Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 50-51 (18.12.1908)
- Date
- 1908-12-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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^^^^^W^gg^SSSSw^ 16 : DIE^ELT : I X tr! i >'t; ft w'- *-Si ÄÄ^^Äi In den lächelnden Augen Abraham Mapus sehen wir seine liebevollen Beziehungen zu poesiereichen Jugeridgestalten wie Tbamar und Amnon, den glückstrahlenden Blick des Propheten, der seine Phantasie schweifen läßt zu alten verschwundenen Generationen hinüber, sich entzückt an „den Straßen Zions, die von vielen Menschen rauschen", wo vor zweitausend Jahren „die Leute der Stadt und die Festpilger rennen und stürzen, indem jeder sein Tagewerk verläßt .und seine Schritte richtet nach seiner Wohnstätte am Vorabend des Laubhüttenfestes", sich berauscht an dem Anblick „der Sonne, die sich zum Untergange neigt" und von der aus „goldige Fäden zum Turm Davids ausstrahlen und glänzende Strahlen wie Feuerstreifen und Blitzesflammen blinkend sich abspiegeln in den Schilden und Köchern, die an ihm hangen". Aus Mapus Augen leuchtet seine ganze Hingebung und seine Liebe zu den Phantasiegestalten, die er uns im „Ahawath Zion", im Aschmath Schomron* geschaffen hat. Die Muse, jene zügellöse und launenhafte Göttin, hat in der Seele eines armen litauischen Juden ihren Sitz aufgeschlagen; sein Lächeln ist das ihrige, seine Bücher sind die ihrigen. Denn die Muse kennt keinen Unterschied zwischen Sprache und Sprache wie Libuschitzky; sie ist die größte Polyglottin, und wo sie einmal für kurze Zeit einzieht, hinterläßt _ l^-M " - T^^^^^m^^s^^?Z&vtr***Z ^^l^'Si t + iie; 232 "» ^Ja si ,r r * , Tr*r$?>g7* -^v;r -~ " J. STARK (BEZALEL) sie unauslöschliche Spuren von Zauber und Schönheit. In der ersten Häfte des vorigen Jahrhunderts hatte sie im Geiste eines Mannes wie Abraham Mapu kurzen Aufenthalt genommen. Die Juden von Slabodka haben dieses Wunder fast gar nicht beachtet, und jene, denen die sündhafte Muse Abraham Mapus aufgefallen war, mieden seine Nähe wie die eines Besessenen. Nur wenige Rosseiner Maskilim fanden Gefallen an den Phantasien Mapus, und sie sowie noch andere Maskilim ausSchagor schrieben ihm häufig warme Dankesbriefe in der Sprache, die süßer als Honigseim, wie sich die alten Baale-Melizoth ihrer einst bedienten. Und wenn Abraham Mapu diese Briefe empfing, verklärte sich sein Blick zu jenem oberwähnten Lächeln, denn aus der Sprache der Schagorer Masskilim erklang die Sprache des Jedidja und Jöram, der Prophetenjünger und des Sithri, die Sprache Themans und Peninas, Thamars und Amnons. :rr; Unter jenen armen, von Sorgen erdrückten, der Natur fernstehenden Menschen, deren Sinne abgestumpft waren gegen alles, was nicht das Leben der Gasse und der Klaus betraf, — unter solchen Menschen __wandelte Mapu als Fremder unterFremden, wie ein Stück irrender Poesie, wie ein Lied in öder Wüste, wie ein Sehender unter Blinden. Unter jenen Menschen, die ihre Jugendfrische einbüßen, bevor sie noch Talmudjünger werden, blieb Mapu ein ewig träumendes Kind, das seine kindliche Welt mit ihren kindlichen Träumen nicht um das Glück und die Sorgen der Erwachsenen ein- _ tauschen mag. Äußerlich bliebMapu sein Leben lang ein Melamed, ein scheues zaghaftes Wesen, ein armer zurückgezogener Mensch, der sich in die Geschäfte der Großen nicht einmengt und den Wilnaer Gemeindeältesten fürchtet, wie ein kleines Kind den Polizeimann. Er beschied sich mit wenigem wie ein Schuljunge, der die Zuchtrute des Lehrers flieht und um eine einzige Stunde der Freiheit im schönen schattigen Walde des Mittags- und Abendmahles vergißt, die zu Hause seiner warten. . Abraham Mapu verteidigte die Freiheit seiner Phantasie mit allen Kräften. Dorthin, wo er seine geliebten Ziongestälten großgezogen hatte, ließ er keinen vergifteten Hauch aus der realen Welt, in der er lebte, eindringen, Denn alle seihe Gestalten sind zu fein und zart, um die Luft der Slabodkaer Gemeinde jener Zeit zu vertragen. Wüßten wir nicht aus der Lebensgeschichte Mapus, unter was für Leuten und in welcher Sphäre er sein Leben verbrachte, — keinesfalls würden wir. dies aus seinen Werken „Ahawath Zion" und _Asehmath Schömron"- erfahren. Denn diese beiden Werke hätten in gewissem ^£ WIRD SICH GOTT ERBARMEN?