Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 45 (13.11.1908)
- Date
- 1908-11-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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alles dran zu setzen, um die Leitung der Bewegung durch Stärkung der finanziellen Mittel instand zu setzen, den günstigen Moment voll auszunützen. Es soll demgemäß eine stärkere Agitation für den Nationalfonds (Zweck: Bodenerwerb in Palästina. Gegenwärtiger Stand: 1 500 000 Kronen) und für die Jüd. Kolonialbank (Aktien ä 24 Kronen) entfaltet werden. Ebenso soll die Sammlung des Schekel (1 Krone jährlich als Mitgliedsgebühr) und des Parteifonds eifriger betrieben werden. Die Landeszentrale geht an die Gründung eines Agitationsfondes, der sich aus kleinern Spenden zusammensetzen soll. Die Herren Gg. sollen auch um die Verbreitung des Parteiorganes „Magyarorsz-. Cionista Szervezet" (Preis eine Krone jährlich) bemüht sein. Es soll auch eine intensivere Tätigkeit zur Verbreitung jüdischer Kultur durch Vorlesnngen, Druckschriften usw. entfaltet werden. Rußland Eine zionistische Beratung Vom 16. bis zum 19. Oktober alten Stils tagte in Moskau eine Versammlung hervorragender zionistischer Führer Rußlands. Die Versammlung wurde, mit Genehmigung des Wilnaer Zentralkomitees, laut Initiative des ältesten Vereins in der russischen Organisation, der „Bne-Zion"-Gruppe in Moskau, einberufen und trug einen privaten Charakter. Die allerwichtigsten Probleme, die das Leben dank der gründlichen Wandlung der politischen Bedingungen in der Türkei im allgemeinen und in Palästina im besondern in den Vordergrund gerückt hat, wurden auf dieser Versammlung erörtert. Die Beratung gelangte zur Feststellung folgender Schlüsse: Der jetzige Moment erheischt es dringlichst, daß die weitesten Kreise des türkischen Volkes über die Bestrebungen und die Wege des Zionismus einen klaren und richtigen Begriff erhalten. Ebenso wichtig ist es, daß in der türkischen Judenschaft die Erkenntnis des Ernstes der ihr für die nationale jüdische Zukunft zuteil gewordenen bedeutungsvollen Rolle zum Durchbruch gelange. Der Erfolg zionistischer Arbeit hängt in einem bedeutenden Grade davon ab, inwiefern diese Aufgaben eine richtige Lösung finden-werden. Anderseits haben die neugeschaffenen Lebensbedingungen Palästinas in den Ländern der Diaspora neue Bestrebungen ins Leben gerufen, die in der Gestalt einer regen Initiative für Landerwerb und sonstige Investierung jüdischen Kapitals in Palästina überall mehr oder weniger in Erscheinung treten. Damit diese Bestrebungen sich in die Tatsache einer lebendigen Wirklichkeit umsetzen, ist es notwendig, schützend und regelnd ihnen entgegenzukommen und auf die richtigen Bahnen zu leiten. Die Erfahrungen früherer Aufschwungserscheinungen zionistischer Stimmung und des Dranges nach Palästina legt uns die Pflicht auf, Vorsicht walten zu lassen und frühzeitig all jene traurigen Folgen zu verhindern, daß ungeregelte Kolonisationsversuche, wie sie schon früher in der Geschichte der Palästinabesiedelung stattgefunden haben, eintreten können. Zuletzt muß das einerseits in den breiten Schichten der Judenschaft für Palästina wachgerufene Interesse und anderseits die schleunigst erwartete Umänderung der türkischen Gesetzgebung die Notwendigkeit und die Möglichkeit nahelegen, in der nächsten Zukunft in Palästina ein großes Institut für langfristigen Agrarkredit zu begründen, dem die Aufgabe zufallen wird, für das Werk der Palästinabesiedelung wesentliche Dienste von ungeheurer Tragweite zu leisten. Die Fragen, die' mit den angegebenen drei Problemen zusammenhängen, wurden allseitig und detailliert auf der Moskauer Versammlung erörtert. Einige dieser Fragen erfordern für ihre Lösung und "Verwirklichung die Teilnahme und die Bewilligung des Zentralorgans der Bewegung; andere hängen ganz und gar von dem Arbeitseifer der Zionisten in all ihren Orten ab. Für all diese Fragen wurde eine Reihe von Beschlüssen gefaßt und die Richüinien für die Durchführung der vorgeschlagenen Lösungen vorgezeichnet An der Beratung beteiligten sich folgende Personen: G. A. Bielkowsky, Dr. Tschlenow, Ch. J. Ettinger, J. A. Goldberg, L