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Die Welt · 1908-10-23 · 42 (23.10.1908) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
42 (23.10.1908)
Date
1908-10-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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-y* '<&&2r^%g*&r-2 ., DIETOELT Amerika Eine neue Agitationsreise Mr. Fromensons Mr. Fromenson hat soeben eine zweite zionistische Agitationsreise angetreten, die ihn diesmal nach dem mittlem Westen der Vereinigten Staaten führen wird. Zuerst wird Herr Fromenson in Rochester, N. Y., sprechen und sodann die Mehrzahl der jüdischen Gemeinden dieses Bezirks aufsuchen. Kanada Ottawa: Der Zionistische Jugendverein hielt am 20. September eine sehr erfolgreiche Versammlung ab. Der Bericht über die Jahreskonferenz der kanadischen Zionisten wurde entgegengenommen und debattiert. Da der Vereinigung die Zulassung von Damen als Mitglieder untunlich erschien, wurde beschlossen, einen besondern Damenverein zu gründen. Auch wurde beschlossen, die Versammlungen des Zionistischen Männervereins regelmäßig zu besuchen. HL^L NACHRICHTEN Deutschland Ideologen Wie wir den Zeitungen entnehmen, tagte am 18. Oktober in Berlin die Generalversammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus. Wir glauben nicht, daß die Verhandlungen dieses Vereins unsere Leser interessieren, auch nicht, wenn sie erfahren, daß ein Redner, ein Professor aus München, es für notwendig erachtete, unter dem angeblich großen Beifall der Versammlung den Zionismus als Fahnenflucht zu charakterisieren. Wir können natürlich nicht tadeln, daß Nichtjuden sich um jüdische Dinge bekümmern; wir können ihnen auch nicht verbieten, daß sie Urteile über jüdische Angelegenheiten abgeben; wir können sie nicht einmal zwingen, die Fragen zunächst zu studieren, die sie in ihren Versammlungen behandeln. Natürlich haben wir aber anderseits auch keinen Anlaß, uns mit sinnlosen und unbegründeten Urteilen zu beschäftigen. Es genügt vollkommen, wenn wir den Verein zur Abwehr des Antisemitismus seiner bekannten Bedeutungslosigkeit überlassen und als einen nicht uninteressanten Beitrag zur Würdigung pedantischer Ideologie die weltfremde Anmaßung konstatieren, mit der sich diese „Politiker" erlauben, sich in Dinge zu mischen, die sie nicht einmal untersucht, geschweige denn erlebt haben! Von einer „ Blockparteia Anläßlich der letzten Reichstagswahlen, der famosen Blockwahlen, konnte man bekanntlich insbesondere unter den jüdischen Akademikern mehrfach Stimmen vernehmen, die sich entrüstet dagegen wandten, wenn etwa ein Zionist zu verlangen wagte, die Juden sollten auf die «nationale" Blockpartei keine Rücksicht nehmen und keinesfalls den antisemitisch-nationalen Kandidaten gegen den judenfeindlichen „Antinationalen" unterstützen. Diese Herren mögen vielleicht etwas nachdenklich werden, wenn sie in der parteioffiziösen Korrespondenz der konservativen Partei in der letzten Wahl eine Auslassung über den „ungeheuren Prozentsatz des jüdischen Nachwuchses an den höhern Lehranstalten und Universitäten", der in keinem Verhältnis zur Bevölkerungsziffer stehe, lesen. Der Angriff ist charakteristisch für die Anschauungen, die in konservativen Kreisen gegenwärtig wieder herrschen; es heißt in dem Artikel u. a.: „In den Berufen der Ärzte (namentlich der Spezialärzte), der Anwälte, der Hochschullehrer spielt das Judentum eine ziffernmäßig viel zu große Rolle. Schon der verewigte v. Kleist-Retzow hat zu Maßnahmen gegen dieses Vordringen, das dem Staat viel Geld kostet, dringend geraten. Statt diesen Rat zu befolgen, werden dem Judentum noch immer neue Wege zum Eindringen in akademische Berufe erschlossen. Und dieses Eindringen ist in vielen Fällen gleichbedeutend mit Verdrängen christlicher Mitbewerber. Schon die Gerechtigkeit also sollte gebieten, die Juden zu akademischen Berufen nur im Verhältnisse der jüdischen Bevölkerungsziffer zuzulassen." Vielleicht wird man nach dieser famosen Befürwortung des „numerus clausus" seitens der maßgebenden Blockpartei nunmehr auch in jüdischen Kreisen etwas skeptischer über die „nationale" Politik denken, die mit Hilfe dieser Anschauungen gemacht wird. Österreich (Von unsenn Korrespondenten) Morris Rosenfeld in Wien Mittwoch den 21. d. M. veranstaltet der Verein zur Erhältung und Konservierung Kunst- und historischer Denkmäler des Judentums