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Die Welt · 1900-03-01 · 1 (3.1900) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
1 (3.1900)
Article
Die zionistische Abordnung in Palästina
Date
1900-03-01
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Die # Welt" Seite 7 türkischen Hegierung hervoi /.m uleii. Aber \\n haben minier gesagt und wiederholen es jei/,1 nachdrücklicher aU je, dass wir eine Infiltration kleiner Mcnschengruppen pcrhorrescieren. Niemainl hat das liceht. diese Leute einem Ungewissen Schicksale preiszugeben. Nur nach türmIiehen Verträgen mit der türkischen Legierung hat das ('olonisierelt Aussieht auf ein reehtliehes Gedeihen. Der Türkei können von dem jüdischen Volke solche Vortheile geboten werden, dass das Zustandebringen dieser Abmachung mir eine Frage der Zeit ist. Alier selbst wenn die türkische liegierungdie allmähliche Einwanderung kleiner Gruppen ohne förmliches Uehereinkoimnen gerne sähe, müssicii wir uns Kau/, entschieden gegen solche Experimente aussprechen. Wir können nach gewonnener Einsieht in die Sachlage nach unserem besten Wissen und Gewissen nur sagen, dass die Colonisntion im Kb-inen unverantwortlich grosse Menschenopfer erfordern wurde. Die vereinsamten Colonisten, die sich ihr Terrain selbst suchen, sind verhältnismässig mich besser danin, als die Gruppen, die auf ein für sie erworbenes, nicht immer gesundes Gebiet geworfen werden. Dass jedes Stück Land entsumpft und urbar gemacht werden kann, ist nur den l'nwissendsten nicht bekannt. Aber die Genesung des Bodenskann nur im Zusammenhange grosser allgemeiner Arbeiten gelingen. Und fiir solche Arbeiten reichen die Mittel auch der grossuiüthigsten und reichsten Einzelnen nicht aus. Nun können wir ein ganzes Volk dahintersetzen; ein Volk, dessen Existenz wir durch unsere grosse zionistische Bewegung zeigen : ein Volk, das diesem verwahrlosten Boden die alte Zärtlichkeit bewahrt hat. wie einein kranken Angehörigen. So können wir auch ruhig, offen, ohne diplomatische Feinheiten verkünden, was wir mit diesem Boden vorhaben. Denn niemand ist bereit oder in der Lage, für die Wiederbelebung dieser Erde solche Opfer zu bringen, wie das jüdische Volk. Es wird uns niemand zuvorkommen, es wird uns das niemand wegnehmen, weil niemand die hingebungsvolle Menscbenkraft aufbringen kann, vom lieble gan,. *zu geschweige!), wie die Juden. Bei den Juden in ihrer jetzigen Lage findet sich die politische Machtlosigkeit, die "sie als ungefährlichsten Bewerber erscheinen liisst, mit der notwendigen wirtschaftlichen Macht vereinigt. Wir haben die Frage hoch aufgerollt, und sie fliegt auch schon über die Köpfe der Menschen. Wir sind voll guten Muthes und fester Zuversicht. Und man wird begreifen, dass wir dazu genug Ursache haben, da es uns gelungen ist, dass Interesse zweier Herrscher für unsere gerechte Sache zu erwecken. Und sage oder glaube niemand, dass diese («rossen dabei etwas Unfreundliches im Sinne führen. Die öde Selbstbespöttelung mancher Juden, durch die wir alle in Verruf kommen, kann ja auch für eine solche Theilnahme die hämische Erklärung finden : Sie wollen uns los haben! Aber in Wirklichkeit liegt die grossmüthigste Absicht vor, Culturzu verbreiten, unglücklichen, umherirrenden Mensehenmassen eine Heimstätte zu verschaffen, Wohlfahrt in eine verwahrloste (legend zu bringen und durch all dies den Besitzstand der Menschheil an Glück und Gesittung ein wenig zu vei mehren. So ist die Theilnahme gemeint, und so haben wir sie dankbarst verstanden. Auf die Frage, was nun zunächst geschehen solle, kann ich kurz antworten : Während metner einnioiiatliehen Abwesenheit haben die Arbeiten des Bankcomitcs nicht geruht. Vielmehr wurden inzwischen in London alle Vorbereitungen getroffen, um das lnslebentreten der jüdischen Colonialbank für die nächste Zukunft zu ermöglichen. Das vom Congresse eingesetzte Hankcomitc wird sich binnen kurzem versammeln, um die Statuten und den l'rospecl der Bank zur Veröffentlichung zu genehmigen. Bei der Wendung, welche die Dinge in letzter Zeit genommen haben, steh! allerdings auch noch ein Weiteres bevor, nämlich die Bildung einer jüdischen Laudgesellschaft, die eitlen anderen Wirkungskreis haben wird, als die Bank. Die Anpassung dieser beiden, für die Ausführung unseres Planes nothwendigen Anstalten aneinander wird von vorneherein unsere Aufgabe sein müssen. Näheres will ich darüber erst sagen, bis ich mit einigen Herren in London Rücksprache genommen haben werde. Für die zu bildende Landgesellschart wird sich nun auch in Deutschland gewiss eine lebhaftere Theilnahme regen. Gewisse Bedenken, als ob der Zionismus den Juden übel ausgelegt werden könnte, sind heute wohl nicht mehr