Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 44 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Änderungen an den nur. vermutungsweise erhaltenen Ziffern, aber es ist leicht einzusehen, daß auch dann der Unterschied per Familie " nur einige Zehner v.-m Franken öder vielleicht gar 100 Francs oder mehr erreichte, — doch ohne jeden Zweifel sind die errechneten Ziffern, wenn auch nicht genau, so doch weit entfernt von jeder Übertreibung. Wir brauchen nicht zu betonen, daß die bezeichneten 1266 Francs nur im Durchschnitt gültig sind, und daß ein Teil der jüdischen Bevölkerung in Jaffa, eine anderer größere als die angenommenen Einnahmen besitzt Wenn wir auf Grund unserer Voraussetzung die Einnahmen der jüdischen Familien auf ihre Ge-" meinden verteilen, erhalten wir für die Einnahmen jeder aschkenasischen Familie 1611 Franc jährlich, für jede sephardische 1191, für jede moghrebinische 737, für jede misrachische 552 und für jede jemenitische Familie nur 516 Francs jährlich. Getaufte Juden! Einem bemerkenswerten Aufsatze des bekannten Vorkämpfers gegen die Taufbewegung, Rabbiners Dr. F. Goldmann-Oppeln, bemerkenswert auch dsshalb, weil er im maßgebenden Organ ■ der deutschen Katholiken, der „Kölnischen VolkszeitungV erschien, entnehmen wir folgendes: Es ist einmal notwendig, die ernsteste Aufmerksamkeit der gläubigen Christenheit auf eine Erscheinung hinzuweisen, die bisher allgemein als selbstverständlich hingenommen wurde und die so charakeristisch für das Preußen unserer Tage ist. In allen Zweigen der Verwaltung und der Justiz, auf dem Katheder in Hoch- und Mittelschulen, ja, selbst im Heere findet sich eine hohe Anzahl von getauften Juden, und es scheint demnach, als ob dem preußischen Staate etwas Besonderes daran liege, getaufte Juden systematisch in Stellungen autoritativer Natur . hineinzubringen. Man hätte nicht das Recht, in dieser Tatsache irgendeine Gefahr zu erblicken; wenn man überzeugt sein könnte, daß der Obertritt stets aus tiefinnerster Herzensüberzeugung erfolgte. Es ist jedoch eine allgemein bekannte Tatsache, daß in fast allen Fällen die Taufe aus dem rein materiellen Grunde der bessern Karriere vorgenommen wird, ohne daß der Übergetretene der neuen Religion etwas anderes entgegenbrächte als das zynische Lächeln, mit dem er die alte von sich gestreift hat. Aus diesem Grunde ist die Anzahl der Juden,'-die katholisch getauft werden, in Deutschland sehr gering, weil der katholische Geistliche die Motive des Übertritts genauer zu prüfen pflegt und einen Menschen, der aus geschäftlichen Rücksichten die Firmenbezeichnung „Christ" tragen möchte, unnachsichtlich zurückweist. Dtr weitaus größte Teil schließt sich fler protestantischen Kirche an, die aus hier nicht zu erörternden <irunden die Aufnahme sehr erleichtert. Bezeichnend ist die wahre Geschichte von dem jüdischen Privatdozenten, der gefragt wurde, warum er katholisch und nicht evangelisch werden wollte, und der die Antwort gab: „Bei den Protestanten sind mir zu viel Juden!" Es ist nur natürlich, daß Leute, die ihre eigene Religion verleugnet und Priester sowie Anhänger einer andern in zynischem Gleichmut betrogen haben, mit Verachtung und Spott auf alles Religiöse herabsehen werden. Kaum sind sie äber äußerlich übergetreten, so dürfen sie in Verwaltung und Justiz, in Schule und Heer mit ihren unsittlichen Prinzipien frei schalten, dürfen mit ihren, für die Religion destruktiven Tendenzen die weitesten Schichten von ihren leitenden Stellen aus. beeinflussen und verseuchen. So bilden sie eine nicht zu unterschätzende Gefahr, indem sie alle, die mit ihnen in Berührung kommen, ihrem Einfluß, dem Einfluß des egoistisch und materialistisch gesinnten, rücksichtslosen Strebertums, Untertan zu machen versuchen und so allmählich das Vertrauen des gesunden Volkssinnes-zu jenen Autoritäten, als deren Vertreter sie anzusehen sind, völlig untergraben. Ein gutes Beispiel bietet nach dieser Richtung hin der politische Liberalismus. Wenn heutzutage kein aufrichtig religiöser Christ oder Jude dem parteioffiziellen Freisinn irgendwelches Vertrauen schenkt, so liegt das im Grunde größtenteils daran, daß dort der getaufte Jude und sein Einfluß dominiert .... Wohin soll es nun kommen, wenn in Verwaltung, Justiz und Schule Männer an leitender Stelle stehen dürfen, die aus Mangel an sittlichen Grundsätzen mit den religiösen Empfindungen von Christen und Juden ein frivoles, gottlästerliches Spiel treiben? Ist es