Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 42 (23.10.1908)
- Date
- 1908-10-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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um nur einiges zu nennen, was seine Fauna und Flora betrifft, noch erst neu zu entdecken. So wurde auch denn beschlossen diese Gesellschaft ins Leben zu rufen. Ihre erste Aufgabe wird sein, das genannte Kabinett zu erstellen, das nach Maßgabe der Möglichkeit auch für allgemeine, naturwissenschaftliche Zwecke ausgestaltet werden soll. Das provisorische Komitee hat sich bereits konstituiert und wird demnächst mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit treten. Für das Erwachen des Landes und des Volkes ist damit ein vielversprechender Anfang gemacht. Er möge die auf ihn gesetzten Erwartungen erfüllen. S. Berlowitz Ein Muster objektiver Geschichtsschreibung Die „Frankfurter Zeitung" erhält folgende Zuschrift: „Die Mitteilungen des Vereins für nassauische Altertumskunde bringen schon seit Jahren eine Reihe wertvoller, gediegener Arbeiten historischer Forschung auf dem Gebiete des ehemaligen Herzogtums Nassau. Um so befremdlicher ist es, daß eine in Nr. 2 des Jahrgangs 1907,8 veröffentlichte — im übrigen recht veidienstliche — Arbeit über die Westerwälder („Der große Notstand des Westerwaldes im 19. Jahrhundert") dasjenige Maß von Objektivität und vorurteilsloser Betrachtung vermissen läßt, das als Grundlage jeder historischen Forschung absolut unerläßlich ist. Bei Schilderung der Notstamisverhältnisse heißt es wörtlich: „Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Geier; es konnte also nicht fehlen, daß solche sich einstellten, die die Notlage des Westerwaldes ausnutzten. Beim Fehlen aller Kreditanstalten waren sie mit Erfolg als die Bankiers tätig. Viele Bauern hatten eine Schuldenlast auf sich geladen, die jemals abzutragen unmöglich schien, von der die unverhältnismäßig hohen Wucherzinsen nicht einmal aufzubringen waren. Juden und „Judengenossen" hatten dazu in großartigem Maße Viehverleihgeschäfte eingerichtet. Was soll bei einer objektiven geschichtlichen Darstellung dieses polemisch-gehässige, antisemitische Schlagwort - von den Judengenossen, die doch — ein Zweifel daran ist nicht möglich — nicht etwa Teilhaber, sondern die erbittertsten Konkurrenten der jenigen Juden waren, die das gleiche Gewerbe wie sie betrieben. In objektiver Darstellung heißt der Satz: „Juden" und „Christen" hatten dazu in großartigem Maße Viehverleihgeschäfte eingerichtet" Wenn es Sitte werden sollte, Christen, die gleiche Bestrebungen wie Juden haben und betätigen, mit „Judengenossen" zu bezeichnen, dann würde man ja wohl auch die Mitglieder des Vereins für nassauische Altertumskunde in Juden und Judengenossen einteilen müssen. Der Herr Verfasser der genannten Arbeit wäre sonach ebenfalls als Judengenosse anzusprechen; — ich fürchte nur, es würde dies manchem Juden nach der vorstehend dargetanen Probe seines Objektivierungsvermögens nicht recht sein. Jedenfalls verletzt mich eine derartige Art der Schilderung in einem der Wissenschaft dienenden Blatte. Dort sollten Animositäten wie die hier gerügte keinen Platz finden. Wie übel mögen erst unsere geschätzten Mitarbeiter jüdischen Glaubens diese Entgleisung empfunden haben!" Eheschließungen im Jahre 1905 Das 1. Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reiches, 16. Jahrg. 1907, bringt die Zahlen der Eheschließungen in Deutschland im Jahre 1905. Die Gesamtzahl aller Eheschließungen betrug 485906. Rechnet man die Mischehen zwischen Christen und Juden je zur Hälfte den Christen und Juden zu, so kamen im Jahre 1905 unter 10000 Christen 81,66, unter 10000 Juden 70,07 Eheschließungen vor. Die Zahl der Mischehen zwischen Christen und Juden, die im Jahre 1901 658 betrug und im Jahre 1902 auf 626 gesunken war, ist im Jahre 1903 auf 66S, im Jahre 1904 auf 748 und im Jahre 1905 auf 819, also ziemlich erheblich gestiegen. Unter diesen 819 Eheschließungen waren 458 solche zwischen jüdischem Mann und christlicher Frau, 361 zwischen christlichem Mann und jüdischer Frau. Das größte Kontingent zu den Mischehen stellt Berlin und die Provinz Brandenburg (mit den Berliner Vororten). Nicht weniger als 356 43,47 "/o aller Mischehen (und zwar 143 . zwischen jüdischem Mann und christlicher Frau, 126 zwischen christlichem Mann und jüdischer Frau) sind in Berlin und der Provinz Brandenburg geschlossen worden. In Berlin