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Die Welt · 1908-11-20 · 46 (20.11.1908) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
46 (20.11.1908)
Date
1908-11-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Dem Vortrag folgte eine lebhafte Debatte, in der besonders.. Herr Sokolow vor einer Oberschätzung dieser Bestrebungen warnte. Er hält diese Versuche für prinzipienlose philanthropische Spielereien, die auf keiner ideellen Grundlage aufgebaut seien und die wahre und endgültige Lösung absichtlich außer Betracht ließen. Es sei ein schlechtes Kompromiß, das alle Fehler eines Kompromisses habe ohne seine Vorzüge. In seinem Schlußworte warnte der Referent davor, diese Bestrebungeu zu unterschätzen, ebenso wie er sich gegen eine Überschätzung wandte. Die Zionisten härten immerhin allen Grund, mit der neuen Richtung, die eine tatsächliche Hinneigung zu den zionistischen Ideen darstelle, zufrieden zu sein. Der Vortrag war sehr gut besucht, es meldeten sich mehrere neue Mitglieder an. München: Mit dem jüngsten Vereinsabend hat die hiesige Ortsgruppe ihre Wintertätigkeit aufgenommen; die erste Veranstaltung hatte sich eines guten Besuches zu erfreuen. Das Referat für den Abend hatte der 1. Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. Elias Straus übernommen und hierzu als Thema: „Dieneueren Vorgänge im Zionismus" gewählt. Der Redner würdigte in eingehender Weise die politische, wirtschaftliche und kulturelle Seite des Zionismus, hierbei auch auf die jüngste politische Umwälzung in der Türkei hinweisend, welche er als günstig für die Entwicklung unserer Sache betrachtet. Die Ausführungen wurden in so klarer und lichtvoller Weise gemacht, daß auch diejenigen, welche unserer Bewegung nicht_immer die nötige Aufmerksamkeit widmen können, einen richtigen Oberblick gewinnen konnten. Mit einem warmen Appell im "Interesse der verschiedenen Institutionen schloß der Redner seinen Vortrag, der sich eines recht großen Beifalls erfreute. Auch in der sich anreihenden Diskussion kam der Wunsch um größere Unterstützung der wirtschaftlichen Instrumente des Zionismus zum Ausdruck. Frankfurt a. ML: Die hiesige zionistische Ortsgruppe — Referent Herr Martin Levigard von hier — beschäftigte sich in ihrer heutigen, stark besuchten öffentlichen Versammlung mit dem Thema: „Aktuelle Fragen aus dem jüdischen Gemeindeleben." In früheren Jahren hatte die Ortsgruppe bei den Wahlen in den Kultusvorstand eifrig mitgearbeitet, heute galt es, den prinzipiellen Standpunkt klarzulegen. Nicht denen gilt eigentlich unser Kampf, meinte der Referent, welche die Indifferenten im Judentum aufrütteln wollen, wenn wir auch mit ihren Mitteln nicht immer einverstanden sind, sondern denjenigen innern Feinden, welche unter dem Namen einer Reform des Judentums demselben mehr schaden als etwa der Antisemitismus mit. seinen Angriffen von außen. Allerdings habe man bei Gründung der liberalen Vereinigung im Mai d. J. in Berlin gehört, daß man nicht einreißen, sondern aufbauen wolle, daß man an der schriftlichen und mündlichen Lehre unverbrüchlich festhalten wolle. Derselbe Herr aber, der diese Worte in Berlin sprach, der Frankfurter Gemeinderabbiner Dr. Seligmann, habe aber ganz kurz darauf in einer Versammlung des liberalen Vereins seiner eignen Gemeinde ganz anders gesprochen. Dort plädierte er dafür, daß man z. B. das Verbot des Tragens am Sabbat in der Schule nicht mehr lehren solle, da sonst die Kinder im Widerspruch mit den Eltern erzogen würden. Mit Rücksicht auf die Speisegesetze nannte er das Judentum eine „Küchenreligion" u. dergl. mehr. Den Worten darf man also nicht-zu sehr trauen. Die Folgen dieses Verhaltens zeigten sich dann auch schon bei manchen Angelegenheiten. Die Bauarbeiten an der neuen Gemeindesynagoge und am Neubau der Realschule der Gemeinde (Philanthropin) sollten nach Beschluß des Gemeindevorstandes auch am Sabbat nicht ruhen. Erst auf heftige Proteste hin, insbesondere auf einen solchen der zionistischen Ortsgruppe, hat der Vorstand bezüglich der Synagoge Konzessionen gemacht. Die Schule aber, die doch mit Mitteln aller Gemeindeangehörigen unterhalten wird, wurde weiter am Sabbat gebaut. Entrüstung hat es auch hervorgerufen, daß der Schulrat dieser Schule, also eine Gemeindebehörde, zur Einweihung dieses Neubaues ein nicht rituelles Festessen gab und hierzu noch Konservative einlud. Bei dem Einweihungsakt selbst erklärte der Vorsitzende des Schulrats offen, aus dieser Schule müsse das alte vermoderte Judentum entfernt werden. Demgegenüber müßten sich nun alle Elemente, denen es ernst um das Judentum zu tun sei, zusammenschließen. Im Zionismus, auf dem Boden des nationalen und historischen Judentums, könnten Konservative und Liberale zusammen arbeiten sowohl in einer planmäßigen sozialen Tätigkeit als auch in der ideellen Tätigkeit