Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 48 (4.12.1908)
- Date
- 1908-12-04
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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18 . Auswärtige Amt-habe unter Anführung von Argumenten, wie sie sich bei Lucien Wolf finden, hervorgehoben, daß, wenn der Kongreß zustande käme, Deutschland die Initiative zur' Diskussion der rumänischen Judenfrage kaum ergreifen könne, und dies um so weniger, als man bisher deutscherseits aus Gründen der allgemeinen Politik jede Initiative bei Aufstellung des Programms für eine eventuelle Konferenz vermieden habe. Der wesentlichste Inhalt dieser Unterredung auf dem Auswärtigen Amte war, daß die deutsche Regierung durch ihre Erklärung sich zu dem Standpunkt bekannte, es könne die Verletzung des § 44 des Berliner Vertrages an und für sich für eine Diskussion der Großmächte in Betracht kommen, wenn auch der geplante Kongreß aus Gründen der allgemeinen politischen Lage eine solche Diskussion im jetzigen Augenblick kaum werde vornehmen können. Diese Klarstellung, die zu erwarten war, hat ihre Wirkung nicht verfehlt; denn wenn es auch bisher leider unmöglich war, ein Einschreiten der Großmächte in Rumänien selbst herbeizuführen, so weiß doch jeder Politiker, welche Bedeutung die Feststellung hat daß nicht allein nach dem Urteil der öffentlichen Meinung der aufgeklärten zivilisierten Welt, sondern daß auch nach der Ansicht von großen Staaten, Rumänien einer Verletzung des Berliner Vertrages schuldig ist, die vor das europäische Forum bei sich bietender Gelegenheit gezogen werden kann. Diese Vorgänge nimmt der Univers Isra61ite in Paris vom 27. November zum Anlaß, um einen Artikel über den Hilfsverein, in Wahrheit, um einen Schmähartikel vor allem über den Unterzeichneten zu veröffentlichen. Er nennt den Unterzeichneten den tatsächlichen Inspirator des Hilfsvereins; er nennt das Vorgehen in der rumänischen Frage „sträflich", und er behauptet, daß reklamesüchtige Eitelkeit die Triebfeder meiner Handlungen zugunsten des Judentums sei. Diese Behauptung wird mit einer Beschimpfung der gesamten deutschen Juden als Deutschen verknüpft, wie sie nur chauvinistische Hetzblätter niedrigster Art zu verbreiten pflegen. Von meinen verschiedenen Reisen in den Orient sagt er, daß „in Nachahmung eines berühmten Vorbildes" ich „in der Türkei meine Landung in Tanger vollzogen hätte". Vielleicht bin ich auch nach Rußland während der Hochflut der Revolution mit dem trefflichen Stettauer aus London und Feinberg aus Petersburg und nach Rumänien während der Bauernrevolten als Poseur gegangen. Es ist charakteristisch, wie hier die Besprechung jüdischer Angelegenheiten durch einen an den Haaren herbeigeschleppten Hinweis auf die Marokkopolitik zu vergiften versucht wird. Und soll es üblich werden, den niedrigsten Chauvinismus aufzureizen durch die höhnische Gegenüberstellung, daß freilich die als „leichtfertig und windbeutelig" verschrieenen Franzosen eine Frage wie die rumänische „reiflich und mit Ruhe" studieren; „in Berlin hat man so viel Bedachtsamkeit nicht von Nöten". Freilich, es mußte wieder einmal „dem deutschen Judentum" bewiesen werden, daß es allein imstande sei, die schwierigsten Probleme zu lösen, und daß es allein und ohne Zeitverlust die deutsche Omnipotenz in Bewegung setzen werde, um den rumänischen Israeliten zu Hilfe zu kommen. Dieser Artikel, der mit den niedrigsten Mitteln die französischen Juden gegen die deutschen Juden zu hetzen