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Die Welt · 1908-10-30 · 43 (30.10.1908) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
43 (30.10.1908)
Date
1908-10-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Die auf dem Delegiertentag eingesetzte Gemeindekommission sowie der Ausschuß zur Förderung deV Innenarbeit erstatteten ausführliche Berichte. Die Ausschüsse sind noch mit Vorarbeiten beschäftigt. Die Sitzung schloß mit einer Besprechung der politischen Verhältnisse in der Türkei. Österreich Czernowitz (Jüdisch-akademischer Leseverein „Emunah"): Das Ergebnis der Chargen wähl für das iaufende Wintersemester 1908/09 ist: cand. iur. Israel Taubes X, cand. iur. Mendel Wagschal XX, Josef Landwehr XXX. Vortragszyklus der „Emunah": Zugunsten des zu gründenden jüdischen Schülerheims in Czernowitz veranstaltet der genannte Verein im laufenden Wintersemester Mitte November einen Zyklus von populär-wissenschaftlichen Vorträgen allgemeinen und jüdischen Inhalts, für welchen die bedeutendsten Persönlichkeiten der Stadt sowie der bekannte Schriftsteller Herr Salomo Schiller aus Lemberg bereits gewonnen wurden. Der Verein hat sich auch diesbezüglich an andere auswärtige Persönlichkeiten gewendet, deren Zusagen noch ausstehen. Die Vorträge werden allwöchentlich. Montag abends, im großen Magistratssaale stattfinden. Chrzanow: Am 11. d. Mts. fand im hiesigen zionistischen Verein „Bnei Zion" die ordentliche Generalversammlung statt. Aus dem von Herrn Salomon Gutter erstatteten Rechenschaftsbericht war ersichtlich, daß die Leitung bemüht war, allen zionistischen Pflichten nachzukommen und auch nachgekommen ist. In die neue Leitung wurden die Herren Dr. Adolf Rieser als Präsident, Hirsch Klein als Vizepräsident, Salomon Gutter als Sekretär und Nationalfondskommissär Hirsch Barber als Bibliothekar, Moses Popowcer, Jacob Buchner und Heinrich Lauber als Ausschußmitglieder gewählt. Am 12. d. Mts. veranstaltete der Verein „Bnei Zion" einen Abend zu Ehren unseres beliebten Schriftstellers Schalom Aleichem zu seinem 25 jährigen Jubiläum. In der Eröffnung wies Herr Weisenberg auf die Bedeutung des Abends hin, Herr Popowcer zitierte ein Sippur-Hamase „Tewja der Milchiger" von Schalom Aleichem, in einer kunstvollen Rede stellte uns Herr Dr. Ignatz Schipper aus Krakau „Schalom Aleichem" vor, Herr Josef Lewi aus Krakau deklamierte einige Gedichte von Rosenfeld und „Das letzte Wort" von Bialik, Herr Heinrich Richter gab Violinkonzert, und zum Schlüsse unterhielt Herr Popowcer das Publikum mit der Verlesung einer lebendigen Zeitung, die den hiesigen Verhältnissen angepaßt war. Trautenau. Zion. Volksverein Theodor Herzl in Trautenau. Samstag den 31. Oktober, Vorlesung Morris Rosenfeld. Qablonz 1. Nov. Vorlesung Morris Rosenfeld, veranstaltet vom Zion. Verein Theodor Herzl für Gablonz. England Die Oxford University Zionist Society und die Cambridge University Zionist Society haben die Jewish National Students Society in Leeds eingeladen, mit ihnen der Gründung eines allgemeinen zionistischen Studentenverbandes Englands näher zu treten. Versammlungen fanden statt in Manchester, wo Dr. Weitzmann über .Unsere Aussichten" sprach, in Liverpool, wo der zionistische Jugendverein eine schätzenswerte Tätigkeit entfaltet und in Dublin. Türkei Der Jüdische Jugendverein für den Nationalfonds zu Konstantinopel schildert uns seine Bestrebungen, wie folgt: Vom Drange beseelt, Anteil an der jüdisch-nationalen Bewegung zu nehmen und unserm Vaterlande Dienste zu leisten, haben wir mit Erfolg die Initiative ergriffen, in Konstantinopel einen Verein zu gründen, der diesen Zielen zustreben soll. Unser Programm sieht ganz besonders vor, Einfluß auf die Erziehung der jüdischen Jugend zu gewinnen, um diese zu einem Faktor auf dem Felde der jüdischen Wissenschaft und der geistigen Betätigung zu gestalten. Unter den jüdischen Studenten Konstantinopels hat diese Idee schon tiefe Wurzel geschlagen; es kann keinem Zweifel unterliegen, daß wir die gesamte jüdische Jugend bald für uns gewinnen werden. Gründer des Vereins sind die Herren Sarfis, Louis Packer und Daniel Feldstein. Außer diesen Herren