Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1908-10-16 · 41 (16.10.1908) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
41 (16.10.1908)
Date
1908-10-16
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3316296-3316338--51149-3378768
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Drum ist dies mein Losungswort, und die es gut mit ihrem Volke meinen, mögen diesen Gedanken aufnehmen und nicht zur Ruhe kommen lassen, bis er verwirklicht ist: „Der nächste Kongreß muß in Palästina tagen!" Ich will jetzt nicht mehr verlangen, will an die Zukunft keine weiteren Forderungen stellen, will nur wie ein Märchen erzählen, daß der Kongreß ja auch weiter in Palästina bleiben könnte. Das Volk Palästinas fühlte wohl eine tiefe Befriedigung in diesem Bewußtsein. Das Wahlstatut des Kongresses könnte ja auch ein klein wenig' geändert werden, nur ein klein wenig, daß palästinensische Juden zu Hundertschaften zum Kongresse wählen, statt zu Zwei- "hundertschaften, um ihnen so einen gewissen Einfluß zu gewähren, die Interessen Palästinas vor allen anderen zu wahren. Auch Nichtschekelzahler Palästinas sollten zum Kongreß wählen können. Was verschlägt's, braucht man in Palästina Zionist zu heißeq, um es zu sein? Ja, ich gehe so weit, — es ist nur ein Märchen, — man könnte auch den übrigen Bewohnern Palästinas, Arabern, Türken, Christen eine beratende Stimme im Kongresse einräumen, dem Kongreß, der in Palästina tagt, versteht ihr mich? Versteht ihr den großen Gedanken der Entwicklung?-- Noch eine Forderung von weittragender Bedentuug, die ohne Mühe zu verwirklichen ist. Eine Rechtssektion muß in Palästina zugelassen werden, Broschüren müssen die Bevölkerung Palästinas auffordern, unverzüglich um die türkische Staatsbürgerschaft anzusuchen, und die Rechtssektion soll ihnen hierbei hilfreich zur Hand gehen. In dem neuen Reichsparlament soll das jüdische Volk seiner Bevölkerungszahl entsprechend neben den andern Völkern der Türkei vertreten sein, um seine uralten ewig neuen Wünsche dem türkischen Volke und der Welt bekanntzugeben. Dr. Hugo Low, Komotau (Böhmen). Anm. d. Redaktion. Wir bringen diese Anregung als Material. Leider hat dieses Projekt vorläufig nur den Reiz der Kuriosität. Wir nennen den verehrten Autor nicht „einen Phantasten und Stürmer", wie er es vermutete; aber wir bezeichnen das Projekt als eine Anregung, die bedauerlicherweise noch verfrüht und unreif ist. Glaubt denn Herr Dr. Low, daß nicht jedem von uns Projekte dieser Art vorschweben, oder glauben es die anderen, die ähnliche Projekte machen? Aber wenn man Zeit und Verhältnisse berücksichtigt, wenn man alle Möglichkeiten, mit denen man. rechnen muß, in Erwägung zieht, so muß man sich sagen: solche Projekte sind zu idealistisch, um schon verwirklicht werden zu können. Man muß noch viel und lange vorarbeiten, die Konsolidierung der Verhältnisse abwarten, Störungen und Inzidente als ausgeschlossen betrachten können, dann werden solche und ähnliche Projekte ganz von selbst, weil sie in der Logik der Entwicklung liegen, ihre Verwirklichung finden. Wir müssen noch lange außerhalb Palästinas für Palästina arbeiten, dort die Sympathien und die Bedeutung, die uns zusteht, gewinnen, die rechtliche Lage sichern, die Vorurteile überwinden und festen Fuß in Eintracht mit allen anderen Bevölkerungselementen fassen, um dort schon tagen zu können. Vielleicht wird das schneller, als mancher annehmen würde, eintreten. Das hängt von der Intensivität unserer Arbeit ab. Zur Schekel- und Parteisteuerfrage In. der letzten Zeit wird von verschiedenen Seiten darüber geklagt, daß die Schekel- und Parteifonds-Eingänge so geringe sind, daß solche durchaus nicht der Anzahl der Zionisten entsprechen usw. Es geht nun m. E. nicht an, immer -die Genossen dafür verantwortlich zu machen, daß die Einkünfte nicht größer werden. Mir scheint vielmehr das System nicht zweckentsprechend und vor allem nicht gerecht. Gegenwärtig ist jeder Zionist, ob reich oder arm, verpflichtet, jährlich mindestens 1 Jl Schekel und 4 <M Parteisteuer zu bezahlen. Für die meisten bedeutet natürlich der Betrag von 1 J(. resp. 5 <M nicht das Minimum sondern das Maximum dessen, was sie in dieser Richtung leisten. Wäre es nicht richtiger, wenn die Leistungen für den Parteifonds und Schekel nach dem Einkommen erfolgten? Der Arme würde nicht zu viel, de-r Reiche nicht zu wenig geben. Ich glaube, daß z. B. der Mindestsatz von 1—2 pro Mille (Tausendstel) des Jahreseinkommens für den Parteifonds ein ganz anderes Resultat ergeben hätte, als der ungerechte Vorschlag, mindestens 4 Jl für jeder- Selbstverständlich müßten auch Quittungen, ausgegeben werden für den