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Die Welt · 1908-12-18 · 50-51 (18.12.1908) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
50-51 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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^gBH^iRPI^^^^^^^^ DIE3§gELT No. 50 BEZALELAUSSTELLUNQ IN JAFFA Zeit ganz bedeutend gebessert; dem ist zuzuschreiben, daß wir bereits mit Bestellungen aus aller "Welt überhäuft werden. In der letzten Zeit haben wir sogar nach solchen Orten Teppiche geliefert und Nachbestellungen erhalten, wo am Platze selbst die Teppichfabrikation blüht, z. B. nach Beirut, Damaskus und nach Kaukasien. Demnächst soll auch «ine Abteilung für Korb¬ und Möbelflechterei eingerichtet werden, die erforderlichen Muster und Materialien sind bereits angeschafft. Gerade diese Abteilung dürfte für die Entwicklung eines eignen jüdischen Stils von Bedeutung werden. Alle diese Abteilungen befinden sich in zwei schönen Häusern, die auf einem der höchsten Punkte Jerusalems und im Stile der Jerusalemer Stadtmauern erbaut sind. Bezalel ist zur Freude und zur Ehre für unsere Juden geworden; kein Reisender, gleich . welcher Konfession, verläßt Jerusalem,, ohne ihn besucht zu haben, und wenn er seine Reiseeindrücke beschreibt, wird er über den Bezalel nur mit Bewunderung sprechen. All" dies, was ich Ihnen geschrieben habe, ist für Sie gewiß keine Neuigkeit und wahrscheinlich auch den Lesern mehr oder weniger bekannt. In der Tat; ich war gar nicht geneigt, von den guten Eigenschaften des Bezalel zu sprechen. Lassen wir andere, die ihn. besucht haben, ihn loben! Hier aber will ich auf seine Fehler, hinweisen, Fehler allerdings,.die man bei gutem Willen beseitigen könnte und müßte. Der Fehler des Bezalel ist, daß seine materielle Existenz vom Wunder im vollen Sinne der Wortes abhängig ist. Nicht nur ruht sein jährliches Budget auf ganz unsichern Grundlagen, sondern auch am Anfang jeden Monats muß man sehr besorgt und fast verzweifelt sein, ob er auch genug Mittel haben werde, um bis Ende des Monats auszukommen. Fonds, dessen Zinsen ihm würden, und die Zahl RAHMEN BEZALELAUSSTELLUNG IN JAFFA Der Bezalel hat 'keinen seine Existenz sichern der Mitglieder ist trotz des niedrigen jährlichen Beitrages von 5 Frcs. so; gering, daß aus deren Einzahlungen nicht einmal ein,: Drittel des Budgets, das ist nicht einmal 25000 Frcs., gedeckt werden kann. Alles andere erhält er durch den Zufall, durch die Gnade unbestimmter Spender," und auf den Zufall allein kann man sogar eine jüdische Institution nicht stützen. Dazu kommt noch ein zweiter Fehler, der r nicht geringer ist: dem Bezalel fehlt jedes Betriebskapital. Wenn schon jedes geschäftliche Unternehmen otirre Betriebskapital undenkbar ist, um wieviel mehr der Bezalel, der seine Rohstoffe gegen bar aus dem Auslande bezieht und nach Fertigstellung der Waren manchmal lange darauf warten muß, bis er den Gegenwert dafür erhält. Jedesmal, wenn die Post eintrifft, öffne ich die Briefe mit Sorge vor Reklamationen über Verzögerung der Zusendung der längstbestellten Waren und mit Angst vor neuen Bestellungen. Und jeden Tag werde ich von den Vorstehern der verschiedenen Ateliers mit Klagen überhäuft: die Wolle, Baumwolle,Farben, das Silber, Kupfer, Holz und anderes reichten für diese Woche, ja manchmal für diesen Morgen nicht mehr aus, und man müsse die Arbeit einstellen. Das ist ein auf die Dauer unerträglicher Zustand. Wenn sich darin nichts ändert, werden wir nicht ^nur in unserer Arbeit nicht fortschreiten, sondern es'>lst gar möglich, daß wir zugrunde gehen. . Als ich nach Palästina abreiste, da war eine Menge Herreh, die mir versprachen, daß, wenn einmal zehn Menschen im Bezalel ihr Brot verdienen würden, " kein Geld für die Arbeit mehrfehlen werde. Wo seid ihr jetzt, meine Herren? Wo seid ihr, Hunderte, die ihr den Bezalel besticht und mir eure Bewunderung aus gedrückt und eure Mithilfe zugesagt habt? Wo seid ihr, Liebhaber der Kunst, die ihr alles, was unser Volk an Kunst geschaffenhat, zu sammeln pflegt? Wo seid ihr, praktische Ziohisten, die ihr so viel und so glühend von der praktischen Arbeit in Palästina gesprochen habt?. Und du, jüdische Jugend, die du doch alles Jugendliche und Neue liebst und dafür kämpfst? Ich rufe zu euch, erhört meine Bitte: Kommt und helft, den Plan des Bezalel auszuführen! Kommt und helft, den Grundstein einer eignen jüdischen Kunst, eines, jüdischen Kunstgewerbes zu legen, woraus unserm Volke Ehre und Tausenden unserer Brüder Nahrung erwachsen wird. ' , TEPPICHE

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