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Die Welt · 1908-12-11 · 49 (11.12.1908) · page 18

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
49 (11.12.1908)
Date
1908-12-11
Page
– (sequence 18)
Language
German
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zum Verkauf. Viele arbeitsame Juden, die gern von der Landwirtschaft leben möchten, aber zum Ankauf des- Bodens nicht die Mittel haben, könnten mit Hilfe des Nationalfonds in Palästina, als Bauern seßhaft gemacht werden. Der Nationalfonds kann zwar nach seinen Statuten das Land, das ihm gehört, niemals veräußern oder andern zum Eigentum überlassen, aber er könnte doch das Land weniger bemittelten Landwirten in Pacht geben und den Ansiedlern auf diese Weise die Möglichkeit verschaffen, aus dem Ertrage ihrer landwirtschaftlichen Arbeit ihre Mittel zu vermehren, bis sie ein eigenes Grundstück kaufen können. Gerade die erste Fußfassung in Palästina ist. für den jüdischen Landwirt am 'schwierigsten^ Istes ihm ^einmal", gelungen,-hier einige Jahre der Landwirfechaft zu leben, so ist/das Schwerste überwunden. . Es eröffnet sich damit für den Jüdischen Nationalfonds ein fast unbegrenztes Tätigkeitsfeld. Möchte das jüdische Volk die Bedeutung dieser Aufgabe immer mehr würdigen lernen und -möchte ein jeder Jude nach seinen Kräften durch Spenden für den Jüdischen . Nationalfonds dessen Arbeit fördern! Das Hauptbureau des Vereines „Ölbaumspende" in Berlin hat soeben ein Flugblatt unter dem Titel „Zionismus und Ölbaumspende" herausgegeben, das wir nachstehend vollinhaltlich zum Abdruck bringen: Der Zionismus hat sich zur Erreichung seiner Aufgabe, dem jüdischen Volke eine rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina zu schaffen, neben der politischen auch der praktischen Tätigkeit zugewandt. Durch Landankauf, durch Gründung oder Unterstützung von Anstalten, die der kulturellen Hebung des Landes dienen, durch Förderung von Landwirtschaft und Industrie in Palästina, durch Erwerbung von Konzessionen, durch Anregung der Privatinitiative und manches andere Mittel will der Zionismus die Grundlage schaffen, auf der ein freies jüdisches Gemeinwesen in Palästina erstehen soll. Was aber sollen wir mit dem angekauften Boden beginnen? Er muß in möglichst großem Umfange je nach seiner Eignung für bestimmte Kulturen bepflanzt werden; erst 1908 ist zur Förderung dieser Aufgabe eine besondere Palästina-Landgesellschaft (Palestine- Land-Development Cpy.) ins Leben gerufen worden. Diese Arbeiten können jedoch nur in langsamem Tempo fortschreiten. Sie erfordern große Kapitalien, mancherlei vorbereitende Anlagen und ein landwirtschaftlich geschultes Menschenmaterial. Aber die Not der Zeit drängt! Wir müssen uns auch solcher Methoden bedienen, die uns in die Lage setzen, in schnellerm Tempo die Zahl der produktiv tätigen Juden im Lande zu vergrößern und unsern Besitz an Boden mit einem weniger geübten Menschenmaterial auf billige, leichte und doch rentable Weise auszunutzen. Hierzu eignet sich in erster Linie die Kultur des Ölbaumes. Palästina, die Urheimat des Ölbaumes, ist noch" heute eines der geeignetsten Länder für diese Pflanzungen. Während der Getreide-, Plantagen- und Gemüsebau, der in vielen Teilen des Landes mit gutem Erfolge betrieben wird, nicht nur Fleiß, Zeit und Sachkenntnis, sondern auch genügende Bewässerung - und eine spezielle Eignung des Bodens erfordert, ist die Pflege des Ölbaumes eine ziemlich leichte und stellt an den Boden die denkbar bescheidensten Ansprüche. Oberall in Palästina, an der Küste, im Flußtal, im Gebirge, selbst auf steinigem Boden, gedeiht dieser Baum. Da seine Anlage- und Unterhaltungskosten relativ gering sind, und da auch keine besondern Bewässerungsanlagen, die z. B. die Pflanzung von Orangenplantagen so wesentlich verteuern, für den Ölbaum nötig sind, so ist es möglich, immer entsprechend den verfügbaren Mitteln ein kleines Stück Landes nach dem andern zu bepflanzen. Zugleich aber würde mit diesen Pflanzungen eine weitere wichtige Aufgabe erfüllt: die Wiederaufforstung Palästinas. Bekanntlich war das Land in alten Zeiten von erstaunlicher Fruchtbarkeit; damals aber waren Berg und Tal von reichen Wäldern bestanden, die in den folgenden Jahrhunderten der Verwahrlosung und Verwilderung abgeholzt wurden. Jedermann weiß, welch, enorme Bedeutung ein großer Waldbestand für Landwirtschaft und Klima eines Landes hat. Stellt somit die Ölbaumpflanzung die bequemste und rationellste Ausnützung des Bodens dar, so eignet sie sich für unsere kolonisatorischen Zwecke noch besonders insofern, als sie für zahlreiche neue Einwanderer, denen landwirtschaftliche Übung und Erfahrung abgeht Erwerbsmöglichkeiten