B. Jaffe, J. A. Idelson, J. J. Mase, J. A. Najditscb, A. W. Podliszewski, J. B. Sapär, M. M. Scheinkin, M. M. Ussischkin und G. S. Zlatopolski. Außerdem beteiligten sich dabei auch die Mitglieder des Vereins „Bne-Zion": Ch. M. Alperin, S. F. Brumberg, L. M. Czernikower, M. L. Pines, S. M. Schur und F. M. Tolkatschewski. Südafrika Einem Bericht der South African Zionist Federation entnehmen wir, daß während des verflossenen Sommers eine bemerkenswerte Tätigkeit entfaltet wurde. Propagandaversammlungen wurden in großer Zahl gehalten, u. a. in Pretoria, Maraisburg, Durban, Standerton, Heidelberg und Germiston, wo ein neues Zionistenhaus eröffnet wurde. Demnächst sollen Lichtbildervorträge über Palästina veranstaltet werden. Im „South African Jewish Cronicle" wurden mehrfach zionistische Artikel und viele zionistische Nachrichten veröffentlicht. Demnächst soll in Johannesburg ein zionistischer Gesangverein gegründet werden. An die Vereine wurden Zirkulare und Flugblätter wegen des Schekels, des Parteifonds, der Palestine Land Development Company, der russischen Reise des Präsidenten, des Nationalfonds usw. versandt Die nächste Jahreskonferenz wird voraussichtlich im Januar n. J. stattfinden. Köln: Über die körperliche Hebung der Juden sprach am Samstag den 7. ds. abends 9 Uhr im Jüdischen Turnverein Herr Nathan Groß aus Wien. Der Vortrag, der im Saale des Gabriel Riesser-Vereins stattfand, hatte ein zahlreiches Publikum angezogen. Der Referent behandelte eingehend die Frage der körperlichen Tüchtigkeit der Juden, die unter den langen Jahrhunderten der Knechtung und Verfolgung und durch die dadurch bedingte einseitige Geistespflege sehr gelitten habe. Zu ihrer Kräftigung sei eine intensive Körperpflege, die Pflege des Sports und speziell des Turnens erforderlich. Diese könne in rationeller und für die Gesamtheit des jüdischen Volkes ersprießlicher Weise nur in jüdischen Vereinen geschehen, die auf die besondern Eigenheiten der Juden gebührend Rücksicht nehmen könnten und ihnen zugleich die Möglichkeit gäben, ihr jüdisches Selbstbewußtein zu kräftigen. Gerade darin. liege aber die Lösung der Judenfrage begründet, daß es gelinge, die Juden zum Bewußtsein ihres Wesensinhalts und ihres Judentums zu bringen. Die Achtung vor sich .selbst die ihnen heute in bedauerlichem Maße abgehe, würde die Achtung der andern nach sich ziehen. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Es entspann sich eine lebhafte Debatte, in der auch Gegner der Anschauungen des Referenten zu Worte kamen. Erst gegen Mitternacht schloß die gehaltvolle Veranstaltung, die dem Turnverein mehrere neue Mitglieder gewonnen hat An unsere Leser! Gesinnungsgenossen! Die Nummern vom 27.November, 4. und 11. Dezember d. J. werden wir als Propaganda-Nummera in hoher Auflage verschicken. — Es wird bei der redaktionellen Zusammenstellung dieser Nummern der größte Wert darauf gelegt werden, daß diese ihren Zweck nach jeder Richtung hin erfüllen. — Neben propagandistisch-informativen Artikeln überdenZionismus und seine Institutionen werden die Propaganda-Nummern auch Beiträge von allgemein-jüdischem Interesse enthalten, so daß die Möglichkeit gegeben ist, die Propaganda durch diese Nummern in die weitesten jüdischen Kreise zu tragen. Soll nun diese mit bedeutenden Kosten verbundene Propaganda von jenem Erfolge begleitet sein, den wir erwarten und der im jetzigen Zeitpunkte, wo ein starkes Interesse für den Zionismus in der Judenheit vorhanden ist, auch nicht ausbleiben wird, ist es vor allem notwendig, daß jeder Zionist in seinem Kreise dafür tätig ist. — Vor allem bitten wir unsere Leser, uns ausgewählte Adressen aufzugeben, an die wir die Propaganda-Nummern verschicken können.— Die Versendung sämtlicher drei Nummern erfolgt selbstverständlich kosfenlos. — Bei der Auswahl der Adressen bitten wir darauf Rücksicht nehmen zu wollen, daß uns durch die Versendung der Propagandanummern möglichst viele neue Abonnenten erstehen. In Anbetracht der Wichtigkeit der Aktion für die Propagierungunsererldee hoffen wir, daß alle Gesinnungsgenossen zu deren Gelingen beitragen werden. Expedition „DIE WELT"