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Die Welt · 1908-10-30 · 43 (30.10.1908) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
43 (30.10.1908)
Date
1908-10-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Letzte Nachrichten Jaffa, 25. Oktober, is° Uhr nachm. (Privattelegramm.) Bei der soeben vollzogenen Abgeordnetenwahl wurden drei,1 iudenfreundliche mohammedanische Kandidaten gewählt. Konferenz der Arbeiterorganisation „Hapoel- Hazair" Jaffa: Während der Sukkothtage wurde eine Konferenz der Hapoel-Hazairorganisation abgehalten, zu der zahlreiche Delegierte aus Judäa und Galiläa erschienen waren. Den Mittelpunkt der Beratungen bildete die Diskussion über das Programm der Partei, die sich bekanntlich zur Hauptaufgabe die „Eroberung der Arbeit" („Kibusch ha-Awodah") gesetzt hat, d. h. die Zuführung von jüdischen Arbeitskräften in sämtliche Arbeitsgebiete, in denen es bis jetzt häufig an jüdischen Händen mangelt. Im Gegensatz zu vereinzelten Anführern, die von einer resiginerten Stimmung unter den Arbeitern infolge der Nichterfüllung ihrer Ideale und allgemeinen ungünstigen Lage der zionistischen Partei sprachen, zeigten sich die meisten Teilnehmer der Konferenz sehr arbeitsfroh, mit Befriedigung auf die erreichten Resultate zurückblickend und hoffnungsvoll zur weitern Arbeit sich rüstend. Von allen aber wurde betont, daß nur dann auf eine Erfüllung des Programms gehofft werden kann, wenn noch weiterhin junge Leute aus dem Goluth in genügender Zahl kommen, um auf palästinensischem Boden zu arbeiten, und wenn für sämtliche Arbeitszweige tüchtige jüdische Kräfte sich herangebildet haben. Um dem Arbeiter, der hauptsächlich unter schlechten Wohnungen und schlechter Kost leidet, das Leben in Palästina zu erleichtern, wurde neuerdings beschlossen, an die Gründung von Arbeiterküchen und Konsumvereinen heranzugehen und die Begründung von Arbeiterhäusern anzuregen. Das Organ „Hapoel-Hazair" wurde mitunter einer scharfen Kritik unterzogen. Die Kolonie Pethach-Tikwah gegen die Angriffe des Hapoel Hazair Pethach-Tikwah: Unsere Kolonie war in den letzten Nummern des Organs „Hapoel Hazair" mehrfach Gegenstand heftiger Angriffe und ungerechter feindlicher Anschuldigungen. Insbesondere wurde in Nr. 10/11 dieses Blattes mitgeteilt, daß in unserer großen Kolonie ein älterer jüdischer Arbeiter, der keine Arbeit finden konnte, Hungers gestorben sei. Infolgedessen entschloß sich der Waad unserer Kolonie, die Repräsentanten der Organisationen zu einer Besprechung nach Pethach-Tikwah einzuladen und hier öffentlich festzustellen, daß diese Beschuldigung sowie die Behauptung, daß man ägyptische Arbeiter nach Pethach-Tikwah bringen wolle, reine Verleumdungen seien. Auf unsere Einladung erschienen die Herren Brill (von der J. C. A.), Dr. Thon (Palästinaamt), Direktor Levontin (A. P. C), Dr. Chissin (Chowewe Zion), Dizengof (Geulah). Es wurde in der Tat festgestellt, daß der Verstorbene überhaupt kein Arbeiter war, sondern vor kurzer Zeit aus Jerusalem nach der Kolonie gekommen war, hier vom Frauenverein "unterstützt wurde und als Alkoholiker an einem alten Leiden starb. Es wurde ferner vom Vorsitzenden konstatiert, daß niemals in der Kolonie die Absicht bestanden hat, aus Ägypten Arbeiter nach Pethach-Tikwah zu bringen. Feindselige Stimmung gegen Österreich Jaffa. Die Annexion von Bosnien und der Herzegowina durch Österreich hat hier zu feindseligen Demonstrationen der arabischen Bevölkerung gegen Österreich geführt. Angeblich ist von Konstantinopel die Parole ausgegeben worden, österreichische Waren zu boykottieren. Dies faßten die Bootsleute und Lastträger am hiesigen Hafen dahin auf, daß kein österreichisches Schiff mehr in Jaffa landen dürfe. Als der Dämpfer Euterpe des österreichischen Lloyd hier eintraf, weigerten sich die Bootsleute, die Post, die Passagiere und die Waren an Land zu bringen, und verhinderten gewaltsam jeden Verkehr mit dem Schiffe. Sie gingen sogar so weit, das österreichische Postamt anzugreifen, so daß dieses seine Bureauräume schließen mußte, um die drohende Menge am Eindringen zu verhindern.; Die Lokalregierung legte sich ins Mittel, und es gelang schließlich, wenigstens die Post vom österreichischen Schiffe herunterzubringen. Dagegen war es unmöglich, die Landung von Passagieren und Waren zu erwirken. Das Schiff blieb, von jedem Verkehr mit dem Lande abgeschnitten, IV2 Tag im Hafen und war