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Die Welt · 1908-10-23 · 42 (23.10.1908) · page 6

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
42 (23.10.1908)
Date
1908-10-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Der „Jüdische Jugendverein für den Nationalfondsa-hat seine Tätigkeit begonnen. Neben der Sammelarbeit für den Natioriälfonds wird er sich auch mit dem Studium der hebräischen Sprache, der jüdischen Geschichte und von allem, was geeignet ist, die Kenntnis des jüdischen Volkes und das Interesse für Palästina unter seinen Mitgliedern zu verbreiten, beschäftigen. Der besondere Wert des Vereins liegt in der Zusammenfassung der jüdischen Schuljugend, merkwürdigerweise sämtlicher Schüler aus den nichtjüdischen Schulen, die alle besonders der Erlernung der hebräischen Sprache sich widmen wollen. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß gerade die Jugend der Pflege unserer nationalen Schätze ihr Interesse zuwendet, doppelt erfreulich, da es im ottomanischen Reiche geschieht. Der „Israelitische Turnverein" hat am vergangenen Sonntag zu Ehren Dr. Israel Auerbachs ein Schauturnen veranstaltet, bei welchem Herr Dr. Auerbach als neues Mitglied des Vereins von Herrn Abramovitz vorgestellt wurde. In einer warmen Ansprache drückte der frühere Obmann des Bar-Kochba seine Freude über den ersten jüdischen Turnverein aus und versprach seine weitgehendste Mitwirkung. Die Wahlen Hebron. Die unheilvolle Zwistigkeit unter den Juden hat es verhindert, daß bei den bereits beendeten Wahlmännerwahlen ein Jude gewählt wurde. Die Juden konnten sich nicht auf gemeinsame Kandidaten einigen und zersplitterten ihre Stimmen — mit dem oben angegebenen Resultate. Wenige Stimmen mehr hätten genügt, um wenigstens einen jüdischen Wahlmann durchzubringen. Jaffa. Wir stehen am Beginn der Wahlmännerwahlen, und noch ist von Rührigkeif und Bewegung unter den Wählern kaum etwas zu bemerken. Es fehlt in Palästina vorläufig noch das, was in andern Ländern bei Wahlen als Ferment wirksam ist: die Parteibildung. Der Gegensatz von Stadt und Land, von Bourgeoisie und Proletariat, von arm und reich ist bisher nicht in das Bewußtsein der Massen gelangt, geschweige in festen Parteiorganisationen zum Ausdruck gekommen. Das Volk stellt wirtschaftlich und politisch noch eine völlig unorganisierte Masse dar, in der nur die verschiedenen Konfessionen als engere Gebilde auftauchen. Aber der Gegensatz der Konfessionen ist heute weniger stark als früher, und so entspringt auch hiervon der Wahlbewegung kein Antrieb. Hierzu kommt noch, daß die Wahl eine indirekte ist, und der Wahlmann (delegue) als Einwohner dem engen Bezirke seiner 500 Wähler angehören muß. Da entscheiden natürlich Zufälle, persönliche Beziehungen, wirtschaftlicher Einfluß viel mehr, über die Person des Gewählten als irgendwelche politischen Anschauungen oder Wünsche. Man weiß noch kaum die Namen der christlichen und mohammedanischen Wahlmännerkandidaten. Hier und da finden allerdings Versammlungen statt. Auch die Juden haben eine gewisse Agitation entfaltet und hoffen in Jerusalem und den jüdischen Kolonien 6—8 Wahlmänner durchzubringen. Leider geht es, während in den jüdischen Kolonien über die Person der Wahlmänner erfreuliche Einigkeit herrscht, in Jerusalem nicht ohne Kämpfe im eigenen Lager ab, die letzten Endes in persönlichen Zwistigkeiten wurzeln. Ausstellung des Bezalel Jaffa. Am 2. Tage Chol-hamoed wurde im Bibliotheksaale Schaare Zion in Jaffa eine Ausstellung von Erzeugnissen der Kunstgewerbeschule Bezalel eröffnet. Die ausgestellten Teppiche, Bilderrahmen, Silberfiligranarbeiten und die Zeichnungen der Schüler legten Zeugnis ab von den Fortschritten der Schule. Die Ausstellung war schon am Eröffnungstage sehr stark besucht. Bautätigkeit Jerusalem. In vergangener Woche hat der Verein „Gemiluth Chessed" in der Nähe der Kunstgewerbeschule Bezalel ein Terrain von 75 000 Quadratellen erworben, wo er 200 Häuser zu errichten beabsichtigt. Alljährlich soll ein zinsloses Darlehen zur Erbauung von etwa 20 Häusern gewährt werden, so daß nach etwa 10 Jahren