Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 47 (27.11.1908)
- Date
- 1908-11-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 2× ep/1047930
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In anderer Hinsicht fielen uns einige Zeichnungen auf. in denen der Künstler offenbar zu dem Ursprung seiner künstlerischen Entwicklung zurückkehrt. Das sind die zarten Gestalten, Männer und Frauen, gewöhnlich ein Paar auf einem Bilde, in zarten Wellenlinien entworfen, Gestalten, die uns lebhaft an Fidus und seinen Kreis erinnern. Die ersten Zeichnungen der „Jugendu tauchen wieder vor uns auf, in denen Lilien sich zum erste Male enthüllte. Neu andererseits sind seine Initialen. Auf diesem Gebiete war uns Lilien bisher nicht bekannt. Wenn diese Zeichnungen seine ersten Leistungen dieser Art darstellen, können wir dem Künstler zu der vollendeten Meisterschaft, mit der er dieses arg abgegraste Feld beherrscht, unsern Glückwunsch aussprechen. Wir haben nicht Vieles der Art gesehen, das besser gewesen wäre. Es soll nicht Aufgabe dieses kurzen Aufsatzes sein, sich mit dem Buche insgesamt zu beschäftigen. Wir wollten nur einige Eindrücke kurz skizzieren, die das. Studium der. wenigen uns zur Verfügung stehenden Blätter in uns hervorrief. Es kann uns nicht obliegen, uns mit dem Texte zu beschäftigen. Die Übersetzung weicht von der üblichen bedeutend ab; sie ist, wie im Vorworte nachdrücklich betont wird, auf der wissenschaftlichen Übersetzung von D. Ed. Reuß aufgebaut. Uns mutete sie fremd an, das Warme, Innige, auch das Erhabene der uns vertrauten Übertragung schien uns zu fehlen. Aber das soll kein Urteil sein; das soll vielmehr einer spätem umfassenden Besprechung vorbehalten bleiben. Vom illustrativen Gesichtspunkte aus scheint uns jedenfalls in dieser Bibelausgabe, soweit wir nach dem bisher vorliegenden Material urteilen können, das vom Verlage erstrebte Ziel, eine „klassische Bibelausgabe" zu schaffen, erreicht. Julius Berger (Aus technischen Gründen war es dem Verlage leider nicht möglich, uns die Klischees derjenigen Zeichnungen zur Verfügung zu stellen, auf die im vorliegenden Aufsatz Bezug genommen ist.) HAIFA UND DER KARMEL Von Dr. Aron Sandler, Breslau In einer flachen Bogenlinie steigt die Küste Palästinas von El Arisch her nach Norden auf, in einer Linie von größter Regelmäßigkeit, die nirgends von Krümmungen, Spitzen oder Einsenkungen unterbrochen ist. Dort aber, wo diese ungestört dahinziehende Linie den 35. Meridian schneidet, drängt plötzlich mit überraschender Kühnheit von Südosten her ein Höhenzug in spitzem Winkel gegen die. Linie an und schneidet sie plötzlich ab. Der Zusammenstoß der Küstenlinie mit dem Ausläufer des Karmelgebirges gibt der Karte Palästinas eine durchaus charakteristische Gestalt Denn hier zieht sich die Küstenlinie nördlich hinter den Karmel zurück, um von' nun an in viel unregelmäßigerem Laufe . fortgesetzt nach Norden aufzustreben, aber nicht mehr als ein breites Dünenland, sondern fast überall in enger Berührung mit den nahe an das Meer heranrückenden Gebirgen, dem Libanon und den Strandgebirgen Syriens. An jenem Punkte also, wo der ruhige Lauf der Küstenlinie durch den Vorstoß des jäh abstürzenden Karmelgebirges unterbrochen ist, hat sich eine gebirgige Landspitze und hinter ihr eine kleine Meeresbucht gebildet die von der Natur berufen zu sein scheint, ein wichtiger Punkt für die Mittelmeerschiffahrt zu werden. Das scharfe Hervortreten der gebirgigen Spitze scheint die ostwärts fahrenden Mittelmeerschiffe in den dahinter gelegenen Ruheplatz zu - laden, auf daß sie ihre Schätze mit dem größten, reichen Hinterlande des Hafens austauschen. Am Südrande dieses kleinen Meerbusens von Akka liegt die aufblühende Hafenstadt Haifa. Die Bucht stellt eine Art natürlichen Hafen dar, der durch den vorstrebenden Ausläufer des Karmel gegen Süd- und Südwestwinde geschützt ist. Sie fordert zum Vergleich mit einem weit größern und bedeutendem natürlichen Hafen des Orients, dem von Smyrna, heraus, in dem die Schiffe vor den Stürmen des" ägäischen Meeres geborgen sind; auch dieser Hafen ist durch äußerst günstige, natürliche Landzungenbildungen der gebirgigen Küste entstanden. Ein unbefangener Blick auf die Karte Palästinas lehrt sofort die Bedeutung erkennen, die dem Hafen von Haifa zukommen könnte, wenn er sich in gutem Zustande befände. Heute allerdings wird er von Beirut und Jaffa an Bedeutung wesentlich übertroffen. Haifa ist einer jener Punkte Palästinas, an denen die Erinnerung besonders liebevoll haften bleibt. Man mag noch kurz vorher das blendende Schauspiel genossen haben, das der Rundblick von der Zitadelle von Kairo aus bietet, man mag vorher die Wunder Kon-