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Die Welt · 1908-11-06 · 44 (6.11.1908) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
44 (6.11.1908)
Date
1908-11-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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6 DlE2|EELT No. 44 Die Wohnungsverhältnisse der Juden in Jaffa Von Zew. Smeliansky, Jaffa (Schluß) Auf Grund der Betrachtung aller Wohnungen, in denen Juden leben, haben wir uns überzeugt, daß jene Wohnungen mit einem Zimmer, deren Zins weniger als 60 Frcs. jährlich beträgt die schlechtesten sind. Zumeist haben solche Wohnungen keine Küche oder keine Decke unter dem Dach oder eine Decke ohne Dach darüber, oder sie sind nur provisorisch aus Balken gebaut u. dgl. Nur in jenen Wohnungen, welche mehr als ein Zimmer enthalten, gibt es einzelne Zimmer zu weniger als 60 Frcs., welche nicht zu den schlechtesten gehören. Aber alle, welche ein Zimmer zu weniger als 60 Frcs. jährlich mieten, ermangeln jener Bequemlichkeiten, die noch in den weniger als mittelmäßigen Wohnungen zu finden sind. Auch für 60 — 80 Frcs. jährlich kann man eine aus einem Zimmer und nicht mehr bestehende Wohnung mieten, während es in den 'arabischen Häusern schlechte Wohnungen gibt zu zwei Zimmern, die infolge ihrer großen Mängel auch schon um 80 Frcs. vermietet werden. Eine Wohnung für SO — 100 Frcs. enthält zumeist ebenfalls nur ein Zimmer, häufig aber auch eine Terrasse, auf der man den größten Teil des Jahres auch speisen kann, oder andere Vorzüge, derentwegen ihr Preis ein höherer ist. Wollen wir den Vermögenszustand der Mieter auf Grundlage der Miete annehmen, so können wir sie in fünf Klassen teilen: 1) jene, welche jährlich weniger als 60 Frcs. bezahlen, das sind die Unbemittelten. 2) jene, welche 60—100 Frcs. jährlich bezahlen, kann man zu den Minderbemittelten zählen, 3) jene, welche 100—300 Frcs. bezahlen, gehören mit geringen Ausnahmen zur Mittelkasse, 4) jene, welche 300 — 500 Frcs. bezahlen, stehen meist besser als die zur Mittelklasse Gehörigen und können als Wohlhabende bezeichnet werden, 5) jene, welche mehr als 500 Frcs. bezahlen, sind sämtlich reich, und ihre Einnahmen belaufen sich auf Tausende von Francs. Aus der Tabelle ersehen wir, daß in bezug auf die Zahl der Unbemittelten unter den Wohnungsmietern die Jemeniter in der ersten Reihe stehen, die Aschkenasim in der letzten. Was hingegen die Zahl der Minderbemittelten anlangt, stehen die Jemenifer in letzter, die Aschkenasim in erster Reihe. Wir müssen aber bemerken, daß die Zahl der Unbemittelten unter den Aschkenasim jedenfalls größer ist als 7%, daß sie nur, weil sie an ein besseres Leben gewöhnt sind, alle Kräfte zusammenraffen, um wenigstens wie Minderbemittelte zu leben, und wie drückend auch ihr Los sei, so ist es ihnen doch schwer, bis zu jener Stufe hinabzusinken, auf der die Jemeniter und ein ziemlich großer Teil der übrigen Gemeinden stehen. Jedenfalls ist aber klar geworden, daß die Zahl der Unbemittelten bei den Aschkenasim kleiner ist als in den übrigen G.-meinden. Und ebenso müssen wir uns vorstellen, daß unter den Jemenitern, Misrachim und Moghrebinern die Zahl der Unbemittelten zweifellos geringer ist als der Tabelle nach, und bloß infolge irrer großen Genügsamkeit und Kargheit die Zahl der in elenden Verhältnissen Lebenden eine größere, jedenfalls aber ist in den drei erwähnten Gemeinden, besonders unter den Jemenitern. die Zahl der Unbemittelten größer als bei den Sephardirr und Aschkenasim. Wir finden es nötig m bemerken, daß wir hier nur nach den Mietern und gar nicht nach den Vermietern urteilen. Darum sehen wir z. B., daß. während in bezug auf die Mieter, die weniger als 100 Frcs. jährlich bezahlen, die Moghrebiner an zweiter Stelle