der Stärkung des jüdischen Selbstbewußtseins. Der starke Beifall, der dem Redner wurde, bezeugte, daß er den richtigen Ton getroffen hatte. Zu einer Diskussion zeigten die Gegner keine Lust Posen: Am 14. November 1908 fand die IL Mitgliederversammlung der hiesigen Ortsgruppe bei einer Beteiligung von etwa fünfzig Mitgliedern statt Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Kollenscher, des so jäh dahingeschiedenen Mitgliedes S. J. Brandt der ein eifriger Anhänger unserer Bewegung von Beginn an war. Die Anwesenden ehrten sein Andenken durch Erheben von den Sitzen. Herr Moritz Neumark gab eine kurze Presseübersicht über die Ereignisse der letzten vierzehn Tage, und Herr Rechtsanwalt Dr. Kollenscher berichtete über die Sitzung des Zentralkomitees. Zum Schlüsse brachte Herr Auerbach ein sehr eingehendes Referat über die gegenwärtigen Arbeiten im heiligen Lande und eine besonders interessierende Erntestatistik der jüdischen Kolonien. Dieses Palästinareferat ist als ein ständiger Bestandteil der Ortsgruppenveranstaltungen aufgenommen und wird von Herrn Auerbach in jeder Sitzung erstattet werden. Nach Schluß einer sehr lebhaften Diskussion, an der sich besonders die Herren Rosenthal, Scherek, Gutmarin, Mamlok und Lesser beteiligten, teilte letzterer mit, daß eine Anzahl jüngerer Ortsgruppenmitglieder sich zu einer Jungmannschaft zusammengetan haben, die an allen freien Sonnabenden Sitzungen abhalten wollen, um sich der Propaganda und der Nationalfondsarbeit zu widmen. Um 11 '/> Uhr wurde die Versammlung geschlossen. Wiesbaden: Am 7. d. M. hielt die neugegründete zionistische Ortsgruppe Wiesbaden ihre erste Versammlung ab. Herr Dr. Mayer referierte in einem sehr ausführlichen, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referat über: „Der Zionismus und seine Gegner." An der sich anschließenden mitunter sehr stürmischen Debatte beteiligten sich die Herren Glimmer, Wreschner, Wald und Stern. Nach einem Schlußwort des Herrn' Dr. Mayer schritt man zur Beratung der Statuten. Die vom Vorstande verfaßten Statuten wurden von der Versammlung einstimmig angenommen. Für den Nationalfonds wurde gesammelt. Der Vorstand unserer Ortsgruppe besteht nunmehr aus den Herren Dr. Mayer (I. Vorsitzender); Bertram Stern (II. Vorsitzender und I. Schriftführer); Ludwig Lewin IL Schriftführer); Frl. Karpin (Kassierer) und Diplom-Ingenieur Kirschen (Beisitzer). Österreich Kolin: Der Jüdische Volksverein „Zion" hielt am 7. d. M. seine ordentliche Generalversammlung ab. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: Obmann Herr J. U. Dr. Ludwig Singer, Advokat; der weitere Vorstand: die Herren Emanuel Gelber, Heinrich Beutler, Gustav Weinberger,-Adolf Goldschmidt, Max Saudek, Ado'f Heller, Eduard Fischer, Wilhelm Neuschul; Ersatzmänner: Leopold Rudolf, Leopold Reichner. Durch einstimmigen Beschluß wurde der Zuckerfabrik- und Großgrundbesitzer Herr Bernard Mandelik aus Radbor bei Kolin zum Ehrenmitglied ernannt. Der Verein entwickelt eine lebhafte Tätigkeit, trotz der vielen Anfeindungen der czechischen Assimilationsjuden. Der Erfolg des Vereins wäre gewiß ein noch viel größerer, wenn der Verein noch mehr durch Agitation in czechischer Sprache (durch eine größere Zahl czechischer Redner und namentlich durch czechische Broschüren) wirken könnte. Wien: Die akademische Verbindung „Kadimah" hat um einem Bedürfnisse Rechnung zu tragen, auf ihrer Bude einen Kursus für hebräische Sprache eröffnet, den Herr ehem. Finkelstein leitet Hochschüler, die an dem Unterrichte teilnehmen wollen, sind hiermit freundlichst eingeladen, sich Montag, Mittwoch oder Freitag um 8 Uhr abends auf der Bude, Porzellangasse 36, einzufinden. Die Chargenwahl für das laufende (LH.) Wintersemester hat folgendes Resultat ergeben: techn. Arnold Löwenstein X, techn. Eugen Buchbinder XX, J. U. C. Itcu Landau XXX. Sereth: Der hiesige jüdisch-nationale Frauen- und Mädchenverein „Ruth", welcher seit einem Jahre existiert und in dieser Zeit bereits Bedeutendes für die Ausbildung seiner Mitglieder auf jüdischem Gebiet geleistet hatte, veranstaltete Samstag den 14. d. M. seine Gründungsfeier, verbunden mit einem Tanzkränzchen. Die Veranstaltung erfreute sich eines zahlreichen Besuchs. Die Begrüßungsrede hielt die Präsidentin Gg. FrL Klara Lakner. Hierauf trug Frau Frania Rosenkranz die Ballade „Munysch" von Perez vor. Die Festrede hielt Dr. M. Schapira aus Czernowitz. Unter anderen betonte er, daß in den Händen der jüdischen Frau die Erziehung unsrer zukünftigen Mitkämpfer liege, daß ihr die hehre Aufgabe obliege, den Kindern sehon in ihrer zarten Jugend den Keim zur Liebe unsers Volkes einzupflanzen. Nach einer Gedichtrezitation des FrL Weintraub und einer Ansprache des Herrn Taubes schloß der offizielle Teil der gelungenen Feier.

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