Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 47 (27.11.1908)
- Date
- 1908-11-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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^^^^^^^^^^^^^^¥^■^^1 *- ^ST,~ Sf" O^oÄ^-'"*: '■*~"t ^Si'-s Nd. 47 — DfE^A^ELT^ 15 ■m 'Über die: Juden Haifas ist noch: nicht viel Erfreuliches zu berichten. Während sich draußen auf dem Lande ein heuer, blähender jüdischer Menschenschlag entwickelt — nähren sich doch bereits gegen 8000 Juden in Palästina von der Landwirtschaft —, und während sich auch in einzelnen Städten, wie in Jaffa und in -der Peripherie Jerusalems/eine Regeneration des jüdischen Elements zu. vollziehen beginnt, stehen 'die Juden Haifas bislang "noch auf einem niedrigen wirtschaftlichen und kulturellen Niveau. / 1858 fand ein Reisender 100 jüdische Seelen am Orte. Es waren durchaus keine Faulenzer, aber sie waren auf Handel angewiesen und ernährten sich kümmerlich. Schulen besaßen' sie nicht. Noch 1892 gab es dort nur 450 Juden, kurz darauf'erfolgte 'aber ein größerer Zuzug, so daß 1894 2200 gezählt wurden. Seitdem scheint ihre Zahl sogar abgenommen zu haben (1600?). : Die Hauptniederlassung der Juden befindet sich im Südosten der Stadt Die folgenden.Angaben (von Moise Berkoff veröffentlicht) illustrieren am. besten den Tiefstand der Haifaer Judenheit. Die meisten Juden, Aschkenasirri und Sephardim, leben vom Kleinhandel mit Manufaktur-,- Kolonial- und Kurzwaren. Wenn "man;von zwei sephardischen Firmen absieht, so befindet sich der ganze Getreidehandel, der den Haupthahdelszweig Haifas bildet, in den Händen der Christen. Es gibt nur wenige jüdische Handwerker, und diese sind arm: Schuster, Schmiede, Matratzenmacher oder gar Schuhflicker, die in den Straßen den Arabern die Schuhe reparieren," womit sie täglich V2—i -Frank verdienen! Daß ein Jude ein Grundstück erwirbt, ist selten. Um den Armen Arzt und Arznei zu verschärfen, ist eine Institution für Krankenpflege vor- . handen, die von Bäron Rothschild subventioniert wird. Erfreulich aber ist, daß in" Haifa — was sonst in keiner Stadt der Fall ist — Aschkenasimund Sephardim nur eine Gemeinde bilden, und daß die Rabbiner beider Abstammung hier einträchtig zusammenarbeiten. Die^Sephardim befinden sich' in der :Mehrzahl (1600:300). Ich kann-bestätigen, daß ein Gang durch das Judenviertel keinen erfreulichen Eindruck macht Natürlichgibt es auch vereinzelte reiche Juden. Immerhin finden sich auch hier Spuren einer neuen Zeit. Die jüdische Gesellschaft Athid, die bekanntlich bei Lydda eineölfabrik besitzt, hat-hier im Osten Haifas unter der Leitung des Ingenieurs Wilbüsehewitz ebenfalls Fabriken errichtet. Gehen wir ostwärts am Strande entlang, so führt der Weg durch die Dünen an einem malerisch gelegenen Palmenhain vorbei, hinter dem die jüdischen Fabriken stehen, von jüdischen Arbeitern erbaut und betrieben; wir finden eine mechanische Ölpresse, eine Fabrik für chemische Ölextraktion und eine Seifenfabrik. (Schluß folgt) E. M. LILIEN: BILEAM aus „Die Bücher der Bibel" DER PARTEIFONDS Der Parteifonds der Zionistischen Organisation wurde auf dem VIII Kongreß geschaffen. Der Kongreß faßte einstimmig folgenden Beschluß: - „In der Erwägung, daß ein Parteifonds für die zionistische Organisation eine Notwendigkeit ist, beschließt der Kongreß fzum Zwecke der Bildung eines solchen Fonds, daß jeder Zionist für das Jahr 5668/08) eine Parteisteuer .von mindestens 5 Francs entrichten soll. \ Den Vereinslandesorganisationen wird es zur Pflicht gemacht, ■ mit der Einziehung dieser Partei Steuer sofort zu beginnen und sie an das Aktionskomitee abzuführen." In der Sitzung des Großen Aktionskomitees vom 7. und 8. Januar wurde dieser Beschluß noch einmal bestätigt. Mit Rücksicht auf die durch die politische Läge sowie die Notwendigkeit der Einleitung einer intensiven. Palästinaarbeit erforderlichen großen Mittel machte das Große Aktionskomitee die Arbeit für den Parteifönds zur dringlichsten Aufgabe aller zionistischen Institutionen, indem es einstimmig beschloß: „die Landsmannschaften und einzelnen Mitglieder des Aktionskomitees zu verpflichten, ihre Arbeit in erster Linie der Sammlung für den Parteifonds zu widmen." - Die Frage des Parteifonds wurde sehr eingehend, auch'auf der Jahreskonferenz am 11. August 1908 in Köln verhandelt. Die neugeschaffene politische Lage, die großen " Aufgaben in Palästina, die eine sofortige Lösung; erfordern, ließen die Notwendigkeit, der Bewegungsofort große materielle Hilfskräfte zur Verfügung zu stellen, in immer dringlicherem Lichte erscheinen. Aus diesen Erwägungen heraus faßte dfe Jähreskonferenz einstimmig folgenden Beschluß: '. „Sämtliche Landesorganisationen und Förderatrohen sind verpflichtet, ohne die andere zionistische