Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 52 (24.12.1908)
- Date
- 1908-12-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Vortragende die gewaltigen "Schäden des materiellen und ethischen Völkswohls, die aus den modernen Bodenverhältnissen; besonders in den Großstädten, sich ergeben. Der offizielle Zionismus ist an den modernen Forschungen der jungen Bodenreform nicht vorübergegangen, er. hat sie im Einklang mit der jüdischen Tradition mit in sein Programm aufgenommen und das nationale Erlösungswerk gleichzeitig zu einem sozialen gemacht. Die Grundsätze des Pentateuch über Sabbathjahr und Jubeljahr stellen ja schon eine Bodenlehre dar, die selbst modernen sozialen Bestrebungen nichts nachgibt, und so vereint sich auch hier, wie in unserer ganzen Bewegung, die Rückkehr zur Tradition mit der klaren Erkenntnis •der Gegenwartsbedürfnisse für unser Volk. Die stark besuchte Versammlung folgte mit großer Aufmerksamkeit den ausführlichen -und schwungvollen Darlegungen und spendete reichlichen Beifall. In der Diskussion hob Herr Segall hervor, daß eine Modernisierung <les Sabbathjahres bereits von Rabbon Gamliel angeregt war. Herr Neumark streifte den Unterschied der nationalen und sozialistischen Bodenreform, welch letztere konsequenter scheint, als sie den Unterschied in den Schädigungen der Allgemeinheit durch die verschiedenen Arten des Privateigentums nicht mache. Herr Auerbach gab sodann den Palästinabericht wie immer detailliert, und nach dem Schlußwort erreichte der interessante Abend in vorgerückter Stunde sein Ende. Österreich Wien:-Theologischer Verein. Dienstag den 1. Dezember fand eine außerordentliche Generalversammluug des Vereins, die dem Andenken des verstorbenen Lektor Friedmann gewidmet war, statt. Tagesordnung: 1. Nachruf, gehalten vom Präses H. Zifrinowitsch. ' -2. Anträge zur Ehrung des Andenkens des Verstorbenen. Es wurde beschlossen aj Lektor Friedmann aus den Nationalfondsgeldern des Vereins in das Goldene Buch einzutragen; b) zwei Preise per 100 Kr. für wissenschaftliche Arbeiten aus der Vereinskasse auf den Namen des Lektors Friedmann auszuschreiben; die Preise sollen am Todestage der Lektors verteilt werden; c) die diesjährige Makkabäerfeier des Vereins fällt wegen der Trauer um das Ableben des Lektors weg. Sereth: Am 12. d.M. veranstalteten die jüdisch-nationalen Akademiker der Stadt Sereth zu Ehren des silbernen Schriftstellerjubiläums Schalom Alechems (S. Rabinowicz) einen Festabend mit darauffolgendem Tanzkränzchen. In dem unter Arrangement des Herrn stud. iur. Jonas Giesel herrlich dekorierten Saale hatte sich eine große Gesellschaft eingefunden. Nachdem Herr stud. iur. Josef Hollinger im Namen der jüdisch-nationalen " Akademiker die Gäste begrüßt hatte, hielt Herr stud. iur. S. Gewürz die Festrede. Mit viel Verständnis lasen hierauf Herr stud. iur. Josef Sonnenreich imd Herr stud. iur. Bernhard Rosenberg Skizzen von Schalom Alechem vor. Hierauf folgte das Tanzkränzchen. Galizien N. Sokolow. in Galizien Herr N. Sokolow weilt zurzeit zu Propagandazwecken in Galizien. Am Sonntag, den 20. ds. sprach er in einer großen Massenversammlung in Krakau, am 21. hatte er daselbst eine Besprechung wegen organisatorischer Fragen mit den Vorstehern des Krakauer Distriktskomitees. Am darauffolgenden Tage hielt Herr Sokolow einen Vortrag in Tarnow, am Mittwoch sprach er in Rzeszow und am Donnerstag wiederum in Krakau. ' Amerika Die Agitationsreise Mr. Fromensons Mr. Fromenson besuchte jüngst u. a. die Städte Youngstown, Cleveland, Minneapolis, St. Louis und Kansas City und veranstaltete in all diesen Städten große Versammlungen. Er fand überall ein lebhaftes Interesse für die zionistische Bewegung, so daß es ihm ein-Jeichtes war, viele neue Vereine zu gründen. In der nächsten Zeit wird Herr Fromenson nach Denver, Texas und Kalifornien reisen.. In Waco wird er zur Zeit der dort stattfindenden Jahresversammlung der Zionisten von Texas sein und später nach Oklahoma und den benachbarten Provinzen gehen. Zionistische Propaganda in New York Die Vereinigung der Zionisten in New York hat den bekannten jüdischen Volksredner Solomon Frankel als Agitator für New York engagiert. Jüngst sprach er in einer großen Massenversammlung, die von dem Verein Degel Zion veranstaltet war und als deren Resultat die Gründung eines neuen Vereins zu verzeichnen ist. New York: Ein sehr interessantes