Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1908-12-11 · 49 (11.12.1908) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
49 (11.12.1908)
Date
1908-12-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3315709-3316296-3316346--51334-3379108
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

No.:.49 war eine große Schmutzlache. Die armen, in zerfetzten, lumpenumwickelten Stiefeln steckenden Füße stampften hilflos in der . Schneeschmelze und erstarrten zu Eis- Sie wußten es nicht, so selbstvergessen stolzierten und sangen sie. Ihre Gesichtchen glühten im Widerschein der blutroten Fahnen und im Gold einer blendenden Konstantinopeler Sonne. Und ihnen zur Seite füllten schwarze liebliche Mädchenköpfe alle Fenster der Häuschen. Sie hatten ihre Erbärmlichkeit vergessen, sie waren blumengeziert und standen andächtig Spalier. Und an einer Stelle thronten wie auf den Stufen eines stolz hochgebauten Amphitheaters die jüdischen Matronen von fiaskiöi auf — nackten grauen Mauertrümmern, den Oberresten aus dem furchtbaren Frühjahrsbrande. Auch sie vergaßen den Jammer unter und hinter sich und schauten strahlend- •auf das Festgeleite hinunter, das die Freiheit ohne Aufhören hochleben ließ. „Jaschassin chwietr Wenn ich die Worte höre, wird mir immer ein entzückendes Bildchen aufsteigen, ein Bildchen voll tiefer Symbolik und .Melancholie. In Kuskurdschuk war es, dem einzig schön gelegenen Vorort am Bosporus. Ich stand auf hohem Hügel und schaute von oben herunter, gerade hinein in ein jüdisches Stübchen. Da stand ganz allein und. schaute ernst vor sich hin ein wohl dreijähriges Kindchen, ein Mädchen, und mit zartem Stimmchen, regelmäßig lallend, zehnmal, zwanzigmal, unzählige Male, übte es vor sich hin: „Jaschassin chwiet!" „Es lebe dieFreiheit!" Jüdisches Kind, wirst du einmal die Freiheit, die wahre, sehen? Jüdische Leihkasse - Konstantinopel. Nach dem großen Frühjahrsbrande in Haskiöi gaben Herr Dr. Paul Nathan und unser Gesinnungsgenosse Rabbiner DIE^ELT 13 Dr. Markus die Anregung zurGründung einer Leihkasse zur Förderung des Kleingewerbes unter den Juden Konstantinopels. Die Kasse wird nun eröffnet werden mit einem Kapital von 10 000 Franken, die der Hilfsverein der deutschen Juden zur Verfügung stellt, 10 000 Franken von Seiten der Alliance Israelite Universelle und dem Restbetrage aus der Sammlung für die Abgebrannten in Höhe von 500 türkischen Pfund, also insgesamt etwa 30 000 Franken. Diese Woche fand eine Sitzung der Leihkassenkommission statt, die sich aus den Herren: Rabbiner Dr. Markus als Vertreter des Hilfsvereins, Isaac Fernandez, dem hiesigen Vertreter der Ica, Elia de Medina und dem Advokaten Isaac Effendi Taranto zusammensetzt. In dieser Sitzung wurden die Statuten der Kasse, die anfangs nur den Juden des Haskiöiviertels zugute kommen soll, festgestellt. Audienz beim deutschen Botschafter Unser Gesinnungsgenosse, Rabbiner Dr. Markus, ist am letzten Mittwoch vom deutschen Botschafter, Freiherrn Marschall von Bieberstein, in mehr als einstündiger Audienz empfangen worden. Eine Bahnlinie von Jaffa nach Port Said Konstantinopel, 4. Dezember 1908. Die türkischen Blätter melden: Bei der Regierung ist der Antrag auf Konzessionierung einer Bahnlinie von Jaffa nach Port Said eingegangen. Es wird keinerlei Kilometergarantie verlangt. Der Plan wird am Ministerium für öffentliche Arbeiten studiert und harrt des Genehmigung des Ministerrates. o p o o o o o 1 oooooool AUS DER BEWEGUNG (ooooooo I o o o o o o o Deutschland Laurahütte O.-S.: Die oberschlesische Vortragstournee des Schriftstellers Herrn Heinrich York-Sieiner aus Wien, die ihn durch Ratibor, Beuthen, Zabrze und Königshütte geführt hatte, fand in unserer Gemeinde am Sonntag den 29. Nov. mit einer vom zionistischen Lokalkomitee arrangierten Nachmittagsvorlesung ihren Abschluß, die für die sehr zahlreich erschienenen Hörer höchst genußreich verlief. Der Dichter las zunächst „An der Klosterpforte", hierauf die humoristische Skizze „Die gute Partie", und als Extragabe „Eine ungehaltene Rede" zur Weihe einer Synagoge in Döbling, dem Wohnsitz zahlreicher Wiener Assimilantenfamilien. York-Steiner ist ein ausgezeichneter Interpret seiner Werke; er liest höchst fesselnd, verfügt über alle Register einer plastischen und farbenreichen Darstellung und versteht es