nicht geradezu ein Hohn, wenn ein Richter einen armen Teufel verurteilt der, durch Not vielleicht getrieben, die Heiligkeit . •, des Eides nicht beachtet hat, während er selber vier Wochen vorher aus weit niedrigem Motiven dasselbe Verbrechen begangen hat? Muß es nicht allmählich dahin kommen, daß der ehrlich religiöse Jude und der ehrlich religiöse Christ das Vertrauen zu Autoritäten verliert, deren einzelne Glieder sich über die jeder positiven Religion eignen, moralischen Grundgesetze kühl und; lächelnd hinwegsetzen dürfen? Der Faktor nun, der an den geschilderten Zuständen die Hauptschuld trägt, ist bereits genügend gekennzeichnet. Nicht der Staat selber, aber viele seiner ausübenden Organe sind die indirekten Förderer der Gewissenslosigkeit. Ein reichhaltiges Material liegt vor, das da zeigt wie in Hunderten von Fällen Staatsbeamte so wenig Achtung vor religiösen Gefühlen, haben, daß sie jüdischen Bewerbern offen den äußerlichen Übertritt anempfehlen und über geäußerte Gewissensbedenken lachen. Als Zeichen der Kultur des neunzehnten Jahrhunderts steht demnach fest, daß für den preußischen Staat der tief innerlich religiöse und glaubenstreue Jude minderwertig ist. Sobald ein Jude aber öffentlich dokumentiert hat, daß er in Wahrheit ein gewissenloser, unsittlicher Charakter ist, der die heiligsten religiösen Güter der Menschheit frivol mißachtet wird er dadurch würdig, die Staatsautorität dem Volke gegenüber in angemessener Weise zu vertreten? Hier müßte Wandel geschafft werden. Judische Bürger ünter dieser Überschrift schreibt der „Jewish Obwohl es im ganzen Gebiet der Vereinigten Staaten nirgends so etwas wie eine jüdische Partei gibt ist es doch bemerkenswert, daß überall die Zahl der jüdischen Stimmen wächst Das American Jewish Year Book schätzt die Anzahl der jüdischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten auf 1 777 185 im Jahre 1907. Wenn man diese Zahl als ungefähr richtig ansieht, kommt •man zu der Zahl von ungefähr 360 000 Wählern, indem man nach der üblichen Annahme auf fünf Personen eine wahlberechtigte Person schätzt Indessen muß man eine große Zahl Nichtnaturalisierter in Abrechnung bringen, und dieser Umstand zusammen mit der größern Kinderzahl in den Familien der eingewanderten ausländischen Juden wird wohl die Zahl der jüdischen Wähler auf etwas weniger als 300 000 herabdrücken. Von dieser Zahl wohnen volle 40 Prozent in New York. Die jüdischen Wähler bilden einen beträchtlichen Prozentsatz der wahlberechtigten Bürger in ungefähr einem Dutzend Staaten, aber da sie nicht als eine geschlossene Körperschaft stimmen, sondern im allgemeinen von denselben Erwägungen geleitet werden, wie ihre nichtjüdischen Mitbürger, kommt dieser Tatsache eine besondere Bedeutung nicht zu. n~ c-i__Der „Jewish Comment" schreibtzu den in Zang- „uers»cnmeizxiegei wj„s neuem Drama aufgeworfenen Fragen: Zangwills Charakterisierung Amerikas im „Schmelztiegel" ist ein erstklassiger Beitrag zur Diskussion über die Pflicht Amerikas in bezug auf die Leute, die es zu ihrem Adoptivvaterlande machen wollen. Die wachsende Abneigung gegen die Einwanderung - geht Hand in Hand mit einer Minderung der Sympathie für die Ideale wahrer Demokratie und einer niedrigen Bewunderung der veralteten Begriffe der alten Welt Einwanderer wissen, welchen Dingen sie entgangen sind, und werden hier zu wirklichen Demokraten, loyalen und unwandelbaren Amerikanern, während die Amerikaner mit ihrem Gelde die künstlichen Unterschiede zu den ihrigen machen, die von Europa herübergekommen sind. Hier, sagt Zangwill, habt ihr sie beide, den amerikanischen Millionär, der die,Füße einer ausgespielten Aristokratie küßt, und eine hart arbeitende Masse, deren größter Ehrgeiz darin besteht, das zu sein, was der größte Amerikaner gewünscht hat, daß seine Mitbürger es sein möchten. Wenn er die heute in Amerika vorherrschenden Richtungen betrachtet, hat Zangwill ein Recht zu solcher Unterscheidung, und das amerikanische Volk wird gut daran tun, wohl zu erwägen, was er ihm vorgetragen hat. Auf den ersten Blick erscheint die. Idee, daß eine Masse ungeschlachter und unerzogener Wanderer dabei helfen soll, unsern berühmten demokratischen Geist zu heben und zu bewahren, widersinnig, aber sie ist es nicht. Auch der ungebildetste Einwanderer bringt die wertvolle Bildung mit sich, daß er das Elend erkannt hat, das sich aus der Konzentrierung der Rechte .und Privilegien in den Händen einer bevorzugten Klasse ergibt