sucht, ist unterzeichnet Benzev. voraussichtlich wieder ein Pseudonym. Zur Charakteristik dieses Machwerks muß noch eins hinzugefügt werden. Das primitivste Gebot des Anstandes verpflichtet dazu, sich zu vergewissern, daß ein persönlicher Angriff sich wenigstens an die richtige Adresse wendet. Ich habe nun weder die Schritte des Hilfsvereins in bezug auf die rumänischen Juden inspiriert, noch war ich an diesen Schritten in irgendeiner Weise beteiligt, weil ich zu jener Zeit krank in Montreux darniederlag; freilich, diese Schritte billige ich durchaus und in jeder Beziehung, weil die Beweise für ihre Nützlichkeit mir bereits vorliegen. Welch öin Gentleman also dieser Herr Benzev! Schließlich sei aus der Fülle der Unwahrheiten, die Herr Benzev vorträgt, noch eine herausgehoben. Er behauptet, daß die Alliance Israelite Universelle sich mit der Bitte an uns gewandt habe, im Augenblick nicht vorzugehen. Ich konstatiere, daß der Hilfsverein in dieser Angelegenheit niemals eine Zuschrift der Alliance erhalten hat. In den Angriffen dieser Art gegen den Hilfsverein der deutschen Juden und gegen meine Person liegt Methode. Zunächst verlogene Ausstreuungen während des Hochsommers dieses Jahres, besonders in Rußland, die wir zurückweisen mußten; dann falsche Angaben und erlogene Unterstellungen in der englischen Presse, die klargestellt werden mußten. Nun dieser Herr Benzev, der seine politische Einsichtslosigkeit durch politisches Hetzen und persönliche Verunglimpfungen unempfindlichen Gaumen schmackhaft zu machen sucht. WELT— ' "' "' , .■XoS4&' ' In Deutschland weiß jedes Kind, aus-welchem Arsenal diesen Minierem' ihre vergiftete Munition geliefert wird. Gewiß, sie"haben bisher keinen Erfolg erzielt; damit dies auch in Zukunft nicht geschehe, darum bitte ich Sie, hochgeehrter Herr Redakteur; diesen Brief vor die Augen Ihrer Leser zu bringen. Bei Ihrer-Mithilfe wird es möglich sein, ein Unkraut beim ersten; Aufsprießen zu ersticken, das, wenn es fortwuchert, durch chauvinistische und persönliche giftige Verunglimpfungen das friedliche Zusammenarbeiten der anständigen Juden aller Nationen wenigstens vorübergehend beeinträchtigen könnte; und dieses Zusammenarbeiten ist geboten im Interesse unserer Glaubensgenossen und im Interesse allgemein menschlicher Kultur. Mit ausgezeichneter Hochachtung gez.: Dr. Paul Nathan. . Zum diesjährigen Chanukafeste geben wir eine Makkabäerfestnummer heraus, die durch ihre Beiträge eine der Bedeutung und dem Charakter dieses nationalen Festes entsprechende Form tragen wird. Es erübrigt sich zu betonen, daß die Makkabäernummer der „Welt* auch in agitatorischer Beziehung für jeden Zionisten von Wert sein wird. Wir richten an alle Gesinnungsgenossen und Leser das Ersuchen, für eine möglichst große Verbreitung der Festnummer bemüht zu sein. Die Nummer erscheint am 18. Dezember a. c. Bestellungen werden (gegen Nachnahme oder Voreinsendung des Betrages) bis spätestens 14. Dezember a. c. entgegengenommen. Die Einzelnummer kostet 40 Pfennige. Organisationen erhalten io Exemplare für J6 3.50 25 ' „ ' » 7.50 50 „ „ 12.50 100 z j, „ 20.— Einem Teil der Auflage unserer heutigen Nummer liegen Karten bei, die wir zur Aufgabe von Bestellungen zu benutzen bitten. Expedition »Die Welt'' Cäcilie Sommer :: Salo Puder - VERLOBTE Jaroslau Pforzheim November 190S. Schrei b- Haschine von Neues Modell mit sichtbarer Schrift soeben erschienen. The Yost Typewriter Co. Ltd. 50, Holborn Viaduct, London E. C. und überall.