Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 52 (24.12.1908)
- Date
- 1908-12-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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nur dann mit Erfolg aufnehmen kann, wenn "er von Anfang an bei der Einrichtung der Wirtschaft zur Stelle ist und eigene landwirtschaftliche. Erfahrungen besitzt, ist die Anlage von Pflanzungen in Palästina technisch bereits so gleichmäßig ausgebildet, daß auch Personen, die außerhalb Palästinas leben, in der Lage sind, durch bezahlte fremde Arbeit eine Pflanzung anzulegen und. solange pflegen zu lassen, bis sie Früchte trägt Dies ist besonders für die große Zahl kleiner jüdischer Kapitalisten von großem Vorteil. Sie können so lange in Europa bleiben und ihrer Berufstätigkeit nachgehen, bis die Einkünfte der von ihnen angelegten Pflanzung ihnen die Möglichkeit einer Existenz in Palästina bieten. Ein anderer Vorteil ist der, daß die Anlagekosten der Pflanzung nicht von Anfang an auf einmal aufgebracht zu -werden brauchen, sondern sich auf eine Reihe von Jahren verteilen, so daß auch Leute mit geringerem Einkommen durch jährliche Einzahlungen in den Besitz einer Pflanzung kommen können. Die in Palästina gegenwärtig am meisten angebauten Früchte sind: Wein, Orangen, Oliven, Mandeln, Aprikosen und Feigen. Hiervon sind die Oliven, Aprikosen und Feigen hauptsächlich bei den arabischen Grundeigentümern zu finden, während sie in . den jüdischen Kolonien noch wenig Eingang gefunden haben. In diesen sind die Hauptfrüchte Wein, Orangen und Mandeln; Oliven und Aprikosen fangen erst jetzt an, sich daneben auch einen Platz zu erobern. Feigen fehlen in den jüdischen Kolonien fast gänzlich. Die Kultur der Maulbeerbäume war früher in den jüdischen Kolonien zwecks Aufzucht der Seidenwürmer ziemlich, verbreitet, ist aber mit dem Verschwinden der Seidenraupenzucht gänzlich eingegangen. Ober die Kultur der einzelnen Gewächse ist unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse in.Judäa folgendes zu sagen: 1. Der Wei n sto ck. Boden und Klima Palästinas begünstigen in gleicher Weise die Rebenkultur. Die allzuschnelle-Vermehrung des mit Trauben angepflanzten Areals seitens der jüdischen Kolonisten vergrößerte die Quantitäten des aus den Trauben in den Kellereien der Kolonien erzeugten Weins in einer Weise,, daß der Absatz damit nicht Schritt hielt Die Folge war ein erheblicher Rückgang der Traubenpreise. Neuerdings hat sich die Lage durch Ein- . schränkung der Rebenproduktipn und Hebung" des Weinabsatzes gebessert Die Traubenpreise sind zwar noch niedrig, es ist aber nicht unwahrscheinlich, daß sie in die Höhe gehen werden, und daß man in ein'gen Jahren mit günstigen Aussichten neue Weingärten wird anlegen können. Auch die bisher in den jüdischen Kolonien-noch wenig gepflegte Kultur von Tafeltrauben scheint - ein gutes Geschäft-zu sein, sofern solche Trauben angepflanzt werden, die den Transport nach Ägypten aushalten und nicht nur auf den palästinensischen Markt beschränkt sind.' Ebenso verdient die bisher bei den Juden wenig bekannte Anpflanzung von Trauben - zur Rosinenbereitung größere Beachtung. — Die Weinstöcke - beginnen schon im 2. oder 3. Jahre Früchte zu tragen, werden jedoch mit Rücksicht auf die Religionsvorschriften erst im 4. Jahre abgeerntet .- 2. Orangen.. Die Orangenkultur ist schon seit vielen Jahrzehnten, in Palästina heimisch. Die Juden haben sich seit ungefähr •20 Jahren dieser Kultur zugewandt und sie in außerordentlichem Maße in die Höhe gebracht Das Zentrum der Orangenkul'tur bildet die Umgebung von Jaffa, und hier wiederum die jüdische Kolonie Petach-Tikwah. Däneben gibt es auch in den jüdischen,Kolonien -Samarias (Chedera und Sichron Jacob) kleinere Strecken, die mit :Orangen bepflanzt sind. Der Orangenbaum bedarf. künstlicher •Bewässerung, um die heiße Jahreszeit zu überstehen, und die Kosten für die Anlage einer Orangenpflanzung sind deshalb ganz bedeutend höher als bei allen andern Pflanzungen. Die Höhe der Kosten ist •abhängig von. der Tiefe des zu grabenden Brunnens. In manchen Kolonien findet man schon bej 8—1 dm, in andern -erst bei 20—30 m ■■■ oder sogar bei 