Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 47 (27.11.1908)
- Date
- 1908-11-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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16 : DIEOTELT. Arbeit einzuschränken, die Sammlungen für den Parteifonds in ihrem Bezirke in kürzester Frist auf die Höhe zu bringen, die der Zahl ihrer Schekelzahler entspricht." Nur mit lebhaftem Bedauern muß die Tatsache konstatiert werden, daß unsere Gesinnungsgenossen bisher die eminente Notwendigkeit der Schaffung eines großen Parteifonds noch nicht überall eindringlich genug erfaßt zu haben scheinen. Der unten folgende, nach Ländern geordnete Ausweis sämtlicher bisherigen Eingänge zeigt, daß die Sammlungen in den meisten Ländern noch sehr viel zu wünschen übrig lassen. Der gegenwärtige Moment ist überreich an politischen, kulturellen und ökonomischen Möglichkeiten. Die Umwandlung der Dinge im Orient hat unsere Bestrebungen in den Mittelpunkt des allgemeinen öffentlichen Interesses gerückt und mit einem Schlage auch für die weitesten Kreise den Beweis erbracht, daß für Schaffung eines jüdischen Zentrums in Palästina Grundlagen von höchster Realität vorhanden sind. Wenn je, so ist jetzt die Aussicht einer fruchtbringenden Arbeit gegeben. Es hängt nur von unserem guten Willen ab, ob wir die vorhandenen Möglichkeiten ausnutzen wollen und können. Die notwendige, vielleicht die einzige Vorbedingung ist, daß der Leitung jetzt die Mittel an die Hand gegeben werden, die Umstände zu benutzen und die Pläne zu verwirklichen. Die Höhe der einmaligen Steuer, die von jedem Zionisten verlangt wird, ist so gering, daß jeder Zionist sie entrichten kann. Darum, wer ernstlich an der Zukunft des jüdischen Volkes mitarbeiten will, der entrichte die Parteisteuer! Die Tätigkeit der zionistischen Vereine und Gesinnungsgenossen muß jetzt unter den Zeichen der neuen Lage im Orient stehen. Sie muß getragen sein von dem aufrichtigen Bestreben, der Leitung unserer Bewegung die Möglichkeit zu verschaffen, der neuen Situation gerecht zuwerden. Sie muß sich ausdrücken in der Arbeit für die Schaffung des Parteifonds. Tabelle über äüe Eingänge für den Parteifpnds bis 24. November 1908 (einschließlich des in dieser Nummer veröffentlichten Ausweises) Deutschland............. JC 22 252.65 Rußland.............. „ 11 695.19 Vereinigte Staaten von Nordamerika . . „ 8 084125, (Böhmen.....c^4020.971 Osterreich <Gaüzien . . . ." . „ 2265.33 . „ 8 064.59 (.übrige österr. Länder „ 1 778.29J Südafrika....... . <......„ 7 225.40 Rumänien........'......„ 5 285.20 England.............. „ 5 030.35 Belgien.............. „ 3 131.85 Kanada.......;.......„ 2 122.50 Holland..............„ 1825.60 Schweiz.............. „1 012.68 Ungarn...............„ 805.10 Kroatien, Slavonien, Bosnien ..... „ 534.25 Serbien ..............„ 396.82 Bulgarien..............„ 390.80 Argentinien.............„ ' 344.15 Frankreich.............. 265.25 Italien..............., . 205.60 Palästina...............„ 177.80 China.............. . „ 102.— Australien .............„ 102.