Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 50-51 (18.12.1908)
- Date
- 1908-12-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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: die3§klt Gedanken vor Weihnachten Von Dr. Max Jungmann Die Christenheit rüstet sich zur Feier ihres schönsten Festes" Friede und allumfassende Liebe sind das Wahrzeichen dieser Tage, in denen die Geburt des christlichen Erlösers jubelnd begangen wird. Den Kindern und der Familie gehört dieses Fest. Eine Stimmung von ganz' besonderer Erhabenheit umweht die Weihenacht im rauhen Winterklima des nördlichen Europa. Draußen die Natur ist kalt und tot, traurig schütteln die kahlen Bäume ihre weißen Wipfel, der Frost knarrt unter den Füßen, und drohend heult der Sturmwind durch die Straßen. Aber innen! Warm knistert's vom Herd, und hell flackert's um den festlichen Tisch. Drauf steht ein Baum im grünen Frühlingsschmuck, seine Blüten sind glitzernder Tand, der im Lichte buntfarbiger Kerzen silbern und goldig schimmert Freude auf allen Gesichtern, lachende Kinderaugen, der Klang schöner Weihelieder, — welch eine Stimmung! Wir stehen außerhalb dieses Festes, und wer von uns je das Wohlgefühl eines stillen Sabbathtages gekostet hat, der ahnt, welch einen unvergänglichen Duft der Tannenbaum" ins Herz des Christenkindes strömen läßt. Keine Ahnung davon aber haben jene Juden, die mitfeiern; sonst könnten sie nicht durch plumpe Aufdringlichkeit entweihen, was anderen heilig ist" Ihr Fest ist kalt und leer, weil ihm der mystische Zauber der Religion und die völkische Oberlieferung fehlen. Der Nadelbaum auf ihrem Tisch steht da. wie ein trockenes Holz, ohne Seele, ohne Leben, und trauert dahin, wie die Palme in einer Schneelandschaft. Ein schwarzlockiges Mädchen spielt ohne innere Teilnahme das Lied von der stillen Nacht Bewegungen der Finger anstatt der Bewegungen des Gemüts. In diesem Milieu wird das Erhabene lächerlich, und so wirkt die unfreie, herzlose Nachahmung auf Juden als Geschmacklosigkeit, auf Christen als Taktlosigkeit. Wer's nicht fühlt, wird's schwer begreifen. In irgendeinem Schubfach des Gewissens regt sich allerdings auch beim Weihnachtsjuden unterm Christbaum gelegentlich ein Schuldbewußtsein. Dann hat er das Bedürfnis, sich vor den Menschen — nicht vor sich selbst — zu rechtfertigen. Bald heißt es,: .die Weihnachtsfeier sei nicht eigentlich eine christliche, sondern eine - ürgermanische Sitte. Das läßt sich hören. Denn weshalb soll sich der Jude mit seinem Germanenstolz nur auf dem Schlachtfelde des Prager Rassenkampfes und nicht auch unterm Weihnachtsbaum blamieren? Aber anderseits ist es doch eine etwas delikate und undankbare Aufgabe für einen Juden, den ins Christentum übernommenen Brauch germanischer Vorzeit seines christlichen Gewandes zu entkleiden und wieder ins Heidentum zu verweisen. Bald heißt es, man feiere nur der Kinder wegen, als ob man von jeher gewöhnt sei, den Kindern jedes unbillige Verlangen zu erfüllen, und als ob die höchste Weisheit der Pädagogik darin läge, in der Erziehung der Kinder Prinzipienlosigkeit walten zu lassen. Wie auch immer die Begründung lauten'möge, sie ist töricht und unwahr! Der Christbaum im Judenhause ist nichts anderes als eine sklavische Nachahmung, — und nicht die einzige. Alle Feste der Juden werden mißachtet, und alle Feste der Christen werden mitgefeiert, weil man für beide kein Verständnis hat In den Kreisen jener jüdischen Heloten, ist es ja schon Sitte geworden, am Totensonntag die Gräber der Angehörigen zu besuchen und zu bekränzen. Tut man das auch wegen des Germanentums oder der Kinder wegen? Den gebildeten und aufgeklärten Juden ist das unheilige und unwahre Gebahren ihrer entarteten Stammesgenossen ein ewiger Gegenstand des Abscheus und des Schmerzes. Der jüdische Kalender ist so reich an