Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 42 (23.10.1908)
- Date
- 1908-10-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Hindernis für die unwiderstehliche Bewegung bilden, die dieses Land auf dem Wege des Fortschritts und der Zivilisation vorwärts treibt Das ist .ein großer Dienst, den Sie uns" leisten können. Wenn Sie ihm den hinzufügen, daß Sie auch Ihrerseits zum allgemeinen "Fort- . schritt beitragen; wird man Ihnen dankbar sein, und von letzt ab wird diese Dankbarkeit der einzige Ehrentitel eines guten Regierungsbeamten sein. Wir werden glücklich sein, Ihre Taten im Dienste des Landes zu sehen, und wir ersuchen Sie dringendste sie zu allgemeiner Befriedigung auszuführen. Wir dürsten nach Fortschritt und Reformen. Wir sind ihrer seit 32 Jahren beraubt gewesen, wir haben die schönsten Jahre unserer Jugend unter einer Stickluft des alten Regimes verbracht. Sie müssen begreifen, Sie, der Sie sich in derselben Lage befunden haben, welch stürmische Bewegung uns vorwärts treibt. Sie brauchen nur einen Blick um sich zu werfen, um zu sehen, was Sie tun müssen. - Die Städte und Dörfer befinden sich in der traurigsten Lage. Mit Ausnahme von wenigen Punkten sind Ackerbau und Viehzucht überall verlassen. Handel und Industrie sind kaum entwickelt. Die städtische und ländliche Verwaltung läßt fast alles zu wünschen übrig. Die Gesetzgebung ist voller Schliche, die Rechtsprechung hinkt, und die Gerechtigkeit ist in diesem Lande nicht blind. Ihr Arbeitsfeld ist also ungeheuer und bietet einem Beamten die schönste Hahdlungsmöglichkeit wenn Sie sich Ihrer Aufgabe ernstlich widmen wollen. Wollen Sie sich darum, Exzellenz, aufs schnellste ans Werk geben, und die Bewohner dieses Landes werden Ihnen weder die weitgehendste Mitarbeit noch die wärmste Ergebenheit vorenthalten. Vor allem aber beachten Sie dieses wohl, Exzellenz : Wenn das Volk bisher nichts war, ist es bestimmt, in der Zukunft alles zu sein. J. Levy Antwort Sr. Exzellenz Subhi Bey, Gouverneurs von Jerusalem Ich habe den an mich gerichteten offenen Brief gelesen. Ich will auf die gute Aufnahme, die ich seitens der Bewohner dieses Sandschaks erfahren habe, durch meine Bemühungen antworten, ihnen zu' dienen. Damit .bin ich jetzt beschäftigt Die Linie meiner Arbeit wird, wie folgt sein: Ich werde bemüht sein, die Mittel zu beschaffen und zu vermehren, die den Handel ermutigen, den Ackerbau ausbreiten, den Wohlstand aller Bürger sichern, Verkehrswege erhalten und schaffen, das Land erschließen, das Eigentum sichern, die Lage der Städte und Dörfer verbessern, neue Schulen errichten, die Handhabung der Gerechtigkeit gewährleisten und allen Bürgern ohne Ausnahme Freiheit und Gleichheit gewähren. Das ist mein Programm. Auf der andern Seite haben Sie meinen Rechenschaftsbericht über die erste Woche meines Aufenthalts in Jerusalem: ■•' Ich habe alle Klagen und Beschwerden entgegengenommen und geprüft, die vor mich gebracht worden sind, und ich habe sie vor die Instanzen gebracht, die gesetzlich dafür zuständig sind. Ich habe unter dem Vorsitz des Oberstleutnants Noury Bey, Direktors der Verwaltung der Kaiserlichen Domänen, eine aus sachverständigen Personen bestehende Kommission eingesetzt die die landwirtschaftlichen Bedürfnisse des Sandschaks zu' prüfen und mir einen Bericht über die Ergebnisse ihrer Untersuchungen, zu unterbreiten hat Ich habe die Kaufleute zu dem Zwecke eingeladen, eine- Handelskammer zu