vor allem, die nationale, antiassimilatorische Note des Stoffes in ebenso unaufdringlicher wie wirksamer Weise zu betonen. — Herr Löbel Sußmann brachte in einigen feinen Worten den Dank des Publikums zum Ausdruck. Am Mittwoch den 16. Dezember, abends 8 Uhr, findet im Bibliothekzimmer der Großloge für Deutschland, Berlin, Wilhelmstraße 118, die diesjährige Generalversammlung des Vereins „Bezalel" statt. ' . Der Vorstand des Vereins „Bezalel" Österreich Bohmisch-Leipa: Sonntag den 29. Nov. d. Js. fand hier auf Einberufung des zionistischen Rayonkomitees für Ostböhmen eine von Herrn Dr. Hugo Rappaport aus Trautenau geleitete und trotz sehr heftiger Gegenagitation sehr gut besuchte Versammlung statt, in der Herr Dr. Emil Margulies, Trautenau, über Mittel und Wege zur Lösung.der Judenfrage referierte. Der Referent besprach die Judenfrage von allen in Betrachtkommenden Gesichtspunkten aus und wies in eindrucksvoller und überzeugender Weise nach, daß dieses Problem nur durch den Zionismus eine endgültige' Lösung finden kann. Die von dem Feuer innerer-Begeisterung durchglühten. Worte des Referenten übten auf das Publikum eine außerordentlich starke Wirkung aus und fanden lebhaften BeifalL Zur Debatte sprachen der Vorsitzende, Herr Ernst Bechert aus Teplitz-Schönau, und. der Referent, die verschiedene aus der Mitte der Versammlung ergangene Fragen in beredter, gründlicher und überzeugender. Weise beantworteten. Der zwingenden Logik, ihrer Argumentation konnte sich wohl" niemand entziehen, . der . diese .: Argumente unvoreingenommen auf - sich wirken ließ. Mit dieser ersten zionistischen Versammlung ist endlich auch in unserer Stadt ein vielversprechender Anfang, der sehr bald Fortsetzung finden soll, gemacht worden. Reichenberg. Sonntag den 22. d. M. hielt die zionistische Idee endlich auch in unserer Gemeinde ihren, wir dürfen ruhig sagen, siegreichen Einzug. Das zionistische Rayonkomitee für Ostböhmen m Trautenau und der Jüdische Volksverein Zion in Teplitz-Schönau hatten für diesen Tag eine öffentliche Versammlung einberufen, welche der Erörterung der Judenfrage und ihrer Lösung durch den Zionismus gewidmet war. Vor dicht gefülltem Saal eröffnete Herr Dr. Hugo Rappaport aus Trautenau die Versammlung namens der Einberufer, indem er seiner Freude über das lebendige Interesse an jüdischen Fragen, welches in dem zahlreichen Besuche sich dokumentierte. Ausdruck gab. Herr Dr. Emil Margulies, Trautenau, referierte sodann über den politischen Zionismus. Der Vortragende, der dann auch noch die Mittel zur Erreichung des zionistischen Zieles und die Zion-Institutionen besprach und die Eignung Palästinas als des einzig in Frage kommenden Landes hervorhob, fand bei der Versammlung stürmischen, langanhaltenden Beifall für seine Ausführungen. Es entwickelte sich eine längere eingehende Debatte, in der vom gegnerischen Ständpunkt aus die Herren Dr. Ernst Neustadtl, Jerusalem, Dr. Münk und Schulhof, von zionistischer Seite die Herren Ludwig Steiner und der Referent sprachen. Die Stimmung der Versammlung war durchaus auf Seiten der letztern, und das Schlußwort des Referenten, in dem er eingehend alle Einwendungen widerlegte, sowie sein Versprechen, daß dieser zionistischen Versammlung sehr bald eine zweite folgen solle, weckte begeisterte Zustimmung. So wird auch unsere Stadt, die bisher als die der zionistischen Idee unzugänglichste gegolten hat, in nicht zu langer Zeit einen Verein haben, der alle Freunde einer Zukunft des jüdischen Volkes in fester Organisation um das Baseler Programm vereinen wird. Prag: Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Prag. Die am 26. November stattgefundene Gründungsfeier nahm einen glänzenden Verlauf. Es hatten sich dazu sehr viele Gäste — sowohl Prager als auch auswärtige, darunter Wiener Bundesbrüder — eingefunden. Der große Saal in Heines Etablissement gewährte einen festlichen und imposanten Anblick. Die Bedeutung des Abends würdigte der Obmann des jungen Vereins, -rder übrigens schon weit über 100 Mitglieder zählt, — Herr phil. Erwin Kohn in einer hinsichtlich Inhalt und Form gleich vollendeten Tendenzrede. Die gleiche begeisterte Aufnahme fand die Festrede des Herrn M. U. C. Theodor Kohn von der „Unitas" in Wien, der in feurigen, *^^;«^&&Bä«^^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.