der ganze Stadtteil fertig sein kann. In der Nähe des Stadtteils Sichron Moscheh wurde in den letzten Tagen vom Wolbynier Kolel ein Platz von 7500 Quadratellen angekauft, um 10 Häuschen für die Armen dieses Kolel zu erbauen. Der. Bedell Der Finanzminister hat die ihm unterstehenden Organe davon in Kenntnis gesetzt, daß in Anbetracht der von der Konstitution verlangten Heranziehung der Nichtmohammedaner zum Militärdienst der Bedell (die Militärbefreiungssteuer) nicht - mehr erhoben werden soll. Erfindungsschutz ' Bisher wurden Patente in der Türkei oft. unter der Bedingung erteilt, daß der Patentinhaber die Erfindung, in 3er:Türkei nur mit besonderer Erlaubnis der ^Regierung ausbeuten dürfe, so z. B. für elektrische Maschinen und dergleichen. Bei derartig bedingt efteilten Patenten ruhte dann die Bestimmung des Art 38,2 des türkischen Palentgesetzes, wonach ein Patent verfällt, wenn der Inhaber es innerhalb zweier Jahre nicht ausbeutet. Nach einer in Nr. 1 der amtlichen Zeitung Takwin-i-Wakai veröffentlichten Verfügung des Patentamtes gelten fortan alle mit einer derartigen Beschränkung verliehenen Patente als bedingungslos erteilt, und die Inhaber solcher Patente unterstehen von nun an der Bestimmung des erwähnten Artikels 38,2. Geld hierfür stiftete Herr Ornstein aus Kiew, nach dem auch der Platz „Nachlath Omstein" heißen wird. Auch der Grundstein für den Bau einer jüdischen Anstalt für Geisteskranke wurde in der letzten Woche gelegt. Erstes hebräisches Tageblatt in Palästina Jerusalem. Seit Rosch-Haschana erscheint Ben Jehuda's Organ „Haz'wi" als Tageblatt. Schon in den letzten Wochen des verflossenen Jahres, als durch Verkündung der Verfassung die Preßfreiheit eingeführt wurde, wurde das Blatt viermal wöchentlich (zweimal als Haschkafa und zweimal als Haz'wi) herausgegeben, — die Zeitung hat eine Beilage in französischer und arabischer Sprache mit wichtigen Telegrammen und Lokalnachrichten. Auch die Herausgabe anderer Zeitungen in hebräischer, spahiolischer und -jiddischer Sprache ist, wie es heißt, geplant. Zwei arabische Zeitungen erscheinen hier ebenfalls seit einigen Wochen: eine zweimal wöchentlich, die andere zweimal im Monat Gederah (Katra). In den letzten Tagen haben sich hier einige neue Kolonisten niedergelassen, die 400 Dunam Land von den ChoweweZiori, 300 Dunam von früheren Kolonisten und 300 Dunam von Arabern erworben haben. Die Mandeln- und.Traubenernte ist in diesem Jahre: besser ausgefallen als im Vorjahre, sie ist aber noch immer nicht als gut zu bezeichnen. Die Trauben sind leicht an Gewicht, haben jedoch viel Zuckergehalt Das Programm des neuen Gouverneurs Nachstehend geben wir einen Auszug aus dem Briefwechsel zwischen dem Direktor der Anglo Palestine Company in Jerusalem, Herrn J. Levy, und dem neuen Gouverneur von Jerusalem, Subhi Bey, der, wie wir in unserer letzten Nummer berichteten, In den Spalten der „Haschkafa" .veröffentlicht wurde. Die Antwort des Gouverneurs ist besonders interessant aus dem Grunde, weil sie ein vollständiges und höchst bemerkenswertes Programm des neuen Regierungschefs darstellt. Es gibt sich als ein Produkt durchaus moderner Gesinnung und zeugt von einer nicht gewöhnlichen Strenge der Auffassung der Amtspflichten, wie auch von einer dankenswerten Universalität des Geistes. Offener Brief des Herrn Levy Exzellenz, Sie sind seit einigen Tagen offiziell zum Gouverneur von Jerusalem bestellt Sie sind es nicht ohne daß Sie wissen, - daß' in den Zeiten des alten. Regimes dieser hohe Posten eine Sinekure darstellte. Die früheren Gouverneure begnügten sich damit, zu leben und der großen Zahl derer, die ihrer Verwaltung unterstellt waren, es zu erschweren, zu leben. Das war zur Zeit des alten Regimes! Heute, nach der Proklamation der Verfassung, haben sich^die Auffassungen radikal geändert Sie sind der erste Beamteter Regierung im Sandschak Jerusalem, aber Sie sind auch ihr erster Diener. Sie müssen sich daher vor allem um das Wohlergehen des Bezirkes kümmern, der Ihnen anvertraut ist Sie dürfen kein PALÄSTINA

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