Parteifonds, ebenso wie für den Schekel. Das wichtigste ist jedoch die Veröffentlichung der Schekeleingänge oder wenigstens die Zusendung einer Schekelliste an jeden Sehekelzahler des betreffenden Wahlkreises. Diese Liste sollte nicht bloß die Namen und Beträge, sondern auch den Beruf und die Adresse des betreffenden Zionisten enthalten. Bei dem jetzt herrschenden System ist es sehr leicht möglich, daß jemand z. B. 10 JC Schekel bezahlt und entweder mit Absicht oder aus Versehen bloß 1 J6 abgeliefert wird. Die Liste bekommt der Schekelzahler nicht zu Gesicht, hat infolgedessen keine Kontrolle, ob der Betrag richtig oder überhaupt abgeführt worden ist. Ich brauche wohl nicht zu betonen, daß jeder Schekelzahler nur über eine Stimme verfügen darf. Hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bei, daß in Zukunft mit dem jetzt üblichen Modus gebrochen und ein gerechteres System eingeführt wird. Berlin O. 27. Bernard Grünhut ^^^_NOTIZEN Das samaritanische Buch Josua Eine interessante Korrespondenz über die Dr. Gastersche Entdeckung eines samaritanischen Buches Josua wurde jüngst in den Spalten der „Times" veröffentlicht: Zunächst schreibt David Yellin aus Jerusalem und behauptet, daß das angeblich uralte Buch eine durchaus neue Komposition darstelle, und daß es ihm sogar gelungen sei, den noch lebenden Verfasser des Buches ausfindig zu machen; Und zwar sei dieses niemand anders, als der Samaritaner Murdjan (auf Samaritanisch 'Ab Saccuwa), der Sohn von Assa'äd Alsirrawi Aldanfi, eines Kaufmanns in Nablus. Murdjan habe das Gastersche Manuskript direkt aus dem masoretischen Text des Buches Josua und aus samaritanischen Chroniken kompiliert. „Dieser Murdjan, obgleich kein Priester, ist sehr wohl bewandert in der hebräischen Literatur und schreibt fließend Hebräisch. Sogar die Priester wenden sich an ihn, wenn sie Briefe in Hebräisch geschrieben haben wollen. Vor fünfzehn Jahren machte er die Bekanntschaft eines jüdischen Uhrmachers namens Chaim Valosiner, dessen Laden seiner Wohnung gegenüberlag. Dieser Uhrmacher lehrte ihn die hebräische Quadratschrift lesen und schreiben, und auf diese Weise wurde er in den Stand gesetzt, unsere Bibel und andere hebräische Werke zu lesen. Nachdem der Uhrmacher Nablus verlassen hatte, blieb er mit ihm in Korrespondenz, und als er im Jahre 1900 in Jerusalem war, sprach er mit Herrn Luncz über die Samaritaner. Da Herr Luncz ihn bat, ihm interessante samaritanische Bücher für sein Jahrbuch zu verschaffen, erzählte er diesem,'daß er in Nablus einen Samaritaner namens Murdjan kenne, der für ihn das samaritanische Buch Josua in Hebräisch, schreiben könne, und zwar, um die Drucklegung zu erleichtern, in Samaritanisch und Quadratschrift. Drei Monate später brachte der Uhrmacher Herrn Luncz das Manuskript, das in beiden Charakteren geschrieben war. Für dieses Manuskript, das nur sechzehn schmale Seiten Druckschrift ausfüllte, bezahlte Herr Luncz sechzig Francs, was zwanzigmal so viel ist, als die Samaritaner für ihre Kopien verlangen. Murdjan hatte sich also nicht wie ein gewöhnlicher Kopist bezahlen lassen, 'was er aber nach der Meinung Luncz' war. Dieses Manuskript, das füglich als die erste Kopie des Buches betrachtet werden kann, wurde später von Herrn Luncz an den Berliner Buchhändler Poppelauer verkauft. Drei" Jahre später, als Herr Luncz dieses Buch veröffentlichte, bat ich den Hohepriester, mir eine Kopie ihres Buches Josua zu schicken, das sie in Hebräisch besäßen. Er antwortete, daß ihm von der Existenz eines solchen Buches nichts bekannt sei. Nachdem ich ihn darüber informiert hatte, daß ein solches Buch hier veröffentlicht worden sei, und daß ich, da diese Veröffentlichung nicht vollständig sei, ein komplettes Exemplar einer Kopie zu erhalten wünsche, sandte er mir nach einigen Monaten eine von ihm selbst geschriebene Kopie, der er die Kapitel, die die Verteilung Palästinas unter die Stämme behandelte, hinzugefügt hatte, und ohne mich wissen zu lassen, ob es alt oder modern sei, schrieb er mir, daß er es bei einem Mitgliede seiner Gemeinde kopiert habe. Nachdem der Hohepriester und seine Familie durch meine wiederholten Ersuchen darauf aufmerksam geworden waren, daß dieses Buch von- Interesse sei, haben sie seitdem begonnen, Kopien davon anzufertigen und sie zu verkaufen. Auf diesem Wege hat Dr. Gaster dann drei Kopien von verschiedenen Verkäufern erhalten. Aber sie haben niemals, weder Dr. Gaster noch andern Käufern gegenüber, dieses Buch, als Antiquität bezeichnet. Der Hohepriester, der infolge meiner Korrespondenz auf die Besonderheiten des Buches aufmerksam gemacht worden war.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.