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Die Welt · 1908-12-18 · 50-51 (18.12.1908) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
50-51 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
– (sequence 19)
Language
German
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No. 50 : ME U^ELT: o&oooool] AUS DER BEWEGUNG Namens der Zionisten der ganzen Welt übermittelte Präsident Wolffsohn dem türkischen Parlamente anläßlich seiner Eröfihung drahtlich die herzlichsten Glückwünsche. Deutschland Köln. Am verflossenen Samstag, den 9. ds., fand der dritte literarische Abend des Herzl-Khibs statt. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Karl Levy, hielt ein einleitendes Referat Ober „Das neue Ghetto, von Theodor Herzl", an das sich eine sehr anregende Diskussion anschloß. In sachkundiger Weise gab der Referent eine gedrängte Inhaltsangabe dieses ersten und einzigen dramatischen Werkes des Schriftstellers Herzl und zeigte durch treffliche Charakterisierung der einzelnen Gestalten des Dramas, wie sich in jener £eit, der Entstehungsperiode des Herzl'schen Zionismus, ■das Problem der Judenfrage "für den Menschen und den Dramatiker Herzl darstellte. An den zirka einstündigen Vortrag, den die gut besuchte Versammlung beifällig aufnahm, schloß sich eine halbstündige Diskussion, welche die Teilnehmer des Abends noch eine weitere Stunde beisammenhielt — Die bei dieser Gelegenheit vorgenommene Sammlung für den Nationalfonds hatte wiederum ein befriedigendes Ergebnis. Duisburg: In zwei hiesigen nichtzionistischen Vereinen wurden in den beiden letzten Wochen Vorträge von national-jüdischem Charakter gehalten. Im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" sprach Herr Dr. Heinrich Loewe aus Berlin über „Kulturelle Streifzüge im jüdischen Orient" und im „Verein der jüdischen Jugend" Herr Dr. Adolf Pinczower-Düsseldorf über „Das jüdische Volkslied". Herr Dr. Loewe zeichnete an Hand einer Menge"" vorzüglicher Lichtbilder mit beredten Worten anschaulich das Leben im Orient und besonders die Entwicklung, die „die neue Bewegung" in Palästina gezeitigt hat. — Herr Dr. Pinczower führte die Zuhörer mit viel Verständnis und großer Begeisterung in das Wesen des jüdischen Volksliedes ein. Er verurteilte mit scharfen Worten die Reformbestrebungen im synagogalen Gesang und zeigte an vielen ernsten und heitern Jargonliedern die Schönheiten einer eigenartig jüdischen Volksmusik. — Die Ausführungen der Redner wurden von dem an beiden Abenden zahlreich anwesenden Publikum mit großem Beifall aufgenommen. Das reifere Verständnis für die leitenden Ideen der beiden Redner unter den Zuhörern zu wecken, blieb jedoch trotz der klaren Darlegungen den hiesigen Zionisten vorbehalten. Hamburg: Am Sonntag den 29. November veranstaltete die hiesige Mlsrachi-Gruppe eine öffentliche Agitationsversammlung, in der Herr Referendar J. Möller-Altona vor einer mehrhundertköpfigen Zuhörerschaft über das Thema „Die Zukunft des Judentums" referierte. Von dem Gegensatz der herrschenden Weltanschauungen ausgehend, suchte Redner den Grund dieses Gegensatzes zu beleuchten und den Nachweis zu führen, daß, obwohl nur eine Weltanschauung objektiv wahr sein könne, subjektiv jede ehrliche Überzeugung Berechtigung habe und Achtung verdiene. Daraus resultiere die Notwendigkeit, Andersdenkenden gegenüber tolerant zu sein. Diesen Grundsatz müsse man auch als Jude beherzigen. Auch hier gäbe es eine Reihe verschiedener Auffassungen des Judentums, die subjektiv jede berechtigt -sei. Da. aber auch nur eine Erfassung des Judentums objektiv , die richtige sein könne, so würde diese sich mit der Zeit schon Kraft ihres intellektuellen Übergewichts An das Referat, das mit großem Beifall aufgenommen wurde schloß sich eine Diskussion, an der sich die Herren Estermann, Bachrach, Lichtenstädter und andere beteiligten. Eine Sammlung für die misrachistische Mittelschule erzielte ein erfreuliches Resultat. Für die Ortsruppe wurde eine Reihe neuer Mitglieder gewonnen. Österreich Von diesem Standpunkte aus müsse man auch als gesetzestreuer Jude seine Stellung zum Zionismus betrachten und könne sich dem Misrachi anschließen, da man durch Zugehörigkeit zu demselben seiner Überzeugung Ausdruck verleihe, daß das Ziel des