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Die Welt · 1908-12-18 · 50-51 (18.12.1908) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
50-51 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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iNo. 50 DIE2 Der Großvater hat seinem Bedürfnis nach Hebräisch in der Bibel und manchmal auch im Talmud Genüge getan, der Sohn hat kein solches Bedürfnis mehr gehabt, und der Enkel lernt schon Hebräisch aus der hebräischen Gegenwartsliteratur. Da sprachen tatsächlich die Verlagsziffern der .neuern und neuesten hebräischen . pädagogischen Literatur eine sehr beredte Sprache. Zweitens aber, — und das soll besonders scharf und nachdrücklich betont werden, — ist hier eben einer der vordersten Angriffspunkte für die zionistische Weckarbeit. Für das Studium der hebräischen Sprache ist auch die assimilierteste Intelligenz zu gewinnen, für die Erlernung des Jargons wird aber auch die nationalgesinnte keine Opfer an Zeit und Geld bringen. Man versuche nur an einen intelligenten Juden mit der Forderung heranzukommen, er soll seinen Sohn im Jargon unterrichten lassen. Ich weiß nicht, ob jemand diesen Versuch je gemacht hat, — beneiden möchte ich ihn darum auf keinen Fäll. Mit diesem Postulat aber ins Hebräische gewendet, kommt man auf tausend Wegen heran. Da geht man auf schweren psychischen Leitungswegen, die sich eben unsere dreitausendjährige hebräische Literatur gegraben und geebnet hat. Da fällt eben ins Gewicht eine dreitausendjährige Kulturgeschichte mit ihrer ganzen Wucht von aufgespeichertem Stolz und Liebe, oberhalb - der Bewußtseinsschwelle und noch mehr unterhalb derselben. Da muß man nur wecken, — freilich mitunter, auch etwas stärker rütteln, — und eine große, historisch gewordene und gefestigte Aktivität ist da. In der Tat hat der Zionismus auf keinem Gebiete seines vielseitigen Schaffens solche greifbare und überraschende Erfolge aufzuweisen wie auf dem der hebräischen Sprache und — trotzalledem und alledem — Literatur. Die hebräische Sprache hat in den letzten Jahren eine Entwicklungsstrecke zurückgelegt, die manche andere große Kultursprache in einem Jahrhundert kaum erreicht hat. Sie hat an Ausdrucksfähigkeit, Schmiegsamke.i: und Unmittelbarkeit ungeheuer ffELT 9 viel zugenommen. Wir merken es bloß nicht, weil wir mitten drinnen stehen. Man erhebe sich nur für einen Augenblick bis zum „Archimedes'schen Punkt", und man wird eine ungeheure Weite überschauen. Inhaltlich ist die hebräische Literatur, trotz der Krisis und der Fahnenflucht der Jargonisten, sehr gewachsen. Es sind Gedankenwerke von bleibendem Wert in ihr geschaffen worden, es sind in ihr Dichter und auch Erzähler von achtunggebietender Bedeutsamkeit zu Worte gekommen. Und dann, ja, das Wichtigste, — die hebräische Literatur hat uns einen ganzen Bialik gegeben. Weiß man denn noch immer nicht, daß Bialik ein Stern erster Größe ist! Ein Dutzend Lyriker vom Range Bialiks wird man wohl in ganz Europa nicht zusammenzählen. Dabei wird die hebräische Literatur eben erst. Wer nicht gesteht, daß in der hebräischen Literatur dem jüdischen Volke etwas Großes wächst, daß in ihr vorwiegend die Renaissance des jüdischen Volkes sich vollziehen und ausdrücken wird, daß die hebräische Sprache mit ihrem unerschöpflichen Fonds von geschichtlich erstarkten Triebkräften und organisch gewordenen Nationalgefühlen ein Fundament des freien jüdischen Volkstums werden kann und wird, — wer das nicht gesteht, der sieht die Wahrheit nicht oder will sie nicht sehen. Freilich hemmen darf man diese Entwicklung nicht. Abfallen darf man von der hebräischen Literatur nicht. Auf die Schaffung einer hoffnungs- und zukunftslosen Jargonliteratur darf man gute und fruchtbare Kräfte nicht verspritzen. Und vor allen Dingen: die in der und um die hebräische Literatur sind, müssen sich zusammentun, sich organisieren, Hindernisse aus dem Wege räumen und den Weg frei machen. Die innern Kräfte werden schon aus dem Innern hervorquellen. Für die hebräische Sprache und Literatur wirken, als Produzent oder als Konsument, ist für mich das erste zionistische Postulat. i«pü -r - *' - **" IJ ni AUF DER REEDE VON JAFFA

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