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Die Welt · 1908-10-30 · 43 (30.10.1908) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
43 (30.10.1908)
Date
1908-10-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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4 _ ' DIE 3| worte und Kliches landläufiger Organisations-Termino- Jogie zufriedengeben, die Pflege des Wissens hingegen in Bausch und Bogen mit verächtlichem Lächeln beiseite schieben. Wer ernstlich nachdenken kann und will, wird wünschen, daß man das jüdische Wissen nicht unsern antinationalen oder anationalen Elementen und ihren „Tradittore-Traduttore" überläßt, sondern daß wir unter der Optik des nationalen Gesichtspunktes dieses Gebiet, das unsere ureigenste Domäne bleiben muß, ausgestalten und pflegen.. Handelt es sich-doch um den lebendigen Geist des jüdischen Volkes und um seine edelsten Güter. Die Überzeugung muß durchdringen, daß keine Opfer und keine Mühe für Hebräisch, für jüdische Literatur und für die Verbreitung geschichtlichen Wissens zu groß erscheinen dürfen. Die Voraussetzung, ja, das Korrelativ des Sieges der z-ionistischen Idee unter den Massen ist die jüdische nationale Erziehung. Nationale Erziehung bezweckt aber nicht das abstrakte Wissen, sondern das lebendige Bewußtsein. Mit dieser Formel-schließt die Reihe von Erkenntnissen über den Wert der Geistigkeit im Zionismus, welche sich aus den Betrachtungen über seine dauernden Ziele und Wege ergeben; mit dieser Formel eröffnet sich aber auch ein Ausblick in die wirkliche Bedeutung und Zukunft einer lebendigen wissenschaftlichen und popularisierenden Arbeit. Diese Erkenntnis stellt nämlich das Judentum als einen lebendigen Organismus vor. Dadurch, durch den großen Reiz des Lebens und des Vorhandenseins der Möglichkeiten eines normalen Volksdaseins vermag das Judentum auch den realistischsten und modernsteh Menschen zu fesseln und verhindert so sein Verzweifeln und sein Aufgehen in andere Kreise. Und erreicht diese Aussicht auch nicht für Alle und nicht binnen kurzem die Wirklichkeit, so ist sie auf jeden Fall ein großes lebendiges Wollen, eine Intuition, die die eigentliche Grundlage des Lebens, die eigentliche Lebensweisheit ist. Mögen unsere Gegner an dem Märchen Gefallen finden, der Zionismus materialisiere den Geist, entthrone das Wissen und verwandle die Ideale des Judentums in ein kurzatmiges politisches Unternehmen. Das ist ein Zerrbild unserer Bestrebungen. Was der Zionismus, der national-jüdische „common-sense" zerfetzt, das ist der Mummenschanz, die fremden Schnörkel, die Maske und die Schminke! Das wahre Wissen und die Literatur sind den Zionisten um so teurer, als es sich für sie um Güter handelt, die nie aufgehört haben, mit unserem Leben verknüpft zu sein, und die sich in einer Fortentwicklung befinden müssen. Den Geist des Volkes zu pflegen, von Fremden rein zu erhalten und gute Tradition weiter zu geben — das ist unsere Aufgabe. Wo wir zu gering und zu schwach sind, auf dem Gebiete der Popularisierung jüdischer Geschichte und Literatur selbst tätig zu sein, fördern wir die Tätigkeit anderer Vereine, auch wenn sie Mängel aufweist! Wo wir in der Lage sind, auf diese Vereine einen bestimmenden Einfluß auszuüben, um sie — nicht zu unsern Parteiorganen zu machen, sondern um sie ihrem eigenen ursprünglichen Ideal näher zu bringen, tun wir das! Wo wir aber stark ■ genug sind, mit eigener Kraft in unserm Geiste -eine diesbezügliche Tätigkeit zu entfalten, möge es unser brennender Ehrgeiz sein, dies zu versuchen. Selbstverständlich ist die zionistische Zentrale nicht imstande, rednerische Kräfte zur Verfügung zu stellen. [ELT ' : —" No. 43 Dies ist Sache der Landesorganisationen.