Bankett fand am Samstag, den 5. Dezember, in der Clinton Hall in New York statt. Die Hauptredner waren die Herren Professor Richard Gottheil, Dr. Isaac A. Hourwich, Dr. Schmaryahu Lewin, Dr. Chaim Schitlowsky und Dr. N. Syrkin. Veranstalter des Banketts war der Jewish Nationalist Club, als Leiter fungierte Herr Louis Lipsky. Professor Gottheil gab eine umfassende Obersicht über den Umschwung in der Türkei, der diesem Reich eine konstitutionelle Regierungsform gebracht hat. Er erwartet davon Großes für die Zukunft des Zionismus. Dr. Hourwich sprach über die ökonomischen Vorteile, die sich für die Juden wie auch für die Türken aus einer jüdischen Ansiedelung in Palästina ergeben könne. Er ist der Meinung, daß Palästina eines der zukunftreichsten und aussichtsvollsten Länder der Erde darstellt, und daß die Juden am meisten geschickt sind, das Land zu neuer Blüti zu bringen. Nur widerstrebend verstand sich Dr. Schmaryahu Lewin dazu, ebenfalls eine Ansprache zu halten. Wie der „American Hebrew", dem wir diesen Bericht entnehmen, mitteilt, waren seine Ausführungen zum größten Teile streng vertraulicher Natur und entziehen sich der öffentlichen Wiedergabe. Dr. Chaim Schitlowsky trat sehr warm für die Schaffung nationaler Werte in der Diaspora ein, da das Judentum sonst Gefahr laufe, zermalmt zu werden. Er sieht einen wichtigen nationalen Faktor in der Pflege des Jargons, der die eigentliche jüdische Volkssprache darstelle. Dr. M. Syrkin wünschte, daß die Zionisten viel energischer und rascher vorgingen. Sie sollten sich nicht so furchtsam zurückhalten und in großzügiger Weise die Besiedelung des Landes beginnen. Argentinien Wie uns bekannt wird, bestehen mannigfache Mißverständnisse in bezug auf die zionistische Vertretung in Argentinien. Demgegenüber sei darauf hingewiesen, daß die einzige vom Aktionskomitee anerkannte zionistische Zentrale für Argentinien das „Comite Central del Partido Sionista en Argeniina" ist, dessen Bureau sich in Buenos Aires, Corrientes 1364, befindet. Köln: Welch großer Beliebtheit der Jüdische Turnverein zu Köln sich in den Kreisen der jüdischen Gemeinde erfreut, zeigte sich recht deutlich bei der Makkabäerfeier des Jüdischen Turnvereins, die am Samstag den 19. d. abends im großen Saale der Lesegesellschaft stattfand. An die 800 Gäste waren erschienen, und es herrschte von Anfang bis Ende eine harmonische und fröhliche Stimmung. Der Vorsitzende konnte in seiner Eröffnungsansprache mit Genugtuung auf die Erfolge hinweisen, die der Verein während seines sechsjährigen Bestehens erlangt hat, als deren erfreulichsten er die große Zahl schätzbarer und lieber Freunde bezeichnete, die der Verein sich erworben hat. Unter den Gästen begrüßte er besonders die erschienenen Mitglieder des Vorstandes und des Repräsentantenkollegiums der Synagogengemeinde, die Herren Heilbrunn, Simon, A. Bier, M. Gottschalk und Linz. In deren Namen antwortete später Herr Bier, der seiner lebhaften Genugtuung über das Gesehene Ausdruck gab und betonte, daß die Bestrebungen des Vere ns Förderung in allen Kreisen der Gemeinde verdienten. Einen Hauptpunkt des Abends bildete die vollendete, begeisterungsvolle Festrede des Herrn Rabbiners Dr. Hanover, der mit seinen liefempfundenen, formschönen Ausführungen d:e Zuhörer mächtig ergriff und zu lebhaftem Beifall hinriß. Von den turnerischen Vorführungen, an denen sich alle Riegen des Vereins beteiligten, erweckte besondern Beifall der Keulenreigen der Damenabteilung, der von mehr als zwanzig Damen ausgeführt wurde. Man kann wohl sagen, daß diese Nummer des Programms zugleich seinen Höhepunkt bildete. Als Vortragskünstler war es dem Verein gelungen, Herrn Robert Koppel zu gewinnen, den bekannten Sänger und Rezitator. Im ersten Teile seines Programms trug er jüdische Volkslieder und eine jüdische Humoreske vor, im zweiten Teile Kabarettgesänge. Beide Male wurde der Künstler stürmisch gefeiert. Nach Schluß des Vortragsprogramms setzte dann der Festball ein, der erst gegen 5 Uhr morgens sein Ende erreichte. Alles in al:em eine Feier, die durch ihr geschickt zusammengestelltes, abwechslungsreiches Programm wie auch die hohe Qualität der Darbietungen allen Teilnehmern noch lange im Gedächtnis haften wird. Aufruf! Der jüdische Turnverein „Bar-Kochba" in Berlin blickt in diesen Tagen auf ein zehnjähriges Bestehen zurück. Die Verdienste des „Bar-Kochba" nicht bloß um die körperliche