Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 41 (16.10.1908)
- Date
- 1908-10-16
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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machte später Murdjan Vorwürfe, weil dieser die Erzählung vom Stillstand der Sonne auf Josuas Bitte weggelassen und dem Buche den Namen „Buch Josua" gegeben habe, obwohl es nicht mit dem arabischen Buche Josua übereinstimme, dessen Autorität bei den Samaritanern anerkannt ist. (Der Hohepriester nennt das Buch „Sefer Hayamim".) Murdjan antwortete ganz naiv, daß er in sein Buch nur das aufgenommen habe, was er, selbst für wahr angesehen habe, und daß das arabisch-samaritanische Buch „Sifr Jusha'a" diesen Namen nicht verdiene, da es Erzählungen von Dingen enthalte, die vor und nach Josua stattgefunden hätten. Aus diesem Grunde habe er ein Buch kompiliert, das nur die Geschichte Josuas enthalte. ... Wenn ich jetzt den von Luncz veröffentlichten Text mit dem des Herrn Dr. Gastef vergleiche, der genau derselbe ist wie derjenige meiner Kopie, sehe ich, daß der erste die erste Ausgabe dieses Buches darstellt; aber nachdem Herr Luncz seine Kopie erhalten hatte, revidierte der Verfasser den Text und vermehrte ihn, indem er die Sprache verbesserte und die Kapitel von der Landverteilung hinzufügte. Anderseits haben die Kopisten häufig Worte oder Buchstaben geändert. Daher kommt es, daß dieses Buch, das ganz neu ist, bereits in mehreren Lesarten vorliegt" Am selben Tage erschien ein Brief Dr. Yahudas in der „Times", in dem er seine Genugtuung über die Veröffentlichung Luncz' ausspricht, die seine Behauptungen unterstützen. „Hiermit kann," bemerkter, „dieEchtheit oder die Unterschiebung des samaritanischen Josua als endgültig erledigt betrachtet werden." Zwei Tage darauf antwortete Dr. Gaster in einem ausführlichen Briefe, der ebenfalls in der „Times" erschien. Er führt darin aus, daß alle östlichen Entdeckungen Kritik auszuhalten hatten. Sodann beschäftigt er sich mit der Erzählung Yellins von dem Uhrmacher. Diese Erzählung" verlange "eine sorgfältige Untersuchung. Vor fünfzehn Jahren lernte also ein Samaritaner Hebräisch lesen und Schreiben, indessen, nicht sprechen. Acht Jahre später wird der Lehrer des Samaritaners gebeten, interessante samaritanische Manuskripte zu besorgen, und bietet daraufhin selbst an, eine Kopie des samaritanischen Buches ..Josua in Hebräisch zu beschaffen. Woher wußte er von der Existenz eines solchen Buches? Auch hätte die Veröffentlichung gär kein Interesse für Herrn Luncz gehabt, da bereits eine moderne Ubersetzung der Chronik oder des Buches Josua von Kirchheimer 1851 in seinen „Karmei Schomrom" veröffentlicht worden war. Dr. Gaster führt dann aus, daß die Yellinsche Erzählung durchaus nicht übereinstimme mit der Angabe des Herrn Luncz, der die Veröffentlichung seinerseits selbst, wie folgt, eingeleitet habe: „Einer der gelehrten Samaritaner in Sichern hatte die Güte, uns eine Kopie des hebräischen Buches Josua zu geben, die er besaß." Kein Wort stehe da, daß es sich lediglich um eine Übertragung eines modernen Werkes handle. Des weitern habe dann Luncz sich schon damals in der Vorrede zu der Veröffentlichung gegen den eventuellen Verdacht eines Betruges seitens der Samaritaner gewandt, die dazu nicht fähig seien, da ihnen die erforderlichen Kenntnisse abgingen, und ein solches Unterfangen auch nicht lohnend genug sei, da der Abschreiber für seine Kopie nur die geringe Summe erhalten habe, die man für Kopien bezahle, während doch eine Obersetzung natürlich bedeutend mehr Zeit in Anspruch nehme und darum auch bedeutend mehr kosten müsse als das Abschreiben eines Textes. Luncz gibt dann seiner Meinung Ausdruck, daß seine Publikation den hebräischen Text des samaritanischen- Buches Josua darstelle, jedenfalls aber aus sehr alten- Zeiten stammen müsse. / „Das von Herrn Yellin zum Beweise angeführte Zeugnis des "Herrn Luncz spreche also gegen ihn. Das -zweite Beweisstück Yellins ist die Erklärung des Hohenpriesters, den er als einen durchaus vertrauenswürdigen Mann " bezeichnet. Aber diese Behauptung verliert durch Nachfolgendes etwas von ihrer Wichtigkeit Der Hohepriester selbst erklärte einem Gelehrten gegenüber, daß er vor mehreren Jahren das Buch aus dem Arabischen für verschiedene fremde Professoren übersetzt habe, und schrieb das auch mir, als ich ihn um Manuskripte ersuchte. Er sagte aber weiter, daß er selbst der Autor sei, also konnte es sich nicht üm ein altes Manuskript handeln. Damals wußte, ich nicht, was eigentlich, vorging. Dann erinnerte ich mich aus" meiner Erfahrung, daß sie sagen, sie-haften ein Buch geschrieben, wenn sie es nur kopiert" haben. Als ich die dritte Kopie von ihm erhielt, bezeichnete er es als ein „heiliges" Buch, undermußte esdoch wissen. Ich hatte ihn um einen vollständigen und korrekten Text ersucht, und er antwortete mir, daß er alle - Handschriften im Besitze seiner Gemeinde kollationiert habe und mir eine genaue Kopie sende. Das wäre doch wohl eine etwas eigentümliche