Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 50-51 (18.12.1908)
- Date
- 1908-12-18
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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vÄ-^S^t-fP^ " *-*£8Pfäät* Sffe No.- 50 Sinne an jedem Orte, in Slabodka wie in Italien, vor fünfzig oder zweihundert Jahren niedergeschrieben werden Können. Nicht einen Strich, auch nicht einen schwachen Schatten seines wirklichen Lebens trug er in .dieselbe ein, um nicht die reine kindliche Poesie seiner Gestalten zu beeinträchtigen. Nur zwei Helfer und Förderer aus der Sßirklichkeit nahm Mapu in Anspruch, um seine Phantasie stets rege und wach zu erhalten: die Bibel und die Natur. Über die Dienstleistung der Bibel nach dieser Richtung habe ich mich andern Ortes, in einer Silhouette S. Prags ausgesprochen. Allein nicht weniger als der Bibel verdankt Mapu dem Zufalle, daß seine Geburtsstätte zwischen den beiden herrlichen FlüssenWilia undNiemen sichbefand, in einer der schönsten Landstrecken des Nordwestens, wo längs der beiden Flüsse hohe prächtige Hügel sich hinziehen, geschmückt mit dem prachtvollen Gründichter, schattiger Wälder. Ä. Mapu war nicht der einzige, den die Schönheit derNatur um die Niemenstadt herum begeistert hat. Der große Dichter Mickiewicz hat dem Niemen diewunderbaren Klänge seines Liedes gewidmet. Der russische Dichterphilosoph Tjutschew hinterließ uns ein schönes Lied zu Ehren des Niemen, und die litauischen Volkslieder besingen ebenso häufig den Niemen wie seine Felder und Berge. Die Natur bot Mapu; Farben und Töne, all jeneMerkmate frischen, gesunden und kraftvollen Lebens, das von Naivität, Einfachheit und Schönheit erfüllt ist. Sie half ihm auf dem Hintergrunde von .Gegenwartseindrücken seine Landschaft, das Ländschaftsbild Zions, ausgestalten. Die Bibel gab A. Mapu ein Vaterland, Seine Vertrautheit mit der Natur lehrte ihn, dieses Vaterland mit bunten Farben und Tönen schmücken, die stille Ruhe der Bibel, des „portativen Vaterlandes", wie es Heine nennt, mit Schätzen, reich an Bewegung und Leidenschaften ausgestalten. In den Naturschilderungen der „Afcawath Zion" und „Aschmath Schomron" findet man ebensowenig auch nur eine geringe Spur von Mapus Heimatsort, wie in den .Gestalten von Amnon und Thamar das Abbild eines Jeschiwah-Bachur dje3|eelt ^^^-^^-^r^jp^q " 'iSv *" &V^QJ$2& & X, "j. St * X» - _ 'SLCV^rc^ fe^ CS g <t J. STARK (BEZALEL) 17 und einer bräutlichen Jungfrau einesSlabodkaer Bürgerhauses zu finden sind. Dagegen sättigen sich unsere Blicke an dem prächtigen Grün des Ölberges, und eine junge zarte Stimme hören wir das Lied der Kindheit singen. Die Bibel, im Geiste naher Vertrautheit mit der Natur verfaßt, hat zu allen Zeiten und bei allen Völkern Wunder geschaffen. Bei uns hat Mapu als erster die Wahrheit dieser These bewiesen. Während die Entfernung von der Natur in uns allmählich jedes Verständnis für die reine Kraft der Bibel erstickt hatte und die Bibel ein Buch geworden war, über welches arme Rabbiner Bücher und Kommentare schrieben, um die Mitgift für ihre heiratsfähigen Töchter zu erwerben, — ward die Annäherung an die Natur immer mehr und mehr zum belebenden Tau für die vertrockneten Blätter. Und die alten Papierblätter begannen von neuem in wunderbarer Frische zu leben; nicht nur, daß sie von neuem auflebten, sondern sie fingen auch an, neue Sprößlinge zu treiben, und die ersten Sprößlinge waren die beiden lieblichen Blumen unserer neueren Literatur: „Ahawath Zion" und „ AschmathSchomron". Allein zur Ziehung und Entfaltung der ersten Blüten, die einer reinen und neuen Erfassung der Natur und der Bibel entspringen, sie so ziehen und sich entfalten zu lassen, daß sie als aufgeschossene Blumen lieblichen Duft um sich verbreiten,— dazu gehört vor allem eine wahre Kinderseele, die in allem den göttlichen Lebensodem wahrnimmt, die den Tod einer geknickten Blume nicht weniger betrauert als den Verlust eines lieben guten Freundes. Und. Abraham Mapu war auch die erste naive einfache Kinderseele in unserer Literatur. Den Slabodkaer Juden erschien Mapu kindisch, allzu kindisch. Als Begründer unserer neueren Literatur steht ihm die Kindlichkeit gut an. Er besaß diejenige Kindlichkeit, die einer eben aufsprießenden Literatur wohltat. Die neue Literatur erforderte die Poesie einer jugendlichen Seele. " , V- 1rs£3sägg*/ <^x . """^^ ,^ * -^jf^^^fe^^^ ARBEITER IM BEZALEL ^^SLät^at^