zulässig. An der geplanten Landgesellschaft wird sich auch das Capital deutscher Juden gern betheiligen. Auf die Frage, ob Ich jetzt schon in Baiästina wohnen möchte, antworte ich Ihnen kurz und bündig: Nein! Das ist gerade so. wie wenn man einen Bauherrn oder Architekten fragte, oh er auf einem Bauplatz wohnen möchte. Nein. Zuerst muss das Haus auf dem Platze erriehfet und beziehbar sein, dann wird man es gern beziehen und bewohnen. Indessen gibt auch schon ein beginnender Bau vielen Händen zu schaffen, und der Beginn unserer Thätigkeit wird wohl sogleich einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung des Landes zur Folge haben. Dr. M. T. Schrtirer. Frage: Wie steht es mit den sanitären Verhältnissen in Palästina? Antwort: Sie werden begreifen, dass ich nach einem zehntägigen Aufenthalte im Heiligen Lande nicht in der Lage bin. Ihre Frage aus eigener Anschauung zu beantworten. Was ich Ihnen darüber mittheilen kann, das sind nur einige allgemeine Eindrücke, die. wie ich gleich bemerken will, sich im grossen und ganzen mit dem decken, was von verschiedenen Seiten über diesen Gegenstand gesagt wurde. Sie dürfen also nichts Neues erwarten. F.: Gestatten Sie, Herr Doctor, dass ich meine Frage genau präcisiere: Sind die klimatischen und sanitären Verhältnisse Palästinas einer Colonisierung im grossen Stile günstig? Weiche sanitären Missstände bestehen, und wie ist diesen abzuhelfen? A.: Ein Land, in welchem tropisches, subtropisches und continentales Klima so glücklich vereinigt sind, wie in Palästina, bietet in klimatischer Beziehung einer Colonisaf ton in grösserem Stile keine oder keine wesentlichen Schwierigkeiten. Der Europäer verträgt die Hitze in Palästina im allgemeinen ganz gut, zumal die hohe Temperatur selbst im Hochsommer durch die frischen Seewinde erträglicher gemacht wird und nachts Abkühlung eintritt. Während unseres Aufenthaltes in Palästina herrschte eine Hitze, die selbst im Sommer kaum übertroffen wird — das Thermometer zeigte über :W Grad im Schatten. Trotzdem haben wir die hohe Temperatur ganz gut vertragen und erfreuten sich die Mitglieder unserer Abordnung, mit Ausnahme vereinzelter, kleiner, vorübergehender Indigestionen, die auf die veränderte Kost zurückzuführen waren, während ihres - ganzen Aufenthaltes in Palästina der besten Gesundheit. Dass die aus Europa eingewanderten Juden das palästinensische Klima ganz gut vertragen, haben übrigens die bestehenden Colonien am nesten gezeigt. Wenn einmal das \ Land genügend Wasser (zum Trinken und Baden) und mehr Vegetation besitzen wird, dann werden auch die letzten klimatischen Schwierigkeiten verschwinden. Von den im Lande herrschenden Krankheiten ist die Malaria diejenige, die den Colonisten am schwersten trifft. Wie überall auf alluvialem Boden in nicht oder schlecht bestellten, zum Theile sumpfigen Ebenen treten die in der Erde enthaltenen Keime heim Aufwühlen dos Bodens heraus, übergehen in die Luft und in das Wasser und erzeugen die in solchen Gegenden so häufigen Fieberformen. Auch in den jüdischen Colonien Palästinas, namentlich eiten in Judäa, herrschte und herrscht noch die Malaria. )urrh reichliche EucalypfUmpflanzungen und entsprechende Begelung der Lebensweise ist es zwar gelungen, sowohl die Intensität als auch die Extensität der Krankheit zu vermindern. Die wirksamsten Mittel zur Bekämpfung der Malaria - Trockenlegung der Sümpfe und ausgiebige Bodencnltur — können natürlich nur bei einer Colonisierung in grossem Massstnbe zur Anwendung gelangen. Was aber durch diese Mittel erreicht werden kann, das zeigen die schönen Ergebnisse, welche die Italiener im Kampfe gegen die mörderischen Fieber der römischen ('ampagnn erzielt haben. In den Spitälern in Jerusalem und Hischoit-le-Zion habe ich eine verhältnismässig grosse Zahl von Augenkranken gesehen, darunter recht schwere Fälle, deren Verlauf ein unverhältnismässig rapider war. Ebenso sah ich auf den Strassen von Jerusalem, Jaffa und den Colonien viele Augenkranke. F.: Ist das die ägyptische Augenentziindung? A.: Das Trachom ist zwar in diesen Gegenden eine häufig vorkommende Erkrankung, aber ebenso wie man doch geneigt ist, jede mit Temperaturerhöhung einhergehende Indisposition als,Fieber" zu bezeichnen, so dürfte, wie ich glaube, auch die Bezeichnung .Trachom" vielfach missbraucht und für Augenaffectionen angewendet werden, die mit der sogenannten ägyptischen Augenentziindung nichts zu tliun haben. Wie dem aber auch sei. sicher ist, dass die Zahl der Augenkranken eine ziemlich erhebliche ist. Ueber die Ursache dieser Erscheinung' konnte jc|i eine einheitliche und stichhältige Erklärung von den dortigen 1

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