schafft. Die Pflege der Bäume ist eine so einfache, daß sie zunächst von den bereits ansässigen Kolonisten in den arbeitsfreien Monaten versehen werden kann. Entstehen dann umfangreichere Baumanlagen, so können neue Familien ansässig gemacht werden, die für diese Arbeiten leicht anzulernen sind. Es kommen hierfür nicht nur solche Arbeiter in Betracht, die überhaupt noch nicht landwirtschaftlich gearbeitet oder die sich für schwierigere Zweige der Landwirtschaft als nicht geeignet erwiesen haben, sondern auch solche, die in andern Erwerbszweigen beschäftigt sind und auf diese Weise einen lohnenden Nebenerwerb finden können. Bei all diesen Vorzügen .stellt die Ölbaumkultur aber auch eine sehr rentable Anlage dar, die uns für Jahrhunderte hinaus ansehnliche -Oberschüsse zu liefern imstande ist. . V Zunächst erfordert, wie bereits erwähnt; die Anpflanzung keine besonders großen< Mittel. Weder ist ein teurer erstklassiger Boden hierfür erforderlich, noch bedarf es kostspieliger Bewässerungsanlagen. Auch geben die Bäume bei rationeller Pflanzmethode bereits nach fünf bis sechs Jahren Erträge, und es lassen sich während der ersten Jahre noch durch Zwischenkulturen (Getreide, Früchte, Ölsaaten, Faserpflanzen) Gewinne erzielen. Nun betragen die gesamten Pflanzungs- und Erhaltungskosten während der ersten Jahre, bis zur Selbsterhaltung durch eigene Erträge, nach den Berechnungen der Palästinakommission für jeden Baum nur 6-Mark. Gegenüber diesen geringen Pflanzungs- und Betriebskosten ist zu - erwägen, daß der Ölbaum der langlebigste Repräsentant der Kulturpflanzen ist und ein Alter _von 300 bis 400 Jahren und darüber erreicht. Die Gefahr einer Oberproduktion ist ausgeschlossen. Die Olive dient zunächst der Bevölkerung als Nahrungsmittel, und die aus den Oliven gewonnenen Produkte — öl und Seife — erfreuen sich der größten Sicherheit des Absatzes; vor allem bietet das Nachbarland Ägypten, das seinen karg bemessenen Fruchtboden für höherwertige Kulturen braucht, für diese Produkte einen unerschöpflichen Markt Die Bereitung der Seife würde zudem einen . neuen Industriezweig darstellen, der wieder zahlreichen Einwanderern Erwerbsgelegenheit böte; schon heute sind die ersten Ansätze "einer modernen maschinellen-öl= -und Seifenmdustrie im Lande vorhanden. Eine einfache Berechnung ergibt, daß, wer heute 6 Mark für einen Ölbaum stiftet, mit dieser relativ kleinen Spende für mehrere Jahrhunderte hinaus einen Jahresbeitrag von 2.40 Mark entrichtet hat Die Sammlungen der letzten drei Jahre haben erst wenig mehr als 15000 Bäume ergeben. 1GQ00 von ihnen sind für die^Anlage des Herzlwaldes bestimmt für den der Nationalfonds schon ein sehr schön gelegenes Terrain halbwegs zwischen Jaffa, und Jerusalem an der Eisenbahn erworben hat, das die doppelte Zahl von Ölbäumen zu fassen vermag. Auch die Baumschule für den Herzlwald ist angelegt und die 15000 dort ausgesetzten Bäumchen entwickeln sich aufs beste. Welch sinnreiche Ehrung für unsern verstorbenen Führer Herzl läge, darin, wenn wir ihm auf heimatlichem Boden zu dauernder Erinnerung einen ansehnlichen Ölbaumwald pflanzten! Und gewiß handeln wir im Sinne Herzls, wenn wir ihm diese nationale Ehrung ineiner Form darbringen, die zugleich für unsere nationale Arbeit in Palästina einen gewaltigen Schritt nach vprwärts darstellt Denn würden auch nur 100000 Bäume gespendet so bedeutete das bereits für später eine jährliche Reineinnahme von 240000 Mark, eine beträchtliche Summe, mit der wir viele Bildungsstätten in Palästina unterhalten könnten. ■ Hier zeigt sich aiich ein Weg zu den Mitteln zu gelangen,- mit denen-ein.sehnlicher Wunsch aller Zionisten — die Hochschule, in Palästina :— verwirklicht werden könnte. . . ' ........ Somit, wird die Ölbaumspende nicht nur der leichten und bequemen Ausnützung unseres Besitzstandes an-Boden, nicht nur einer raschem Vergrößerung des Ansiedlungswerkes, sondern auch für Jahrhunderte hinaus hohen kulturellen Zwecken ztr dienen berufen sein. Sie muß daher zu einer der wichtigsten Institutionen des Zionismus werden, die-zu unterstützen die Ehrenpflicht eines jeden Zionisten ist. ] Durch eine Ölbaumspende (6 Mark), soll ein jeder von uns bei freudigen Anlässen seinen Empfindungen sichtbaren Ausdruck, geben. Einen Ölbaum spende man ElternV Kindern und Freunden zum Geburtstage oder bei frohen Ereignissen, einen .Ölbaum dem .Brautpaare urfd dem jungen Ehepaare, dem Bar-Mizwah und dem Neu- §eborenen! Einen Ölbaum aber pflanze man auch den verstorbenen Item an jedem Jahrzeitstage! Ein jeder, mache es sich zur Pflicht "von Jahr zu Jahr mindestens einen Bäum zu stiften!

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