Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 47 (27.11.1908)
- Date
- 1908-11-27
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Zweck ein Mittel zum Wiederaufbau Zions werden. Aber schon fallen einzelne Lichtstrahlen einer neuen Zeit in die stickige Athmosphäre des jerusalemitischen Judentums. Es gibt Gruppen jüdischer junger Leute, die lieber ehrlicher Arbeit als Almosen ihren Lebensunterhalt verdanken wollen. Die Schulen des rührigen und verdienten „Hilfsverein der deutschen Juden" verbreiten moderne Bildung und verdrängen immer mehr ,den in hygienischer und pädagogischer Hinsicht minderwertigen Unterricht im Cheder. Einzelne jüdische Hospitäler und Schulen können sich getrost mit den Einrichtungen eines Kulturstaates messen. Das hebräische Gymnasium in Jaffa, der Bezalel in Jerusalem, das Technikum in Haifa: alle künden sie eine neue, bessere Zeit und weisen darauf hin, daß sich für die Juden im heiligen Lande eine glückliche Entwicklung der Dinge vorbereitet. Stürmischer, nicht endenwollender Beifall folgte den geistvollen, warmherzig vorgetragenen Ausführungen, die in plastischer Form eine Fülle von selbsterlebten Details und Stimmungen enthielten. Die Ortsgruppe Hamburg-Altona spricht noch einmal an dieser Stelle Herrn Pastor Eberhard für seinen Vortrag ihren herzlichsten Dank aus. Halberstadt: Am 18. ds. Mts. veranstaltetete die hiesige Zionistische Vereinigung „Tikwath Zion" eine Versammlung, in welcher Herr Rechtsanwalt S. Gronemann-Berlin über das Thema: „Extreme im Judentum" referierte. Die fesselnden Darlegungen des Redners erweckten bei dem zahlreich versammelten Publikum das lebhafteste Interesse und haben es vermocht, bisher indifferente Kreise unsern Anschauungen zugänglich zu machen. Auch in der Diskussion, die sich an den Vortrag anschloß, ergriff der Referent verschiedentlich das Wort Der Beifall, der seinen wiederholten Auseinandersetzungen folgte, sprach am besten für ihren Erfolg. Chemnitz: Am 17. er. veranstaltete die hiesige Ortsgruppe einen Vortragsabend, der sehr stark besucht war. Herr Dr. Emil Levy-Berlin rührte die Zuschauer „im Fluge durch das heilige Land". Er gab ein anschauliches Bild von dem Zustande desselben und illustrierte seinen Vortrag durch eine große Anzahl zum Teil sehr gut gelungener Lichtbilder. Reicher Beifall lohnte den Redner, dessen Worte in einen feurigen Appell zur Förderung der zionistischen Arbeit ausklangen. Mehrere neue Mitglieder wurden gewonnen. Lübeck: Am 15. November hielt Herr Rechtsanwalt Dr. Landau in der zionistischen Ortsgruppe vor einem zahlreichen Auditorium einen Vortrag über „jüdische Kolonien in Palästina". Ein gemütliches Beisammensein beschloß den sehr anregenden Abend. Köln. Im hiesigen Herzl-Klub sprach Samstag den 21. d.M. Herr Hugo Kaufmann über Max Nordaus „Doktor Kohn". Der Referent verstand es durch eine äußerst fesselnde Schilderung .des Inhalts des packenden Dramas sowie durch Verlesung der markantesten Stellen sich die ungeteilte Aufmerksamkeit der zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste zu verschaffen. An den Vortrag schloß sich eine Diskussion, in welcher von zionistischer und nichtzionistischer Seite der gedankenvolle Inhalt des Nordauschen Dramas in anregender Weise erörtert wurde. Der äußerst gelungene Verlauf des Abends hat gezeigt, daß die Leitung des Herzl-Klubs in der Wahl der Vortragsthemen, die sich auch künftig möglichst auf das Literarische und Geschichtliche beschränken sollen, das Richtige getroffen hat Die Sammlung für den Nationalfonds ergab ein recht befriedigendes Erträgnis. Frankfurt a. M.: Ab 26. November finden jeden Donnerstag- Abend 9 Uhr im Cafe Bauer zwanglose Zusammenkünfte von Zionisten. statt. Österreich Zionistischer Distriktstag Böhmens Sonntag den 15. November d. J. fand im Schiedsgerichtssaale der Produktenbörse der ordentliche Distriktstag der zionistischen Organisationen Böhmens statt. Die Konferenz war äußerst gut besucht, es hatten sich 48 stimmberechtigte Delegierte nebst zahlreichen Gästen aus der Provinz eingefunden. In Vertretung des zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich nahm dessen Präsident Herr Dr. Isidor Margulies, Wien, welcher bei seinem Erscheinen lebhaft begrüßt wurde, an der Konferenz teil. Kurz nach 10 Uhr eröffnete Abgeordneter Dr. Mahler als A.-K.