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Die Welt · 1908-12-11 · 49 (11.12.1908) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
49 (11.12.1908)
Date
1908-12-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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' schäft. .orientäJis:ch.en: Lebens und .neuer; jüdischer Lebens.- typen. in Farben und Formen zum erstenmal auszuV sprechen;- sodann das,., sozial-erzieherische und wirtschaftliche hebende Moment: vielfältige kunstgewerbliche Arbeit zu entwickeln, waszwar nur langsam -verwirklicht wenden kann, aber im engen Rahmen des „Bezalel" zielbewußt angestrebt .wird; .endlich die; Veredlung des Lebens'selbst indem.-7-bjs :ins kleine und kleinste. — die Liebe ' zur Natur > und stilvoller , Lehensführung geweckt werden soll. Mehr individuell und wenigstens in momentaner Wirkung weniger sozial ist-das Gebiet der WissenschaltenJ; Wenn; Kunst', schafft,. -so . scheint es,; daß .Wissenschaft h sie kann aber doch auch neue Wege entdecken, . Die bisherigen jüdischen Leistungen sind hier .wohl noch, minimal im . Vergleich, zu denen anderer' Völker. Dennoch müßte ein Volk, das mehr als die randern im Lande Wurzel fassen will, auch in .'* allem „Paiästinawissen" das Bedeutendste leisten. Hauptsächlich kommen hier drei~ Gebiete in Betracht; das naturwissenschaftliche, und wir haben, doch in Palästina einen bedeutenden jüdischen Botaniker und „ebensoviele" Zpologen. Landes^ Vermessungen und Versuchsstationen — wie die nächstens zu errichtende in Atlit — finden zwar noch wenig Verständnis, haben aber auch einen. großen praktischen Wert. Historisch-nationalen Zwecken dient das archäologische Gebiet. Für dieses wird einerseits hier ungeheuer viel neues Material : vorhanden sein, da ja in so vielen arabischen Dörfern und auch in mehreren Kolonien manche interessante Dinge zutage, gefördert wurden, während anderseits seitens der Regierung bis jetzt jede systematische Arbeit derart gehemmt war, daß z. B. selbst Jerusalem-noch ein verschlossenes Grab unbekannter altertümlicher Schätze bilden dürfte. Ferner bildet Palästina bekanntermaßen auf ethnologischem und religiösem Gebiete vielleicht das merkwürdigste Land der Erde; Endlich erwachsen mit dem Wiederaufleben der hebräischen Sprache bedeutende sprachwissenschaftliche Aufgaben, für welche die Vollendung der Enzyklopädie Ben Jehudas gewiß einen wesentlichen - Fortschritt bedeuten wird. Wie es seheint, wäre auch von rein wissenschaftlicher Seite her das Hochschulproblem am natürlichsten in Angriff zu nehmen, während es in pädagogischpraktischer Beziehung vielleicht noch verfrüht ist und jedenfalls einer, wissenschaftlichen Grundlage bedarf. . Alle Kultur geht letzten Endes wieder auf Erziehung zurück. Manches Unwägbare gibt hier den Ausschlag. Vielfach ergeht es wie immer mit dem Gestalten, das Kraft und Stoff erfordert. Manchmal gibt es verborgne Kräfte, die nicht wirken können, weil sie keinen bildsamen Stoff vorfinden; manchmal gehen die schönsten Möglichkeiten verloren, weil sie zu richtiger Stunde nicht die formende-und veredelnde Kraft gefunden haben. Und. mich dünkt, daß noch viel bildsamer Stoff auch für unsere Kulturarbeit verborgen liegt und viele Kräfte, die ihn noch nicht gefunden haben. Lydda bei Jaffa. . Ernst-Müller Vom zionistischen „Staat" in der Gegenwart, seiner „Bürger" Rechte und Pflichten Von den Gegnern unseres Volkes hört man häufig den Vorwurf: die Juden seien ein destruktives und-nie ein staatbildendes Element Sie beweisen diese ihre Behauptung ebensowenig wie