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Die Welt · 1900-03-01 · 1 (3.1900) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
1 (3.1900)
Article
Die zionistische Abordnung in Palästina
Date
1900-03-01
Page
9 (sequence 4)
Language
German
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„Die <i Welt" Saite!) Trinkwassers können ja in Felsen gehauene oder aus Mauerwerk hergestellte Cisternen dienen," wie man solche in Jerusalem überall sieht. Wenn aber die Borglehnen Judäas und Galileas einmal bepflanzt sind, dann wird das ohnehin milde Klima geradezu als Luftcurort dienen können. — Woraus die Häuser gebaut werden? Ziegelsteine werden selten werwendet, weil man einerseits im "Lande keinen guten Thon hat und andererseits auch das importierte Brennmaterial infolge der mangelhaften Transportverhältnisse zu theuer zu stellen kommen würde. Dagegen besitzt man dort Kalkstein, den man beinahe überall und in den verschiedensten Härtegraden findet, aus welchem man auch einen ausgezeichneten Kalk bereitet. Holz wird wohl noch sehr lange aus Europa gebracht werden müssen, denn Erez Israel ist beinahe ganz entwaldet, und es wird noch lange dauern, bis man eigenes Baubolz in genügender Menge haben wird. Es ist aber noch überhaupt fraglich, ob es nicht vortheilhafter sein wird, den guten Boden für passendere Pflanzenarten, wie z. B. Tabak, Baumwolle und sonstige Colonialfrüchte. zu verwenden, als für Bauholz. Infolge der Kostspieligkeit des Brennmaterials und des Mangels an Capital konnte sich auch bis jetzt die Industrie nicht entwickeln. Da die Colonisten während des Spätsommers freie Zeit haben, so könnten auch verschiedene Hausindustrien eingeführt werden, die aber jetzt wegen Mangel an Kenntnissen, an Material, an Werkzeugen und an mechanischer Kraft noch sehr wenig gepflegt werden. Aber auch ohne billige Kohle kann in diesem Lande eine Industrie gedeihen, denn es liisst sich die Kraft verschiedener Flüsse, und speciell die des Jordanflusses, dienstbar machen und mittelst Elektricität weit im Umkreise billig vertheilen. . Gespräche Uber den Zionismus aus dem Haag. Von Bertha v. Sut frier. I. Der Gedanke an den Zionismus hatte sich in die Empfindungen gemengt, die mich erfüllten, als ich die Reise nach dem Sitze derFriedensconterenz antrat. So kam es auch, ilass dasselbe Thema sich mir öfters aufdrängte, wenn ich hier Gelegenheit hatte, mit hervorragenden Menschen aller Nationen über die verschiedenen Fragen hin und her zu reden, welche die Welt bewegen. .Die Welt bewegen" — mit dem Worte sagt man da meist zuviel. Gruppen einzelner Geister werden von einer Frage bewegt, so tief bewegt, dass es ihnen die eigene Welt ausfüllt — aber die wirkliche Welt draussen ist kaum berührt davon. Wie oft musste ich hier, wenn das Gespräch bei dem von mir eingerührten Thema „Zionismus" angelangt war, die Auesserung hören : „Davon weiss ich nichts." Den Namen kennen wohl die meisten, die Sache die wenigsten. Aus eigener langer Erfahrung ist mir auch bekannt, wie die Friedensbewegung — die mir eine Welt bedeutete und die doch wahrlich die wichtigste Weltangelegenheit behandelt — ausserhalb ihres Kreises unbekannt war; wie massenhaft die Leute, die davon überhaupt nie etwas gehört hatten — es sei denn eine flüchtige Spottbemerkung. Es hat des Manifestes eines Czaren, es hat des Zusammentrittes einer von allen Regierungen beschickten c Vinte renz bedurft, damit die sogenannte .ganze Welt" — die an sich ja auch nur ein Bruchtheil der Erdbewohnerschaft ist — von der Friedenssache wisse; dass sie davon auch etwas verstehe, ist ein anderes Ding. Auf der Conferenz selber gibt es garmanche, die von dem Wesen der Friedensbewegung, wie sie sich bis heute entfaltet, keine* Ahnung haben und die nicht verstehen, was sie bezweckt. Der Zionismus umfasst freilich ein kleineres Stückchen Welt als die Friedenssache, welche sich ja über alle (■lassen und Völker erstreckt . . . Und