaren Wege an, und thatsächlich fehlen solche meistens. Die Colonisten. denen die Mittel und die Macht fehlen, neue Wege und Brücken zu bauen, haben auch darunter sehr zu leiden. Sie müssen sich stellenweise in die bestellenden Verhältnisse fügen und ihre Producte nach orientalischer Weise transportieren. Aus diesem Grunde sind auch die von den heute noch schlechten Häfen entfernteren Colonien gezwungen, nur leicht transportable Producta zu erzeugen, was aber nicht immer das Vortheilhafteste und Passendste ist. Was immer die Juden im Heiligen Lande betreiben werden, ob Agricultur, ob Industrie, oder beides zusammen, so sind für das Gedeihen des Landes vor allem gute Landstrassen, ein zweckentsprechendes Eisen bahnnetz und praktisch angelegte Häfen nothwendig. — Ist das Land gut bebaut? So lange man in der Ebene reist, sieht man noch bebaute Felder und in der Nähe der Städte Orangengärten und Olivenhaine. Dicht an der Küste aber sind meistens weit ausgedehnte Sandhügel zu sehen, die sehr an eine Wüste erinnern. Der Landstreifen längs der Küste wird im Laufe der Jahrhunderte immer breiter und nichts, §ar nichts geschieht, um diese Verwüstung zurückzuhalten, andige Wolken erheben sich bei dem leisesten Winde, die Sandhügel wandern und verwüsten fruchtbares Land, der Sand sperrt den Flüssen den Weg zum Meere ab, und so haben sich Sümpfe gebildet, aus denen fiebererregende Ausdünstungen ins Land ziehen. Dass man den Sandwanderungen Halt gebieten, die Sümpfe austrocknen und die so gewonnenen grossen Flächen nutzbar machen kann, braucht man nicht erst zu beweisen. In den Culturländern sind es längst bekannte Thatsachen. — Und wie steht die Sache im Gebirge? Die Landschaft ändert sich plötzlich, wenn man von der Ebene ins Gebirge kommt. Der mächtige Eindruck, den das von tiefen Thälern und Schluchten durchbrochene felsige Gebirge auf den Reisenden macht, wird dadurch abgeschwächt, dass man da nur selten Spuren menschlicher Cultur begegnet. Der Winterregen wäscht von den Berglehnen den sich im Laufe des Sommers bildenden Humus ab und trägt ihn fruchtlos ins Meer. Nur an denjenigen Stellen, wo sich zufällig zwischen den Felsen ein bisschen Erde erhalten hat, sieht man, wie geradezu aus dem Stein heraus Bäume wachsen. Dann und wann trifft man Spuren verschwundener Terrassen an. In der Nähe von grösseren Ortschaften und Eisenbahnstationen sieht man auch neuangelegte und mit Olivenbäumen bepflanzte Terrassen, welch letztere ja den Zweck haben, das Verschwinden des Humus zu verhindern. Hier fehlen Geist und Arbeit, denn mit nur wenigen Ausnahmen könnten sämmtliche Berglehnen durch Anlegen von Terrassen fruchtbar gemacht werden. — Gibt es im Gebirge Wasser? Allerdings sind im Gebirge nur wenige Quellen vorbanden. Aber die Beschaffenheit der Thäler und Schluchten ist eine derartige, dass man da leicht Thalsperren anlegen kann, und zwar so. dass jedes Thal in seiner Längsrichtung durch mehrere Quermauern, welche eventuell auch mit Schleusen versehen werden können, in Stücke entsprechender Länge getheilt wird. Es wird dadurch eine Reihe von Teichen gebildet, die sich während der Regenzeit mit Wasser füllen werden. Dieses Wasser kann dann entweder durch eine besondere Canalisation oder durch Pumpwerke auf die Berglehnen gebracht und nützlich verwendet werden. Der Schlamin, der sich am Grunde dieser Teiche sammeln wird, kann während der Trockenzeit auf die Terrassen gebracht werden und ist dann der beste Dünger. Zur Aufbewahrung des

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