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Die Welt · 1908-11-13 · 45 (13.11.1908) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
45 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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als möglich jüdisches Hab und Gut zu schützen und die Interessen der Juden zu vertreten. Von Südafrika ging er nach Hartem, er sehnte sich nach Ruhe und wollte auch den Seinigen einen bleibenden Wohnsitz geben. Aber nicht lange darauf verließ er mit seiner Familie wieder Europa und ging nach Argentinien. Auch da arbeitete er mit Feuereifer, regte die indifferent lebenden Juden mit Wort und Beispiel an, führte sie dem religiösem Leben wieder, entzündete das Nationalgefühl und gründete zionistische .Vereine. Von Argentinien begab er sich wieder nach London und trug sich ernstlich mit dem Plane, in Palästina, wo er nur einmal vorübergehend, kurz geweilt hatte, seine letzten Jahre zu verleben. Er kam vor ungefähr anderthalb Jahren mit seiner Familie nach Antwerpen! Er hatte Antwerpen als Wohnort vorgezogen, weil er hier Gelegenheit zu finden hoffte, eifrig für das Judentum arbeiten zu können, das Milieu zog ihn an. Leider war es ihm nicht gegönnt, in Antwerpen tätig aufzutreten, kurz nach seinem Eintreffen verschlimmerte sich sein Leiden, und den größten Teil der hier verlebten Zeit verbrachte er auf dem Schmerzenslager. Nur vorübergehend wollte er sich hier aufhalten, wie er es bisher überall getan, definitiv wohnen, in Ruhe leben oder aufs neue beginnen zu arbeiten für das Volk wollte er nur in seinem Lande; welch gehätschelter geliebter Gedanke war das dem Heimgegangenen, richtig leben wollte er erst in Palästina. Und nun hat es das Geschick anders gewollt, Vecht wird zur ewigen Ruhe bestattet in Antwerpen. Vecht war einer derjenigen, denen der Gedanke unerträglich ist, umsonst gelebt zu haben,"" und um nicht umsonst gelebt zu haben, stellte er seine ganze Kraft in den Dienst der Menschheit, und um der Menschheit zu dienen, fand er den Weg zu seinem Volke, das er über alles liebte und dem er treu ergeben mit jedem Atemzuge seines Lebens diente. Wo er nur konnte, arbeitete er für das Wohl der Bedürftigen, der materiell und geistig Bedürftigen. Er war wQhltätig, wie es nur ein Jude sein kann, er hatte stets das Bestreben, den Leidenden Hilfe zu gewähren; das Geben war ihm keine Last, es war ihm eine Lust. Einem Juden borgte er prinzipiell kein Geld, einem Juden schenkte er, und kein Armer mochteohne Trost entlassen werden. Vecht empfand es schmerzlich, wenn er einen Juden sah, welcher der Religion gleichgültig oder abgeneigt gegenüberstand; aber unbegreiflich fand er es, daß religiöse Juden nicht nationalgesinnt waren, da doch das Judentum in seinem ganzen Wesen national sei. Und Vecht bemühte sich, in seiner Person das lebendige Beispiel zu geben, wie ein Jude religiös und national, konservativ und tolerant sein könne. Vecht war ein Jude, wie es kaum noch wenige gibt. Vecht war einer der ersten, die sich Herzl anschlössen und für den Zionismus eintraten. Welcher Opferwilligkeit, welcher Begeisterung Vecht fähig war, erhellt aus folgendem Charakterzug. Als die Kunde von Herzls Judenstaat und der auflebenden nationalen Bewegung ihn in Neuseeland erreichte, unternahm er, derjenige, den wir bald in die Erde scharren werden, sofort die Reise von Neuseeland nach Wien und ging zu Herzl. Sodann ging er zum Kongreß. Und als der Kongreß in Basel vorüber war, jener erste Kongreß, der die Fackel der Begeisterung in die jüdische Welt hineinwarf, jener unvergeßliche Kongreß, auf dem die Existenz des jüdischen Volkes proklamiert wurde, da verließ Vecht, ein neues Licht im Herzen, schnell Europa, ohne sich irgendwo aufzuhalten, und kehrte nach Neuseeland zurück zu neuer Arbeit, zu frischer Tätigkeit. Wenn man die zionistische Karte betrachtet, sagte einst Herr Sokolow zu dem Verblichenen, so weiß man, wo Sie gewesen s ni. Groß und weitverbreitet wird die Trauer um den Verstorbenen sein. Überall, wo Zionisten wohnen, in der gan-en Welt, wird der Verlust, den wir, den das jüdische Volk erlitten, tief empfunden werden. In den fernen überseeischen