Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 46 (20.11.1908)
- Date
- 1908-11-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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sein. Der Kongreß soll ebenso Fragen der Propaganda, die Errichtung von Sprachkursen, Abhaltung von Vorlesungen über allgemeine Wissensgebiete in hebräischer Sprache behandeln wie die Begründung von Fachkommissionen für die Erweiterung der neuhebräischen Sprache, Begründung eines Verbandes hebräischer Schriftsteller, Kommissionen für die Herausgabe einer Enzyklopädie, sowie für die Herausgabe von Lehrbüchern, Wörterbüchern usw. Ferner soll eine ständige pädagogische Kommission, die sich mit allen Fragen der Erziehung zu befassen hat, gewählt werden.". Die bestehenden hebräischen Verlagsanstalten sollen unterstützt, und neue sollen, soweit als notwendig, begründet werden. Es sollen sodann Mittel gesucht werden, um das Hebräische als Umgangssprache in möglichst weiten jüdischen Kreisen einzuführen. Auf dem Kongreß soll gleichzeitig der Grundstein gelegt werden für einen Kulturfonds, der die. materielle Unterlage der Organisationsarbeiten bilden und die Mittel liefern wird für die Herausgabe von Zeitschriften usw. in hebräischer Sprache. An die Spitze dieser Einzelkommissionen soll ein Zentralkomitee gesetzt werden, das die Gesamtarbeiten der Organisation zu beaufsichtigen und zu leiten hat. Diessind die allgemeinen Umrisse des Programms, auf Grund dessen der Kongreß bereits in allernächster Zeit einberufen werden soll. Dem vorbereitenden Komitee ist schon jetzt von bedeutenden Persönlichkeiten wie von bestehenden Institutionen die volle Zustimmung und die Versicherung tatkräftiger Anteilnahme an dem Zustandekommen des Kongresses ausgedrückt worden. Demnächst wird ein Aufruf erscheinen, der von allen diesen Institutionen mit-, unterschrieben sein/ und nähere Angaben über das Programm sowie über den Ort und die Zeit des Kongresses enthalten wird. Das vorbereitende Komitee (Adresse: Joseph Lin, für Kulturkongreß-Komitee, Berlin N. 24, Oranienburger Straße 58) rechnet auf die Unterstützung aller jüdisch gesinnten Kreise, die für eine großzügige Arbeit auf dem Gebiete des neuhebräischen Schaffens wirkliches Interesse haben. Frauenbund für Kulturarbeit in Palästina Am 10. November fand in Berlin die erste Versammlung des anläßlich des Achten Zionistenkongresses im Haag gegründeten Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina statt. Den Geschäftsbericht erstattete die Vorsitzende Frau Professor Warburg. Der Verband, dem jüdische Frauen aller Kreise und verschiedener Richtungen angehören, umfaßt gegenwärtig etwa 500 Mitglieder, hat in Berlin, Hamburg, Köln, Breslau, Königsberg i. Pr. sowie im Haag besondere Ortsgruppen begründet und findet bei den jüdischen Frauen und Mädchen überall große Sympathien. Er unterstützt §egenwärtig das jüdische Krankenhaus in Jaffa und hat die chwester Fräulein Tempelmann als dessen Leiterin eingesetzt; er verfügt zurzeit über einen Barbestand von 2500 Mark. Die Versammlung beschloß eine straffe Zentralisation der Verbandsleitung in Berlin und die Einleitung, einer großzügigen Propaganda. Zuschriften für den Verband sind zu richten an die Schriftführerin Fräulein stud. med. Resa Hirsch, Berlin NW., Flensburger Straße 12, Geldsendungen an das Bankhaus A. H. Heymann & Co., Berlin NW. 7. Unter den Linden 59. Der marokkanische Großwesir und die Alliance Israelite Universelle Der Präsident des Zentralkomitees der Alliance Israelite Universelle, Herr Narcisse Leven, hatte am 16. Oktober durch Vermittlung des Herrn Josue Corcus, dem Vorsitzenden der Israelitischen Gemeinde* von Marrakesch, des angesehensten Israeliten, im Süden Marokkos, einen Brief an den Großwesir des Sultans Mulay Hafid gerichtet, um die Unterstützung dieses Würdenträgers bei der neuerlichen Eröffnung der Alljanceschulen in 'Marrakesch zu erlangen, die infolge der jüngsten Wirren hatten geschlossen werden müssen, und um ferner <iie Abschaffung von vexatorischen Verfügungen zu erreichen, die neuerdings gegen die israelitische Bevölkerung in Gehung gesetzt worden waren. Darauf ist an den Präsidenten Leven vom Großwesir nachstehende Antwort gelangt:' Marrakesch, 26. Oktober 1908. Si Madani Elmezuar El Glaui, Großwesir Seiner Scherifischen Majestät Mulay Hafid. Sultans von Marokko, an Herrn Marcisse Leven, Präsidenten der Alliance Israelite Universelle in Paris. Ich habe die Ehre, den Empfang Ihres Schreibens vom 16. d. M. zu bestätigen, das Sie mir durch Vermittlung