Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 48 (4.12.1908)
- Date
- 1908-12-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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ausgegangen, das aus dem Vorsitzenden des jüdischen Literaturvereins, dem Präs:denten der Friedensloge und dem Vorsitzenden der zionistischen Ortsgruppe bestand. Rumänien Der Zionismus in Rumänien. Die Ausdehnung der zionistischen Organisation in Rumänien leidet selbstverständlich unter der traurigen Lage, in der sich die rumänischen Juden befinden. Immerhin können wir konstatieren, daß die Föderation erfreulich arbeitet. Die Zionisten bilden jedenfalls im Leben der rumänischen Juden einen nationalen und kulturellen Faktor von nicht zu unterschätzender Bedeutung. In Galatz, dem Sitz der Föderation, wird sehr eifrig gearbeitet. In letzter Zeit haben sich sämtliche zionistischen Vereine dieser Stadt zu einem einzigen Verband vereinigt. Dank den Bemühungen des Herrn Leibowitz werden oft Vorträge gehalten und ist eine große zionistische Bibliothek eingerichtet worden, die bereits 2000 Bände umfaßt. In Braila leitet die zionistische Arbeit das Mitglied des A. C., Herr Dr. Moscowitz. In diesen Tagen wurde dort ein hebräischer Unterrichtskursus eröffnet Die zionistische Propaganda-Abteilung „Israel" gibt ein eigenes monatlich erscheinendes B'att heraus. In Foscani entfaltet Herr Rabbiner Dr. Nacht unterstützt von einigen jugendlichen Zionisten eine bemerkenswerte Tätigkeit. In Foscani sind in diesem Jahre über 3000 Frs. für zionistische Zwecke gesammelt worden. Leider haben die Zionisten auch mit dem Widerstand der Pseudo-Kultusgemeinden zu rechnen, die sich darin gefallen, ihnen Schwierigkeiten zu machen. In Jassy ist es der Verein „Dr. Max Nordau", der eine große Propaganda leistet und auch ein eignes Propagandablatt herausgibt Die Herren Dr. Niemirower und Dr. Lippe geben sich große Mühe um die Förderung des praktischen Zionismus, d. h. die Pflege der hebräischen Sprache, Palästina-Arbeit usw. Die Zionisten in Ploesti haben jüngst einen großen Verlust erlitten durch das Hinscheiden des Ehrw. Rabbiners Jehuda Arie Breizis, der einer der Führer der gesetzestreuen rumänischen Zionisten war. Gut arbeitende zionistische Vereine bestehen noch in Barlad, Pitesti und Roman, wo man jüngst eine Philateliesammelstelle für den Nationalfonds gegründet hat In Bukarest läßt leider die zionistische Tätigkeit viel zu wünschen übrig. Amerika Ein amerikanischer Schriftsteller über den Zionismus Ein Artikel über den Zionismus aus der Feder Herbert N. Cassons, des bekannten Schriftstellers und Verfassers des „Märchen vom Stahl", „Organisierte Selbsthilfe" usw. erscheint in der soeben herausgegebenen Dezembernuramer von Hamptons Broadway Maga-. zine. Der Artikel beginnt folgendermaßen: . „Gebt den Juden einen Führer, — nicht einen Poeten, sondern einen praktischen Geschäftsmann, —und in 10 Jahren wird er Palästina von den Türken erhalten, es mit einer Million ÜJer mehr Juden aus Rußland kolonisieren und seinem Volke wieder einen Platz unter den Nationen der Erde anweisen. Das ist der Grundriß dieser Geschichte. Und es ist weder ein Traum, noch ein Phantasiegebilde, das nur die Juden angeht Nun, da der alte Sultan Abdul Hamid, zu den Jungtürken übergegangen ist und der Türkei eine Verfassung gewährt hat mit freien Schulen und freier Presse, stehen die Juden der Welt vor der eisten großen Chance, das Land zurückzuerhalten, in dem ihre Bibel geboren wurde. Sie können nun verhandeln, nicht mit einem launenhaften Despoten,. sondern mit dem ganzen türkischen Volke, das sich zu allen Zeiten freundlich zu den Juden gezeigt hat Da ich weder ein Türke, hoch ein Jude bin, habe ich keinen triftigen Grund, mich mit dieser'Sache zu befassen, ausgenommen den, daß ich gleich der Mehrzahl der Amerikaner gerne sehen würde, daß die lange Tragödie der jüdischen Geschichte ein glückliches Ende fände, bevor der Vorhang fällt Palästina ist das jüdische Vaterland. Es ist die alte Heimstätte, aus der sie von den Speeren der Römer vertrieben worden. Es gehört ihnen ebenso wahr, wie die Westminster