— Dänemark............. „ 66.30 Verschiedene Länder.........' „ 52.38 . J6 79 172.71 ooooooojl AUS DER BEWEGUNG Deutschland Hamburg: Am 9. November hielt Herr Pastor Eberhard in unserer Ortsgruppe einen Vortrag über das Thema: „Volksleben in Palästina." Ein zahlreiches Auditorium füllte den großen Saal des „Logenheims" bis zum letzten Platz. Der Vorsitzende, Dr.Kalmus, eröffnete die Versammlung mil folgender Erklärung: „Wir bewußten Juden müssen den uns allerdings aus edlen Motiven gewährten Schutz des .Verein zur Abwehr des Antisemitismus' ablehnen, wenn von uns als Preis dafür, wie die Ausführungen des Professors Hünther-München zeigen, die Assimilation gefordert wird. Angesichts der ungerechten Angriffe, die jetzt zum erstenmale von christlicher Seite gegen den Zionismus aus mißverständlicher Auffassung gerichtet werden, ist es für uns von besonderem Interesse, das Urteil eines objektiv denkenden christlichen Mannes zu hören, der Palästina und den Zionismus aus fachmännischer Erfahrung kennt." Hierauf ergriff Herr Pastor Eberhard das Wort, um etwa folgendes auszuführen: Das heilige Land hat trotz seines geringen Umfanges nichts von der Anziehungskraft eingebüßt, die diese historische Stätte seit dem frühesten Mittelalter zum Zielpunkt zahlreicher Pilgerscharen gemacht hat. Diese Palästinasehnsucht , hat, nach ihrer jeweiligen Stärke, einen literarischen Niederschlag erzeugt. Früher gab es eine mehr oberflächliche Reiseliteratur; erst in den letzten Jahrzehnten hat die Palästinaliteratur das Gepräge wissenschaftlich vertiefter Kenntnis erhalten. Die moderne Popularisierungstendenz und die Entwicklung eines erleichterten Verkehrs nach Palästina haben diese Kenntnis in weite Kreise getragen. Aber dieses literarische Wissen bleibt nur ein Surrogat für die wirkliche Anschauung. „Hinauf nach Jerusalem" muß es für alle heißen, die ein Herz für Palästina haben. Von den palästinensischen Ansiedlungen, die uns interessieren, kann die mohammedanische, d.h.dietscherkessische, als bedeutungslos erscheinen. Die Kolonisation der Deutschen, der Templer, war bisher im wesentlichen städtisch; sie beginnen sich jetzt auch mehr der Landwirtschaft zuzuwenden. Ihre Lage ist günstig. Das Gerücht von einer Abwanderung nach Deutsch-Ostafrika ist übertrieben, es trifft nur auf einzelne zu. Das Land befindet sich in einem allgemeinen Aufschwung. Je mehr fleißige und intelligente Ansiedler nach Palästina kommen, desto günstiger gestaltet sich die allgemeine wirtschaftliche Lage, und darum besteht für die deutschen Kolonisten kein Grund, in dem starken Zuzug von jüdischen Kolonistea nach Palästina für sich eine Gefahr zu erblicken. Deutsche und jüdische Kolonisation sind durch Interessengemeinschaftverknüpft. Die jüdischen Kolonien haben die Bedeutung eines Kulturfaktors erlangt. Sie haben die Kinderkrankheiten aller Kolonisationen durchgemacht, aber jetzt, wo an die Stelle eines verfehlten Wohltätigkeitssystems zielbewußte •Arbeit getreten ist,stehen wir vor schönen Resultaten. Ein weniger erfreuliches Bild gewähren uns die städtischen Juden. Tiefe Schatten lagern über der Judenheit von Jerusalem. Die verderbliche In- . stitution der Chalukah hat ein erbärmliches Geschlecht groß gezogen; systematisch der Arbeitsscheu und Trägheit in die Arme getrieben, bleibt es im größten sozialen und geistigen Elend stecken. Zudem bildet die Chalukah auch eine materielle Waffe in der Hand zelotischer Rabbinen, um alle diejenigen von Almosenverteilung auszuschließen, die ihnen der Teilnahme an modernen Einrichtungen, z. B. neueren Schulen, verdächtig scheinen, mögen diese in religiöser Hinsicht noch so unbedenklich sein. Pflicht aller denkenden, und ehrlichen Juden ist es, diesen schmachvollen Zuständen ein Ende zu machen. Die großen Summen der Chalukah dürfen nicht sinn- . los vergeudet werden, sondern müssen gemäß ihrem ursprünglichen k.