unseres treuen Freundes, Herrn Josue Corcas geschickt haben. Ich habe von allem Kenntnis genommen, was Sie mir geschrieben haben, und mache mir ^ein großes Vergnügen daraus, Ihnen zu sagen, daß ich durchaus nicht der Fanatiker bin, als den die europäische Presse mich hinstellt Ich bin im Gegenteil dafür, tatsächliche und gesetzliche Gleichberechtigung allen Wohlgesinnten zu gewähren, ohne Rücksicht auf Rasse und Bekenntnis. Sie haben ohne Zweifel mittlerweile erfahren, daß ich sofort nach meiner Rückkehr hierher alle notwendigen Maßnahmen getroffen habe, um die vexatorischen Verfügungen zu beseitigen, die in jüngster Zeit gegen die Israeliten verhängt worden waren. Das ist mir auch, Gott sei Dank, vollständig gelungen. Die Israeliten leben in vollkommener Ruhe und sind in der Medina (Araberviertel) ebenso sicher und wohlgelitten wie im eignen Mellah. Es ist ihnen nicht ferner verwehrt, im Araberviertel wie im Mellah ihre Babuschen (Schlappschuhe) zu tragen und zu Pferde zu steigen. Kurz, alles, was ihnen vordem verboten war, dürfen sie heute in voller Freiheit tun. Wir hoffen, daß säe immer zufrieden sein werden, und bitten den allmächtigen Gott, daß er uns helfe zum Besten aller. Was die Wiedereröffnung Ihrer Schulen hier betrifft, so dürfen Sie sicher sein, daß ich den Lehrern, die Sie schicken werden, alle Unterstützung gewähren werde, um die Wiedereröffnung zu erleichtern. Die Lehrer, die Sie schicken werden, sollen willkommen sein. Ich muß Ihnen auch sagen, daß ich über das Vorhandensein Ihrer Schulen in unserm Reich sehr glücklich bin und daß ich den, den israelitischen Kindern erteilten Unterricht immer bewundert habe. Es ist mir bekannt, daß Ihre Schulen einzig die intellektuelle und sittliche Hebung aller Ihrer Zöglinge zum Zweck haben und große Achtung vor allen Religionen lehren. Herr Corcos wird Ihnen sagen, daß ich sofort nach Kenntnisnahme von Ihrem Schreiben die beiden Stadtpaschas und den Pascha aus der Umgegend von Marrakesch ^— wo es viele Israeliten gibt — habe kommen lassen, um ihnen in Gegenwart des Herrn Corcos eindringlich zu empfehlen, sie sollten tun, was irgend in ihrer Macht steht, daß die Juden nicht ferner mißhandelt würden und daß nichts zu ihrem Nachteil geschehe. Auch habe ich den Paschas die Schulen, ihre Lehrer und ihre Zöglinge, empfohlen. Zum Schluß wiederhole ich: Ich bin ein Freund der Wahrheit und ein Freund der Gleichberechtigung aller. Wir sind voller Ergebenheit für alle Europäer, ganz besonders für unsere lieben Nachbarn, die Franzosen. Ich muß Ihnen noch sagen, daß Seine Majestät unser erhabener Sultan Abdul Hafid voll gütiger Gesinnung ist für alle Welt, daß er das Wohl aller von Herzen wünscht, und daß alles, was die Zeitungen in anderer Richtung, über ihn erzählt haben, von Grund aus falsch ist. Genehmigen Sie, hochverehrter Herr Präsident, die Versicherung meiner Hochachtung. Si Madani Elmezuar El Glaui, Großwesir Das jüdische Theater in Amerika Die Feiertage haben die Zahl der Theaterbesucher wieder vermehrt und dem ganzen Theaterleben auf den jüdischen Bühnen Amerikas einen neuen Aufschwung gegeben. Auch Leute, die während des ganzen Jahres sich von solchen Vergnügungen fern halten, besuchen doch das Theater am Sukkoth, und daher bilden die-Jomtowstücke eine Klasse für sich. Sie sollen vor allem dem Unterhaltungsbedürfnis dienen, und wenn sie auch ihre besonderen guten Eigenschaften haben, kann man doch nicht behaupten, daß sie in künstlerischer Beziehung während der- Feiertage gewinnen, während anderseits die Eigentümer allerdings gute Geschäfte machen. Gewöhnlich werden während der „Feiertagsaison" die neuen Stücke der Saison herausgebracht. Dieses Jahr war eines der erfolgreichsten neuen Stücke das Melodrama „Das jüdische Herz" von Joseph Latimer, dem Verfasser von etwa hundert der meistgespielten Melodramen und Operetten der jüdischen Bühne Amerikas. Sein neustes „Werk" behandelt in bekannter sentimentaler Manier die bekannte Geschichte von dem verlorenen Sohn, der von seiner Mutter unter Tränen und Entbehrungen ein Lebenlang gesucht wird, und den endlich das„ Jüdische Herz" wieder auf den Weg der Pflicht und in die Arme der Mutter treibt. Auch aus der Feder Jacob Gordins erschien ein neues Stück „Mirele Ephrez", . das in einer Wohltätigkeitsvorstellung zuerst gegeben wurde. Agitationsreise Dr. Lewins für das Technikum in Haifa Dr. Schmarjahu Lewin hat sich nach Amerika eingeschifft. Er beabsichtigt, dort eine Vortragsreise im Interesse des geplanten Jüdischen Technikums in Haifa zu unternehmen.