Feiertagen ernster und fröhlicher Art, unsere Feste, ehrwürdig durch die Jahrtausende alte Überlieferung, sind Familienfeste von solcher Innigkeit und Schönheit, daß wir No. 50 es nicht nötig haben, die Kostgänger anderer Völker zu sein. Gerade alljährlich um Weihnachten bereitet die Judenheit eine Gedenkfeier vor, die eine der glänzendsten Zeiten ihrer Geschichte verherrlicht Chanukka! Ein geistliches Fest ist es und zugleich ein weltliches. Gott kämpft wider die Götzen. Sein Schwert ist der Arm des Makkabäers, der die Heidenaltäre vernichtet, die Feinde des Judentums vertreibt und das Gesetz vom Sinai wieder herstellt, in weltlicher Sprache ausgedrückt: Der gottbegnadete Jude Makkabi, angeekelt von der widerwärtigen Breitmachung fremdländischer Bräuche unter den Juden, schlägt mit seiner Schar treuer Patrioten Griechen und Griechlinge zum Tempel hinaus-und reinigt das jüdische Volk von den fremden Sitten und Unsitten. Zur Erinnerung an diese Taten feiern wir jährlich acht Tage lang das Fest der Makkabäer und huldigen symbolisch dem göttlichen Wunder vom unversiegbaren Ölkrüglein. Da ist*s auch im jüdischen Hause warm und hell, ,da herrscht Freude und Spiel, da flackern auch unsere Weihelichtlein, wenn auch bescheiden und nicht so. prunkhaft, wie die am Tannenbaum. Und wir singen <5esänge von. den-Wunderdingen, die in jenen Tagen um diese Zeit geschahen. Für Weihnachtsjuden freilich gibt's keine Makkabäerfeier! Wer sich an fremden Sitten satt trinken wilL gleicht dem Abtrünnigen, den das Schwert des. Matitjahu am Opferaltar des Zeus einst niederstach. Diese Juden würden unterm Chanukkaleuchter eine noch unglücklichere Figur machen als unterm Christbaum. Sie würden ja die Niederlage ihrer geistigen Ahnen feiern, den Sieg des aufrechten Judentums über sie selbst, die durch eigenen Willen Versklavten.. Was sind sie denn anders als die Hellenisten der Gasmonäerzeit? Chanukka ist nur ein Fest der freien Juden, der stolzen Sprößlinge eines großen Geschlechts, die vor-den Lockungen und .Drehungen irdischer Mächte nicht erzittern und ersterben. Chanukka ist das Fest jener Juden, die zwar nicht die Kraft,-aber den Geist . des Makkabäers haben, und die wie Juden in Otto Ludwigs Drama das Wort im Herzen tragen: „Herr, sende deinem Retter bald ein Volk!" Das jüdische Paradoxon und die Lehren der Geschichte Von Dr. Karl Jeremias, Posen Greift nur hinein ins volle Judenleben und wo ihr's packt, da ist es paradox! Wie man an so vielen Erscheinungen in Natur und Leben, die wunderbar genug sind, achtlos und gedankenlos vorübergeht weil sie zum Alltäglichen gehören, so gebt es auch mit der Fülle wunderlicher Details des Judenlebens der Vergangenheit und Gegenwart Rätselhaft und selbst in sich widerspruchsvoll, regen sie' zum Fragen und Grübeln dennoch nicht an, weil wir sie gewohnt sind und darum als selbstverständlich hinnehmen, dann aber auch, weil wir selbst mitten in diesem absonderlichen Milieu darin stecken. Da ist es fast unmöglich, sich als objektiver, quasi unbeteiligter Beobachter außerhalb dieser Verhältnisse -zu stellen.' Kein Wunder, daß ein Nichtjude es war, der das bezeichnende Wort vom jüdischen Paradoxon geprägt hat ein englischer Christ der sich - mit Wohlwollen, ja mit Liebe darein versenkt hat Scharf in mehr als einem Sinne, kennzeichnet er die jüdische Paradoxie folgendermaßen: „Der arme Jude fastete oder aß trocknesBrot wenn er kein koscheres Fleisch bekommen konnte; der Teiche Jude ißt trefenes Fleisch, weil man im Hotel Savoy kein anderes bekommt Der arme Jude legte die Gebetriemen sogar in Gegenwart des Nichtjuden an; der reiche Jude schämtsich des Versöhnungstages. Der arme Jude ertrug lieber jede Verfolgung, ja sogar den Tod auf dem Scheiterhaufen, als daß er sich zu einer Religion bekannt hätte, die er verachtete; der reiche Jude.geht in