dennoch : „Alleshängt mit allem zusammen", daher ist jede Bewegung gleich wichtig, denn jede beeintlusst jede andere. Ich denke, den Lesern dieser Blätter wird es interessant sein, zu erfahren, was dieser und jener von den im Haag versammelten Staatsmännern und Diplomaten zu den Plänen der Zionisten sagen; darum will ich hier in zwangloser Form einige dieser Gespräche, wie sie in meinem Tagebuche notiert sind, wiedergeben. Nicht „Interviews" haben da stattgefunden, sondern einfache Unterhaltungen. Man spricht ja über allerlei. Von der Conferenz geht man zu allgemeinen Betrachtungen, von diesen wieder zu Tagesereignissen über, und einmal auf diesem Terrain, führen — wie alle Wege nach Rom — alle Gespräche zur „Affaire*. Die Affaire aber beruht in erster Linie auf dem Antisemitismus. Sie ist ganz eigentlich eine Judenfrage. Was liegt da näher — wenn man eine Weile von Dreyfus gesprochen, als sein Gegenüber zu fragen: „Was halten Sie vom Zionismus?" Hält der Betreffende gar nichts davon, aus dem einfachen Grunde, weil er niemals darüber nachgedacht, so ist essehr lohnend, ihn darüber aufzuklären. Menschen, die zusammengekommen sind, um über so kühne, neue, weltbefreiende Dinge zu reden, wie Abrüstung und Schiedsgericht, die haben meist einen gar offenen Sinn für alle Manifestationen des modernen Reitlings- und Beglückungstriebes; sie lauschen mit Theilnahme, sie vernehmen es mit Genugthming, wenn man ihnen von einer Gruppe Menschen erzählt, die es versucht, wieder irgendeine Befreiung aus der Noth — physische oder moralische Noth — ins Werk zu setzen. Der erste, mit dem ich im Haag Gelegenheit hatte, über Zionismus zu sprechen, war Dr. Andrew White. S. E. Dr. White ist Botschafter der Vereinigten Staaten am Berliner Hofe und steht hier an der Spitze der amerikanischen Delegation zur Friedensconferenz. _ Von schmächtiger Gestalt, mit einem feinen, grauen Kopfe, besitzt Andrew White einen grossen persönlichen „Charme". Seine Sprechweise ist leise, fliessend, freundlich uiid,|völl geistvoller Apercus. Sechsundsechzig Jahre alt, ist er der Doyen des diplomatischen Corps seiner Heimat. Geboren in New-York, aufgewachsen in Syrakus, zum Doctor befördert in Vale, mit 22 Jahren in die diplomatische Carriere getreten als Attache an der Gesandschaft in Petersburg, ist er einer der Gründer und der erste Präsident der Universität von Lowell. Im Alter von 25 Jahren war er Professor der englischen Literatur an der Michiganer Universität, und seither gehört er zu den führenden Geistern in all den Dingen, die den Fortschritt der Wissenschaft in der Neuen Welt befördern. Von 1879 bis 1881 war White Gesandter in Berlin, von 1892 bis 1895 in Petersburg. In diesem Jahre kehrte er heim und veröffentlichte sein Hauptwerk: .The history of the Warfare of Science andTheology". (Die Geschichte des Krieges zwischen Wissenschaft und Theologie.) Ohne Rückhalt steht der Verfasser auf Seiten der Wissenschaft« Als er — 1885 — seinen Posten als Reetor verliess, machte er der Universität das Geschenk einer 30,000 Bände umfassenden Bücherei. Dr. White hat an der Schiedsgerichts-Angelegenheit von Venezuela, die gegenwärtig in Paris zum Austrag gebracht wird, insoferne thätigen Antheil genommen, als er im Jahre 1896 vom Präsidenten Cleveland in die Commission berufen wurde, welche die besagte Grenzangelegenheit studierte. Gegenwärtig war er, auf der Conferenz im Haag, der Ueberbringer eines von Seiten der amerikanischen Regierung ausgearbeiteten Planes für das internationale Schiedsgericht. Was seine Gesinnungen mit Bezug auf das Werk der Conferenz sind, das mögen die folgenden Worte sagen, die ich aus seinem Munde gehört» Er sprach von G r o t i u s, dem grossen holländischen Begründer des Völkerrechtes, und erzählte, dass er schon vor dreissig Jahren an die Stelle gepilgert, wo das Grabmal des Verfasters von rDe jure belli et pacis" steht.

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