50—60 m Tiefe genügendes Wasser. Ein Brunnen von 20—30, m : Tiefender für. etwa 60 bis 80 Dunam. Orangen Wasser geben soll, kostet etwa 3000—4000 Frcs. Dazu kommen noch die Kosten, für die Pumpe mit Petroleum- oder Sauggas-Motor, für Wasserreservoir und das Röhrennetz im Betrage von 7000 bis 8000 Frcs. Legt man die Bewässerungsanlage für eine Pflanzung von weniger als 60—80 Dunam an, so verringern sich die Kosten nicht in entsprechendem Verhältnis; es empfiehlt sich deshalb, daß sich die Besitzer mehrerer kleinerer Orangenpflanzungen zur gemeinsamen Herstellung einer Bewässerungsanlage vereinigen. Die Orangenernte beginnt im Oktober und dauert bis zum -April. Die Früchte können in dieser Zeit ohne Schaden monatelang am Baume hängen bleiben, so daß man die .Kosten der Lagerung in einem Speicher erspart und sie erst kurz vor der Versendung vom Baume herabzunehmen braucht. Die Orangen werden in Holzkisten im Durchschnittsgewichte von 35 kg gepackt und nach Europa versandt. Der Hauptmarkt ist Liverpool, doch nehmen auch Konstantinopel, Rumänien und Rußland gewisse Mengen auf. In jeder Orangenpflanzung können kleine Flächen auch mit Ethrogim bepflanzt werden. Die palästinensischen Ethrogim erobern sich allmählich in Konkurrenz mit den Ethrogim von Korfu einen Markt and werden ziemlich gut bezahlt Auch die in Palästina außerordentlich gut gedeihende Quitte, aus der ein vorzügliches Kompott gemacht wird, kann in den Orangenpflanzungen mit Erfolg gezogen werden. Ebenso verspricht die erst in den letzten Jahren von den Juden systematisch in Angriff genommene Anpflanzung - von Tafelobst (Äpfel, Birnen und Pfirsiche) gute Erfolge, da Bedarf an gutem Tafelobst vorhanden ist und die bisher in Palästina bei den Arabern existierenden Obstbäume sehr minderwertigen Sorten angehören. 3. Mandeln. Die Mandelkultur scheint in Palästina noch eine große Zukunft zu haben, da die Mahdelpflanzungen bisher noch nicht sehr ausgedehnt sind und in absehbarer Zeit nicht zu befürchten ist, daß die palästinensische Mandel den Weltmarktpreis für Mandeln herabdrückeri wird. Die Anlagekosten sind verhältnismäßig gering und die Kultur ziemlich einfach. Die Mandelernte in Palästina beginnt im August. Die Mandeln dienen zum größten Teile zur Deckung des palästinensischen Bedarfs; ein Teil wird ins Ausland, besonders nach Ägypten exportiert Störend macht sich geltend, daß bisher die Mandeln, die bekanntlich eine . doppelte Schale haben, noch durch Arbeiter einzeln von der äußeren fleischigen Schale befreit werden müssen. Maschinen zur Schalenentfernung sind in Palästina bisher noch nicht eingeführt. 4. Oliven. Der Olivenbaum ist eines der ältesten-einheimischen Gewächse Palästinas und hat vielleicht in Palästina oder Syrien seine Heimat. Obwohl im Altertum die Olivenkultur noch viel verbreiteter gewesen.zu sein scheint als jetzt, so finden sich auch jetzt noch überall in Palästina große Olivenpflanzungen, insbesondere bei Ramleh (zwischen Jaffa und Jerusalem), ferner bei Nablus und im ganzen nördlichen Palästina. Bei den Arabern ist allgemein der Glaube verbreitet, daß der Oliverbaum seiner Natur nach in dem einen Jahre eine gute, im folgenden Jahre eine schlechte Ernte geben muß, und tatsächlich ist dies in den arabischen Pflanzungen der Fall. Es wird aber nicht durch die natürliche Beschaffenheit des Baumes herbeigeführt, sondern dadurch, daß die Araber die reifen Früchte mit Stöcken abschlagen und dadurch die Triebe des nächsten Jahres beschädigen. In den jüdischen Kolonien, wo man auf Grund dieser Erkenntnis die Früchte nicht abschlägt sondern mit der Hand abnimmt trägt der Qlivenbaum" alljährlich ziemlich gleichmäßig Frucht. Das aus den Oliven gewonnene Öl h.at zu Speisezwecken und zur Bereitung von Seife einen fast unbeschränkten Absatz. Gegenwärtig wird das in Palästina erzeugte Öl zur Deckung des eigenen Bedarfs des Landes gebraucht und nur geringe Mengen werden in guten Jahren exportiert Die Olivenkultur hat vor allen . andern Kulturen den Vorzug, daß der Olivenbaum ein außerordentlich hohes Alter (mehr als 100 Jahre) erreicht und eine Olivenpflanzung mehreren Generationen Existenz bieten kann. Bei den