so viele andere ihrer leichtfertig aufgestellten Theorien und Dogmen. Wozu auch? Für sie und die Instinkte der Massen genügt als Beweis der Hinweis, daß die Juden sich zahlreich in den oppositionellen Parteien aller Länder befinden. Was die Juden, die von Hause aus konservativ veranlagt sind, da hineingedrängt hat, wird nicht erörtert Im Kampfe gegen den Zionismus wird dieser Vorwurf zuweilen von den Antisemiten entlehnt Dieselben Leute, die die Zionisten als jüdische Antisemiten bezeichnen, weil sie die wirklichen Fehler und Ungezogenheiten einzelner Juden schonungslos aufdecken, sprechen den Antisemiten nach, wenn sie behaupten, ein jüdisches Gemeinwesen — nennen wir es nun „Staat" oder sonst wie (schließlich ist im Orient jedes Dörflein, jede Kolonie ein „Staat" für sich)- — könne nicht existieren, die Juden seien "viel zu unverträglich, keiner lasse dem andern einen Vorzug. Im allgemeinen sind ja die, die so reden, selbst von jener Sorte von „ä soi-Juden*, die Arthur Schnitzler in seinem feinen Roman „Der Weg ins Freie" so köstlich schildert: „ .. - der Jude, der mit einem Unbekannten im Eisenbahncoupe sitzt, -sehr manierlich, — bis er durch irgendeine Bemerkung des andern darauf kommt, daß der . auch : ein Jude ist worauf er sofort mit einem erlösten „ä soi." die Beine auf den Sitz gegenüber ausstreckt" Solcher gibt es sogar "bei unsr zu Lande noch recht viele, wenn sie auch schon. manchmal das -„ä soi" nur. bei sich und neuhochdeutsch aussprechen. Mit. solchen Juden istallerdings kein „Staat" ztr machen.' ' ' Aber es gibt auch- 'welche,' : die-uns historischkommen wollen. Nun, selbst zugegeben, daß vor 2000 Jahren die Uneinigkeit der Juden den Untergang ihres Reiches mehr verschuldete als die äußern Feinde, was beweist das nach so langer Zeit? Waren 2000 Jahre keine ausreichend lange Lehrzeit? Haben die Juden nicht genug gute Lehrmeister inzwischen gehabt? Haben sich nicht genügend Juden inzwischen im Dienste fremder Nationen als gute Staatsmänner erwiesen? In der Türkei, in Spanien, in England, ja auch in Deutschland? Und wie viele große jüdische Gemeinden, die manchmal an Seelenzahl ganze Staatswesen übertreffen, wurden und werden von Juden allein ohne Einmischung irgendwelcher Regierungen geleitet! Und wie gut werden sie manchmal verwaltet! Da gibt's keine Staatsschulden, aber Gemeindeeigentum, um das manche Stadt und manches Städtchen sie beneidet, und das trotz eines manchmal minimalen Besteuerungssatzes. Wie geschickt wissen zuweilen die Leiter der Gemeinden alle möglichen Differenzen zu unterdrücken, Zwistigkeiten zu vermeiden, im Keime zu ersticken. Man könnte einwenden: Das beweist nichts, die Gemeinden werden durch einen äußern Zwang der Regierungen zusammengehalten. Das ist zwar nicht stichhaltig, besonders in unserer Zeit der Obertritte en gros. Aber wir haben der Beweise mehr. Zunächst unsere jüdischen Kolonien in Palästina. Eine jede von ihnen ist ein kleines, ganz selbständiges Staatswesen für sich, mit ganz .autonomer Verwaltung. Hier gibt's keinen Zwang von außen; kein Machtmittel einer Regierung hält hier zusammen, was etwa einander widerstrebt Nur der eigne freie Wille der in den Kolonien Vereinten hält, diese zusammen. „Fünfundzwanzig Kolonien ohne einen einzigen Schutzmann; fünfundzwanzig Jahre, ohne daß je , einer den" andern irgendwo verklagt hätte," so schilderte uns Schmarjahu Lewih die Situation in den jüdischen Kolonien. Genügt's? Vielleicht aber sagt noch jemand; das sind bloß kleine Menschen-

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