stehen, hingegen in bezug auf jene, die in eigener Wohnung leben und an andere vermieten, an erster. Jedenfalls können wir, was die Klassen der Mittelbegüterfen, der Wohlhabenden und Reichen unter den Mietern betrifft, behaupten, daß bei allen Gemeinden — außer einem gewissen Teile der Aschkenasim — die Aufstellung nahezu der Wirklichkeit entspricht, indem alle zur Sparsamkeit in ihren Ausgaben neigen, und wenn sie in bezug auf Miete nicht sparen, dann versteht sich, daß ihr ökonomischer Zustand gesicherter ist und ihnen die Ausgabe größerer Summen für' geräumigere und bequemere Wohnungen gestattet. Wieder sehen wir, daß auch unter den Mittelbegüterten die aschkenasischen Mieter die erste Stelle einnehmen, die Sephardim die zweite und die Jemeniter die letzte. Unter den wohlhabenden Mietern nehmen die Sephardim den ersten Platz ein, die Aschkenasim den zweiten, unter den Reichen die Aschkenasim den ersten, die Sephardim den zweiten und die Moghrebiner den dritten. Wir haben zu bemerken, daß unter den Aschkenasim, welche die teuersten Wohnungen gemietet haben, sich 14 Besitzer von Hotels und Chans*) befinden, deren Miete sich auf 500—1000 Frcs. oder noch mehr beläuft. *) Unterbringungsstellen von Fuhrwerk und Transporttierens. Aberauch von den Hotels undChans (Einkehrhäusern) abgesehen ist die Zahl der Mieter teurer Wohnungen unter den Aschkenasim groß und auch jene bieten in- Jaffa gute Einnahmequellen. Das Resultat der beigebrachten Ziffern ist also, daß hinsichtlich der Unbemittelten die Jemeniter an erster Stelle stehen, und die Sephardim, besonders aber die Aschkenasim einen niedrigeren Platz einnehmen, während in Hinsicht auf die Mittel begüterten und Reichen die Aschkenasim und Sephardim die ersten Plätze einnehmen, die übrigen Gemeinden hingegen, besonders die Jemeniter, zu einer tieferen Stufe gehören. Wir müssen wieder bemerken, daß nicht nur in den übrigen Gemeinden, sondern zumeist auch unter den Aschkenasim die Höhe des Mietzinses sehr von der Stärke der Familie abhängt Mitunter gehört z. B. nach dem Vermögensstande der Mann zur Klasse der Begüterten oder Reichen; indes ist die Mitgliederzahl seiner Familie sehr klein so daß er in einem kleinen und billigen Quartiere wohnen kann. Umgekehrt gehört der Mann seinem Vermögensstande nach z. B. zu den weniger als Mittelbegüterten, aber die Mitgliederzahl seiner Familie ist sehr groß, und er muß eine geräumigere Wohnung mieten als im allgemeinen die Unbemittelten. Es sind vorhanden ... Wohnungen, auf die ... Personen entfallen Wohnungen von i:2 3 4 5 6 7 8 9 10.; 11 i 12 |l Personen Aschk. j 1; 27 13 19 18; 12 27 ■ 5 i 4; _ _; _ 126 | _ Seph. j 1 4; 2 2 3 3 3 — —; — —; i 19 ■3 | Moghr. 2 I 3 i 8 7 7 5 4; 2 — | 7 —! i 45 | 4 Jemen. 3 4 1 4 4; 2 : — | 1 — j — — | — 19 1 ' Misr. — j — — 1 — i —; — | 1 — - i i — 3 Zus. 1 '1 43 24 33 32 22 34 9 4 i 1 ■1 2 212; Aschk. I 6; 37 36 38 22 15 9 3 3 i 1 _'[ _ 170 §J Seph. i 2 11 14 19 13 8 9 2 — — - — 78 ~ § Moghr.; 11 24 22 22 28 13 6 4 2 j — — — 132 ~ "2 Jemen.; 2; 12 12 15 9 1 | 1 2 - - — — 54 ~_~ i Misr. ' 3 3 3 2 — 4; 1 1 1 j — — ~ 17 Zus. 24 87 S7 96 72 41 1 26" 12 Tj 1 __; __. 451 i Aschk. 4 40 40 28 28 22 28 | 10 | 11 3 i _ 215 | J Seph. 1 13 8 13 7 9 6 5 4 — _ — 66 " "p Moghr. - 1 1 3 6 2 1 1 - _.. — 16 ~ ~Z Jemen. — — — 1 — — — — — — — — 1 Misr. 1 — 1 2 — 1 1 — — - — — 6 5 Zus. T 54 | 50 | 47 41 34 36 16 ,7 3 i 1 304 | Aschk. - 2 8 5 3 3 2 6 3 1 ._ 33 i=| Seph. — 2 4 1 2 2 — 2 1 — — — 14 1 Moghr. — 2 2 — .1 — — 1 — — —■ — 6 £ Jemen. — — - 1 — — — — — 1 — - 2 ~ Zus. - 6 14 j 7 6 5 T 9 4 2 - 55 | Aschk. _ 3 2 4 4 6 i 2 5 _ _ 3 30 il g Seph. — 1 — 1 — 1 i 1 — — — — 5 =1 g Moghr. 1 1 2 1 1 Zus. - 4 3 5 4 8 2 3 5 ~ - 3 •37

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