Zionismus, die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina, auf dem Boden der Tradition, zu erstreben sei. Daß der .Misrachi bisher nicht den gebührenden Einfluß gehabt habe, sei darauf zurückzuführen, daß die Mehrheit der gesetzestreuen Juden sich noch von ihm fernhalte. Redner schloß mit einem warinen Appell an die Anwesenden, sich dem Misrachi anzuschließen. Innerösterreichischer Distriktstag: Sonntag den 13. Dezember um V* 11 Uhr vormittags eröffnete der Obmannstellvertreter des Distriktskomitees den außerordentlichen Distrikstag der zionistischen Organisationen Innerösterreichs. Es erschienen 27 Delegierte sämtlicher Wiener Organisationen. Ins Präsidium wurden gewählt die Herren Bankier Brecher und Dr. Jerusalem, zum Schriftführer Herr Dr. Hugo Zuckermann. Herr Dr. Zweig erstattet den Rechenschaftsbericht des am 8. März Gewählten Distriktskomitees. Da die Herren Dr. Meisel, Dr. iernhardt und Gold ihre Demission gegeben, wurde Herr Geller ins Distriktskomitee kooptiert. Die Schekelsammlung ergab bis nun 500Schekel, die Sammlung ist noch nicht abgeschlossen (!!). Der Redner berichtet über die Herzl-Trauerfeier, über die Wiener Reise des Präsidenten'Wolffsohn und die Kultuswahlen. Redner führt folgende Gründender Wahlniederlage an: die Dezimierung der •Wählerlisten, die Verleumdungsaktion der Offiziellen und die verminderte Arbeitsleistung der Parteigenossen. Die Kultuswahlen, bedeuten einen Sieg der Oligarchie -und der Textilbranche. Die zionistische Organisation hat den Kampf in Ehren bestanden. Debatte über den Rechenschaftsbericht Herr Dr. Weidengrün führt aus, der Radikalismus habe nicht gesiegt, es wäre aber ein Irrtum, daraus die Notwendigkeit einer Frontänderung zu folgern. Die sogenannte radikale Taktik hat die Organisation gefestigt und das Blatt geschaffen, ihr gehört die Zukunft Herr Diamant wendet sich gegen die extremen Forderungen des Wahlprogramms, insbesondere gegen das allgemeine Wahlrecht. Es war ein Fehler, die Kandidaten Dr. Zips er und Kohn aufzustellen. Man hatte die Organisation in den Bezirken und in der Provinz vernachlässigt, die alten Arbeiter abgestoßen. Der Ton der „Jüdischen Zeitung" passe dem Redner nicht. Dr. Bernhardt kritisiert die mangelhafte Agitation und Verwaltung. Die Erhaltung des Parteiorgans sei nicht das Verdienst der „Radikalen", er beantragt die Einsetzung eines provisorischen dreigliederigen Komitees, das in vier Wochen eine Liste des neuen Distriktskomitees ausarbeiten soll. Redner bringt die Herren Adolf Brecher, Dr. Jerüsalem und Dr. Zuckermann in Vorschlag. Herr Schmorak rügt die Vernachlässigung aller Kultur- und Palästinäarbeit. Beantragt die Gründung eines Auskunftsbureaus für Palästinaauswanderer und die Trennung von Schekel und Distriktssteuer. Herr Waldmann: Man befaßt sich viel zu viel mit Wahlen. Der sogenannte „Radikalismus" ist ein solcher der Worte, denn er richtet sich vornehmlich gegen Gesinnungsgenossen. Das Distriktskomitee hat Agitation, Organisation und Verwaltung brach liegen lassen. Redner befürwortet eine Koalition aller Richtungen. Nachmittagssitzung Herr Stockei bedauert die Lockerung der Disziplin. Zionisten stimmten für die Gegner oder verhielten sich passiv. Herr Dr. Kadisch: Auch die Freunde des Distriktskomitees nehmen es nicht in Schutz. Es herrscht ein System der Systemlosigkeit. Wer kümmert sich um die aktuellen Fragen des Zionismus? Wer denkt über das Problem der Besiedelung Palästinas durch Proletarier nach, über Landentwicklungsgesellschaft und Siedlungsgenossenschaft? Das türkische Parlament tritt zusammen! Haben wir die öffentliche Meinung der Türkei über unsere Bestrebungen informiert? Auch in Österreich wurde nichts geleistet, um den Gedanken der nationalen Autonomie zu verbreiten. Unsere Demokratie sinkt zu einem Schlagwort herab, der „Nationalverein" versagte, es wird ohne Programm gearbeitet. Herr Böhm erklärt, es gebe kein System Böhm-Margulies. Wir haben die Willensbildung im Wiener Zionismus gefördert. Die alten Gesinnungsgenossen wurden nie zurückgestoßen, Herrn York-Steiner wurde die .Obmannschaft im Zionistischen Zentralverein angeboten. Die demokratischen Grundsätze wurden nicht verleugnet: die Wiener Zionisten haben

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