Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 44 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 1× ep/1046078
- Wrocław 1× ep/1002369
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Die Einkünfte und der Wohnungszins an 62 Beispielen aus verschiedenen Berufsklassen Hi>hc des jähiliciien Ein- Jährliche Wohnungsmicte Wobmir>Ssn>ietei Prozenten vom Einkommen 2 Handlungsdiener 480 | 50 14 4 Fabrikarbeiter . . 600 '60 10 2 600 80. 13 3 Handlungsgehilfen 720 70 9 4 720 80 11 4 Melamdim . - . 720 110 14 2 „ ... 720 120 18 3 Fabrikarbeiter . . 756 90 11 2 780 70 9 3 816 60; 7 1 900 130 14 2 Handlungsgehilfen 960 80 8 3 960 100 10 2 960 120 i 12 4 10S0 150 : 14 2 j 1200 100 1 13 1 | 1200 220! 18 1 1200 200 1 16 1 Fabrikarbeiter . .! 1500 130; 8 2 Schullehrer . - . I 1800 200 11 2 Beamte ....! 1920 200 | 10 4 Schullehrer . .; 2500 300 1 12 1 Schulaufseher . . 1 2500 300 1 12 ■2 j 3000 300 1 10 1 Beamter .... j 3000 360! 12 1 „ .... 4000 360 i 9 teilen: 1) Jene, welche bis 900 Frcs. jährlich verdienen, leben in Not, 2) jene, welche 900—2000 Frcs. jährlich verdienen, haben ein mittleres und 3) jene, welche von 2000 — 4000 Frcs. jährlich verdienen, ein gutes Einkommen. Jetzt verteilen wir die 62 Familien auf die verschiedenen Gruppen, summieren den Wohnungszins jeder Gruppe und finden so den Prozentanteil, den jede Gruppe für Wohnung bezahlt. Vermögensklassen und Wohnungszins!; Hühc der i Gesamtj Jährlicher | Ges.Woh- Inn«" der jährlichen I einnähme Wohnung* i nung<zins j Miete :.n! Einnahmen I der Klasse zins [der Klasse d«n Ein- J.__J_^^==l====^—!-__ ljLai^e" 30 Farn, verdienen i 480—900 j 21 088 j 50— 13o! 2430 j 11,4 20 „ „ '960—1920 i 22 720 | 80-220 2670 j 11,7 12 _ „ 1.2500—4000j 32 500 |300-360' 3720! 11,4 62 Farn.....: j 76 308 j 1 8820 j 11,5 Wir sehen, daß von den 62 Familien nur 17, d. h. 27>, mehr -als 12"o ihrer Einkünfte für Wohnungszins verausgaben, die übrigen Familien verausgaben weniger als 12"|c. Im allgemeinen sehen wir, daß in allen drei Gruppen im Durchschnitt weniger als 12°o für Wohnungszins verausgabt wird Wir haben uns schon vorher davon überzeugt, daß der Wohnungszins in Jaffa, obwohl in den letzten Jahren gestiegen, doch nicht groß ist im Vergleich mit den europäischen Städten, und wenn wir jetzt den Prozentsatz der Ausgaben für Wohnungszins mit dem anderer Länder vergleichen, erkennen wir noch deutlicher, daß die Ausgabe für Wohnung in Jaffa klein ist gegenüber andern Orten. Nach May Smith fand man bei 2562 in Betracht gezogenen Familien, daß jene, deren jährlichen Einnahmen 200—700"Dollar betragen, für Wohnungsmiete 14,7—l6°/o ihrer Einkünfte verausgaben. Smith bringt auch die Daten über Familien aus vier Gebieten, die in ökonomischer Beziehung ungefähr einander gleichen; die betreffenden Familien in Illinois verausgaben 17,4".o ihrer Einkünfte, in Massachusets 19,7°,<o, in England 13,5"/., in Preußen 12%. Wir sehen also, daß die letztere Zahl der aus den Budgets unserer Brüder in Jaffa erhaltenen gleichkommt. Wir müssen aber bemerken, daß jene 12°/o sich auf Preußen im allgemeinen beziehen, speziell gibt es aber dort Orte, -besonders in den Städten, wo der betreffende Prozentsatz sogar höher ist als in den beiden Provinzen der vereinigten Staaten. Aus den Untersuchungen des deutschen Professors Wurm ersehen wir, daß jener Arbeiter, welcher jährlich 675 Franken verdient, für Wohnung verausgabt: in- Leipzig und Dresden 180,o seines Einkommens, in Breslau 2I,/o, in Hamburg 23°o, in Berlin 24°/o. Man kann also zwar Jaffa nicht mit den letzteren starkbevölkerten Städten vergleichen, trotzdem müssen wir jedoch beachten, daß nach dem Maße der hiesigen Bevölkerung und der vorfindiiehen Häuser die Immigration der beiden letzten Jahre in Jaffa sehr groß ist, und wenn auch vielleicht in den erwähnten Städten die Immigration vielmal größer sein mag, so tritt sie doch weniger deutlich hervor, als in Jaffa. Jedenfalls ist soviel klar, daß die Familie in Jaffa viel weniger für Wohnungsmiete verausgaben muß, als an andern Orten, namentlich