schließlich . genötigt, nach Beirut weiterzufahren, ohne Passagiere und Waren an Land gebracht zu haben." Auch unser Gesinnungsgenosse Dr. Kohan-Bernstein, der sich, von Europa zurückkehrend, auf dem Schiffe befand, konnte sich in Jaffa nicht ausschiffen und mußte die unfreiwillige Reise nach Beirut mitmachen. Auch in Beirut verweigerten bei Ankunft des Dampfers Euterpe die Hafenarbeiter und Bootsleute jeden Dienst und verhinderten mit Gewalt jeden Verkehr mit dem Schiffe. Erst als auf Intervention sämtlicher Konsuln der Wali das gesamte Militär, aufbieten und Kanonen am Hafen auffahren ließ, war es möglich, wenigstens die Passagiere an Land zu bringen. Die Ausschiffung jder Waren erwies sich aber als unmöglich, und das Schiff mußte weiter fahren, ohne seine Güter entlöscht zu haben.' Die österreichische Schiffahrt und der österreichische Handel werden durch diese Ereignisse und durch die Ungewißheit, wie es den nächsten österreichischen Schiffen ergehen wird, schwer geschädigt. Gründungsfeier der Kolonie Ain-Ganim Jaffa. Gestern, am vierten Chol-Hamoed-Tage, fand das Fest der Gründung der neuen Kolonie „Ain-Ganim" (Gartenquelle, früher Fedsche genannt) statt. Bekanntlich grenzt" diese Kolonie an Pethach-Tikwah, von dem sie nur 20 Minuten entfernt ist, und stellt einen neuen Typus unter den jüdischen Kolonien Palästinas dar. Begründet wurde Ain-Ganim vom Odessaer Komitee mit Hilfe einer Anleihe vom Jüdischen Nationalfonds auf Anregung einer Gruppe von Arbeitern als Arbeiterkolonie; deren Mitglieder durch Arbeit auf fremdem Boden (in Pethach-Tikwah) und Bewirtschaftung ihres eigenen kleinen Grundstückes ihren Lebensunterhalt finden sollten. Der Besitz eines jeden einzelnen beträgt 15 Dunam, von denen 4 Dunam für Straßen, Wege und gemeinsame Kolonieplätze abgehen, 1 Dunam für das Haus bestimmt ist und 10 Dunam am Hause zum Anbau von Gemüse dienen sollen. Der Boden wird in 18 Jahren abgezahlt werden; für. Errichtung eines Hauses hatte jeder Arbeiter aus eigenen Mitteln zu sorgen. Der Brunnen (von 19 m Tiefe) ist vor einigen Wochen fertig geworden; durch einen Motor wird das Wasser in ein hochgelegenes, großes Bassin geleitet und soll später von hier, wenn eine Wasserleitung angelegt seinwird, durch Röhren in die Häuser geführt werden. Die Kolonie liegt auf einer Anhöhe mit einer hübschen Aussicht auf die Berge Judas und Ephraims. Gegen 2 Uhr kamen in großem Zuge zahlreiche Arbeiter und andere Gäste, die sich in der Arbeiterbibliothek in Pethach-Tikwah versammelt hatten, mit blauweißer Fahne nach Ain-Ganim; ihnen gingen mit Fahnen die Komiteemitglieder der jungen Kolonie entgegen, und einige Schritte von dem Koloniehügel fand die feierliche Begrüßung unter Schüssen und Hedadrufen statt; hierauf wurde „Od lo owdu tikwathenu" von allen Versammelten angestimmt. Zur Feier waren viele Gäste aus Jaffa und den Kolonien herbeigekommen, insbesondere Rechowoth und Rischon waren zahlreich vertreten. Leider fehlte es nicht an einem Mißklange. Die Kolonie Pethach-Tikwah, die gewissermaßen als Mutterkolonie von Ain- Ganim angesehen werden kann, hatte beschlossen, wegen eines Konfliktes mit der Organisation „Hapoel Hazair", der ein Teil der Ain-Ganimer Kolonisten angehört, .der Feier fernzubleiben, und blieb auch tatsächlich fern. Dies hatte unter den Kolonisten von Ain- Ganim lebhafte Verstimmung zur Folge. Der erste Redner, Dr. Bogratschoff, wandte sich in äußerst scharfen Worten gegen dieses Vorgehen der Pethach-Tikwaher Kolonisten. Im Namen des Zionistischen Aktionskomitees und des Jüdischen Nationalfonds wünschte Dr. Ruppin der neuen Kolonie ein glückliches Gedeihen. Eine sehr wirkungsvolle Ansprache hielt der Vorsitzende von Rischon, B. Ljubman, der sowohl die Arbeiter wie auch die Kolonisten für die Mißverständnisse und Konflikte verantwortlich machte und beide Parteien zu einem liebevollen, brüderlichen Zusammengehen auf dem Wege nach dem einen gleichen Ziele aufforderte. Abends fand unter freiem Himmel noch eine Theateraufführung statt, und erst um drei Uhr in der Nacht war das Fest zu Ende. Rechowoth. Auf der allgemeinen Versammlung der. Kolonie wurde beschlossen, dem Verbände der jüdischen Ottomanen (Agudath ha Ottomanim ha Jvrim), der in' Jerusalem gegründet wurde, beizutreten und die Mitgliedsbeiträge auf das Konto der allgemeinen Kolonieausgaben zu übernehmen.

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