Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 49 (11.12.1908)
- Date
- 1908-12-11
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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fe< JUeDISCHfrR HATlQfIAL-FQHbS% Der Jüdische Nationa'fonds ist dazu bestimmt, palästinensisclien Boden als Gesamteigmtum des jüdisclten Volkes zu erwerben und auf eicige Zeiten zu erJialten. Vom V. Zionistenlcongreß im Jahre 1901 gesüßet, besitzt er gegeniciirthj ein Vermögen von annähernd t1\s Millionen Mark. MITTEILUNGEN DES HAUPTBUREAUS DES JÜDISCHEN NATIONALFONDS IN KÖLN Die Tätigkeit des Jüdischen Nationalfonds in Palästina Von Dr. Arthur Rappin, Jaffa Erst sieben- Jahre, sind vergangen, seit auf dem V. Kongreß der Jüdische Nationalfonds begründet wurde. Mancherlei Schwierigkeiten stellten sich ihm entgegen, als er daran ging, seiner Aufgabe gemäß Boden in Palästina, dem Lande unserer herrlichen Vergangenheit, zu erwerben, damit dieser Boden dem jüdischen Volke in seiner Gesamtheit als dauerndes Eigentum verbleibe. Nichtsdestoweniger kann der Nationalfonds schon heute auf den Grundbesitz, den er in Palästina hat, mit einigem Stolz zurückblicken: In Jerusalem hat er vor Jahresfrist die beiden großen und schönen Häuser" erworben, deren eines jetzt dazu dient, um die Kunstgewerbeschule Bezalel mit ihren Klassen; ihren Werkstätten und ihrem Museum zü beherbergen. Zur Erhaltung des frischen Lebens, das in dieser Schule pulsiert, war die Schaffung eines geeigneten Schulgebäudes" eine dringende Notwendigkeit In richtiger Würdigung der großen Aufgabe des Bezalel, die Chalukkahgaben, von welchen jetzt die Mehrheit der Juden in Jerusalem lebt, durch Einführung lohnender Arbeit abzulösen, hat der Nationalfonds das Haus dem Bezalel zur Verfügung gestellt Jerusalem, die Stadt, in der fast alle Konfessionen der Erde stattliche Bauten aufgeführt haben, ist arm an monumentalen jüdischen Gebäuden. Durch .die beiden Häuser des Nationalfonds, die im Westen der Stadt aus hoher Lage herabschauen und deren schöne Zinnen weithin sichtbar sind, haben die Juden in Jerusalem jetzt 1 wenigstens ein Gebäude mehr, auf das sie den Reisenden, der nach Jerusalem "kommt und neben den vielen christlichen und mohammedanischen Prachtbauten nach einem jüdischen Bau fragt, mit Stolz hinweisen können.' An der Bahnstrecke Jerusalem-Jaffa hat der Jüdische Nationalfonds zwei" große Terrains erworben. Das eine ist dazu bestimmt, den Herzlwald zu tragen. In einer hoffentlich nicht allzu fernen Zukunft wird hier ein Olivenwald den Reisenden, der mit der Bahn das Land durchfährt, als ein lebendes Denkmal an unsern verewigten großen Führererinnern, und seine Früchte sollen die Einnahmen beschaffen, aus denen jüdische Kulturinstitute in Palästina ihre Existenz bestreiten können. Das zweite Grundstück ist für einige Jahre an die Ackerbauschule Kiriath Sefer verpachtet, in welcher jüdische Knaben praktische Unterweisung in der Landwirtschaft erhalten. Am Tiberiassee, gerade an der Stelle, wo der Jordan den See verläßt, besitzt der Nationalfönds ein großes Terrain, das zu den fruchtbarsten Ländereien Palästinas zu rechnen ist. Die neugegründete P. L. D. C. hat einen Teil des Landes in Pacht genommen und auf einer Anhöhe ein. Wirtschaftsgebäude errichtet, von dem aus der Blick weithin schweift über die wundervolle blaue Fiäche des Tiberiassees bis zu dem schneebedeckten Hermon und den Bergen des Ostjordanlandes. Es gibt wenige Punkte in Palästina, die landschaftlich so schön gelegen sind, wie dieser Ort. Für die jüdische Arbeit in Palästina hat der Ort noch die besondere Bedeutung, daß hier der Anfang gemacht ist, .eine neue und hoffentlich erfolgreiche Art der Kolonisation von Juden in Palästina in die Wege zu leiten. In der Nähe des Tiberiassees, in gesunder reizvoller Lage, besitzt der Nationalfonds noch ein anderes Grundstück, dessen Verwendung noch nicht feststeht. Ferner gehört ihm ein von Herrn B. A. Goldberg, Wilna, geschenktes Terrain in Chedera, auf welchem der Verein Ölbaumspende eine Ölbaumpflanzung angelegt hat. Vielleicht nichts berührt den jüdischen Reisenden, der nach Palästina kommt, unangenehmer, als die Unsauberkeit und Enge, in welcher die jüdische Bevölkerung in den palästinensischen Städten wohnt. Wenn man die deutschen Kolonien in Jaffa und Haifa mit ihren schönen Häusern, breiten, reinlichen Straßen, ihrem üppigen Baumschmuck betrachtet, so sieht man, welche herrlichen Stadtviertel in Palästina geschaffen werden können. Als sich in Jaffa ein Verein von Juden bildete, der sich die Errichtung eines jüdischen Stadtviertels zum Zwecke setzte, hat der Jüdische Nationalfonds sofort begriffen, daß es sich hier um ein Unternehmen handelt, dessen erfolgreiche Durchführung eine Erhöhung des jüdischen Ansehens in Palästina und ein Ansporn zur Nacheiferung für die Juden in andern Städten bedeuten werde. Deshalb hat sich der NationalFonds bereit erklärt, das Unternehmen durch ein Darlehn finanziell zu fördern, und es ist zu hoffen, daß schon in allernächster Zeit ein modernes jüdisches Stadtviertel in Jaffa beweisen wird, daß auch die Juden es verstehen, die Errungenschaften der modernen Hygiene bei der Anlage von Wohnungen sich zunutze zu machen. Zu Fedsche, wo das Odessaer Komitee eine Arbeiterkolonie begründet hat, hat der Nationalfonds durch Gewährung eines Darlehns die Begründung erleichtert in der richtigen Erkenntnis, daß die Seßhaftmachung und Förderung von jüdischen Landarbeitern in Palästina eines der wesentlichsten Erfordernisse isr^ um neue jüdische Arbeiter ins Land zu ziehen und der jüdischen Landwirtschaft und dem gesamten jüdischen Leben neues frisches Blut zuzuführen. Es ist mit Freude zu konstatieren, daß der Nationalfonds in den breiten jüdischen Massen immer mehr Verständnis und Sympathie gewinnt Die Aufgabe, die er sich gestellt, ist so groß, daß große Mittel zu ihrer Durchführung gehören. Viele Stätten, die durch ihre Verbindung mit der Geschichte Israels dem jüdischen Herfen teuer sind und die jetzt durch jüdische Arbeit für das jüdische Volk wieder eine Existenzquelle werden könnten, stehen in Palästina