Sprache für einen Verfasser. Wenn er das Buch übersetzt hätte, was hätte er andere Manuskripte kollationieren müssen? Bei meinem letzten Besuche daselbst habe ich mich auch überzeugt, daß weder" er noch irgend ein anderer der Samaritaner meine hebräische Bibel lesen konnten. Wie konnte er denn den hebräischen masoretischen Text benutzen, wenn er ihn nicht einmal lesen konnte? Um_ihn auf die Probe zu stellen, gab ich .ihm ein anderes Buch zum Obersetzen ins Hebräische, und er unterzog sich dieser Aufgabe für schweres Geld in Gemeinschaft mit drei andern gelehrten Samaritanern. Was herauskam, war weder Hebräisch noch Samaritanisch, ein sklavisches Gemisch ohne Sirin und Verstand, das nur verstanden werden konnte, wenn man es ins Arabische zurückübersetzte. Es scheint nun, daß die Korrespondenz mit Herrn Yellin ihn veranlaßt habe, sich als Autor, aufzuspielen. Ich erhielt von ihm auch die Versicherung, daß kein anderer lebender Samaritaner die Quadratschrift lesen könne. Aber „wenn ich etwas in hebräischer Schrift haben wolle, werde er das Manuskript an einen Freund in Jerusalem senden, der es für ihn übertragen werde". Das ist die zweite Autorität, auf die sich Herr Yellin beruft." Dr. Gaster schließt folgendermaßen: „Das Buch Josua ist alt und kann bloß erklärt werden in der Annahme, daß es die alte Quelle für die arabischen Übertragungen und nicht das moderne Werk eines wundertätigen Samaritaners ist. Die Methoden und die Wissenschaftlichkeit Dr. Yahudas vermag ich nicht ernst zu nehmen. Wenn andere das getan haben, um so schlimmer ist das. Ich habe mich anderswo mit den sogenannten philologischen Argumenten Dr. Yahudas befaßt, und im nächsten Heft des „Journal of the Royal Asiatic Society" werde ich das mit den sogenannten historischen und literarischen Beweisen tun, die vollkommene Unwissenheit und Verdrehung der Tatsachen verraten, und die auf der absoluten Unkenntnis dessen, was ich in der;Times" und dem „Journal of the Royal Asiatic Society" geschrieben habe, aufgebaut sind. Dr. Yahuda entdeckt einen modernen arabischen Text der Erzählung, kann aber nicht den ältesten gedruckten Text von Th. Guil. Joh. Juyribell finden, aus dem einfachen Grunde, weil der Autor des ältesten arabischen Buches Josua in nicht mißzuverstehender Weise angibt, daß er es aus dem Hebräischen übersetzt hat. Noch im Jahre 1688. schrieb der Hohepriester der Samaritaner Marhib an Ludolf, „daß sie das Gesetz von Anfang bis Ende lesen", und er fügt hinzu, „wir haben auch das Buch Josua, aber wir lesen die Bücher der Propheten der Juden nicht". Das alte Buch ist in hebräischer Form in ihrer Chronik aufbewahrt worden, wie ich es dargelegt habe, und wie es von Murdja und dem Vater Abrahams, des Priesters und dem Hohepriester nacheinander kopiert worden ist, und gewiß wird einmal die Zeit kommen, wo das verleugnete alte Original das. Licht wieder erblicken wird. Nicht ein Fetzen eines Beweises ist von irgendeinem der Kritiker gegen die Echtheit des Buches Josua vorgebracht worden." Sefardim in Ungarn Die" ungarische Presse brachte, gelegentlich des Besuchs des Königs von Spanien interessante Notizen über spaniolische Juden in Ungarn, aus denen hervorgeht daß auch in Ungarn eine größere Anzahl sefardischer Juden wohnt, deren Vorfahren zur Zeit der Türkenherrschaft dorthin eingewandert sind. Diese hielten sich von jeher ebenso abseits von Christen und Türken, wie von ihren aschkenasischen Stammesgenossen und waren — vielleicht deshalb — bei den Ungarn besonders angesehen. Man betrachtete sie quasi als den jüdischen Adel. Am frühesten siedelten sich die spaniolischen Juden in Temesvar an, wo man heute noch auf dem jüdischen Friedhofe den Grabstein Assael Azriels finden kann, der 1636 gestorben ist Zur Zeit der Wiedereroberung Ungarns durch die Christen (1716) lebten in Temesvar noch 12 spaniolische Familien. Aus dieser Zeit (1736) datiert eine interessante Verfügung des Kommandanten von Temesvar, Graf Wallach, der diesen sefardischen Juden erlaubte, innerhalb der Stadtmauern zu leben, eine Vergünstigung, von der aschkenasische Juden streng ausgeschlossen waren. Auch wurde ihnen 1760 ausdrücklich erlaubt in ihrer Synagoge Gottesdienst nach ihrem Ritual abzuhalten, eine für die damalige Zeit ungewöhnliche Freiheit. Hier wie auch anderswo bildeten die Sefardim besondere Gemeinden. Der erste sefardische Jude, der sich in Budapest niederließ, war Don Jose Elias, der Urgroßvater des bekannten solarischen Schriftstellers Dr. .Ar. Adolf Agai. Der Großvater des letzteren, auch Don Jose Elias geheißen, gründete die sefardische Gemeinde in Budapest Diese hat erst kürzlich ihre - Selbständigkeit aufgegeben und sich mit der Großgemeinde vereinigt Im allgemeinen haben es die sefardischen Juden in Ungarn weit gebracht, und viele nehmen heute, wenn auch unter anderm Namen, eine sehr geachtete Stellung ein. Heute noch findet man vielfach die Namen AzrieL Asrael, Matjar (das gewöhnlich in Magyar gewandelt wurde), Pereira, Haim, Alcalay, Albachary usw.