Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 50-51 (18.12.1908)
- Date
- 1908-12-18
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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20 — Fort, sag' ich dir! Für einen „Geliebten" willst du die Himmel stürmen, du Verdammte! — Er ging rasch an die Treppe, die zur Thoralade führt, heran. Das Mädchen stand erschreckt, bleich und schaute mit -weit geöffneten Augen Lejbl an. Sie begriff nicht, was er von ihr eigentlich verlangt, aber das Wort „Geliebter" schnitt ihr ins Herz und ein kalter Schauer durchrieselte ihren Körper. Die Augen aller Anwesenden richteten sich verwundert auf das Mädchen und auf den wütenden Greis. Die Lernenden unterbrachen ihr Lernen und der„Schamesch" brach auf, sah sich um und begann nachzudenken, was er zu tun habe. Der alte Gabbai hob die Brille auf die Stirn, warf einen scharfen Blick und fragte: — Warum treibst du sie? Einer der Mischnah-Lerner erwiderte: —- Ja, der weiß schon, was er tut. Ihr hört ja, was für ein „Vogel" das ist! Für ihren Geliebten stürzte sie an die Thoralade! Vom „Almemar" erschallte die scharfe Stimme des „Schamesch": Du, heraus aus der Synagoge! Und der alte Lejbe ballte seine Faust. Das Mädchen erzitterte vor Angst. Der Greis versetzte ihr einen Stoß. — Heraus! Verdammte, du mit deinem „Geliebten"! Heraus! Sie deckte ihr Gesicht mit der Hand zu und begann jammernd die Treppe, herabzusteigen. Beschämt, zerschlagen und verzweifelt wandelte sie mit ungleichen Schritten, ganz wie berauscht, und ihr Weinen war voll Bitterkeit. Im Vorzimmer lehnte sie sich auf einen : DIE3QKELT BEZALELAUSSTELLUNG IN JAFFA« FILIGRANARBEITEN NO.-50 Augenblick an die Wand, und indem sie das Weineniunterdrückte, bedeckte sie ihr Gesicht mit der rechten Hand. Und in der Synagoge erging sich noch der alte Lejbe in Flüchen und Schimpfereien. Alle lachten und schüttelten ihre Köpfe. Na, das ist eine Frechheit! Wegen eines Geliebten an die Thoralade zu stürzen! < Und einer der Mischnah^Lerner sagte: Man könnte denken,Gott weiß was passiert ist, und 4a hört ihr! Der Geliebte ist kranlc! Ein Unglück! Der alte „Gabbai" fügte hinzu: Die Scheusale, wissen schon nicht, was sie noch anrichten sollen. Und da war wieder ein Lachen und ein Kopf schütteln. — „Hahaha, — welche Frecheit! Wegen eines Geliebten!" Sie wollten wieder das unterbrochene Lernen beginnen, aber die Augen aller richteten sich nach der Wanduhr. Gott war nicht mehr in der Synagoge. Die Lernenden begannen die Folianten zu schließen, der „Schamesch" fand, daß der Leuchter schon genug geputzt sei, und der alte Lejbe legte den „Talis" zusammen und fühlte schon den Vorgeschmack des Schnapsnippchens, das er von Ziwie, dem Schenker, erwartete. Dichte Wolken bedeckten die Sonne und die Strahlentreppen vom Himmel zur Erde verschwanden. Es verschwanden auch die Engelchen, Gottes Heer. SchwarzeSchatten lagerten sich über die von Rauch geschwärzte Decke, über den lange nicht gewaschenen, schmutzigen Fußboden und über die schmutzigen, geschwärzten Wände. Traurig und einsam lugte der Kachelofen aus dem dichten. Staub hervor, und an den Winkeln hing das Spinngewebe schwer und dunkel herab. 'Irgendwo im Winkel zappelte eine Fliege in den Fangarmen einer Spinne. Das Feft Du follft mir biefes feft bereiten mit beines IDefens fdjlicbter Ijeiterkeit. ■TTur laß' erft biefen Dämmer walten, er bringt bie ftolzen Eidjtgeftalten Aus einer längft nerfunk'nen fjelbenzeft. ei fTelj! ein Saft kam uns oon Drüben. Der nionb tritt grüftenb En ble Stube ein. IDenb' mir nur nidjt bas fjaupt. Blcfb (HU, - ganz ftftle, er wirbt um beines fjaarfcbmucks braune Fülle unb fpinnt fie fadjt En Silbernere ein. - - ITun fcbroanb ber öaft. er bat nocb roeite IDege. It)n bauert a?otjl, baß er nicht roeilen kann. Dod) blieb fein tinber Glanz an bernen DJangen tlnb an ben feuchten Rugenfternen bangen . « ♦ : Geb bin unb fad) bas erfte Cicbttefn an! Otto-ftbelcs, TDEen