Ländern, wo Vecht ein rühmliches Andenken hinterlassen hat, wird die Nachricht dieses frühzeitigen Todes erschütternd wirken. Wenn es für die schwerbetroffenen hinterbliebenen Kinder und für die arme Witwe einen Trost geben kann, so ist es der, daß so viele mit ihnen aufrichtig trauern. Das Volk trauert mit ihnen. Armes Volk.. Es ist dein Los, eine Hoffnung nach der andern zu Grabe zu tragen, die besten deiner Söhne sterben zu sehen, bevor sie ihr Lebenswerk verrichtet haben. Es bleibt uns nichts, als an den Gräbern unserer Toten deren Traditionen und Ideen aufzunehmen und frisch durch lebendige, mutige Tat wieder aufleben zu lassen, das begonnene Werk weiter zu führen. Auf seiner Wanderung durch die Welt hat der Golusjude Vecht die Freiheit kennen gelernt. Glühend hebte er die Freiheit, und er war dahin gelangt, innerlich in seiner Brust die jüdische Freiheit stolz zu tragen; er war dahin gelangt, für das jüdische Volk, das wandernde Volk, einen Ruhe- und Arbeitsplatz herbeizusehnen, wo es seine Freiheit vollkommen erreichen konnte. Er hoffte mit derganzen Kraft seines Lebens die jüdische Freiheit in jüdischem Lande selbst zu schauen. Mögen seine Kinder, möge ein kommendes Geschlecht das Glück haben, seine, unsere Hoffnungen verwirklicht zu sehen. Dein Andenken, teurer Toter, sei geehrt. Möge dein Lebenswandel vielen ein Beispiel sein, dir zum Ruhme und ihnen zum Glück!" Es folgte eine kurze Ansprache von Herrn Dr. Mirkin, der den Toten im Namen des Misrachi-Vereins Bnei Zion als gesetzestreuen Juden feierte. Vecht war ein Fürst in Israel, um dessen Verlust ■ alle, die ihn nur gekannt, trauern werden; aber nicht klagen dürfen wir, denn Vecht ist nicht tot, sein Geist wird lebendig weiter wirken. Im Namen des Vereins SephathZion sprach Herr Neu mark und hob die wohltätigen Eigenschaften des Verblichenen besonders hervor. Zum Schluß sprach Herr Rabbiner De Vries aus Haarlem, der soeben angekommen war, in holländischer Sprache. Mit bewegter Stimme schilderte er das Leben und Wirken des Verstorbenen, der eine patriarchaliche Gestalt genannt werden kann. Gastfreundlich, fromm und mutig war Vecht, stolz wie ein Fürst, der in dem Kreise, in dem er sich bewegte, immer einen Mittelpunkt bildete, er hat seinem Namen durch die Welt einen ehrenvollen Klang verschafft, und wo er weilte, hinterließ er Spuren seiner segensreichen Tätigkeit. Er besaß eine Oberzeugungskraft der man nicht widerstehen konnte, die Gedanken sprudelten bei ihm über, und hätte er die Kunst besessen, formvollendet seine Ideen in größern Versammlungen vorzutragen, und wäre er an einem Orte zum ständigen Aufenthalt geblieben, dann wäre Vecht ein Führer in Israel geworden. Rabbiner De Vries richtete dann eindringliche warme Worte an die minderjährigen Söhne des Verstorbenen, welche nicht nur die Kinder, die in Tränen zerflossen, sondern alle Anwesenden erschütterten. Die Totengräber hatten ihr Werk vollendet, ein kleines, länglich, schmales Häuflein Erde bezeichnete die Stelle, wo Vecht, aer große, starke, stoke Jude, eine dauernde Ruhestatt gefunden hat. | O \{ □□□□□□ FEUILLETON □ □□□□□ )j o o o „ISRAEL"*) Wurde der alte, glutenvolle Traum heraufbeschworen? Ist es ein Jude, ringend, jubelnd, sich verteidigend gegen eine Welt, — im Kampfe des Lebens? Israel, — also einer, der mit göttlichen Gewalten und mit Menschen kämpft und der allen ins Gesicht jauchzt : Ich bin Jude? Nein, das ist der Israel des Herrn Bernstein nicht. Sein Israel ist ein jüdischer Bankier, Justin Gottlieb, Mitglied des Jockeyklubs. Es ist französischer ") Israel par H. Bernstein. Piece en 3 actes. (Theatre R6jane, Paris) Antisemitismus, Klerikalismus, Antiklerikalismus, natürlich darf das obligatorische Ehebruchmotiv auch nicht ausbleiben. Im ersten Akt lernen wir die Mitglieder des Cercle kennen. Eine kleine, aber nette Gesellschaft, deren meisten Mitglieder um die Wette auf die Juden schimpfen. Sie werden mit der Debatte gar nicht fertig. Vom Anfang -des Aktes bis zu dessen Ende wird immerzu geredet, daß einem der Atem ausgeht. . Am leidenschaftlichsten räsoniert der junge Aristokrat 2*

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