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Die Welt · 1908-12-11 · 49 (11.12.1908) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
49 (11.12.1908)
Date
1908-12-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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kampfesmutigen Worten — Redner stand bei den heißen Kämpfen der jüdisch-nationalen Studentenschaft in Wien mit in erster Reihe — die Rechte der jüdischen Studenten betonte und die jüdische Öffentlichkeit aufforderte, die Studentenschaft in ihrem schweren Kampfe nicht allein zu lassen. Gleichen Anklang fanden die übrigen Ansprachen und Begrüßungen von Seiten der einzelnen Korporationen (Bar Kochba, Barissia, Prag, Süd.-akad. Klub Karlsbad; ferner Jüdische Lese- und Redehalle, Wien) sowie des Herrn Kadisch vom Jüdischen Volksverein in Prag. Das Programm ergänzten Lieder sowie Verlesung der eingelaufenen, zahlreichen Glückwunschdepeschen und -schreiben, die mit stürmischem Beifall aufgenommen wurden. Dem offiziellen Teil schloß sich dann noch ein Tanz an, der die Anwesenden noch lange in bester Stimmung beisammen hielt. Für die dem Verein zugekommenen Glückwünsche und Begrüßungen sei an dieser Stelle, allen seinen Freunden der wärmste Dank ausgesprochen. Heddad! Ungarn Der Zionismus im ungarischen Abgeordnetenhaus Eine etwas eigentümliche Interpellation über den Zionismus wurde in der Sitzung vom 2. Dezember im ungarischen Abgeordnetenhaus vorgebracht. Ein Herr Szmrecsänyi fand es für nötig, die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Zugehörigkeit von staatlich angestellten Professoren zum Zionismus zu lenken (!). Die sich durch eine ganz besondere Sachkenntnis des Interpellanten, der nicht einmal den Namen Nordau richtig wußte und von angeblich irredentistischen (sie!) Absichten des Zionismus fabelte, auszeichnende Interpellation fand die allgemeine Heiterkeit, die sie verdiente. Nachstehend bringen wir den Bericht über die humoristische Szene nach dem „Pester"Lloyd": Hierauf folgen die Interpellationen, zunächst die des Abgeordneten Szmrecsänyi über die dem Zionistenverbande angehörenden Professoren. GeoFg Szmrecsänyi versichert, er sei bei seiner Interpellation nicht von konfessionellen Momenten geleitet und wolle gegen die Judenheit nicht Stimmung machen. (Heiterkeit.) Redner verwahrt sich gegen diesen Ausbruch der Heiterkeit, welche gegen den Ernst seiner Interpellation gerichtet zu sein scheint. Präsident ersucht den Redner, das Urteil darüber, wann eine Ermahnung am Platze ist, ihm zu überlassen. (Zustimmung.) Georg Szmrecsänyi gibt ein Bild von dem Entstehen des Zionismus und nennt als dessen Urheber Herzl und Nordan. (Große Heiterkeit. Zwischenrufe: Nordau, nicht Nordan!) Der Zionismus hat keine konfessionelle, sondern eine Rassen- und nationale Grundlage, und er strebt die Errichtung eines nationalen Staates an aus Elementen, weichein ihrer gegenwärtigen Heimat sich nicht assimilieren können oder wollen. Der Zionismus ist aber keine humane Aktion oder Institution, wie es die Baron Hirschsche Stiftung ist, sondern eine politische Propaganda mit irredentistischem Charakter. (Heiterkeit.) Der erste zionistische Kongreß fand in Ungarn im Jahre 1904 in Pozsony statt. Seither hat diese Bewegung so um sich gegriffen, daß es kaum eine Ortschaft oder Gemeinde gibt, in welcher nicht ein Komitee für den Zionismus mit Verbreitung seiner Lehren und mit Sammeln von Geldspenden wirken würde. In 1058 Sammelbüchsen wurden 1301 Kronen gesammelt. (Große Heiterkeit.) Diese Lehren wollen die ungarischen Juden, deren größter Teil bisher immer patriotisch war, dahin bringen, daß sie dieses Land verlassen, in welchem sie eine Heimstätte und Brot gefunden. (Stürmische Heiterkeit.) Redner würde ja die jüdischen Elemente, welche hier unzufrieden sind, nicht mit Gewalt zurückhalten wollen (große Heiterkeit), wenn nicht nach seiner Meinung der ganze Zionismus eine Utopie wäre. So aber haben die zionistischen Lehren keinen anderen Erfolg, als daß sie den Samen der Vaterlandsfeindlichkeit streuen. Und deshalb muß das Vertrauen gegen jene jüdischen Professoren erschüttert werden, die an unsern Hoch- und Mittelschulen lehren, dabei sich der zionistischen Bewegung angeschlossen haben, ihren Vereinen angehören, an ihren Versammlungen teilnehmen. Redner empfiehlt demnach dem Kultusminister, seine Aufmerksamkeit der Lehrtätigkeit dieser Professoren zuzuwenden, und wünscht den Minister des Innern darauf aufmerksam zu machen, daß der Zionistenverein Statuten hat, in welchen zu Geldsammlungen, aufgefordert wird, welche jedoch behördlich gar nicht genehmigt sind. Redner glaubt,, richtig gehandelt zu haben, indem er zur Eindämmung dieser, gefährlichen Bewegung