und der Provinz Brandenburg haben unter je 100 heiratenden jüdischen Männern 19,10, unter je 100 heiratenden jüdischen. Frauen 16,17 einen christlichen Ehegatten geehelicht. Für ganz Deutschland betrug dieser Prozentsatz dagegen nur 10,26 bei den jüdischen Männern und 8,46 bei den jüdischen Frauen. Alkoholismus und Schwachsinn der Kinder In Nr. 43/44 der Psychiatrisch-neurologischen Wochenschrift macht Dr. Bayerthal (Schularzt der städtischen Hilfsschule Worms) auf den Zusammenhang des väterlichen Alkoholismus mit dem Schwachsinn der Kinder aufmerksam und erwähnt, daß in Worms seit 17 Jahren kein schwachsinniges Kind jüdischen Glaubens zur Aufnahme in die Volksschulen gelangte, trotzdem dies nach der Prozentzahl zu erwarten gewesen sei. Die Erklärung dafür liege in der bekannten Mäßigkeit der Juden. Zur anthropologischen Stellung der Juden Unter diesem Titel veröffentlicht Leo Sofer eine Abhandlung in der Politisch-Anthropologischen Revue (VII. Jahrgang, Nr. II). Er schließt sich im allgemeinen der Theorie von Luschans an, nach der bekanntlich die Juden dem großen „hethitischen" Volksstamm.e angehörten, der im zweiten vorchristlichen Jahrtausend ganz Vorderasien, insbesondere Armenien und Syrien, bevölkerte und sich mit den aus Arabien kommenden langköpfigen „Semiten" und mit den blonden Amoritern vermischte. Sofer macht jedoch zu dieser Theorie zwei Einschränkungen; die erste betrifft die kaukasischen Juden, die sich stark mit der eingeborenen brünetten und brachyzephalen Bevölkerung des Kaukasus gemischt haben sollen; die zweite betrifft die nordafrikanischen Juden, die zu einem großen Teil die Nachkommen von arabischen Stämmen sein sollen, die zum Judentum übertraten und später, als sie von Mohammed mit Feuer und Schwert verfolgt wurden, meist nach Nordafrika flohen und nur in geringer Zahl in Südarabien verblieben. Sofer teilt hiernach die Juden 1. in den von v. Luschan aufgestellten, vorherrschend hethitischen Typus mit einer Brachyzephalie von 80—83, 2. einen rein semitischen Typus mit einer Dolichozephalie von 78 in Nordafrika (und Arabien). 3. einen hyperbrachyzephalen Typus mit einem Index von 83—88 im Kaukasus. „Jedoch ist der Luschansche Typus", sagt Sofer, „derart überwiegend — er umfaßt mindestens 8/io aller Juden —, daß man ihn als den Typus der heutigen Juden par excellence bezeichnen kann, ohne einen Fehler zu begehen. Das übrigbleibende Zehntel fällt zur -größeren Hälfte dem rein semitischen Typus zu, zur kleineren Hälfte dem andern Extrem, dem hyperbradhyzephalen." „Damit", schließt Sofer, „erachte ich das Problem der jüdiscjien Rasse für genügend aufgeklärt" Eingegangen bei Herrn Professor Warburg: Für den Palästinakulturfonds I: a) Julius Simon, Mannheim Jl 300.—, Dr. Schmarja Lewin, Berlin ä conto 250.—, I. L. Goldberg, Wilna 200.—, Dr. Aron Sandler, Breslau 80.—, geschickt durch Hugo Schachtel {Jl 100.— abzgl. der bereits bei Ablösung der Neujahrswünsche gezahlten Jt 20.—) - . . .zus. ^830.— b) Julius Sachs jun. Breslau £ 5.— (in Aktien des Jewish Colonial Trust) geschickt durch Hugo Schachtel, A. Ginsburg-Hermoni, Charlottenburg 5.— (in Aktien genannter Bank)............... zus. £■ 10.— Für den Palästinakulturfonds II: Geschickt durch Hugo Schachtel: Spende X in Breslau Jl 9-50, Coupons von 58 Aktien des Jewish Colonial Trust aus Breslau, Ratibor und Krotoschin 29.20 zus. Jl 38.70 Bei der Administration der „Welt" in Köln sind folgende Spenden eingegangen: Für den Bezalel: Hochfelden: Sammlung durch Lehrer Metzger ...... Jf. 8.40 Für den Kulturfonds: Hugo Eben, .Wien................. „ —.50 Literarisches Menschen, die den Pfad verloren . . . . , Erlebnisse aus meiner fünfjährigen Tätigkeit als Polizeiassistentin, von Schwester Henriette Arendt (Verlag Max Kielmann, Stuttgart), brosch. M.2.—, kartonn. Jl 2.60. Schwester Henriette Arendt führt uns hinab in die Welt der von der Gesellschaft Ausgestoßenen, zeigt uns deren Elend und menschenunwürdiges Dasein, die oft jeder Beschreibung spottende physische und moralische Verkommenheit, aber auch das Gute, das selbst in der Brust der verrohtesteh Menschen schlummert. An ergreifenden Beispielen aus dem Leben von Dirnen, gefallenen Mädchen und unehelichen Müttern, aus dem Martyrium armer, verwahrloster und mißhandelter Kinder weist sie auf die dringende Notwendigkeit durchgreifender Fürsorge für Mutler und Kind und auf eine Reform des Strafrechts hin. Auch die Männerfürsorge,