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Die Welt · 1908-10-30 · 43 (30.10.1908) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
43 (30.10.1908)
Date
1908-10-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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t^2v%^^S&?^^ DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 6\<# ERSCHEINT. JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIL JAHRG. KÖLN, 30. Oktober 1908 imin1? D^nn'e* rarn "n UNSERE VORTRÄGE (PROGRAMMATISCHE WEISUNGEN) II Die zweite Frage wäre folgende: Vertreten - wir und ästhetisierenden aisZionisten eine spezielle Methode in der Popularisierung jüdischer Wissenschaft und Literatur? Diese Frage ist vom Standpunkte eines zielbewußten und theoretisch begründetenZionismus .— selbstverständlich kommen für solche Fragen die Pogrom - Zionisten und Mitläufer nicht in Betracht — entschieden zu bejahen! Der Zionismus muß das große Gebiet der jüdischen Propaganda als sein eigentliches Gebiet behandeln. Um die Juden zu Zionisten zu , machen, muß er sie zunächst zu wissenden und begeisterten Juden machen. Er _ kann nur auf dem Boden des Judentums seine Saat ausstreuen. Auch für momentane und reinpraktische Zwecke, wie es z. B. irgendeine Geldsammlung ist, muß er, ob er es will oder nicht, Weltanschauungsfragen aufrollen. Er muß es schon deshalb, weil die andern, die Gegner, aus prinzipiellen Gründen die betreffende Sammlung wegen ihres Zweckes, wegen der ihr zugrunde liegenden Anschauung befehden. Denn sie haben schwerwiegende, innere Bedenken. Man kann die. Sache deshalb nicht auf einen technischen Boden stellen und die prinzipielle Streitfrage ausschalten. Tausend Schreib¬ und Druckmaschinen und hunderttausend Zirkulare können über diese Schwierigkeit nicht hinweghelfen. Man mag sich drehen und winden, wie man will, der Idee kann man nicht ausweichen. Man muß also in der Agitation an die Idee herantreten, an das Nationale, an die historische Tradition, an die geistigen Werte, die man wahren will. Dazu bedarf es eines Eingehens auf geschichtliche Entwicklungsgänge, auf Begriffe, Wesen und Verfassung des Judentums, auf seine Stellung zur nationalen Frage usw. Und so be^ findet man sich mitten in der Wissenschaft, in der Geschichte und in der Literatur! Hat der Zionismus auf diesen Gebieten Ideen zu vertreten und Richtungen anzubahnen? Die feste Überzeugung davon war und ist bis jetzt der Stolz aller Intellektuellen im Zionismus. Unsere Auffassung jüdischer Wissenschaft ist wesentlich verschieden von der weltfremden antiquirierenden Doktrin. Wir haben mehr Wahrheit und Aufrichtigkeit. Wir symbolisieren nicht und entfernen uns nicht vom hebräisch-jüdischen Original. Wir schauen uns nicht so ängstlich nach allen Seiten um und weil wir uns nicht assimilieren wollen, sind wir den Andern viel ähnlicher als Diejenigen, die die Gleichmacherei mit allen Mitteln anstreben. So müssen auch unsere Vorträge ihr eigenes Gepräge haben. Zu diesem Zweck sei es uns gestattet, hier im allgemeinen die Richtlinien vorzuzeichnen. Die lebendig gedachte Nation, die lebendig und ganz in ihrer Art gedachten Großen der Nation müssen im Bewußtsein, im menschlich-einfachen. Volksbewußtsein fortleben und fortwirken. Und nicht als Allegorien. Die Unsterblichkeit eines abstrakten Judentums durch übersetzte Begriffe ist imaginär. Denn auch das größte Werk wird, wenn es einmal von der Kultur seiner oder auch einer spätem Zeit verstanden ist, von ihr aufgesogen, es wird zum namenlosen Grundelement; seine Urheber aber in dem Maße, als ihre Zeit zurückweicht, werden durch die Übertragung ihrer Werke und Ideen — mythische Gestalten, oder sie versinken., ganz in den Nebel des Vergessens. Nur das Leben wird von dem Leben aufbewahrt, weil es wiedererneuert und nachgemacht werden kann. Alle Übersetzungen der Bibel oder anderer Geistesmonumente haben keine Propaganda für das Judentum unter den Juden gemacht, inwiefern sie nicht zur Erleichterung des Verständnisses des Originals verholfen haben. Sie mochten für die allgemeine literarische Bildung eine Bedeutung haben, — nicht mehr. In dem selbstbewußten Volkstum, in der Nationalität, die sich intuitiv als ein Stamm betrachtet, der seiner Auferstehung entgegenschreitet, in der Erkenntnis dieser Aufgabe als lebenserhaltendes, zum Leben zurückkehrendes und lebensförderndes Prinzip — -liegt das Samenkorn einer lebendigen Zukunft. Hier beginnt ein riesiges, brachliegendes Arbeitsfeld, und seltsamerweise-haben viele keine Augen dafür. Nur verblendeter Bureaukratenhochmüt denkensunfähiger Köpfe kann sich mit der Seichtheit allgemeiner Stich- 2 . >&a6a&5^3a<3£g ^4u^c^'-^s^.5^a5i&£?s -ji+'gjfr^^Zs i^J^i. ~

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