-Mitglied die Beratungen. - In das Präsidium wurden gewählt die Herren Ludwig Steiner (Teplitz) und Ludwig Markus (Kuttenberg). Als Schriftführer fungierten für Deutsch Herr phil. Kellner, für Tschechisch Herr Professor J. Wertheimer. Der Vorsitzende dankte für die Wahl, begrüßte die Anwesenden und gedachte sodann des 60jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers. Seine diesbezüglichen Ausführungen wurden von der Versammlung stehend angehört. Sodann wurden zu Verifikatoren die Herren Anton Glaser und Moritz Löwv bestimmt, worauf der Schriftführer des abtretenden D.-K., Herr Dr. Alfred Kral, den Geschäftsbericht erstattete. Wir entnehmen demselben besonders, daß neue Organisationen in Kaaden, Kladno, Trautenau und Gablonz entstanden sind. Die Gründang neuer Gruppen steht bevor in Königinhof, Reichenberg und Böhmisch-Leipa. Der Geschäftsbericht" hebt speziell die Tätigkeit des Herrn Dr. Emil Margulies (Trautenau) rühmend hervor, gedenkt weiter der 30semestrigen Gründungsfeier des Vereins jüdischer Hochschüler „Bar Kochba", der intensiven Agitationstätigkeit der studentischen Verbindung „Barissia", begrüßt das Inslebentreten der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in-Prag, des jüdischen politischen Vereins, des jüdischen Internats und kommt schließlich auf die im Juli in Brünn durchgeführte Neuorganisierung der drei westlichen Distrikte zu sprechen. Das abtretende D.-K hat 28 Sitzungen abgehalten und 373 Geschäftsstücke erledigt. Es folgte dann der Bericht des Kassiers, Herrn Moritz Löwy über die finanziellen Institutionen. Es wurden im Laufe des Jahres an das D.-K. direkt abgeführt an Schekel 1312 K., Schekelzuschlag 283 K., Parteisteuer .964 K., Parteifonds 3093 K., Nationalfonds 4611 K. Die an die Zentrale in Köln abgeführten Summen sind dem D.-K. nicht bekannt. Für Telegramme und N.-F.-Marken Wurden 520 K. eingenommen. Die in letzter Stunde eingelangten Schekelgelder konnten bei der Zusammenstellung des Berichts nicht mehr berücksichtigt werden. Die Berichte wurden nach einer längern Debatte, aus welcher insbesondere die Ausführungen des Delegierten Herrn Karl Resek hervorzuheben sind, - der eine intensivere Palästinaarbeit verlangte, angenommen und dem D.-K. das Absolutorium erteilt. Sodann trat die Mittagspause ein. Um. V23 Uhr wurde die Sitzung wieder aufgenommen. Delegierter Herr Dr. Alfred Engel erstattete ein Referat über die Reorganisierung der Arbeit für die nationalen Institutionen. Am Schlüsse seines Referats legte Dr. Engel die folgenden Anträge vor: 1. Im Arbeitsausschuß, dessen Mitgliederzahl höchstens 25 betragen solL sitzen Vertreter sämtlicher in Prag seßhafter zionistischer Organisationen. 2. Der jeweilige Obmann des Distriktskomitees und der Nationalfondskommissär gehören dem Ausschuß mit beratender und beschließender Stimme an. 3. Der Arbeitsausschuß wählt aus seiner Mitte einen Obmann und zwei Obmannstellvertreter, die die Kommission nach außen vertreten. 4. Die einzelnen Vereine werden angewiesen, dem steten Verkehr mit dem Propagandaausschuß ihre besondere Aufmerksamkeit zu schenken und an ihn alle Wünsche, Beschwerden, Anträge, die nationalen Institutionen betreffend, zu richten. 5. Die Kosten der Kommission werden aus der Landes- Agitationssteüer bestritten. Nach einer längern Debatte, an der sich eine ganze Reihe von Delegierten beteiligte, wurden die Anträge des Referenten angenommen und dem neuen Distriktskomitee zur Erledigung zugewiesen. Reichsratsabgeordneter Dozent Dr. Mahler erstattete, von lebhaftem Beifall begrüßt, hierauf ein Referat über die Lage des Zionismus in Österreich und die Aufgaben des D.-K. Hernach wurden die Wahlen in die Parteileitung vorgenommen. Es wurde der Ansicht Raum gegeben; daß Dozent Di. Mahl er als Mitglied des A.-K. eo ipso der Parteileitung ohne Wahl anzugehören habe, desgleichen die Mitglieder des Zentralkomitees der drei westlichen. Distrikte, die Herren Ernst Bechert (Teplitz), Dr. Emil Margulies (Trautenau) und Dr. Singer (Kolin). Ferner wurden die Herren Max Klein (Pisek), Dr. Löwenstein (Pilsen), Markus (Kuttenberg) und Dr. Hugo Rappaport (Trautenau) gewählt. Bezüglich der Herstellung von Agitationsbroschüren in tschechischer Sprache wurde über Antrag des Herrn Dr. Emil Margulies beschlossen, diese Frage dem D.-K. zu überweisen, welches in längstens drei Monaten im Einvernehmen mit dem Zentralkomitee in Wien ein positives Elaborat vorzulegen habe. Herr Dr. Goldberg er (Marienbad) gab einen Bericht über die Tätigkeit in diesem Kurorte.