- Sie kann sich ebensowenig der Aufgabe unterziehen, Vorträge auszuarbeiten. Aber sie ist gern bereit, nach Maßgabe der Mittel Fragen zu. beantworten, Quellen zu empfehlen und Ratschläge zu erteilen, sofern es sich um ernste Arbeit handelt. N. S. Die Wohnungsverhältnisse der Juden in Jaffa > Von Zew. Smeiiansky, Jaffa iNachdruck nur mit Genehmigung des Verfassers gestattet) Eins der erprobtesten und gebräuchlichsten Hilfsmittel für die Statistiker, den ökonomischen Zustand einer Gesellschaft oder bestimmten Schicht kennen zu lernen, ist die ungefähre Angabe des Vermögens jedes einzelnen. In den Kulturstaaten ist es ziemlich leicht, die Vermögenslage der Bevölkerung auf Grund der Steuererträge zu erforschen. Außerdem gibt es noch andere direktere Hilfsmittel, wie die Verzeichnung der Einnahmen und Ausgaben jeder einzelnen Familie, die besonders den ökonomischen Zustand der wenig vermögenden Klasse annäherungsweise bestimmen. Bei dieser Methode zieht man vor allem die notwendigen Bedürfnisse in Betracht, die ein jeder befriedigen muß, ehe er höhere, intellektuelle Bedürfnisse befriedigen kann. Darum kann man unmöglich zuerst nach letzteren ein Urteil fällen, die freier Wille und nicht Notwendigkeit sind, die kein Maß haben, da die meisten eine Art Luxus sind, sondern nach jenen, ohne die eine Existenz unmöglich ist Zu den notwendigsten Lebensbedürfnissen werden gerechnet: Wohnung, Nahrung, Kleidung, Beleuchtung und Heizung. Was unsere Brüder in Jaffa betrifft, ist es hier nur gelungen, — abgesehen von deren Beschäftigungs- und Ernährungszweigen, — die Zahl der Besitzer unbeweglichen Guts in Erfahrung zu bringen, ferner den Mietspreis der Wohnungen, den die Juden den Bewohnern Jaffas zahlen, wie viele einen hohen, mittleren und niedrigen Zins zahlen, wie viele Familien in einem, zwei Zimmern usw. wohnen. So haben wir erwiesen, wie viele Juden für Wohnungen, die sie anderen vermieten, Zins bekommen. Und wenn nun auch das vorliegende Material nicht ausreicht, um die Ausgabst, der Juden Jaffas genau festzustellen, jedenfalls wird sich aus dem weiter unten geordneten Material eine sichere Vorstellung gewinnen lassen über die materiellen Lebensverhältnisse unserer Brüder in Jaffa. Die Wohnungen der Juden in Jaffa tiiir Scphar- | Moghdim j rebiner 'nTtcr | rachim Zu- Zahl der jüd. Wohnungen im allgemeinen . . . 574 | 182 | 201 76 i 26 1059 Zahl der in Mietwohnungen Lebenden 448 | 163 156 57 23 | 847 Zahl der in eigenen Wohnungen Lebenden . 126 j 19 45 19 3 212 Prozentsatz der eigenen j! | Wohnungen . ." . . jj 21,9 j 10,4 22,3 24,3 \ 11,5 20 Bemerkung zu Tabelle I: Die Juden ui Jaffa teilen wir in 5 Gemeinden 1. Aschkenasim, das sind jene, welche entweder selbst oder deren Vorfahren bei ihrer Ankunft in Palästina Jargon (oder eine europäische Sprache?) sprachen; 2. Sephardim, die Nachkommen der aus Spanien Verbannten, ihre Sprache ist zumeist der sogenannte spaniolische Jargon; 3. Moghrcbincr. die entweder selbst oder deren Vorfahren aus Nordafrika (Marokko, Tunis usw.) gekommen sind und deren Sprache das Arabische ist; 4. Jemeniter, die selbst oder deren Vorfahren aus Jemen (Südarabien: gekommen sind und die gleichfalls arabisch sprechen; fi. Misrachim, die aus den östlichen Ländern stammen, aus Persicn, der Bucharei, dem Kaukasus, Mesopotamien, dazu noch die syrischen Juden. *) Aus einer größeren statistischen Arbeit: Die Juden Jaffas im Lichte der Zahlen

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