das Wort genommen hat, und bringt folgende Interpellation ein: Hat der Herr Minister des Innern Kenntnis davon, daß sich im ganzen Lande Zionistenvereine bilden und daß sie Geld sammeln, ohne daß sie behördlich genehmigte Statuten und die Erlaubnis zum Geldsammeln haben, und ist er geneigt, in dieser Sache eine Untersuchung einzuleiten? Hat der Herr Kultusminister Kenntnis davon, daß Universitäts¬ und Mittelschulprofessoren sowie Volksschullehrer an Zionistenbewegungen teilnehmen, Mitglieder von Zionistenvereinen sind, im Kreise der ihrer Fürsorge anvertrauten Jugend zionistische Ideen verbreiten, zionistische Jugendvereine bilden und in denselben zur Förderung der zionistischen Zwecke Geld sammeln? Hält der Herr Kultusminister eine solche Tätigkeit mit dem Lehrberufe vereinbar? Die Interpellation wird an den Kultusminister geleitet. Von anderer Seite wird uns dazu noch geschrieben: In der Sitzung des ungarischen Parlaments vom 2. d. M. interpellierte der Abgeordnete Szmrecsänyi von der katholischen Volkspartei den Kultusminister Grafen Apponyi wegen der Teilnahme jüdischer Mittelschullehrer an zionistischen „Umtrieben". Die Art, wie dieser Angehörige der judenfeindlichen Volkspartei sich um das patriotische Seelenheil der „verehrten Judenschaft" bekümmert stellte und die Schrecken eines allgemeinen jüdischen Exodus schilderte, wie er die Staatsgefährlichkeit der zionistischen" Propaganda recht gruselig ausmalte, erregte innerhalb und außerhalb des Hauses allgemeine Heiterkeit. So ist es denn diesem antisemitischen Abgeordneten vorbehalten geblieben, ungewollt die feige Golusfurcht der ungarischen Assimilationsjuden ad absurdum zu führen, deren Preßorgan „Egyenlöseg" bei Besprechung dieser Interpellation einerseits im Gegensatz zu seiner ganzen bisherigen Argumentationsweise eingesteht, daß „der Zionismus, in welcher Form er auch auftreten mag, vom Standpunkte des ungarischen Staates absolut nicht zu bekämpfen sei", anderseits aber seinen und seiner Gesinnungsverwandten Kampf gegen den Zionismus damit begründet, „weil wir wissen, daß es Szmrecsänyis gibt, die aus dem Zionismus der ungarischen Juden Waffen schmieden" — recht gefährliche Waffen, uti figura docet. Hätten sich „Egyenlöseg" und die von ihm vertretene offizielle Neologie von vornherein auf den jetzt eingenommenen, einzig vernünftigen Standpunkt gestellt, daß der Zionismus die vaterländische und staatsbürgerliche Gesinnung seiner Bekenner nicht im entferntesten tangiert, so hätte die schmachvolle Denunzierung der Zionisten bei der Regierung, wie sie die neologe Landeskanzlei seit- Jahren systematisch betreibt, um die ministerielle Genehmigung der zionistischen Vereinsstatuten zu hintertreiben, füglich unterbleiben können, und man hätte den Szmrecsänyis nicht selbst die Waffen in die Hand gedrückt. . . . Kroatien — Slawonien Zagreb (Agram): Einem schon lange empfundenen Bedürfnisse entsprechend, gründeten die zionistischen Akademiker an der hiesigen Franz-Joseph-Universität den jüdischnationalen Akademikerverein: „Judäa", den ersten dieser Art in den südslawischen Ländern. Zweck des Vereins ist die Stärkung des jüdischen Volksbewußtseins, die Verbreitung des zionistischen Gedankens usw. und die Körper- und Geselligkeitspflege. — Eine Abordnung der „Judäa", die den Verein bei den akademischen Behörden anmeldete wurde sehr liebenswürdig empfangen. Rektor Dr. G. Jane&ek gab seiner vollen Sympathie für die kulturellen Bestrebungen des Vereins lebhaften Ausdruck und versprach, den Verein bei den höchsten Instanzen persönlich zu befürworten. — Die „Judäa" hat mit gutem Erfolge schon zwei Vortragsabende veranstaltet, auf welchen nebst literarischen Arbeiten auch aktuelle Themas [Das jüdische Problem und seine Lösung; Das Wesen und die Ziele des Zionismus; Die neuesten Ereignisse im Orient und des Zionismus] vorgetragen wurden. — Für das Wintersemester 1908/9 wurde folgender Ausschuß gewählt: Präses, jur. H. Bauer; Sekretär, phil. A. Szemnitz; Kassierer, jur. S. Pinto; Bibliothekar, jur. W. Rendi; Ausschußmitglieder: jur. F. Bruck, jur. H. Neumann, phil. V. Lang. — Revisoren: phil. J. Szemnitz, jur. M. Beck. Rumänien In der letzten Sitzung des C. F. wurde beschlossen, den XI. Delegiertentag derZionisten Rumäniens für den 7. und8. Jänner 1909 einzuberufen. Es wurde folgende Tagesordnung festgestellt: 1. Eröffnung und Begrüßung der Konferenz. 2. Referate: a) Uber die Lage der Bewegung im Lande; b) Ober die Lage der Bewegung im ^allgemeinen; -c) Ober die. zionistisch-finanziellen Institutionen; d) Über die kulturellen Institutionen; e) Ober die hebräische Sprache. 3. Wahl der Ausschüsse. 4. Debatte. 5. Eventualia..

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