Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 48 (4.12.1908)
- Date
- 1908-12-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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ssap*^ »">3>te^8»V bt&EXi v$k>t*& 'Organisation; je länger desto mehr erkennen iwird,. daß jdie: Sache mit Geld allein,;ohne die Triebkraft der nationalen idee, nicht zu machen ist. in diesem Punkte werden die Mchteionisten noch , viel lernen, müssen. Aber sie werden lernen. Dafür sorgt, wie wir sehen, der eherne Gang der Dinge. Was haben unsere Gegner und-unsere halben Freunde nicht schon tdles aufgeben müssen! Von den alten Einwänden sinkt einer nach dem andern im Laufe der Jahre in sich zusammen. Wir wissen heute, daß wir aus den Juden Bauern gewinnen können. Wir wissen heute, daß Palästina seine alte Fruchtbarkeit nicht verloren hat. Wir wissen längst, daß die Regierungen den Bestrebungen des Zionismus keine Hindernisse in den Weg legen werden, daß die heiligen Stätten der Christenheit in Palästina keine Schwierigkeit bilden würden. Mit dem Absolutismus in der Türkei und wallen Bedenklichkeiten, die «r erregte, ist es nun wohl definitiv vorüber. Ebenso mit der Befürchtung, daß wir mit dem Zionismus in die Barbarei zurückgeworfen würden. Die angebliche Mission des Judentums in der Zerstreuung ist im Grunde wohl nie ein starkes Hindernis gewesen, aber sie wird es, auch in theologischen Kreisen, mit jedem Tage weniger. Und das Häßlichste, was die Assimilation überhaupt gezeitigt hat, der Mangel an Selbstgefühl und Selbstvertrauen, der Schrecken vor ßLTeiner jüdischen Autonomie, sie sind auf der ganzen Linie m einem langsamen, aber stetigen Rückzug vor dem täglich wachsenden jüdischen Selbstbewußtsein begriffen. Die Nichtzionisten versichern immer wieder, daß auch sie an einer Stärkung des jüdischen Selbstbewußtseins arbeiten. Sie sollen uns auf diesem Gebiete als Mitstreiter herzlich willkommen sein. Wir wünschen ihnen einen ganzen Erfolg, denn sie arbeiten für uns d. h. für die Zukunft des jüdischen Volkes. Es gibt eine Logik der Tatsachen, die wie. ein eherner Gang wirkt. Alle Inkonsequenz und alle Halbheit wird durch das immanente Gesetz alles geschichtlichen Werdens zerrieben. Das vermittelnde Prinzip hat freilich seine geschichtliche Stellung und insofern auch Notwendigkeit, aber diese ist vorübergehender, temporärer Natur. Das vermittelnde Prinzip sorgt dafür, daß die Gegensätze nicht allzu hart aufeinanderstoßen, so daß eines in das andere mit weniger Plötzlichkeit und Heftigkeit übergeleitet werden kann. Auch die Allmählichkeit, mit der der zionistische Gedanke sich in Geist und Gemüt vorbereitet und von den verschiedensten Ausgangspunkten aus langsam alle lebendigen Kräfte im Judentum an sich saugt, entspringt demselben psychologischen Gesetz. Denn auch der Natur des Geistes ist alles Sprunghafte entgegen. FEUILLETON Sdialom Bleichem Das Lachen! nicht das jauchzende der romanifchen Völker, nicht das gedankenlofe Kichern der Slawen, nicht das dröhnende Gelächter einer germanifchen Bierkneipe, fondern das Frille, jüdiFche Siifichhineinlachen, dei Ausdruck einer feinen Ironie, gemilcht mit einer rela« fipen Behaglichkeit, welcher überall, auch imGalus gedeihen kann und bei allen auf leine Rechnung kommt; eine lächelnde Befriedigung, welche [ich auf Hnfchauung und Anlage gründet; keine leichtfertige, täppifche Heiterkeit, keine Zerfahrenheit, — eben das hachen rrofcalledem. So ift der Schalom HlefchemFche Humor. Wie ift er zu diefer meifterFchaft gelangt? 3e ein« gehender und nachdenklicher man fidi mit dem Problem Schalom Bleichem befahl, je uerlchränkter und geheimnisvoller wird es das Beste läftt fich über ihn nur ganz unvollkommen lagen; 0 Ja, man kann leine Arbeiten zerlegen und zergliedern, hier und da mit dem Reflektor iiineinleuchteri. über ift damit etwas gewonnen 1 Bis auf den Grund des Wefens dringen diele Strahlen nicht hinab. -Denn-: wenn wir felbft alles pon ihm haben, wenn wir feine mittel und leine Worte, feine Hbfichten und ferne IFlanier — denn er hat eine Klanier? — aufdecken, wenn wir hoffen, den Grund der Wirkungen zu deuten, fo bleiben uns dann für ihn hur einige ganz -winzige, unbedeutende, doch unbeantwortete Fragen. Wie kommt denn diefer niann dazu? Weiche feelifche Unterlage hat diefer Humor? Und warum vermochte es nicht ein anderer, dielen uns allen io bekannten Humor der jüdiFchen Gaffe in derfelben Weife wie er zum flusäru& zu bringen* Und dann beginnen wir hin und her zu tufcheln, zu fehwanken und zu ftotiern, anftatt einfach zu fagen, dah wir es nicht verftehen. 6s ift eben das Rätfei eines ganz eigenartigen üalents. So einfach, fo allbekannt, faft banal, und doch fo geheimnisvoll. Was wir von seiner Biographie erfahren haben, find kleine Züge, Episoden trauriger und ganz gewöhnlicher Art, find Tugenderinnerungen; als der junge, lifauifche „ITlaskil", halb Autodidakt, halb Rabbinerfchule- Kandidat, von einer Stadt nach der andern im klein« ruffiFchen Ghetto ziehend, fich hie und da mit der Erteilung von Unterricht beschäftigt, Fich zu einer Hrt Kronsrabiner in einem kleinen Flecken emporfchwingt und dann weiter ins Freie zieht, u. a. Och dem Handel widmet und im häufe einiger 3ahre ein bedeutendes Vermögen, das ihm durch eine ErbFchaft in den Schob gefallen ift, verliert, wovon ihm ein grofcer Schah von Beobachtungen und Erfahrungen mehr poffierlicher als praktiFcher Hrt zurückbleibt, — das ift ungefähr der biographische Stoff. Schalom Bleichem geht aus all dielen Ereigniffen nicht als ein Befäiämter hervor, nicht als einer, den des Lebens Roheit beleidigt hat. Es war alles nur Humor. Das neidifche Schickfal hatte ihm Streich üser Streich gefpielf. Er ift nicht ein IHenfch, den Disharmonien mürriFch machen, der aus irgendeinem Grunde unbewegt, wie angekettet, kühl von ferne ftehen bleibt. Er geht humorpoll und lächelnd über alles hinweg, wie in feinen Schriften, fo in feinem heben. "Er weih a'les, Fogar die Verlegungen feines Empfindens, als mittel für komifcne Wirkungen zu benuhen. So lacht er jefct über Fein Subiläum und lacht auch über feine jetzige, auf uns leider gar nicht komiFch wirkende Krankheit. Es ift feÖä^^^-sü^isSiafeJäs«^