Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 48 (4.12.1908)
- Date
- 1908-12-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 2× ep/1047930
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.t Ein Gemeinplatz! Gewiß. Aber bei wie wenigenist er zur tiefinnerlichen Oberzeugung geworden?— Und nun halten wir Umschau von der Terrasse aus! Daß der Blick so weithin zu dringen vermag, liegt an der klaren Luft Palästinas. Und da ja das Land nicht gar sehr groß, besonders aber nicht breit ist, so sieht man fast von jeder höhern Erhebung bis an die Grenzen des Landes, auf der einen Seite bis ans Meer, auf der andern bis zum Hermon und zu den Gebirgen jenseit des Jordans. Auch von unserm Aussichtspunkte sehen wir diese Gebirge, ja selbst am Meeresgestade entlang dringt der Blick nach Norden bis zum Leuchtturm von Tyrus, der 7—8 Meilen vom Karmel entfernt liegt, nach Süden bis nach Cäsarea, der etwa 6 Meilen entfernten Küstenstadt Die Klarheit der Luft trägt aber auch in anderer Beziehung zur Verschönerung des Bildes bei. Sie bringt hier Farben hervor, die bei uns in dieser- Pracht und satten Nuance unbekannt sind. Am meisten .entzückt uns das Klare des Himmels und vor allem das strahlende, bunte Farbenspiel beim Sonnenuntergang. Unser Standort ist auf drei Seiten vom Meer umgeben. Das Meereshlau und die bewegten Wogen kontrastieren zu dem Lande, in dem das Grün vorherrschend ist. Weit drüben auf dem Meere schaukelt ein großer Lloyddampfer, der vor 2 Stunden Haifa verlassen hat, wie eine Nußschale hin und her. Die Meeresbucht zeichnet sich vor unsern Blicken in einer mit großartigem Schwünge hingesetzten Linie. Während wir hier im Süden der Bucht stehen, erscheint drüben an ihrer nördlichen Grenze, ebenfalls auf einer Landspitze, mit aller Deutlichkeit Akka, dessen Mauern und Kuppeln sichtbar sind und das sich aus dem längen flachen Gestade als engbebautes Fleckchen plastisch heraushebt. Darüber hinaus aber dringt nun der Blick am Gestade entlang, hinaus über die Gebirge Galiläas, bis er weit drüben im äußersten Norden und Nordosten am Libanon seine Grenze findet am hohen Schneehaupt des Hermons, jenes prächtigen Bergriesen, dessen weißleuchtender Gipfel weithin in die Lande herniedergrüßt und den meisten Ausblicken, die man auf Palästinas Bergen genießt ihren Abschluß nach Norden gibt. Am östlichen Horizont zeichnen sich in blauer Ferne die Konturen der Gebirge des Ostjordanlandes. Unmittelbar zu unsern Füßen aber breitet sich die Stadt Haifa aus und östlich davon die große Ebene. Wir erkennen neben der Stadt die am Strande stehenden Palmengärten und Orangerien, während westlich von Haifa, unmittelbar vor uns, zwischen Karmel und Meer, sich grüne, fruchtbare, wohlbestellte Felder dehnen, von denen der Blick wieder hinüberschweift auf das bewegte blaue Meer. Ersteigt man den Karmel bis zum Gipfel, so erheitert sich der Horizont; dann soll es möglich sein, im Süden die Kolonie Sichron Jakob und in der Richtung zum Hermon die grüne Ebene Jesreel mit dem Kison, die Berge von Nazareth und die gleichmäßig abgerundete Kuppe des Berges Tabor zu sehen. — Wenn Haifa im Palästina der Zukunft die Rolle einer bedeutenden Hafenstadt und eines Kulturzentrums übernommen haben wird, die ihm von der Natur vorgezeichnet ist so wird es einer der schönsten Küstenplätze des Mittelmeeres sein. Der Tag, an dem Haifa das Aussehen haben wird, das ihm -Herzl in seinem Roman zuschreibt, ist nicht mehr fern. Das ist gewiß, denn das liegt im natürlichen Lauf der Dinge. Aber wird es dann jüdischer Boden sein? Das ist möglich und unsere Hoffnung; doch muß es mit eigner Kraft erobert werden. Und dazu bedarf es der Liebe und Tatkraft, der Geduld und Entschlossenheit Giovanni Batistas. o o o o o o oj AUS DER BEWEGUNG looooooo Deutschland Köln: In aller Stille wurde in den letzten Tagen eine Institution geschaffen, die berufen ist den geistigen Mittelpunkt eines beträchtlichen Teiles der Juden Kölns zu bilden. Dieser Teil rekrutiert sich aus ausländischen, zumeist aus dem Osten stammenden Juden. Infolge des schweren Kampfes, den die meisten zu führen haben, sind sie