als in den. starkbevölkerten-Städten. Wir haben noch einen wichtigen Punkt zu beachten: es gibt in Jaffa keine einzige Familie, die in einem Keller oder halbunterirdischen Lokale wohnte, — wohingegen in Jerusalem und Safed sich solche Wohnungen finden. In den großen Städten mit hoher Wohnungsmiete ist ein ziemlich großer Teil der Leute mit kleinem Einkommen gezwungen, in dunkeln, zumeist feuchten Kellerstuben zu wohnen, wo die Luft drückend und gesundheitsschädlich ist; in Jaffa hingegen sind einerseits die Wohnungen nicht so teuer, daß man gezwungen wäre, Kellerwohnungen zu suchen, anderseits, sind sie auch in den jüdischen Stadtteilen überhaupt nicht vorhanden. Doch gibt es unter den armen jüdischen Familien solche, welche das ganze Jahr über in Holzhütten und nicht stabilen Wohnräumen leben, in welche zur Regenzeit der Wind eindringt; in einem so warmen Lande wie Palästina indes, wo es drei Viertel des Jahres draußen warm und hell ist und auch im Winter außer an einigen Regenwochen keine Kälte empfindet kann man in solchen Hütten wohnen, und in der Tat leben viele Eingeborene, besonders die Beduinen, das ganze Jahr hindurch in Zelten, die aus Leinendecken oder Wolltüchern ausgespannt werden. Wir haben den Luftraum der Zimmer nicht gemessen, aber auf Grund unserer Beobachtungen ergab sich, daß die meisten Zimmer nicht weniger als sechzig Kubikmeter Luft enthalten. Während der Preis des Baugrundes sich stetig steigert, so daß die Bauenden in den Anlegungen von Höfen sparen, sind der Preis der Steine und die Baukosten (außer Holz) in Jaffa gering, darum bemühen sich auch die Bauunternehmer nicht, mit dem Räume der Zimmer zu sparen. Viel trägt dazu bei, daß sich die Gewohnheit verbreitet, Zimmer zu 4 Metern anzulegen, und die Holzhändler, welche ihren 'Baustoff meist aus dem Ausland beziehen, kaufen Bretter und Balken, entsprechend der Länge oder Breite von 4, 8, 1,2 Meter, ebenso verhält es sich mit den Eisenbalken zum Baue der Dachdecke. Infolgedessen verliert jener, der ein Haus baut, wenn er das Maß der Zimmer von 4 bis 3 Meter verkürzt dadurch, daß er viele Stücke von den Hölzern und Balken abschneiden lassen muß, wozu noch der Preis dieser Baumaterialien viel höher ist als im Auslande. Darum bauen die Bewohner Jaffas zumeist geräumige, und nicht nur dies, sondern auch sehr hohe Zimmer. Natürlich wirkt dahin auch das warme Klima, indem es in niedrigen Wohnungen schwer ist, in den warmen Nächten zu atmen. Deshalb fügt man auch zu den Fenstern, deren Höhe meist 1,60—2 m beträgt, runde oder halbrunde Oberfenster, deren Höhe meist 60 cm bis 1 m beträgt. Namen:lich bauen die Eingeborenen in diesem Stil, welche darauf sehen, die Qual der Hitze zu verringern und danach streben, so viel als möglich die Luftmengen der Wohnung zu steigern. Dank dem Gesagten können wir verstehen, daß die Wohnungen in Jaffa — außer wenigen Ausnahmen — in hygienischer Beziehung sehr gut sind; die Höfe hingegen sehr dürftig, manchmal kleiner, als die Höfe in den großen Städten — wo man jeden Fußbreit Erde mit Haufen Geldes bezahlen muß, — dementsprechend auch die Häuser dicht gedrängt und auch die Straßen, eng und voll von Schmutz, Kehricht, Staub und Kalk, wirken nachteilig auf die Gesundheit der Bevölkerung, und es ist schwer, die Vorzüge der Wohnungen mit den Mängeln der Höfe auf gleiche Wage zu bringen. Zum Schlüsse wollen wir versuchen, noch eine wichtige Tatsache aufzuklären. Oben haben wir bei 62 Familien gesehen, daß der Mietzins 12 '|o aller Einnahmen ausmacht. Messen wir alle andern Wohnungsmieter Jaffas nach diesem Maße, so finden wir für die Einnahmen der 847 Wohnungsmieter 1 105 565 Francs jährlich, und wenn wir noch die Bewohner eigener Wohnungen hinzurechnen und auch bei ihnen 12"/o annehmen, so ergeben sich für die Einnahmen der jüdischen Gemeinde in Jaffa 1,391,373 Francs jährlich, oder im Mittel 1266 Francs für die Familie. Natürlich sind diese Ziffern nur annäherungsweise richtig. Hätten wir genaue Aufzeichnungen über jede Familie, dann ergäben sich gewiß einige