einen Morris-Rasenfeld-Abend. Wie ich vom gefeierten- Dichter, der Ihrem Korrespondenten in der freundlichsten Weise eine Unterredung gewährte, erfahre, befindet er sich auf dem Wege aus Budap_est Der Budapester Vortragsabend, der von dem .ungarischen Obersetzer Rosenfelds, Arnold Kisch, und anderen Ver-- ehrern des Dichters veranstaltet worden ist brachte dem „Tränenmillionär" begeisterte Huldigungen. In Wien wirkt an. dem JRosenfeld-Abend auch R. v. Sonnenthal mit, der Rosenfeldsche Dichtungen in deutscher Sprache rezitieren wird. Donnerstag tritt Morris Rosenfeld in Preßburg auf, Samstag ist er in München. Dann kehrt er für einige Tage wahrscheinlich nach Wien zurück.- Der Dichter sprach sehr lobend von der jüdischen Jugend Galiziens, wo er eine größere Tour absolvierte. Er bedauert jedoch auf das lebhafteste, daß die parteipolitische Gehässigkeit sogar von rein künstlerischen Veranstaltungen nicht ferngehalten werden konnte. In Prag wollte Rosenfeld seinen czechischen Übersetzer, den bedeutenden böhmischen Dichter Jaroslav Vrchlicky kennen leinen. Allein der greise Poet war krank. In Europa gedenkt Rosenfeld noch einige Monate zu verbleiben. Der Protest der Minjanim Donnerstag den 15. d. M. fand eine gut besuchte Protest- Versammlung des Vereins „Linas Hazedek" statt. Alle Redner nahmen in scharfer Weise Stellung gegen den Kultusvorstand. Die Erklärung des Herrn Dr. Stern, er habe die polizeiliche Sperrung des Bethauses nicht veranlaßt, wurde als ein Kniff bezeichnet Tatsache ist, daß die Polizei vom Kultusvorstand in Kenntnis gesetzt wurde, daß dem betreffenden Verein die Erlaubnis zur Abhaltung eines Gottesdienstes verweigert worden ist was mit einer Aufforderung zum behördlichen Einschreiten gleichbedeutend ist. Herr Klucky teilte der Versammlung mit, daß eine 7-gliedrige Deputation der Minjanim-Vereine unter Führung des Herrn Dr. Zipser beim Kultusminister Dr. Marchet vorgesprochen und ihm eine Denkschrift überreicht hat. Zum Schluß wurde folgende, von Herrn Dr. Rybaczewski eingebrachte Resolution einhellig angenommen: I. Die am 15. Okt. 1908 im Saal „Zum goldnen Widder" abgehaltene Volksversammlung der jüdischen Glaubensgenossen aller rituellen Richtungen spricht dem Präsidenten Dr. Stern und dem Kultusvorstand ihre tiefste Entrüstung darüber aus, daß am 2. Neujahrstag die Betversammlung des Vereins „Linas Hazedek" durch eine vom Kultusvorstand direkt oder indirekt veranlaßte Intervention der Polizei unterbrochen wurde. II. Die Versammlung spricht dem gesamten derzeitigen Kultusvorstand wegen der Maßregelung von Minjanim- und Betversammlungen, welche gegen die Vorschriften und den Ritus der jüdischen Religion nicht verstoßen, ihr Mißtrauen aus und fordert denselben auf, seine Mandate niederzulegen. III. Die Versammlung erachtet die Reform des gegenwärtig in Geltung stehenden Kultusstatuts als notwendig in der Richtung, daß in bezug auf das Beten alle in Wien bestehenden religiösen Richtungen berücksichtigt werden, ferner daß das Wahlrecht ausgedehnt und der Einfluß der Gesamtheit der Mitglieder der Kultusgemeinde durch ad hoc zu wählende Vertrauensmänner bei der Besetzung der Rabbinerstellen und Änderung des Statuts gesichert wird. Lueger in der Leopoldstadt Die Christlichsozialen kandidieren zum Landtag in dem judenreichsten Bezirk Wiens ihren Parteichef, den Bürgermeister Dr. Lueger. Man sollte glauben, diese Kandidatur müßte auf den erbittertsten Widerstand stoßen. Nicht - weil Dr. Lueger ein Antisemit schlecfitester Sorte ist Zum Unterschied von seinen Waffenträgern und Knappen hat er reine Hände und ist auch menschlichen Regungen, wie behauptet wird, nicht unzugänglich. So bestand er im Stadtrat darauf, daß die aufs Pflaster geworfenen jüdischen Omnibusangestellten seiner Zusage gemäß behalten werden. Allein die Gemütlichkeit der Umgangsformen soll über das Wesen der christlichsozialen Bewegung, deren Haupt Dr. Lueger unbestreitbar ist, nicht hinwegtäuschen. Die Möglichkeit den Parteiführer zur Strecke zu bringen, ist allzu verlockend, und sollte ein Anreiz mehr zum Kampfe sein. Um so merkwürdiger, ja unglaubwürdiger sind die in Umlauf gesetzten Gerüchte, daß manche Juden in der Leopoldstadt für Lueger geradezu eintreten. Trotzdem wollen wir sie verzeichnen. Sie. sind ein Beitrag zum Verständnis der y^^s^k-

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