wohl nicht imstande, ihre Wohn- und sonstigen Verhältnisse gleich den andern Bewohnern dieser schönen Stadt einzurichten. Allein gerade diesen Leuten wohnt ein ungestümer Drang nach Bildung und Wissen inne, deren Mangel sie oft stärker empfinden als den des materiellen Wohlstandes. Dafür zeugt der große Erfolg, den die jüdische Lesehalle sofort bei ihrer Entstehung erzielt hat. Am Eröffnungstage konnten bereits ca. 60 Mitglieder, die aus den erwähnten Kreisen der Lesehalle beitraten, verzeichnet werden. Die Räume, zwei freundliche Zimmer in der ersten Etage Peterstraße 3, vermochten die zahlreich Erschienenen kaum zu fassen. Das große Verdienst die neue Institution gegründet zu haben, gebührt der Zionistischen Vereinigung, die mit Hilfe angesehener Kölner Juden etwas geschaffen hat, das in allen Städten nachgeahmt zu werden verdient. Die Eröffnung selbst fand Sonntag den 29. November, 5 Uhr nachmittags statt Der Präsident der Kölner Zionistischen Vereinigung begrüßte die Anwesenden in warmen Worten und stellte den. zahlreich Erschienenen die Vergrößerung der Lokalitäten in nahe Aussicht Er wies darauf hin, daß, während die andern als einzelne in der Lage sind, ihre Bedürfnisse nach Geselligkeit und geistiger Nahrung befriedigen zu können, die Anwesenden sich diese am besten durch eine gemeinsame Institution verschaffen, die zum großen Teile aus den Beiträgen der Mitglieder selbst sich erhält. Einmal wöchentlich sollen Vorträge über hygienische, wissenschaftliche und sonstige allgemeine Themen stattfinden, die, fern von jeder Politik, nur der geistigen Erholung und'Bildung der Mitglieder dienen sollen. Allmählich soll die Lesehalle auch zur Toynbeehalle ausgestattet werden, die bekanntlich von Zionismen zuerst in Wien geschaffen wurde und dann ihre Verbreitung in' der ganzen' Welt gefunden hat Nachdem Herr Goldreich unter großem Beifall geschlossen hatte, nahm Herr Linz das Wort, um seiner großen Befriedigung über die neue Schöpfung in schönen Worten Ausdruck zu geben. Herr Goldreich dankte hierauf den Bürgern, die durch Beiträge in Bar und Einrichtungsgegenständen das Zustandekommen der jüdischen Lesehalle ermöglicht haben. Hierauf wurde die jüdische Lesehalle für eröffnet erklärt Dieselbe ist jeden Abend von 7 bis 11 Uhr und Samstags und Sonntags von 12 Uhr mittags bis 11 Uhr abends geöffnet. Mitglieder der jüdischen Lesehalle zahlen 40 Pfg. monatlich, Nichtmitglieder 5 Pfg. Entree. Duisburg: Herr Nathan Groß aus Köln sprach am 23. d. M. in der hiesigen zionistischen Vereinigung über „die jüdische Arbeiterorganisation Poale Zion". Ihre Ideen hätten in Rußland, Österreich und Amerika ihre Hauptvertretung, aber ihr Wert für den Zionismus würde auch in andern Ländern immer mehr gewürdigt. Der Redner führte in fesselnder Weise aus, wie das in den Ghetti lebende Proletariat nur im Poale Zionismus seine Rettung sehen konnte und sieht Aus dem eingeschüchterten, im Golus notdürftig " dahinlebenden jüdischen Proletarier einen freien, im eignen Lande sein Brot verdienenden Arbeiter zu schaffen, sei der Vorsatz der Poale Zion. Das zahlreich erschienene Publikum dankte dem Redner für seine Ausführungen mit lebhaftem Beifall. In der darauffolgenden Diskussion wurde das Verhältnis zur Sozialdemokratie besprochen und die verschiedenartige politische Richtung der Poale Zion in den einzelnen Ländern gestreift. Ratibor. In unserer zionistischen Ortsgruppe sprach am letzten Sonnabend Rechtsanwalt Lachmann-Königshütte in interessanter und instruktiver Weise über „Zionistische Grundfragen", wobei der Redner vornehmlich auf die Wirtschaftsmöglichkeiten in Palästina hinwies. Dem vom zahlreichen Publikum beifallsfroh aufgenommenen Vortrage folgte eine Diskussion, an der sich Dr. med. Böhm und Zahnarzt Block beteiligten. — Am letzten Dienstag las hier vor einem sehr stark besetzten Hause Schriftsteller Heinrich Yortest ein er aus Wien Ernstes und Heiteres aus seinem schönen Novellenbuche „Der Talmudbauer" vor. Rabbiner Dr. Wienemann sprach vorher einleitende Worte über die Renaissance der jüdischen Literatur. Die Einlädung zu diesem Abend war von einem Komitee