Abtei den Engländern, oder die Independence Hall den Amerikanern gehört Niemals können sie die Geschichte dieses kleinen Landes aus ihrem Herzen reißen, und es gibt keinen guten Grund, warum sie es tun sollten. Es gehört ihnen von Rechts wegen, und es müßte ihnen gehören kraft der einmütigen Zustimmung der andern Völker der Erde. Einer von den wenigen Glaubenssätzen, der zu allen Zeiten von Christen und Juden gleichwenig geglaubt wurde, ist der, daß eine Zeit kommen werde, wo die Juden nach Palästina zurückgehen werden." Im weitern Verlauf seiner Ausführungen schildert Cassou in klarer und beredter Weise die Anfänge der Arbeit, die die Zionisten bereits in Palästina geleistet* haben, gibt viele Einzelheiten über die zionistische Organisation in den verschiedenen Teilen der Welt und führt sodann die Namen vieler bekannter jüdischer Finanzleute in Amerika auf, wobei er schätzt was jeder einzelne von ihnen für die Verwirklichung des Zionismus tun möchte, wenn er nur die Not und die Richtigkeit der Sache erkannt haben würde. Auch in andern amerikanischen Monatsheften erschienen neuerdings Artikel über den Zionismus, so im „Indepedent Magazine" ein Aufsatz unter dem Titel „Die neue Türkei und der Zionismus" von Prof. Richard Gottheil und im „Van Norden Magazine" ein Artikel „Die Hoffnung des Zionismus" von Bernard G. Richards usw. NACHRICHTEN ooooooooc Österreich (Von unserm Berichterstatter) Huldigung der Kultusgemeinden Anläßlich des öOjährteen Regierungsjubiläums des Kaisers Franz Josef begab sich Donnerstag den 26. November eine Abordnung der jüdischen Gemeinden Österreichs in die Hofburg, um dem Monarchen die Glückwünsche der israelitischen Kultusgemeinden zu überbringen. In der Deputation waren die Präsidenten der Gemeinde Wien (Dr. Stern), Lemberg (Dr. Schaff), Czernowitz (Abg. Dr. Straucher), Prag (Dr. Rosenbacher). Krakau, Triest u. a. Dem Kaiser wurde nachstehende Adresse überreicht: „In den millionenstimmigen Jubelchor, der heute an dem weihevollen Gedenktage des Regierungsjubiläums Eurer Majestät durch die weiten Gaue unseres Vaterlandes braust, stimmen auch wir aus vollstem Herzen, aus dem Tiefinnersten unserer Seele ein, wir, die israelitischen Untertanen Eurer Majestät deren Repräsentanz, die israelitischen Kultusgemeinden Österreichs, allen voran die israelitische Kultusgemeinde Wien. Als Eure Majestät vor sechs Dezennien den glorreichen Thron Allerhöchsterer Ahnen bestiegen, da — es war dies Allerhöchstere erste Regierungshandlung — lösten Eure Majestät Millionen Ihrer Untertanen die knechtischen Bande. Das kostbare Gut des gleichen Rechtes — entsprechend der Gleichheit der Pflicht — verliehen Eure Majestät allen Ihren Untertanen, ohne hievon, wie es in trüben vergangenen Tagen geschah, unsere Glaubensgenossen auszuschließen. Ein kaiserliches Machtwort, — ein herrliches Ruhmesblatt in, der Regierungsgeschichte Eurer Majestät, in der Geschichte Österreichs! — bannte den Glaubens¬ und Gewissenszwang, der schwer auf den Gemütern unserer Vorfahren lastete, ihre Lebenswege nach allen Richtungen durchkreuzte. Dank, innigsten herzlichsten Dank darob unserm erhabenen Monarchen, dem gütigen Vater aller seiner Völker, unserm Kaiser Franz Josef dem Gerechten, Dank, den wir betätigen, indem wir gleich allen Landeskindern Blut und Leben freudig hingeben für urisern Kaiser, unser Vaterland. Dank der Vorsehung, die uns in der geheiligten Person Eurer Majestät einen Herrscher gab, .erfüllt von Weisheit, Milde und Gerechtigkeit Und so erheben wir. heute in heißer Bitte unsere Seele zu Gott empor: Es möge die göttliche Vorsehung das Leben unseres Kaisers in voller Kraft und Gesundheit in Glück und Frieden verlängern bis an d:e äußerste Grenze menschlichen Daseins. Und in weihevoller Stille lauschen wir dem Priestersegen, der über das gesalbte Haupt unseres Herrn in allen Gotteshäusern in Österreich und weit über dessen Grenzen hinaus gesprochen wird." Die Erwiderung des Kaisers auf die Ansprache des Führers der Deputation war sehr herzlich; er lobte die Kaiser- und Gottestreue der jüdischen Bevölkerung, betonte, 'daß er den jüdischen