gehören dem Vorstande noch an die Herren Hornfeld, Blum, Reisner, Mesullam, Ehrlich.' Amerika Die Federation of American Zionists hat das Referat Professor Warburgs über die wirtschaftliche Erschließung Palästinas, das er auf dem deutschen Delegiertentag gehalten hat, sowie einen Auszug aus der Eröffnungsrede Dr. Harry Friedenwalds auf dem Delegiertentag der amerikanischen Zionisten als besondere Broschüre herausgegeben. Ägypten Alexandrien. Anfangs Oktober hielt Herr Beikind im Verein B'nei Zion einen Vortrag über den Kiriath Sefer. Die zahlreiche Zuhörerschaft, unter der sich viele jüdische Lehrer befanden, folgte mit großem Interesse den Ausführungen Herrn Beikinds, der sich über die Erziehung der Juden zum Ackerbau verbreitete. Es genüge nicht, erwachsene Leute zu Ackerbauern zu machen. Das sei ein mühsames und höchst ^zweifelhaftes Unternehmen. Die Jugend-müsse zur Liebe zum Boden erzogen und geübt werden, das Land zu bebauen. Diesem Ziele diene Kiriath Sefer. Der Vortrag fand reichen Beifall. Zwei Experimente I. Ein Ölbaumflugblatt Im vergangenen Jahre verfaßte Dr. Sandler-Breslau einen Aufruf, der Nichtzionisten für die „Ölbaumspende" interessieren sollte. Nach dem ersten günstigen Erfolg in Breslau wurde er „Zur Nachahmung bestens empfohlen", in der „Welt" (1907, Nr. 38) und in der „Jüdischen Rundschau" (1907, Nr. 37) abgedruckt. Die Empfehlung wurde wenig beachtet. Nur die stets arbeitsfreudigen Oberschlesier gaben mir Adressen ihres Distrikts auf, - an die dann von Breslau die Aufrufe versandt wurden. Auch direkte Hinweise auf den Aufruf nach einigen Ortsgruppen blieben unbeachtet. Daraufhin wurden nach einigen Städten im Posen'schen an eine Anzahl Adressen nach dem Mitglieder-Verzeichnis des Zentralvereins gleichfalls Exemplare gesandt. Die Folge bewies, daß bei geeigneter Adressenauswahl sicher noch viele für die „Ölbaumspende" interessiert werden könnten. Ein nochmaliger direkter Hinweis darauf an die zuständige Stelle wurde aber ablehnend beantwortet., Später entschlossen sich nur noch einige Studenten in dem ausgesprochen nichtziönistischen Halle a. S. an der Hand des Aufrufs eine Haussammlung zu veranstalten. Der Erfolg all dieser Bemühungen war, daß für Ölbaume"eingingen: aus Breslau............... 206.— Ji „ Mittel- und Niederschlesien 43.— „ „ Oberschlesien .......... 410.— „ „ der Prov. Posen ........ 167.— „ „ Halle................... 324.— „ zusammen 1150.— <M Die gesamten Spesen des Druckes und der Versendung betrugen 173.— JC, eine verhältnismäßig geringe Summe. Sollte es wirklich nicht möglich sein, auch an andern Orten dieses Experiment zu wiederholen und mit ihm mindestens solche Erfolge zu erzielen? Weshalb geschieht es nicht? II. Nationalfonds und Palästina-Kulturfonds Die Breslauer Ortsgruppe versandte schon in den Jahren 1906 und 1907 Aufforderungen zur Ablösung der Neujahrs wünsche forden „Nationalfonds", 1907 auch an Nichtzionisten. Trotz des wohl zur Genüge bewiesenen Interesses für den N.-F. glaubte sie, diesmal das Experiment machen zu sollen, zur Ablösung für den „Palästina- Kulturfonds" aufzufordern. Man ging dabei von dem Gedanken aus, daß des letzteren Name Nichtzionisten weniger „gefährlich" erscheinen würde, als der des „Nationalfonds". Diese Vermutung scheint berechtigt gewesen zu sein. Wenigstens konnte ich folgendes feststellen. Zur Ablösung von Neujahrswünschen kam in Breslau zusammen: 1905 für den N.-F........ 17.50 Jt, 1906 „ „ „ ....... 84. - „ 1907 „ „ „ ....... 119.50 „ 1908 „ „ „Kulturfonds" 241.— „ davon 120.— JC von ausgesprochenen Antizionisten. Es gibt aber Ortsgruppen, die trotz wiederholter Hinweise weder zur Ablösung für den N.-F., noch zu einer solchen für den K.-F. auffordern. Weshalb das? U. A. w. g. Hugo Schachtel l^^^JgACHRICHTEN Österreich (Von unserm Korrespondenten) Assimilantenhetze Die schleichende Krise des Ministeriums Beck ist akut geworden. Das vor Jahresfrist rekonstruierteTCabinett steht vor seiner Gesamtdemission. Der Zerfall der deutsch-tschechischen Koalitionist offenkundig. Nun, wir gehörten nie zu den Bewunderern der

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