bilden, die sich des Konsularkorps hätte bedienen können; aber auf Vorschlag der Israeliten, die sich mit ihren hohen Feiertagen entschuldigt haben, habe ich beschlossen, die Konstituierung dieser Kammer auf nächsten Montag zu verschieben. Nachdem ich den außerordentlichen Notstand wahrgenommen habe, unter dem die Stadt durch den Wassermangel leidet, habe ich einem energischen Manne das Studium des Projekts der Irrigation der Wasser des Arroube anvertraut sowie das der Bildung einer Gesellschaft, die das nötige Kapital zu diesem Unternehmen beschaffen soll. Ich habe mich in Verbindung mit der Eisenbahngesellschaf t Jaffa-Jerusalem gesetzt um sie einzuladen, das Projekt einer Verbindung ihrer Linie mit der von Haifa-Damaskus zu studieren, und um so den freien und leichten Verkehr der in Jaffa und Jerusalem ankommenden Reisenden auch durch andere Eisenbahnen zu sichern. Endlich habe ich der Stadtverwaltung aufgetragen, sich mit dem Projekt der Kanalisierüng der Stadtabwässer zu Das sind die Fragen, die mich während der ersten Woche meines Aufenthaltes beschäftigt haben. Ich flehe den Ewigen an, mir zu erlauben, die gute Ausführung all dieser Pläne und all der Arbeiten, die mir anvertraut sind, zu sehen. Ich wiederhole hier, was ich schon mehrfach erklärt habe: Ich will nicht nach meinen Worten, sondern nach meinen Taten gemessen werden. Die Taten indessen verlangen, im Gegensatz zu den Worten, Zeit um sich der Öffentlichkeit zu zeigen. Alle meine Bemühungen sind darauf gerichtet, diese Zeit der Erwartung abzukürzen. Subhi, Gouverneur von Jerusalem Eröffnung der Agentur der A. P. C. in Haifa Am 1. Oktober ist die seit längerer Zeit geplante Agentur der Anglo Palestine Company in Haifa eröffnet worden. FEUILLETON DER KLEINE MORIZ Von Otto Abeles, Wien Er hat uns gerade noch gefehlt, der berüchtigte Kleine. Hat den zerzausten Kopf voll Bettfedern, trägt einen kompletten Speisezettel auf der speckigen Jacke und bohrt mit den schwarzgeränderten Fingern beständig in der Nase, so daß ihn der Lehrer mahnen muß, „sich nicht so viel herauszunehmen". Geht eine ganze Woche „hinter die Schule", — wer weiß, wo er den Leuten falsches Geld anhängt, — und ist, zur Rede gestellt, mit den frechsten Lügen bei der Hand. Hat überhaupt nur mehr Sinn fürs Schachern und addiert beim Kopfrechnen in der Rechenstunde: „50 + 60 ist 1,10 Krone". Bringt von zu Hause — der Apfel fällt nicht weit vom Stamm — die gröbsten Zoten in die Schule und sagt sie mit zynischem Gleichmut dem Lehrer ins Gesicht. Kurz: Ein grundverderbter Junge, ein gefährlicher Taugenichts und überdies ein Ekel. Mit seinem christlichen Namensvetter aus Wilhelm Buschens Bubengeschichte ist er nicht zu verwechseln. Er hätte die Stückchen ganz anders ausgeführt. Wenn man schon die Witwe Bolte um die Hühner bringen will, so fängt man sie doch ein und verkauft sie, statt sie zwecklos zu würgen. Was man mit dem Erlöse doch spekulieren kann! Und wenn schon der Lehrer Lämpl explodieren muß, so sucht man doch rasch, ehe man die Flucht ergreift, den Tatort nach nützlichen Silberlingen ab. Kommt aber schließlich der gute Onkel hinter alle Missetaten, dann hat man eine längst bereitgehaltene Geschichte bei der Hand, gibt den ahnungslosen Kameraden preis und schiebt alles auf den Max. So hätte es der kleine Moriz gemacht, von dem unsere lieben Mitbürger so gern und so viel erzählen. Denn vornehmlich dadurch unterscheidet er sich von den